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Feb 05

Rezension – Villa des Schweigens (Ulrike Rylance)

villadesschweigensEigentlich hat Nina die Party nur veranstaltet, um ihre WG-Mitbewohner besser kennenzulernen – jetzt ist Stefans Freundin tot! Selbstmord? Zunächst sieht alles danach aus. Doch dann verschwinden Dinge aus Ninas Zimmer und sie fühlt sich permanent beobachtet. Als sie langsam ahnt, was hier gespielt wird, ist es schon fast zu spät.

Nach „Todesblüten“ war dies mein zweites Buch von Ulrike Rylance. „Todesblüten“ hatte mir damals auf Anhieb nicht so richtig gut gefallen. Nachdem ich einmal darüber geschlafen hatte, sah das aber schon anders aus. Ich stellte fest, dass es doch einiges gab, was mir im Kopf geblieben war, weil ich es gut oder schön fand.
Ohne um den heißen Brei herumzureden muss ich leider sagen, dass es mir bei „Villa des Schweigens“ leider nicht so gegangen ist.
Das liegt nun aber nicht an der Story, denn die bringt an sich alles mit, was ich mir von einem Jugendthriller wünsche. Der Schauplatz, eine Studenten-WG in einer unheimlichen Villa, ist ganz nach meinem Geschmack. Und welche Thriller-Fan kann zu einem Mord schon nein sagen? Das klingt ja schon mehr als deutlich nach Spannung und Gänsehaut!
Leider kann Hektik einem all sowas schnell verderben. Genau das war mein größtes Problem an der Geschichte. Sie wirkt, als habe es eine Seitenvorgabe gegeben, in der sich die Handlung abgespielt haben muss.
So ist es mir nicht gelungen, mich mit Nina anzufreunden und mir die übrigen Charaktere vertraut zu machen. Ich habe zur Kenntnis genommen, weshalb Nina in die WG gezogen ist und dass ihre Mitbewohner sich durchweg ganz schön seltsam benehmen, aber Gefühle sind dabei nicht mitgekommen. Es kamen weder Ninas Euphorie darüber, dass sie endlich auf eigenen Beinen steht, bei mir an, noch das Geheimnisvolle an Julius, das schnell mal ins Bedrohliche umschlägt. Und wenn ich keine Beziehung zu den Charakteren aufbauen kann, kann ich auch nicht mit ihnen fiebern, hoffen, bangen und fühlen. Doch gerade darauf kommt es bei einem Thriller für mich an, denn sonst ist es auch mit der Spannung Essig.
Natürlich wollte ich wissen, was in der WG vor sich geht. Ich habe auch ein wenig geknobelt, wer oder was hinter den Ereignissen stecken könnte, aber atemlos vor Spannung war ich dabei nicht. Dafür ratterte alles viel zu schnell an mir vorbei. Keine Szene wird stimmungmäßig ausgereizt, nicht mal im Ansatz. Zumindest von dem Moment, in dem die Leiche gefunden wird, hätte ich das erwartet. Aber der ist vergleichsweise flott abgehandelt. Schrecken oder wenigsten ein Schaudern hat die Szene bei mir also nicht ausgelöst. Ebenso wenig wie zB die Gedichtzeilen oder die „Zwischenkapitel“ aus Sicht des Täters.
Hinzu kamen noch ein paar Details über die ich schon sehr gestaunt habe. Vor allem über Ninas Praktikum in der Kanzlei, das doch eine Vorbereitung auf die Zeit nach der Schule sein. Und in jedem Fall ist ein Praktikum in meinen Augen etwas, das beide Parteien ernst nehmen sollte. Da habe ich mich sehr gewundert, wie oft Nina früher nach Hause und sogar zum Eisessen (weil gerade so schönes Wetter ist und junge Leute das dann doch gerne tun) geschickt wird. Und auch über die Fälle, die Nina in der Kanzlei begegnen, hätte ich gerne etwas mehr erfahren. Doch das läuft eher nebenbei. Am ersten Tag wird ein Fall zwar noch näher beleuchtet, sodass ich sogar schon vermutet habe, er könnte mit den Vorfällen in der Villa m Zusammenhang stehen, aber dabei bleibt es auch. Das einzige, was für Nina bei diesem Fall herausspringt, ist eine nette Jungsbekanntschaft. Na dann…

Zugute halten muss man dem Buch, dass es sich liest wie nix. Ich hatte es an einem Abend ausgelesen. Die Kapitel sind recht kurz, sodass man sich leicht sagt „ach, eines noch“ und der Erzählstil ist angemessen jugendlich. Wie man es von einem Mädel in Ninas Alter halt erwartet. Viele Dialoge und die Passagen aus Sicht des Täters lockern zusätzlich auf.

Das Covermotiv gefällt mir prima. Schön düster wie es sich für einen Thriller gehört. Und die Blüten und Schmetterlinge bilden dazu einen tollen Kontrast. Ich mag einfach Cover mit intensiven Farben.

Fazit:  „Ville das Schweigens“ konnte mich leider nicht von sich überzeugen. Die Idee der Geschichte ist prima, die Zutaten für einen ordentlichen Thriller sind ebenfalls vorhanden, aber auf mich wirkte die Handlung unheimlich gehetzt. So nach dem Motto „In 240 Seiten muss alles abgehandelt und geklärt sein!“. Dabei blieben für mich Spannung, Atmosphäre und Gefühle ziemlich auf der Strecke. Allesamt Faktoren, die ein Thriller aber braucht um mich zu packen.


Titel: Villa des Schweigens
Autor: Ulrike Rylance
Seiten: 240
Verlag: dtv Junior
ISBN: 978-3423715133
Preis: € 6,95 (TB)

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  1. Gelesen 2013 | Leserattes Blog

    […] Villa des Schweigens (Ulrike Rylance) […]

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