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Feb 02

Rezension – Der Atem der Angst (Alexa Hennig von Lange)

atemderangstSieben Jahre der Angst liegen hinter dem verschlafenen Städtchen St. Golden. Denn damals verschwand Louis‘ kleine Schwester, und als man sie fand, war sie tot. Begraben im dichten Wald, der den Ort wie eine geheimnisvolle Wildnis umgibt. Der Täter von damals wurde nie gefasst. Und jetzt scheint er zurückgekommen zu sein, denn die kleine Schwester von Louis‘ Freundin Michelle verschwindet spurlos. Kurz darauf ist auch Michelle verschollen. Während die Polizei nach den Mädchen fahndet, begibt sich Louis verzweifelt selbst auf die Suche. In den weiten Waldgebieten begegnet er Maya, einem seltsam verwilderten Mädchen, das mehr über den Täter zu wissen scheint. Louis und Maya beschließen, dass sie in diesem Spiel nicht länger die Gejagten sein wollen.

Bei diesem Buch bin ich etwas hin- und hergerissen. Die Inhaltsangabe klang so sehr nach meinem Geschmack, dass das Buch nicht lange auf dem SUB lag.
Doch schon gleich am Anfang wurde ich unsicher. Das erste Kapitel gefiel mir sehr gut, so etwas hatte ich mir von der Geschichte versprochen. Das zweite Kapitel, das bei Maya spielt, einem verwilderten Mädchen, das mit seinem Vater seit Jahren einsam im Wald lebt, sagte mir widerum gar nicht zu. Da habe ich nur gehofft, dass ich  jetzt nicht alle paar Kapitel vom Spurenlesen und Nahrungsuchen und Sichverteidigen lesen zu müssen. Solche Wildnis-Storys sind nicht Meins. Glücklicherweise ging es mit Kapitel drei dann wieder in die Zivilisation.
Später habe ich diese Schauplatzwechsel schätzen gelernt. Denn die Kapitel sind nicht lang, und mit diesem stetigen Wechsel kommt merklich Tempo in die Geschichte. Außerdem lädt es geradezu dazu ein, schnell mitzuknobeln was da in dem Dorf und den Wäldern vor sich geht. Immer mal wieder bekommt man Denkanstöße und Elemente an die Hand, mit denen man sich wunderbar mögliche Zusammenhänge überlegen kann. So etwas mag ich bei Krimis und Thrillern wirklich gerne. Und hier funktioniert das richtig gut!
Gefallen hat mir außerdem, dass sich der Killer in dieser Geschichte -für einen JUGENDthriller- wahrlich nicht lumpen lässt. Sein Spiel ist grausam, anders kann man es nicht sagen. Und längst nicht jeder überlebt es. Das ist teilweise ganz und gar nicht ohne, und ich habe manches Mal gedacht, dass diese oder jene Figur die Sache doch wohl unmöglich durchziehen würde. Immerhin wird das Buch Lesern ab 14 Jahren empfohlen! Über dieses Alter bin ich längst hinaus, deshalb darf ich wohl sagen, dass das für meinen Geschmack so genau richtig ist. Ich liebe solch grausame Mörder-Spiele einfach, je scheußlicher, umso besser.
Ein Knackpunkt waren widerum manche Charaktere. Beispielsweise die Kommissarin Heidi, die mich oft tierisch genervt hat mit ihrer Unfähigkeit, Job und Sohn unter einen Hut zu bekommen. Himmel, sie ist erwachsen, sie ist Mutter, da sollte man sowas entweder auf die Reihe kriegen, oder sich eine Alternative überlegen.
Mit Maya habe ich mich -wie schon erwähnt- ebenfalls eine ganze Weile lang nicht anfreunden können. Erst als sie notgedrungen ins Dorf geht und somit in die Zivilisation, kam ich mit ihr besser klar, weil da endlich dieses Ronja Räubertochter-Bild ein wenig verschwand, das ich bis dahin von ihr hatte. Später, als sie zusammen mit Louis unterwegs war, mochte ich sie dann wirklich gerne.
Das Ende war halb überraschend, halb erwartet. Ab einem bestimmten Punkt war ich mir ziemlich sicher, den Täter zu kennen. Mir fehlte nur noch das „Warum“. Mit dem Täter lag ich richtig, das „Warum“ hat mich überrascht und bis zum Schluss in Atem gehalten. Eine schöne Kombination. Ich meine allerdings, die eine oder andere Unlogik in der Auflösung gefunden zu haben. Doch damit muss man bei dieser Story leben. Auch vorher gibt es Szenen, die unlogisch sind. Ich kann über so etwas hinweglesen, wenn der Rest der Story stimmt. Wer das nicht kann, der könnte mit „Der Atem der Angst“ seine Problemchen haben.

Das Buch liest sich weg wie nichts. Alleine durch die Schauplatzwechsel und die meist eher kurzen Kapitel bringt sie schon ordentlich Tempo mit. Aber auch inhaltlich leistet die Geschichte sich keine Atempause. Da will man einfach immer wissen, wie es weitergeht. Ich bin quasi durch die Seiten geflogen. Langeweile kommt bei dieser Geschichte nicht einen Moment lang auf.

Das Cover gibt nichts über die Story her. Mir gefällt es trotzdem sehr gut! Ich mag den Kontrast zwischen dem Schwarz, das einem Thriller immer steht, und dem leuchtenden Grün der wabernden Buchstaben. Das macht was her!

Fazit:  Trotz der einen oder anderen Unlogik und einigen Charakteren, die nicht mein Fall waren bzw es nur langsam wurden, fand ich „Der Atem der Angst“ doch ausgesprochen spannend. Am liebstens hätte ich es in einem Rutsch gelesen. Es schickt einen herrlich grausamen Killer ins Rennen und lädt im Nu zum Mitknobeln ein. Das hat Spass gemacht und traf genau meinen Geschmack. So konnte ich über die einzelnen „Hinkefüße“ an der Story gut hinwegsehen.


Titel: Der Atem der Angst
Autor: Alexa Hennig von Lange
Seiten: 416
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570160923
Preis: € 14,99 (broschiert)

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  1. Gelesen 2013 | Leserattes Blog

    […] Der Atem der Angst (Alexa Hennig von Lange) […]

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