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Dez 21

Rezension – Die hässlichte Tanne der Welt (Annette Bluhm)

haesslichetanneGeschenke kann man umtauschen. Familie nicht. Gänsebratenkalorien, die für immer auf den Hüften bleiben, Weihnachtgedudel in Dauerschleife, die endlose Suche nach dem perfekten Christbaum: Witwe Ursel würde Heiligabend am liebsten ausfallen lassen. Als sie ihrem alten Bekannten Friedrich ihr Leid klagt, ist klar: Auch er hat keine Lust auf Feiertagsstress. Spontan macht er Ursel ein hochromantisches Angebot: gemeinsam dem Weihnachtswahn entfliehen. Wie wäre es etwa mit einer Reise nach Paris? Doch die beiden haben die Rechnung ohne ihre Familien gemacht. Kinder und Enkel hängen schließlich an Traditionen. Und wenn die Tanne noch so schief steht.

Auf meiner Suche nach schönen, vielleicht auch witzigen Büchern für die Vorweihnachtszeit hat mich dieser Titel ganz besonders gelockt. Vielleicht, weil wohl so ziemlich jeder die Suche nach dem perfekten Weihnachtsbaum kennt. Und wenn er dann im Wohnzimmer steht, ist er von perfekt doch weit entfernt.
Mir hat diese Geschichte prima gefallen und zwei vergnügliche Abende beschert. Ursel ist mir schnell sympathisch geworden. Sie ist zwar Witwe und auch schon Rentnerin, aber eindeutig noch topfit. Ich konnte ihre Abneigung gegen Weihnachten und das Drumherum ganz gut navollziehen. Es gibt halt Faktoren um das Fest der Liebe, die einen nerven können. Sei es der Stress in den Läden, das durchgeplante Familienfest oder eben die Suche nach dem idealen Baum.  Glücklicherweise hält sich Ursels Abneigung Weihnachten gegenüber in gesunden Maßen. Man merkt nämlich andererseits auch, dass sie Vieles an diesem Fest doch ganz gerne mag. Beispielsweise das Plätzchenbacken mit den Enkeln, das Zusammensein mit der Familie und einen gelegentlichen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt. Das fand ich so sehr schön ausgewogen. Eine Geschichte, in der nur gegen Weihnachten gehetzt wird, hätte ich nicht lesen wollen. Auch für mich gibt es ein paar Dinge an und um Weihnachten, die ich nicht so mag, andere gefallen mir aber schon. Ich denke, das ist so auch ganz gesund. Und es erhält der Geschichte das weihnachtliche Flair, das sich von der ersten bis zur letzten Seite duchzieht.
Ich mochte auch Ursels Humor sehr gerne, mit dem sie von der Vorweihnachtszeit in ihrer Familie erzählt. Da habe ich manches Mal geschmunzelt. Die Dialoge mit ihren Kunden (Ursel packt im Advent im Kaufhaus Geschenke ein) sind wie aus dem Leben gegriffen, das Chaos beim Plätzchenbacken macht ebenfalls viel Spass und das modernisierte Krippenspiel der Enkel ist schließlich die Krönung. Herrlich! Und wie ein Running Gag zieht sich die Jagd ihrer Tochter Katja nach der heiß begehrten Coloradotanne durch die Geschichte. Ich habe ja Katjas Mann für seine Geduld bewundert.
Allerdings musste ich nach „Coloradotanne“ erstman googeln, und Weihnachtsgurken kannte ich bis zu diesem Buch auch nicht. Ich habe also außerdem noch etwas gelernt bei dieser Lektüre.
Weihnachten ist das Fest der Liebe und so sorgt hier ein kleiner Schuss Romantik für zusätzliche Würze. Ursel trifft ihren alten Bekannten Friedhelm wieder, der sich bald in ihr Herz schleicht. Er ist aber auch wirklich ein ganz Lieber! Ein kleines bisschen romantischer hätte es für mich zwar gerne noch sein dürfen -von Kitsch ist man hier weit, weit entfernt-, andererseits denke ich mir, dass Leute in Ursels und Friedhelms Alter das Thema halt anders angehen als junge Leute. Da geht’s eben nicht drum, bei der ersten guten Gelegenheit übereinander herzufallen. Somit bin ich mit dieser sanften Liebesgeschichte doch ganz zufrieden.
Ein wenig Vorsicht ist aber doch geboten, denn ich habe bei diesem Buch auch einmal ganz fürchterlich geheult. Ein Taschentuch in Reichweite ist also nicht ganz verkehrt.

Ich musste mich schwer zusammenreißen, das Buch nicht an einem Abend zu verschlingen. Es ist so herrlich locker und fröhlich geschrieben, man kann immer mal wieder dabei schmunzeln und die Kapitel haben eine sehr einladende Länge. Ach los, eins noch….und plötzlich ist man durch. Ich finde außerdem, dass solche Countdown-Überschriften ganz von alleine Tempo in’s Lesen bringen. Noch soundsoviele Tage bis Weihnachten, jetzt noch soundsoviele…das spornt an. Wer möchte, kann es natürlich auch in diesen Häppchen lesen. Dann hat man länger etwas davon.

Das Cover finde ich wirklich sehr witzig mit der räudigen Tanne und den beiden Personen, die begraben unter Geschenken dasitzen. Das passt zum Titel der Geschichte. Und schön bunt ist es auch. Ich bin für schöne Farben auf einem Cover ja immer zu haben.

Fazit:  Eine schöne und witzige Geschichte mit viel weihnachtlichem Flair. Ich finde es besonders schön, dass es keine Hetze gegen Weihnachten ist. Natürlich bringt die Vorweihnachtszeit Stress und Nerverei mit sich, aber sie hat auch ihre schönen Seiten. „Die hässlichste Tanne der Welt“ hat von beidem ein gesundes Maß im Gepäck. So ist es eben doch ganz klar eine charmante Vorweihnachtsgeschichte. Und Ursels Begegnung mit Friedhelm sorgt zusätzlich noch für einen feinen Schuss Romantik.


Titel: Die hässlichste Tanne der Welt
Autor: Annette Blum
Seiten: 256
Verlag: Rowohlt Verlag
ISBN: 978-3499227752
Preis: 8,99 (TB)

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