«

»

Mrz 15

Rezension – Moorseelen (Heike Eva Schmidt)

moorseelenFeline haut von zu Hause ab, weil sie den Dauerzoff mit ihrem Vater nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter nicht mehr aushält. Als sie sich in den charismatischen Zeno verliebt, folgt sie ihm in die Oase eine Kommune junger Leute im Spreewald. Feline ist fasziniert von dem Zusammenhalt und der Fröhlichkeit dieser Gemeinschaft. Weil sie sich nichts sehnlicher wünscht, als genauso glücklich und frei wie die Bewohner der Oase zu sein, lässt sie sich auf die Kommune ein und auf Zeno. Erst als Feline eine schreckliche Entdeckung macht, muss sie erkennen, wie gefährlich Widerstand gegen die Gemeinschaft ist und dass Liebe tödlich sein kann.

Mit langen Vorreden hält sich diese Geschichte wahrlich nicht auf. Bereits der Prolog lässt deutlich durchblicken, dass auf den folgenden Seiten etwas wirklich Grauenvolles auf den Leser wartet. Das macht natürlich neugierig. Da habe ich schnell weitergeblättert.
Zunächst war ich allerdings nicht so richtig angetan. Vor allem nicht von Feline. Ja, ihre Mutter ist vor nicht allzu langer Zeit gestorben und Feline trauert noch immer. Ja, ihr Vater hat sich ziemlich schnell eine ziemlich junge neue Frau gesucht. Und ja, er versucht gelegentlich wirklich, Feline in ihre Schranken zu weisen, wenn sie mal wieder austickt. Aber das finde ich nicht mehr als völlig richtig. Feline ist immerhin mal gerade 16 Jahre alt! Welcher Vater ließe sich eine solch freche und aufmüpfige Tochter schon gefallen? Und auch an Felines Uneinsichtigkeit habe ich mich mächtig gestört. Sie fühlt sich doch so erwachsen und denkt, sie hätte überall den Durchblick. Aber ihren Vater mal zu fragen, wie es ihm in dieser Situation geht, darauf kommt sie nicht. Gegen solche Überheblichkeit habe ich schlichtweg was. Und vor allem habe ich etwas dagegen, wenn der jugendlichen Leserschaft so jemand noch als Hauptfigur an die Hand gegeben wird. Nicht gerade ein gutes Vorbild, das ist mal klar.
Etwas weniger dick aufgetragen hätte die Situation immer noch dafür gereicht, den Grund dafür zu liefern, dass Feline sich zu dem charismatischen Zeno in dessen Kommune zu flüchten.  Da bin ich sicher. Was sie an ihm so toll findet, konnte ich zwar nicht ganz nachvollziehen, aber bitte. Als Leser ahnt man ziemlich schnell, dass Feline damit einen Fehler begeht. Immerhin kennt man ja auch schon den Prolog. Doch auch ohne dieses Wissen blickt man schnell, auf was sich Feline dort einlässt. Ich habe -bildlich gesprochen- ehrlich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen über so viel Blindheit. Und ich war froh, dass Feline sich anfangs noch ihre freche Klappe und einen Blick für Risse in der Idylle bewahrt. Leider gibt sie beides bald bei Zeno ab.
So wenig ich Felines Entscheidung nachvollziehen konnte, so faszinierend fand ich es aber auch, über das Leben in der Kommune zu lesen. Dieses Miteinander, dieses Weitsichtige, dieses Weltverbeserische, es hat durchaus seinen Reiz. Vielleicht weil es so anders ist als in dem Leben, das die meisten Menschen führen? Das kann gut sein. Vielleicht, weil man selber auch solche Momente hat, in denen man nicht mehr so weitermachen will wie bisher? Auch möglich. Irgendwie beängstigend, dass man sie selbst in dem Wissen, dass diese Kommune nichts Gutes bedeutet und hauptsächlich aus Blenderei besteht, noch irgendwo als attraktiv empfindet. Wundert es da, dass solche Gemeinschaften speziell Teenager so leicht ködern können? Nicht wirklich. Alleine das habe ich schon als sehr spannend empfunden.
So richtig dramatisch wird es aber erst mit einer gruseligen Entdeckung, die Feline macht, die ihr aber in der Kommune natürlich niemand glaubt. Es war gleichzeitig verrückt und erschreckend zu lesen, wie Feline sich von ihren neuen Freunden einlullen lässt. Wie ab und zu noch ihr ehemaliger gesunder Menschenverstand durchblitzt, dann aber wieder von den Reden des Leute aus der Kommune zum Schweigen gebracht wird. Ich habe Feline zar geglaubt, aber was da unter den jungen Leuten genau vor sich geht, das habe ich auch nicht sofort durchblickt. Es hat Spass gemacht, gemeinsam mit Feline Licht in dieses Dunkel zu bringen. Und was dabei alles and Tageslicht kam, das hat mich teilweise echt umgehauen.
Ein rasantes und dramatisches Ende setzt dem schließlich die Krone auf. Nicht eine Sekunde lang kann man sich dabei sicher sein, dass die Bösen ihre Strafe erhalten, oder dass Feline der Kommune entkommt und wieder zu ihrem alten Ich zurückfindet. Klasse

„Moorseelen“ liest sich ganz wunderbar. Feline hat eine jugendlich-lockere Art zu erzählen, einen schönen Humor und einen feinen Blick für andere Leuten in ihrer Nähe. Da fliegen die Seiten nur so dahin und Langeweile hat beim besten Willen keine Chance. Die Kapitel sind nicht gerade kurz, aber für ein Jugendbuch auch nicht zu lang. Jedes bringt einen in der Geschichte ein gutes Stück voran. Das ermuntert schnell dazu, immer noch eines mehr zu lesen.

In das Cover bin ich ziemlich verliebt. Dieser blutrote Schriftzug wirkt toll gegen das Schwarz des Hintergrunds. Da hätte ich nicht einmal die Blume gebraucht, ich hätte auch Schwarz und Rot alleine toll gefunden.

Fazit:  Trotzdem ich mit Feline anfangs meine Probleme hatte, fand ich „Moorseelen“ später richtig spannend und erschreckend. Ein tolles Buch für junge Thriller-Fans! Und obendrein eine deutliche Warnung davor, sich selber auf solche Gruppierungen einzulassen. Deutlicher kann man es eigentlich gar nicht vermitteln ohne den moralischen Zeigefinger zu schwingen. Und das kann niemand wollen.


Titel: Moorseelen
Autor: Heike Eva Schmidt
Seiten:  347
Verlag: Ueberreuter Verlag
ISBN: 978-3800057245
Preis: 12,95 (Broschiert)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

%d Bloggern gefällt das: