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Jan 30

Rezension – Weißer Schrecken (Thomas Finn)

weisserschreckDie kalte Jahreszeit in Perchtal, einem einsamen Dorf im Berchtesgadener Land, scheint besinnlich wie immer. Bis eine Gruppe Jugendlicher einen grauenhaften Leichenfund macht: Ein junges Mädchen treibt unter dem Eis eines Sees, und es ähnelt den Zwillingen Miriam und Elke auf verblüffende Weise. Doch die beiden wissen nichts von einer Verwandten. Bei ihren Nachforschungen stoßen die Freunde auf ein blutiges Geheimnis, das der Pfarrer des Dorfes hütet. Und sie schrecken dabei eine uralte Macht auf, die ihre Rückkehr in unsere Welt vorbereitet.

Dieses Buch war eine Zufallsentdeckung bei der mich vor allem das Cover sofort begeisterte. Aber auch die Inhaltsangabe klang vielversprechend.
Endgültig eingenommen hatte mich das Buch in dem Moment als ich feststellte, dass sich die Geschichte gar nicht um erwachsene Charaktere dreht. Jedenfalls nicht direkt. Anfangs lernt man die ehemalig besten Freunde zwar kurz als Erwachsene kennen, doch schnell wird deutlich, dass sie etwas zu beenden haben, das seinen Anfang nahm als sie noch Jugendliche waren. Und so entführt einen die Geschichte zurück in die 90er und beschreibt, was den Freunden damals widerfahren ist.
Anfangs hatte ich noch etwas Sorge, dass ich bei der Clique nie durchsteigen würde. Wer wer ist und wer mit wem besonders gut befreundet ist und wer mit wem eben nicht. Doch nachdem die Perspektive in die Vergangenheit umschwenkte, hatte ich genügend Gelegenheit, mir die Freunde zu eigen zu machen. Sie alle haben es nicht gerade leicht im Leben, weshalb sie mir oft leid taten. Doch sie schlagen sich tapfer durchs Leben und halten eisern zusammen. Das hat mir imponiert. So habe ich mich gut mit ihnen angefreundet. Mit einigen allerdings mehr als mit anderen. Aber ich denke, das soll so sein.
Mit dem Fund einer jugendlichen Leiche kehrt Unruhe in das Dorf ein, in dem die Freunde leben. Zuvor wirkte die Szenerie wirklich sehr dörflich und ruhig auf mich, doch mit dieser Entdeckung geht es plötzlich rund. Dabei wird immer wieder schön deutlich, wieviel „Filz“ in dem Dorf existiert und man fängt unweigerlich an, Vermutungen anzustellen, wer in dieser Sache mit drinstecken könnte. Das macht Spass.
Wohin die Nachforschungen der Kinder führen, das hätte ich dabei aber niemals vorhergesehen. Denn in der Angelegenheit scheint auch das Übersinnliche seine Finger mit im Spiel zu haben. Es spielt in „Weisser Schrecken“ eine wichtige Rolle. Genauer gesagt, der Aberglaube, der vor allem in ländlichen Gebieten in Süddeutschland umgeht. Ich bin regulär kein Fan von Mythologie, Sagen und Legenden, doch hier hat es mir wirklich sehr gut gefallen und ich habe mich bei gewissen Szenen ehrlich gegruselt. Mir gefällt vor allem, dass Thomas Finn lange ausschließlich auf Elemente des Aberglaubens in Deutschland zurückgreift. Ja, der deutsche Volksglauben hat seine spannenden und gruseligen Geschichten im Gepäck. Ich hätte es auch nicht gedacht.
So fand ich es ausgesprochen spannend, die Handlung zu verfolgen. Vor allem, weil es einem das Miträtseln nicht gerade erleichtert. Und irgendwie ist man ja auch vernünftig genug um zu wissen, dass es sowas wie Geister nicht gibt. Da ist man hier also stetig im Zweifel, ob man nun daran glauben soll, oder eben nicht. Es fällt einfach schwer, daran zu glauben.
Als es auf das Ende der Geschichte zugeht, wechselt der Blickwinkel wieder auf die mittlerweile erwachsenen Freunde, die ja noch den Ereignissen von damals ein (vorläufiges) Ende setzen wollen. Damit ließ die Geschichte für mein Empfinden ziemlich nach. Das lag vor allem daran, dass sie die Hintergründe ihrer damaligen Erlebnisse so weit vertiefen, dass es nicht nur verwirrt, sondern zum Teil wirklich sehr weit hergeholt wirkt. Und dabei kommt man vom deutschen Aberglauben ab und wendet sich auch der Mythologie und dem Glauben anderer Länder zu. Und nein, die interessiert mich schlicht nicht mehr, nachdem ich sie in der Schule durchkauen musste. Deshalb fand ich es ja so toll, dass man sich bis dahin bei „Weisser Tod“ alleine durch Elemente aus dem deutschen Volksglauben gruseln konnte.

„Weisser Schrecken“ liest sich prima. Es ist toll geschrieben: ernsthaft, wenn es die Handlung erfordert, aber auch jugendlich locker, wenn man mit den Freunden unterwegs ist und sie nicht von irgendwelchen Schrecken verfolgt werden. Das liest sich flüssig weg. Die Kapitel haben eine schöne Länge, sodass man mit jedem ein gutes Stück vorankommt, und sie locken mit Titeln, die sofort neugierig auf das weitere Geschehen machen.

Das Cover finde ich einfach toll! Wie durchdringend und direkt einen dieses Auge anschaut. Und der winterlich eisige Look mit den verschiedenen Blautönen sorgt schnell für ein Frösteln. Das passt zur Handlung.

Fazit:  Da die Erzählperspektive schnell in die Jugendzeit der Freunde wechselt, war „Weisser Schrecken“ für mich schon fast ein Jugendbuch. „Fast“, weil es streckenweise wirklich sehr gruselig ist. Das könnte für jugendliche Leser eine Spur zuviel sein. Dieser Grusel entsteht aus Erzählungen aus dem deutschen Volksglauben.  Das ist mein größter Pluspunkt an dieser Geschichte. Am Ende ließen Spannung und Grusel leider stark nach, zumal Verbindungen zu fremdländischem Aberglauben hergestellt werden, die weit hergheholt und wenig überzeugend wirken.


Titel: Weisser Schrecken
Autor: Thomas Finn
Seiten: 496
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492267595
Preis: € 9,95 (TB)

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  1. Gelesen 2013 | Leserattes Blog

    […] Weisser Schrecken (Thomas Finn) […]

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