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Feb 19

Rezension – Lügenbeichte (Beate Dölling / Didier Laget)

luegenbeichteEin Augenblick der Unaufmerksamkeit und plötzlich ist Josis kleiner Halbbruder Lou verschwunden. Doch statt ihm findet die Polizei am nächsten Tag die Leiche einer jungen Frau. Unterbewusst kommt Josi die Frau bekannt vor. Doch die Sorge um ihren kleinen Bruder ist so groß, dass Josi sich keine weiteren Gedanken darum macht. Doch dann wird immer offensichtlicher, dass die beiden Verbrechen miteinander zu tun haben.

Dieses Buch und ich hatten einen denkbar schlechten Start, und das noch nicht mal inhaltlich, sondern rein sprachlich. Ich weiß nicht, wer die ersten 23 Seiten des Romans geschrieben hat, aber mein Dank gilt demjenigen, der ihm dann quasi den Stift weggenommen hat.
Ja, es dreht sich vieles um einen Fünfjährigen, aber deshalb muss doch die Geschichte nicht so kleinkindermäßig geschrieben sein! Und dann diese seltsamen Formulierungen! Um ein paar Beispiele zu nennen: „Ihr Herz schlug bis zum Kinn!“ (Aha, ich kannte das bislang als „bis zum Hals“). „Lou zog schmollend seine Lippe vor.“ (Ob er die nicht viel mehr vorGESCHOBEN hat?) „Max hatte sein cooles Atari-Shirt an.“ (Schon etwas platt für einen Thriller, der ab 14 Jahren empfohlen wird. „Max TRUG sein cooles Atari-Shirt.“ hätte die jugendlichen Leser sicher nicht überfordert.) Und was „hauchdünne“ Sandalen sind, weiß ich bis heute nicht! Mir hat sich alles gesträubt dabei. Und Josis und Max erstes Mal wurde mir viel zu lieb- und gefühllos geschildert.
Eigenartigerweise wurde es genau nach diesem Ereignis sprachlich besser. Ich hatte den Eindruck, man habe sich mühselig bis zum dem Punkt gehangelt, an dem sich der Aufhänger für den Thriller ergibt. Kein Kleinkinderton mehr, keine sonderbaren Formulierungen.
Mit Josi hatte ich allerdings zunächst noch meine Probleme. Eben noch turnt sie mit Max im Bett herum, alles wunderschön, aber als er sie trösten will, da hält sie seine Nähe nicht aus? Selbst wenn das eine teenagertypische Gefühlsverwirrung ist, dann muss man ihnen das doch nicht noch in einem Buch mit auf dem Weg geben!
Ich hätte sie schütteln können!
Ich war direkt froh über ihre Angst um Lou, denn die hat sie nach und nach erwachsener wirken lassen. Dadurch wurde sie mir deutlich sympathischer und bald habe ich mich gut in sie hineinversetzen können. So habe ich neugierig verfolgt, was in ihrer Familie geschieht und wie sich das Verhältnis zwischen Josi, ihrem Vater, deren Freundin und Max entwickelt. Dabei tauchen bald die ersten Verdächtigen auf, sodass man rätseln kann, wer hinter Lous Verschwinden stecken könnte.
Etwa in der Mitte hat mich die Geschichte dann wirklich überrascht. Sie hätte an diesem Punkt gut und gerne enden können. Zwar wären dabei die Frage nach dem Täter offen geblieben, aber immerhin hätte man ein Friede-Freude-Eierkuchen-Ende gehabt. Aber natürlich will der Täter noch ermittelt werden.
Das ist zwar ganz spannend, aber ich hatte irgendwie schon die ganze Zeit einen Verdacht bei dem ich mir sehr sicher war. So sicher, dass ich mich gewundert habe, wieso Josi und ihre Familie nicht darauf kommen, denn im Grunde liegt die Antwort offen vor ihnen.
Mit meinem Verdacht lag ich völlig richtig. Trotzdem fand ich das Ende sehr spannend, weil man dort endlich eine Person richtig kennenlernt, von der man bis dahin nur in Nebensätzen gehört hat. Und die waren meist alles andere als freundlich oder objektiv. Deshalb war ich gespannt auf diese Figur, die ziemlich anders war als ich sie mir vorgestellt hatte.

Es ließ sich bei dieser Rezension nicht vermeiden, schon im Text oben auf den Stil einzugehen. Nach diesem katastrophalen Start ließ sich das Buch wirklich prima und leicht lesen. Als hätte es endlich in die Spur gefunden. So musste ich mich zusammenreißen, es nicht in einem Rutsch auszulesen.

Das Cover finde ich toll! So bunt und mit den grellen Farben sieht das Motiv nach allem aus, nur nicht nach Thriller. Das hat mich sofort neugierig gemacht, ob sich dahinter wirklich ein spannender Thriller verbirgt. Mission erfüllt, möchte ich meinen.

Fazit:  Die ersten etwa 23 Seiten fand ich sprachlich so übel, dass ich schon mit dem Gedanken gespielt hatte, das Buch abzubrechen. Aber dann wollte ich doch wissen, wohin Lou verschwunden ist und mit wem. Da es mit seinem Verschwinden auch sprachlich bergauf ging, fiel das Weiterlesen unerwartet leicht. Außerdem wurde die Geschichte dann wirklich spannend. Und das, obwohl ich mir mit meinem ersten Verdacht schon sehr sicher war! Gut, dass ich durchgehalten habe.


Titel: Lügenbeichte
Autor: Beate Dölling / Didier Laget
Seiten: 320
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423782609
Preis: € 6,95 (TB)

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