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Dez 06

Rezension – Remember (Roland Jungbluth)

rememberSie kommen dich besuchen.
Sie sagen, sie sind deine Eltern.
Sie sagen, sie lieben dich.
Doch du hast diese Leute noch nie zuvor gesehen.

Verängstigt und orientierungslos erwacht Annabel eines Morgens in einer psychiatrischen Anstalt. Sie hat keine Ahnung, wie sie dort hingekommen ist. Und was noch schlimmer ist, sie kann sich nicht mehr an ihre Eltern erinnern. Doch sie ist nicht allein. Michael, Eric und George, drei Jungen aus ihrer Schule, teilen ihr Schicksal. Als sie dem harmlos scheinenden Hinweis einer seltsamen Patientin folgen, zieht es sie immer tiefer hinein in einen Strudel geheimnisvoller Rätsel und verstörender Ereignisse. Plötzlich finden sie sich in einer Welt wieder, die sich gegen sie gewandt hat und in der sie niemanden mehr vertrauen können – nicht einmal sich selbst. Auf der verzweifelten Suche nach Antworten und ihren Erinnerungen wandeln sie bald auf einem schmalen Pfad zwischen Realität und Wahnsinn, zwischen Himmel und Hölle, zwischen Leben und Tod. Und ihre Uhr tickt.

Diesen Thriller mit dem auffälligen Cover musste ich einfach habe. Zudem klang das mit der psychiatrischen Anstalt ganz nach meinem Geschmack. Eine solche Klinik ist für mich einer der Schauplätze für einen Thriller überhaupt!  Entsprechend angetan war ich vor Anfang der Geschichte. Die Anstalt konnte ich mir gut vorstellen und es hat mir gefallen, dass sie durchaus so beschrieben wird, dass es einen ein wenig schaudert. Zunächst lernt man Annabel kennen, wenig später dann Michael, George und Eric. Bei den Jungs fiel es mir etwas schwer, sie auf Anhieb unterscheiden zu können. Dafür erfährt man anfangs zu wenig über sie. Später bilden sich dann aber markante Wesenszüge heraus, die die Unterscheidung leicht machen. Dafür brauchte es bei mir etwas Geduld. Und auch Toleranz musste ich aufbringen, denn es stellte sich bald heraus, dass die Geschichte 1969 spielt. Also 11 Jahre früher als eine Geschichte bei mir eigentlich spielen darf. Zum Glück merkt man das Annabel und ihren Freunden nicht weiter an. Würde der Mondflug nicht häufig erwähnt, dann wäre es vielleicht kaum aufgefallen.
Zu Beginn darf man in alle Richtungen vermuten, was mit den Kids vor sich geht. Doch Dank eingeschobener Kapitel, in denen ein Wissenschaftler zu einer großartigen technischen Errungenschaft interviewt wird, knobelte ich bald in eine ganz bestimmte Richtung. Die war allerdings eine heikle Sache, denn „Remember“ ist ja ein Thriller und keine Fantasy! Meine Theorie ging aber klar in diese Richtung. Ich wusste einfach nicht, was ich glauben sollte. Das macht „Remember“ also wirklich gut. Es führt einen ordentlich an der Nase herum.
Und wie das so ist, wenn man sich eine Theorie zurechtgelegt hat, dann sieht man auch an jeder Ecke bestätigende Hinweise darauf. Beziehungsweise, man liest sie aus dem Geschehen heraus. So fand ich es spannend, Annabel und den Jungs bei ihrer Suche nach der Wahrheit zu begleiten. Die Stationen ihrer Suche sind interessant und teilweise mit wirklich tollen Ideen ausgestattet. Ich möchte zum Beispiel gerne mal ein englisches Monopoly-Feld sehen. So kann man also oft staunen, welch augenscheinlich verrückte Entdeckungen die kleine Gruppe macht. Und natürlich grübelt man, wie all das in ein Gesamtbild passen könnte.
Mein Verhältnis zu den Kids wandelte sich im Laufe der Geschichte. Der anfangs höchstens etwas stille und seltsame Junge wurde plötzlich zu einem echten Widerling, dem ich ohne Gewissensbisse das Schlimmste gewünscht hätte. Michael gewann charakterlich an Tiefe, weg vom Eindruck der hirnlosen Sportlers und hin zu einer Person mit Tiefe. Eric habe ich richtig lieb gewonnen. Und die anfangs hilflose Annabel wurde zusehends mutiger. Ich mag es, wenn Figuren sich im Laufe einer Geschichte entwickeln.
Die Auflösung dann lässt mir zwiegespalten zurück. Einerseits ist das eine coole Idee und ich würde das liebend gerne mal selber ausprobieren. Andererseits gibt es so etwas bisher nicht (meines Wissens nach). Deshalb ist es für mich Zukunftsmusik und geht daher schon etwas Richtung Fantasy.  Somit ist „Remember“ für mich kein eindeutiger Thriller, was ich schade finde. Da hätte ich mir einen psychologischeren hintergrund gewünscht als einen so wissenschaftlichen.

„Remember“ ist mit seinen 380 Seiten ist nicht gerade ein Leichtgewicht. Das sieht schon stattlich aus. Es liest sich aber wirklich gut. Man muss sich zwar ein wenig Zeit dafür nehmen, weil es auch viele beschreibende Passagen gibt, doch das tut der Spannung hier nur gut. Die Kapitel haben eine schöne Länge, bei der man mit jedem ein gutes Stück voran. Das Interview, das sich durch das Buch zieht, bietet zsätzlich Abwechslung.

Ich finde den Look des Buch einfach nur genial! Da guckt man sich schwindelig drauf. Und das grüne Auge sieht glatt ein wenig gefährlich aus. Einfach cool!

Fazit:  Ich fand „Remember“ wirklich sehr spannend und hatte mir bald eine Theorie zurecht gelegt. So habe ich Annabel, George, Eric und Michael gerne bei ihrer Suche begleitet und dabei weitergeknobelt, was mit ihnen vor sich geht. Ob ich mit meiner Idee richtig liege. Kurz gesagt, ich lag total daneben. Die Auflösung hat mich also wirklich überrascht. Und cool fand ich sie obendrein. Trotzdem fühlt sie sich im Jahre 2013 noch ziemlich phantastisch an, weshalb ich „Remember“ nicht als reinen Thriller einstufe, sondern als einen Thriller mit Fantasy-Einschlag. Das finde ich etwas schade. Mit dem Schuplatz der Klinik hätte man auch gut bei einem Psychothriller bleiben können.


Titel: Remember
Autor: Roland Jungbluth
Seiten: 380
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401067575
Preis: € 14,99

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1 Kommentar

  1. buchstabentraeume

    Mir hat das Buch auch echt gut gefallen. Auf die Auflösung wäre ich nie gekommen, aber ich glaube, das ist auch sehr schwierig. 😉

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