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Feb 27

Rezension – Am Anfang war das Ende (Stefan Casta)

amanfangdasendeAn einem Dienstag im November geht die Welt unter. Ein sintflutartiger Regen reißt alles mit sich. Auch Judit und ihre Freunde werden fortgespült. Tagelang treiben sie im schier endlosen Wasser umher, bis sie erschöpft an ein Ufer gelangen. Aber das neue Land ist verwüstet und vergiftet. Verzweifelt versuchen die vier Freunde alles, um zu überleben. Doch dann entdecken sie etwas, womit sie nicht gerechnet haben: Sie sind nicht allein.

Auf dieses Buch hatte ich mich sehr gefreut. Mir gefiel das Cover richtig gut und auch der Klappentext ließ auf eine tolle Geschichte hoffen.
Vom Weltuntergang und sintflutartigem Regen ist anfangs weit und breit nichts in Sicht. Die ersten Kapitel nehmen sich die Zeit, die vier wichtigsten Charaktere vorzustellen: Judit, ihren Freund David, ihre Freundin Dinah und Mitschüler Gabriel.
Allzu sehr in die Tiefe wird dabei nicht gegangen. Insgesamt ist es sehr dürftig, was man über die Charaktere an die Hand bekommt. Es reicht gerade mal um sich ein grobes Bild von ihnen zu machen.
Am meisten erfährt man noch über Judit, denn sie ist die Erzählerin. Das fand ich zwar nachvollziehbar, hatte aber zu Beginn große Zweifel, Judit ein Buch lang auszuhalten. Mit ihrer Art bin ich überhaupt nicht klargekommen. Ich finde es schlicht seltsam, wenn jemand den Montag als „Tag des Mars“ oder den Donnerstag als „Tag des Jupiters“ bezeichnet (um zwei Beispiele zu nennen). Und es geht auch meilenweit an meinem Sinn für Humor vorbei, wenn jemand aus Chili con Carne einfach so „Chile con Carne“ macht, nur weil es angeblich witziger klingt. Sehe ich nicht so, das finde ich eher albern. Und das sollte das ganze Buch über so gehen? Bitte nicht!
Ich hatte Glück, denn als das Unheil hereinbricht, sind Judits seltsame Gedanken und ihr eigentümlicher Humor so gut wie vergessen. Da war ich der Sintflut geradezu dankbar als sie über Judits Ort kommt. Auf einer abgerissenen Terrasse als Floß treiben die vier Freunde lange Zeit auf den Fluten. Diese Zeit ist hart, das wird schon hier deutlich. So ahnt man schnell, dass die Zukunft kaum Besseres für die Vier bereithalten wird.
Das stimmt dann auch so. Nach einiger Zeit ist Land in Sicht und sie legen mit ihrem Floß dort an. Die Insel wirkt verlassen, geradezu trostlos. Darüber wölbt sich ein ewig verhangener, grauer Himmel. Das wird alles so detailverliebt und eindringlich beschrieben, dass es auf mich unheimlich gut gewirkt hat. Über dem gesamten Geschehen liegt eine trostlose und bedrückende Atmosphäre. So wird auch gleich sämtliche Hoffnung untergraben, die man beim Lesen eigentlich hätte haben sollen. Ich habe von vorneherein nicht mehr daran geglaubt, dass es für Judit und ihre Freunde nochmal besser werden würde. Schon verrückt, wie leicht das funktioniert hat.
Bei den Freunden herrscht dagegen die Hoffnung zunächst noch vor. Sie unternehmen einiges um eventuell vorbeischippernde Boote oder über die Insel fliegendende Flugzeuge auf sich zu nehmen. Mir hat bei allem, was die Jugendlichen unternehmen, besonders gefallen, dass sie immer zusammenhalten.
Am besten hat mir der Mittelteil der Geschichte gefallen. Als die Freunde einen mehr oder weniger verlassenen Hof finden. Da fand ich manche Entdeckungen richtiggehend gruselig. Denn bald ist es unverkennbar, dass sie wohl doch nicht ganz alleine auf dieser Insel sind. Doch wer ist noch dort? Das wird lange nicht aufgelöst. So hat man reichlich Gelegenheit zum Spekulieren, und das Meiste, was mir dabei in den Kopf kam, das hatte Gänsehautqualität. Das hätte gerne noch länger so gehen dürfen.
Allerdings ahnte ich bereits, dass die Geschichte für mich sofort wieder leiden würde, sobald die Freunde nicht mehr alleine sein würden. So war es dann auch. Im Nullkommanix hatte sich die schaurige Atmosphäre aufgelöst. Schade! Man erlebt zwar weiterhin gefährliche Situationen, die einigermaßen spannend sind, aber das war es dann auch. Mir war das mit den Kämpfen, dem Waffenbau und der Entdeckung in der Stadt schon wieder viel zu viel typisches Endzeit-Elend.
Es war also ein deutliches Auf und Ab mit der Geschichte und mir. Meist leider ein Ab. Vor allem, weil sich mir einfach keine Botschaft, kein Sinn erschlossen hat. Was will Stefan Casta dem Leser mit der Story sagen? Ich weiß es beim besten Willen nicht. Wer es mir sagen kann, gerne, nur zu! Und da auch die wichtigesten Fragen bis zum Schluss nicht beantwortet werden, habe ich das Buch zeimlich enttäuscht und frustriert zugeschlagen

Nachdem ich über den sonderbaren Anfang hinweg war, ließ sich das Buch ganz gut lesen. Judit erzählt flüssig und durch meist kurze Sätze und kurze Kapitel kommt schnell Tempo in den Lesefluss. Später lockern die Passagen mit den Filmaufnahmen noch zusätzlich auf, weil sie drehbuchartig geschrieben sind. sie sind erst recht kurz und knackig gehalten.

Der Look des Buchs gefällt mir nachwievor sehr gut! Ich mag einfach Darstellungen von Wasser. Am liebsten so schön wild wie hier. Natürlich gefallen mir auch die verschiedenen Grün- und Blautöne.

Fazit:  Der Mittelteil der Geschichte hat mir gut gefallen, zumal er richtiggehend gruselig ist. Davon abgesehen konnte mich die Geschichte leider nicht begeistern. Der Anfang wurde mir durch Judits seltsame Ansichten und ihren eigenartigen Humor verleidet. Das Ende dadurch, dass die schaurige Atmosphäre vom Mittelteil dahin war sobald die Freunde heraugefunden hatten, mit wem sie „ihr Land“ teilen. Am meisten hat es mich aber frustriert, dass ich beim besten Willen keinen Sinn oder eine Botschaft in der Geschichte entdecken konnte.


Titel: Am Anfang war das Ende
Autor: Stefan Casta
Seiten: 432
Verlag: Fischer Sauerländer Verlag
ISBN: 978-3737350808
Preis: € 16,99 (Broschiert)

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