«

»

Feb 28

Rezension – Anna im blutroten Kleid (Kendare Blake)

annablutrotCas Lowood hat eine dunkle Berufung: Er ist ein Geisterjäger. Mit seiner Mutter zieht er quer durchs Land, immer auf der Suche nach den ruhelosen Seelen, die oft schon seit Jahrzehnten die Lebenden in Angst und Schrecken versetzen – bis Cas ihrem Treiben ein Ende bereitet. In einer Kleinstadt in Ontario wartet die berüchtigte Anna im blutroten Kleid auf ihn, eine lokale Berühmtheit, deren Leben in den 50er-Jahren ein grausames Ende fand. Seitdem bringt sie jeden um, der es wagt, das verlassene viktorianische Anwesen zu betreten, das einst ihr Zuhause war. Doch bei Cas macht die schöne Tote eine Ausnahme.

Manchmal sollte man sich einfach auf sein Bauchgefühl verlassen. Das riet mir eigentlich von diesem Buch ab, aber ich wollte ihm nicht glauben. So einer klassischen Geistergeschichte gegenüber bin ich ab und zu nicht abgeneigt. Außerdem hatte ich irgendwo gelesen, die Geschichte erinnere an „Supernatural“, eine Serie, die ich eine Zeitlang gerne angeschaut habe. Dass Cas zudem noch ein Jugendlicher ist, ließ mich mein Bauchgefühl endgültig ignorieren.
Und dann stellte sich ausgerechnet er als mein größtes Problem mit der Geschichte heraus. Ganz einfach, weil er mir Dank regelmäßiger Tiefstapelei nicht sympathisch und glaubhaft wurde. Einerseits erwähnt er immer wieder, er sei auch nur ein Teenager, nur eben einer mit einer Mission. Und auf der vollbringe er wahrlich keine Wunder. Viele Aufträge seien eher ein Witz, ließen sich vergleichsweise leicht erledigen und seien nun wirklich kein Grund, sich darauf etwas einzubilden. Andererseits hat er immer wieder Erinnerungen an Aufträge zur Hand, die -im Vergleich- weit dramatischer waren. Und da gibt er dann durchaus ordentlich an! Angeberei mag ich ohnehin nicht, aber hier kam mir Cas‘ Bild von sich selbst obendrein noch ziemlich verlogen vor.
Somit fiel es mir schwer, ihn bei seinem neuen Auftrag zu begleiten. Wenn ich mit der Hauptperson einer Geschichte nicht zurechtkomme, dann fällt mir das immer schwer. Dabei ist die Idee gar nicht mal übel. Ein verlassenes viktorianisches Anwesen, ein Geist um den in der Stadt die grausigsten Gerüchte umgehen, und der sich später tatsächlich als äußerst brutal entpuppt. Gerade Letzteres hat mir ausnehmend gut gefallen, weil ich es für ein Buch, das ab 14 Jahren empfohlen wird, angenehm gewagt empfinde. Ich mag es, wenn Grenzen auf diese Art ausgetestet werden. Über dem Geschehen liegt durchgehend eine gedrückte Atmosphäre. Müsste ich sie in einer Farbe beschreiben, dann würde ich sie als grau bezeichnen. Das steht einer Geistergeschichte ganz gut.
Speziell in den wenigen harmlosen Passagen mit Cas und seinen neuen Freunden hätte für mich aber dennoch gerne etwas mehr Schwung drin sein können. Schon alleine, weil ich Carmel und Thomas wirklich gerne mochte, im Gegensatz zu Cas.
Der Start der Geschichte war also durchwachsen, aber nicht wirklich schlecht.
Bei dem Versuch, Annas Geist zur Ruhe zu bringen, warten allerdings verschiedene Probleme auf Cas. Erstens ist er auf Hilfe angewiesen, was ihm bislang noch nie passiert ist. Das fand ich gar nicht mal schlimm, aber wieso muss es bei dieser Hilfe ausgerechnet auf Voodoo und verschiedene Rituale und Mythen hinauslaufen? Allesamt Themen, die mich -inzwischen- so gut wie gar nicht mehr interessieren. Sobald jemand irgendwelche Kräuter oder andere Utensilien für ein magisches Vorhanben mischt, muss ich mich ehrlich zusammenreißen um den Teil nicht zu überspringen. Wieso konnte man Cas nicht einfach eine ordentliche Waffe in die Hand drücken?
Eine andere, wirkungsvollere als seinen geliebten Athame. Denn mit dem hängt gleich das zweite Problem zusammen. Auf diesen Zusammenhang mit Cas Vater hätte man hier leicht verzichten können. Den hätte ich inmitten der Turbulenzen um Anna nicht gebraucht und wäre nicht böse gewesen, wenn man diese Frage für einen späteren Band der Reihe aufgespart hätte.
Zuletzt und drittens habe ich mich an der Lovestory gestoßen. Wo Cas sich doch so abgebrüht und cool gibt! Und da lässt er sich so leicht auf das gefühlsmäßige Glatteis führen? Da ist es direkt gut, dass keine Romantik aufkommen will. Das hätte ich noch viel weniger geglaubt

Grundsätzlich lässt sich das Buch ganz gut und flüssig lesen. Cas erzählt mit einer ordentlichen Mischung aus Ernsthaftigkeit und gelegentlichen humorigen Formulierungen. Mich hat diese allgegenwärtige gedrückte Stimmung aber manchmal ausgebremst, weshalb ich recht lange für das Buch gebraucht habe. Ich lasse mich nicht gerne von Geschichten runterziehen, und diese Gefahr bestand hier durchaus.

Das Covermotiv gefällt mir prima! Ich mag den Kontrast zwischen den düsteren Grautönen und den blutroten Flecken. Außerdem finde ich, dass das Motiv an klassische Geistergeschichten erinnert. Das ist in meinen Augen heutzutage schon etwas Besonderes.

Fazit:  Die Geschichte um Anna hat mir gefallen. Außerdem finde ich es gut, dass sie ein wirklich gefährlicher und brutaler Geist ist. Gewagt für ein Jugendbuch, doch gerade das macht für mich den Reiz aus. Davon abgesehen konnte mich die Story allerdings nicht begeistert. Cas mit seiner Tiefstapelei gefiel mir gar nicht, der Vergleich mit „Supernatural“ hinkt auf beiden Beinen und wieso gegen Ende Voodoo und Cas‘ Vater plötzlich eine so wichtige Rolle spielen, hat sich mir auch nicht erschlossen. Das Problem mit Anna hätte man bestimmt auf modernere Art lösen können, und das Geheimnis um Cas‘ Vater wäre etwas für einen zweiten Band gewesen.


Titel: Anna im blutroten Kleid
Autor: Kendare Blake
Seiten: 384
Verlag: Heyne fliegt
ISBN: 978-3453314191
Preis: € 8,99  (TB)

amazonbutton

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

%d Bloggern gefällt das: