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Dez 03

Rezension – Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet

flavia01Die junge Flavia de Luce staunt nicht schlecht, als sie im ersten Morgenlicht das Opfer eines Giftmordes in ihrem Gurkenbeet entdeckt! Da jeder ihren Vater, den sanftmütigen Colonel de Luce, für den Mörder zu halten scheint, nimmt die naseweise Flavia persönlich die Ermittlungen auf. Hartnäckig folgt sie jeder noch so abwegigen Spur – bis sie einsehen muss, dass ihr Vater tatsächlich ein dunkles Geheimnis hütet. Und so befürchtet Flavia schließlich, dass sie vielleicht eine zu gute Detektivin ist.

Als ich mir damals die Bücher dieser Reihe zulegte, hatte ich mich wirklich darauf gefreut. Trotzdem haben sie eine Weile Staub angesetzt, aber dann habe ich mich doch voll Vorfreude an den ersten Band gewagt.
Das böse Erwachen kam schnell.
Das begann bereits damit, dass die Reihe anno Schnee spielt. Das geht bei mir per se gar nicht. Hätte ich das gewusst, hätte ich auf Flavias Bekanntschaft verzichtet. Ich lebe heute und in der Zukunft (hoffentlich), aber 1950 ganz sicher nicht. Ich mag unsere heutige, moderne Welt, und so sollen auch die Geschichten sein, die ich lese. Das gab den ersten Minuspunkt. Allerdings einen, der sicher Geschmackssache ist.
Den zweiten verdankt das Buch seiner Hauptperson. Ich habe nichts gegen 11jährige Helden und Heldinnen, aber sie sollten mir sympathisch sein. Und wenn sie das nicht von Anfang an sind, dann sollten sie es im Laufe der Geschichte noch werden. Flavia hat dies nicht geschafft. Das liegt vor allem an ihrer unglaublich naseweisen Art! Sowas kann ich nicht ab! Speziell bei Kindern und Jugendlichen als Hauptperson. Alle anderen sind blind und dumm, selbst die Polizei, aber die Elfjährige ist voll im Bilde. Na klar doch! Genauso klar wie Flavias Wissen in Sachen Chemie. Viel Zeit, viele Bücher, wenig Kindheit hin oder her, aber die Lütte ist ja auf dem Stand eines Professors! Gute bis sehr gute Kenntnisse hätte ich ja noch hingenommen, aber das ist doch zuviel.  Da ist es auch kein Wunder, dass sie total von oben auf ihre Schwestern und sogar den Vater herabschaut. Im Gespräch mit ihm, oder wenn sie ihn beschreibt, könnte man glatt meinen, er sei das Kind in der Familie.
Blieb noch der Fall selber, auf den ich hoffen konnte. Vielleicht würde er das Ruder noch rumreißen. Leider tat er es nicht. Er fängt mit der Leiche ausgerechnet im Gurkenbeet der Familie de Luce zwar ganz amüsant an, aber diese heitere Note verflüchtigt sich zügig. Vermutlich hat sie die Spannung dabei überrannt, die sich Richtung Story schleppte. Denn die kam niemals bei mir an. Dafür hat mich Flavia zu sehr mit ihren Ausführungen gelangweilt. Sei es über historische Hintergründe ihres Dorfes oder Beschreibungen der Landschaft, seien es ihre Ansichten in Sachen Literatur, ihre Einschätzungen ihrer Mitmenschen oder oder oder…ganz ehrlich, darüber macht sich eine Elfjährige doch keine Gedanken! Schon mal lange nicht in solcher Ausführlichkeit. Und nur höchst selten führt das zu nennenswerten Erkenntnissen für den Fall. Es kann ja gut sein, dass man als Chemiker auf jedes noch so kleine Detail achten muss, aber Flavia seziert jeden Gedanken in diesem Maße!
Das hat bei mir dazu geführt, dass ich keinen Fluss in ihren Nachforschungen gesehen habe. Da hat sie einen Hinweis, eine Idee, geht der nach, dann verfranst sie sich wieder in irgendwelchen nebensächlichen Gedanken, wodurch ich bei den Ermittlungen raus war. Aufkeimende Spannung, adé! Da blieb dann nichts weiter übrig als darauf zu warten, dass Flavia einen weiteren Geistesblitz hat und dem dann vielleicht ohne solche Ausschweifungen nachgehen würde. Tat sie aber nicht.
Den Humor habe ich wirklich angestrengt gesucht. Denn wenn ich bei einem Buch auch mal grinsen oder gar lachen kann, rettet das schon ungemein viel. Flavia hat mich mir nicht einmal ein Schmunzeln abgerungen. Wie auch mit ihrer neunmalklugen Art und ihrer Arroganz?

Ich habe mich wortwörtlich durch dieses Buch gequält. Und ich bin sicher, wenn ich die Passagen übersprungen hätte, bei denen ich es gerne getan hätte, ich hätte dem „Krimi“ trotzdem folgen können und das Ende trotzdem verstanden. Dabei sind die Kapitel gar nicht mal so lang. Normalerweise kein Problem. Aber Flavias Gedankengänge sind einfach anstrengend zu lesen, ihre Schilderungen langatmig und oft schlichtweg öde. Mehr als zwei Kapitel habe ich das nicht ausgehalten.

Das Cover hatte mich damals sofort begeistert. Ich mag es immer noch, auch wenn ich Flavia nun ganz anders sehe. Sie erinnert mich sehr an Wednesday Addams, und so hatte ich sie mir auch vorgestellt. Hübsch, clever, aber böse und finster, mit einem Hang zum Makabren und einem fiesen Humor. Da hat mich das Cover schwer in die Idee geführt.

Fazit:  „Mord im Gurkenbeet“ wird mein letzter Krimi mit Flavia sein. Ich fand ihn einfach sterbenslangweilig. Viel zu viel Drumherum, das von Flavia lang und breit beschrieben wird, sodass ich beim Krimi immer wieder raus war. Hinzu kam noch, dass ich mit neunmalklugen und arroganten Hauptfiguren, speziell wenn es Kinder oder Jugendliche sind, einfach nicht kann. Und der Humor…welcher Humor?


Titel: Flavia de Luce (01) – Mord im Gurkenbeet
Autor: Alan Bradley
Seiten: 400
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3442376247
Preis: € 8,99

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