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Jan 12

Rezension – Linna singt (Bettina Belitz)

linnasingtSeit fünf Jahren hat Linna sie nicht mehr gesehen: Maggie, Simon, Jules und Falk, die ehemaligen Mitglieder ihrer Band. Nun treffen sie sich in einer Hütte in den Bergen wieder, um für einen Auftritt zu proben. Linna hatte eigentlich keinen Grund, Maggies Einladung zu folgen, denn was die anderen nicht wissen: Seit damals hat sie keinen Ton gesungen. Doch etwas treibt sie an, sich ihrem alten Leben zu stellen: die Erinnerung an eine Nacht mit Falk, dem Gitarristen. Linna muss sagen, was vor fünf Jahren unausgesprochen blieb, und sie muss hören, ob Falk eine Antwort hat. Bald beginnt die von Anfang an gespannte Atmosphäre zu kippen: Was als zwangloses Wiedersehen geplant war, wird zum zermürbenden Psychospiel, bei dem Linna immer mehr als Lügnerin dasteht. Sie gerät in einen Strudel aus Verdächtigungen, Abhängigkeiten und tragischen Missverständnissen, der sie schließlich zwingt, die Erinnerung an vergangenen Schmerz zuzulassen. Denn dort liegt der Schlüssel zu allem: der Grund dafür, dass Linna nicht mehr singt.

Dieses Buch stand bereits nach nur zwei Kapiteln kurz davor, abgebrochen zu werden. Mir ging Linna mit ihrem „warum sind meine Freunde nicht mehr so wie früher?“-Gejammer tierisch auf den Geist. Nach fünf Jahren? Hallo?! Es soll vorkommen, dass Menschen sich über eine solch lange Zeit verändern. Das sollte man mit Mitte 20 wissen.
Genauso genervt war ich von dem Gezicke zwischen ihr und (speziell) Maggie. Sowas mag ich nicht, weder in Büchern, noch in echt.
Ganz verspielt hatte sie bei mir dann damit, dass sie sich einem Hund gegenüber gemein verhält. Das geht bei mir gar nicht und ich  hatte Zweifel, ob sie diesen Patzer nochmal würde ausbügeln können.
Mit dem Schauplatzwechsel auf die Berghütte ist es ihr aber allmählich doch gelungen. So gesehen hat das grausige Geschehen dort auch sein Gutes.
Außerdem ist so eine einsame und eingeschneite Berghütte einer meiner Lieblingsschauplätze überhaupt. Da wirken solche Psychospielchen gleich doppelt gut. Da bildet „Linna singt“ keine Ausnahme.
Es war sehr spannend zu verfolgen, wie die Vorfälle immer drastischer werden und in welche Richtung sich das Wesen der Freunde entwickelt. Irgendwann wurde ich aus keinem von ihnen mehr schlau, traute jedem von ihnen Ungeheuerliches zu und hoffte bei einigen doch, dass ich mich irren würde. Das gibt der Handlung zusätzlich etwas ausgesprochen Geheimnisvolles und dem Geschehen etwas Bedrohliches. Obendrein mischen auch noch einige wenige Fremde mit. Da weiß man wirklich nie, woran man sich halten kann. Das gibt herrlich viel Gelegenheit zum Knobeln.
Für zusätzlichen Zündstoff sorgt das Beziehungschaos in der Gruppe. Wer mit wem? Und warum überhaupt? Und warum stellt mancher sich so entsetzlich an? Da habe ich Linna oft am wenigsten verstanden. Man kann es sich auch unnötig schwer machen!
Was die Auflösung und die Hintergründe der Psychospielchen angeht, dachte ich zunächst, dass es so einfach doch wohl unmöglich sein kann! Über 500 Seiten und mehr steckt nicht dahinter? Ich war regelrecht entsetzt!
Zum Glück taten sich dann aber doch noch weitere Abgründe auf und weitere Wahrheiten kamen ans Licht. Damit war das Ende einem Roman dieses Kalibers dann doch noch würdig.
Im letzten Kapitel hatte ich nochmal Gelegenheit über Linna den Kopf zu schütteln. Ja, sie war mir nach und nach doch noch sympathisch geworden, aber sie blieb eine Figur, über die ich mit oft sehr gewundert habe.

Es gibt viele beschreibenden Passagen und die Kapitel sind ganz schön lang. Obendrein bin ich aus Linna -die die Geschichte ja erzählt- und ihren Gedanken oft nicht schlau geworden. All das hat meinen Lesefluss ganz ordentlich gebremst. Das Buch ist nicht so leicht zu lesen. Aber es lohnt sich, sich die nötige Zeit dafür zu nehmen.

Was nun Schneewittchen mit ihren sieben Zwergen in einer Schneekugel mit der Geschichte zu tun hat, weiß ich nicht genau. Außer vielleicht, dass Linna ebenfalls schwarzhaarig ist und eine Menge Schnee in der Story vorkommt. Trotzdem mag ich das Cover. Die Schneekugel bildet einen tollen Kontrast zum übrigen Weiß.

Fazit: Mit Linna haben ich mich anfangs total schwer getan. Und auch wenn ich mit nach und nach doch noch mit ihr angefreundet habe, so haben ich dennoch oft den Kopf über sie geschüttelt.  Eine heikle Hauptfigur also. Dafür ist die Story umso spannender. Sie geht unter die Haut und spielt an einem tollen Schauplatz, der für einen solchen Thriller kaum geeigneter sein könnte. Da konnte ich Linnas Schrullen ganz gut verkraften.


Titel: Linna singt
Autor: Bettina Belitz
Seiten: 508
Verlag: Script5
ISBN: 978-3839001394
Preis: 18,95 (HC)

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2 Kommentare

1 Ping

  1. Yvonnes Lesewelt

    Ich muss das Buch für die SuB-Abbau-Challenge lesen. Einmal habe ich es schon abgebrochen. Nun werde ich durchhalten. Mal schauen, was ich hinterher sage.
    LG
    Yvonne

  2. Aki

    Ich mag Bettina Belitz und ihre Bücher und bei dem hier hab ich schon lange überlegt ob ich das lesen mag oder nicht.
    Eine schöne Rezi hast du geschrieben. Ich denke ich leihe mir das Buch mal bei uns aus der bib wenn es da ist und probiere das mal aus.
    Lg
    Aki

  1. Gelesen 2013 | Leserattes Blog

    […] Linna singt (Bettina Belitz) […]

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