«

»

Dez 09

Rezension – Boy Nobody – Ich bin dein Freund. Ich bin dein Mörder. (Allen Zadoff)

boynobodyMit 12 Jahren wurde er rekrutiert, um tödliche Missionen zu „erledigen“. Mit 16 ist BOY NOBODY einer der Besten. Weil er keine Fehler macht. Weil er eiskalt ist. Weil er seine Zielobjekte schnell und effektiv aus dem Weg räumt. Seine aktuelle Mission ändert jedoch alles: Denn die Zielperson ist ganz und gar nicht, was sie scheint. Und sie kommt ihm gefährlich nahe. Zu nahe. Aber BOY NOBODY wird auch diesen Auftrag erfolgreich zu Ende bringen. Weil er einer der Besten ist. Weil er keine Fehler macht. Weil er eiskalt ist. Oder etwa nicht?

Bei diesem Buch lockte mich das Cover, aber auch die Geschichte klang dem Klappentext nach nicht verkehrt. Immerhin mal wieder ein Jugendbuch, das nicht in irgendeiner fernen Zukunft und im Elend spielt.
Die Geschichte hält sich mit langen Vorreden nicht auf. Man ist direkt bei einem von Bens Job dabei. Dabei lässt die Story einen zunächst im Dunklen tappen. Es sieht alles nach einer ganz normalen Szene unter Kumpels aus. Doch lange lässt der Schrecken nicht auf sich warten und dann wird deutlich, worin Bens Job besteht. Dieser unmittelbare Einstieg hat mir gut gefallen. Anschließend erfährt man dann von Ben, wie seine Vorgeschichte aussieht, wie er zu seinem Job kam, was mit seinem früheren Leben passierte. Da ich kein Fan ausschweifender Erklärungen bin, hat es mich gefreut, dass Ben stets präzise auf den Punkt genau erzählt, nicht mehr als nötig um den Leser in’s Bild zu setzen.
Ansonsten hatte aber ich ein sehr zwiegespaltenes Verhältnis zu Ben. Einerseits fand ich ihn und seinen Job schon ganz cool. So eiskalte Auftragskiller haben für mich halt stets einen gewissen Reiz. Andererseits habe ich oft einen ganz normalen, durchschnittlichen Sechzehnjährigen vor mir gesehen und mich gefragt, ob es möglich ist, aus so jemandem einen Killer wie Ben zu machen. Ich habe da so meine Zweifel, ehrlich gesagt. Trotzdem habe ich es hingenommen. Auch weil man sich darüber bei so einer Geschichte keine Gedanken machen darf. Jugendliche Leser werden das eh nicht tun und an sie richtet sich das Buch schließlich in erster Linie. Die werden Ben cool finden, und das war er auch für mich.
Allerdings konnte ich mich trotzdem nicht richtig mit ihm anfreunden. Ich habe ihn zwar gerne bei seinen Aufträgen begleitet, aber mitfiebern konnte ich zB nicht. Wie auch, wenn jemand so kalt und gefühllos ist, wie Ben? Stets berechnend und nie ängstlich? Wie soll ich mit einer Figur mitfiebern, wenn mir reglmäßig gesagt wird, dass sie allem und jedem gewachsen ist? Um mich mit einer Figur anzufreunden, muss ich mich an irgendeiner Stelle in sie hineinfühlen können, und das ging hier sehr, sehr lange gar nicht.
Ich hatte gehofft, Bens Begegnung mit seinem neuen Zielobjekt Sam würde daran etwas ändern. Dass in diesem Moment wenigstens ein paar Gefühle reinkommen würden, doch selbst das war nicht der Fall. Ben kommen zwar Zweifel an gewissen Faktoren seines Lebens, aber Gefühle? Kaum der Rede wert! Und Sam steht ihm in Sachen Coolness und Abgebrühtheit kaum etwas nach. So blieb es dabei, dass ich spürbar von außen auf das Geschehen geblickt habe, es mich aber nicht gefangenen nehmen konnte.
Erst zum Ende hin kam dann auch bei mir Spannung auf. Zwar nicht, weil ich plötzlich so dicke mit Ben und Sam gewesen wäre, aber das Ende hält immerhin eine rasante Verfolgungsjagd  und ein paar unerwartete Wendungen bereit, die die Handlung zuvor in ganz anderem Licht dastehen lassen. Das hat Spass gemacht. Außerdem ist das Ende sehr konsequent.
Leider lässt es viel Raum für eine Fortsetzung. Wie ich im Nachhinein erfahren habe, ist dieser Band der Auftakt zu einer Reihe. Das wusste ich zuvor nicht und hatte mich auf einen Jugendroman gefreut, der endlich mal wieder für sich steht. Daher hat mich das offene Ende hier enttäuscht.

336 Seiten hat das Buch, aber es kam mir überhaupt nicht so vor. Ben erzählt in kurzen, klaren Sätzen ohne unnötiges Gequatsche drumherum. Das passt, weil es so militärisch klingt, und es bringt Tempo in den Lesefluss. Richtige Kapitel gibt es nicht. Alle drei, vier Seiten beginnt ein neuer Abschnitt  mit einem fettgedruckten ersten Satz. Weil diese Abschnitte so schön kurz sind, habe ich oft gedacht ‚ach komm, einen mehr noch, ist ja nicht viel‘ und plötzlich waren wieder 100 Seiten dahin. Sowas mag ich.

Beim Cover finde ich vor allem die schattige Darstellung der Stadt im Hintergrund toll. Und mit dem Fadenkreuz und dem leuchtend roten Fadenkreuz ist es auch noch ein echter Hingucker. Schön auch, dass sogar die Buchdeckel ein wenige gestaltet sind. So hat man nicht einfach nur ein nacktes Buch in Händen, wenn man -wie ich- beim Lesen den Umschlag entfernt.

Fazit:   Die Idee von „Boy Nobody“ hat mir richtig gut gefallen, und Ben fand ich wirklich cool! Allerdings konnte ich mich durch seine kühle, abgeklärte und gefühllose Art nicht in ihn hineinversetzen und somit nicht mit ihm fiebern. Dafür brauche ich einen gefühlsmäßigen „Kontakt“ zu einer Figur. Entsprechend hat es mir zwar Spass gemacht, ihm bei seiner Arbeit zuzusehen, aber spannend fand ich es nicht. Das änderte sich erst ganz zum Schluss. Erst da kamen Tempo und Spannung auf, was letztlich von einem erfreulich kompromisslosen Ende gekrönt wurde.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttester Programms!


Titel: Boy Nobody – Ich bin dein Freund. Ich bin dein Mörder.
Autor: Allen Zadoff
Seiten: 336
Verlag: Bloomoon Verlag
ISBN: 978-3845800059
Preis: € 16,99

amazonbutton

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

%d Bloggern gefällt das: