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Jan 27

Rezension – Deathbook (Andreas Winkelmann)

deathbookAuf den Gleisen liegt ein Mädchen. Das jämmerliche Kreischen von Metall auf Metall. Ein zerstörter Körper. Unmengen an Blut. Ein Selbstmord? Die 15-jährige Kathi war Andreas Winkelmanns Lieblingsnichte. Der Thrillerautor kann nicht glauben, dass sich das lebenslustige Mädchen das Leben genommen hat, und macht sich auf die Suche nach Hinweisen. Auf ihrem Computer findet er seltsame Videos. Videos, die zeigen, dass Kathi verfolgt wurde. Die Spur führt immer tiefer ins Netz hinein, zu immer grausameren Videos. Worauf hat sich Kathi da eingelassen? Und in wessen Hände ist sie dabei geraten? Als Andreas Hinweise auf eine Webseite namens Deathbook entdeckt, ahnt er, dass Kathi ein tödliches Spiel gespielt hat – und dass sie nicht die Einzige war. Denn wer einmal in die Fänge des Deathbook geraten ist, den lässt es nicht mehr los.

Ich habe schon mehrere Bücher von Andreas Winkelmann gelesen, die mir fast alle gut gefallen haben. Daher war es klar, dass ich auch „Deathbook“ lesen würde. Dafür hätte es die ungewöhnliche Werbekampagne gar nicht gebraucht. Dennoch fand ich sie wirklich gelungen. Auf Andreas‘ Winkelmanns Facebook-Post über seine verstorbene Nichte bin tatsächlich für einen Moment reingefallen. Und auch die kleinen Vorab-Kapitel, die es in den Wochen vor Erscheinen des Buchs gab, haben Spass und Lust auf das Buch gemacht.
Mit Kathias Tod beginnt die Geschichte gleich ziemlich dramatisch und ich konnte Andreas Winkelmanns Verzweiflung, Wut und Unglauben gut nachvollziehen. Das ist das Besondere an diesem Buch, dass der Autor sich selber in den Mittekpunkt der Geschichte stellt. So etwas habe ich bisher noch in keinem Buch angetroffen. Es ist immer wieder schön, auf solch innovative Ideen zu treffen. Da kann man sich dann so ganz nebenbei auch noch fragen, was wohl alles von dem stimmt, was er von sich selbst erzählt.
Seine Nachforschungen um Kathis Tod fand ich wirklich spannend. Außerdem kann man schnell selber mitknobeln, was da geschehen sein könnte und wer dahinterstecken könnte. Das macht mir immer wieder Spass. Gefallen hat es mir auch, dass die Morde -in der Geschichte findet nicht nur Kathi den Tod- ganz schön grausig sind und oft detailverliebt beschrieben werden. Ein stabiler Magen ist da ab und zu von Vorteil 😉 Aber so darf ein Thriller für mich gerne sein.
Die Geschichte spielt abwechselnd an verschiedenen Orten und entsprechend bei unterschiedlichen Figuren. Dennoch bleibt sie übersichtlich, was erwähntes Mitknobeln nochmal interessanter macht. Lediglich der Teil um Ann-Christin war nicht mein Fall bzw Ann-Christin selber. Wie kann man in ihrem Alter so unselbstständig sein? Solche Figuren liegen mir nicht, auch wenn ihnen etwas Schlimmes geschehen ist.
Einen weiteren Pluspukt bekommt die Geschichte für ihr modernes Thema. Denn Winkelmanns Nachforschungen führen ihn bald ins Internet, wo sich ihm schnell ein wahrer Abgrund auftut. Ich bin absolut kein Fan davon, wenn eine Geschichte mahnend mit dem Zeigefinger wedelt, wie gefährlich das Internet und soziale Netzwerke sein können. Wer nicht total hohl in der Birne ist, der weiß das auch so. „Deathbook“ erhebt nicht ein einziges Mal besagten Zeigefinger, und doch kommt die Botschaft an. Wer sich selbst auch in sozialen Netzwerken herumtreibt, der wirft auch so einen Blick auf sein Tun dort. Es geht also auch ohne Holzhammer. Schön!
Auch das hat die Geschichte für mich übrigens besonders gemacht: dass das Internet ein so zentrales Thema ist.
Leider verlegen sich Winkelmanns Ermittlungen später fast ausschließlich in die Wirklichkeit. Das ist zwar weiterhin spannend, aber für mich ging dadurch das gewisse Etwas verloren. Zurück blieb einfach ein spannender und interessanter Thriller, und das sind andere Bücher von Andreas Winkelmann eben auch. An einem recht frühen Punkt hatte ich zudem eine Ahnung, wer der Täter ist, was sich am Ende dann prompt bestätigte. Auffällig unauffällig, mehr will ich dazu hier nicht sagen.
Das Vorhaben des Mörders fand ich ganz cool. Vor allem, mitzuerleben wie er es umsetzt. Auf sowas stehe ich einfach. Ich hätte mir den Täter nur etwas ernsthafter gewünscht. Er wirkte auf mich irgendwie wie ein irrer Professor. Das habe ich als eher albern empfunden, als dass ich vor ihm geschaudert hätte.

Wie jedes Buch, das ich bisher von Andreas Winkelmann gelesen habe, ließ sich auch das „Deathbook“ wunderbar leicht lesen, ohne dass das zu Lasten der Spannung geht. Die Schauplatzwechsel sorgen für Abwechslung, und so haben Längen hier keine Chance. Man braucht allerdings eine gewisse Toleranz Fehlern gegenüber. Davon gibt es einige. Rechtschreibfehler, krude Formulierungen und unnötige Wiederholungen. Das hat mich nach drei Fehlen doch geärgert.

Das Cover ist ein Hingucker mit dem blutigen Rot und der unheimlichen Maske. Das hat mir so sofort gefallen.
Gelungen ist auch die Gestaltung des Buchs an sich. Mit Bildern zu Beginn der Kapitel und beispielsweise kurzen Chatverläufen, die ebenfalls bildlich dargestellt sind. Auch in dieser Hinsicht ist „Deathbook“ etwas Besonderes.

Fazit:  Die Kampagne um „Deathbook“ war etwas ganz Besonderes, und auch die Geschichte beginnt so besonders, verheißungsvoll und spannend. Spannend bleibt sie bis zum Schluss, doch verlegen sich Winkelmanns Nachforschungen irgendwann vom Internet ganz in die Realität. Damit war für mich das Besondere der Story dahin. Sehr schade. Es bleibt aber immer noch ein spannender Thriller übrig. Über die Darstellung der Mörders am Ende habe ich grinsen müssen. Ich hätte sie mir ernshafter gewünscht. So konnte ich ihn nicht wirklich als bedrohlich empfinden. Und dabei hat er doch einen so wunderbar grausigen Plan…! 😉


Titel: Deathbook
Autor: Andreas Winkelmann
Seiten: 448
Verlag: Wunderlich by Rowohlt
ISBN: 978-3805250641
Preis: € 14,95 (Broschiert)

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  1. Gelesen 2013 | Leserattes Blog

    […] Deathbook (Andreas Winkelmann) […]

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