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Mrz 18

Rezension – Das Rachespiel (Arno Strobel)

rachespielFrank Geissler glaubt an einen Scherz, als er die Website aufruft: Ein Mann, nackt, am Boden festgekettet, in Todesangst. Daneben ein Käfig voller Ratten, unruhig, ausgehungert.
Frank kann den Mann retten, heißt es. Aber nur wenn er Teil des »Spiels« wird und seine erste Aufgabe erfüllt. Angewidert schließt er die Website, doch kurz darauf ist der Mann tot. Und Frank beginnt zu zweifeln. Hätte er dem Unbekannten helfen können? Hätte er nicht sofort die Polizei informieren müssen? Aber es ist zu spät. Und nicht nur für den Toten. Auch Frank ist schon mittendrin. Mittendrin in einem Spiel, in dem er einer der Vier ist, einer der vier Kandidaten, für die es um alles geht. Um ihr eigenes Leben. Aber auch um das Leben aller, die ihnen etwas bedeuten.

Mit „Das Rachespiel“ begab ich mich auf eine neue Runde in der Berg- und Talfahrt, die Arno Strobels Thriller für mich bislang waren. Mit „Der Sarg“ war diese Fahrt ja wieder aufwärts gegangen. Mit „Das Rachespiel“ verläuft die Fahrt nun genau zwischen Berg und Tal.
Ich fange mal mit dem an, was mir an „Das Rachespiel“ gefallen hat. Das ist ganz einfach: ich mag Geschichten um Killer, die kranke Spiele mit ihren Opfern spielen. Das ist zwar spätestens seit „Saw“ nichts Neues mehr, aber wenn es gut gemacht ist, kann ich mich für dieses Schema immer wieder begeistern. Entsprechend angetan war ich von „Das Rachespiel“, wo ebenfalls ein ziemlich kranker Killer seine Spielchen mit den vier Hauptcharakteren treibt. Dass es bei diesen Spielchen ganz gut zur Sache geht, ist noch ein feiner Pluspunkt obendrein.
Genauso gut hat mir der Schauplatz gefallen, an dem die vier durch ihre persönliche Hölle gehen. Solch einen verlassenen Bunker stelle ich mir schon schaurig vor, und dieser hier wird so anschaulich, düster und beängstigend beschrieben, dass es einem beim Lesen das Gruseln lehrt.
Zuletzt sei noch gesagt, dass ich übersichtliche Stories mag. Eine Handvoll Charaktere reicht mir meist voll und ganz. Da habe ich schnell den Überblick und kann mich ganz auf das Geschehen konzentrieren, statt mir erst Massen von Namen merken zu müssen. Schauplatzwechsel muss ich ebenfalls nicht haben. Beide Vorlieben hat mir „Das Rachespiel“ bestens erfüllt. Das hat es mir gleichzeitig leicht gemacht, selbst zu knobeln, wer womöglich hinter dem Grauen steckt, das die Freunde in dem Bunker erleben. Außer ihnen kommt lediglich eine weitere Person dafür infrage. Da kann man leicht Für und Wider der einzelnen Figuren gegen einander abwiegen, und das macht Spass. Hier vor allem, weil man regelmäßig Einblick in die Jugend der vier Freunde erhält. Aus den Ereignissen damals und dem Verhalten der Kinder kann man gut Vermutungen für die Handlung im Jetzt ableiten.
Soweit bin ich mit „Das Rachespiel“ also wirklich zufrieden. Inhaltlich habe ich daran nichts weiter auszusetzen.
Doch so gut ich damit leben kann, einer alten Idee im soundsovielten Aufguss zu bgegnen, es bleibt dabei: diese Idee ist nicht neu und mittlerweile im Thriller- und Horrorgenre mindestens an jeder dritten Ecke anzutreffen. Da bin ich von Arno Strobels Thrillern innovativere Ideen gewöhnt, und das hat mich doch gewundert. Und schade finde ich es -so gesehen- auch. Da wird mancher Strobel-Fan enttäuscht aus der Wäsche gucken, da bin ich sicher.
Natürlich habe ich mich auch gefragt, wieso ich plötzlich einen Strobel-Thriller mit einer Idee von der Stange lese. Ich würde vermuten, dass die Pause seit „Der Sarg“ einfach zu lang geworden wäre, wenn nun erst das Jugendbuch im März erschienen wäre. „Der Sarg“ erschien im Januar 2013. Bis zum „Rachespiel“ hat es also schon ein komplettes Jahr gedauert. Wäre nun erst das Jugendbuch gekommen, wäre diese Pause noch länger geworden. Und ob das akzeptabel gewesen wäre? Für die Leser ebenso wie für den Fischer Verlag? Denn das Jugendbuch erscheint obendrein in einem anderen Verlag, obwohl Fischer ebenfalls eine Jugendbuchabteilung hat.
Wie gesagt: das ist meine ganz persönliche Vermutung und sie ist womöglich völlig falsch. Aber für mich klingt sie ganz sinnig.

Es wäre kein Problem gewesen, das Buch in einem Rutsch zu lesen. Es ist leicht und locker geschrieben, das liest sich weg wie nichts. Langweilig wird es auch nicht wirklich und der Wechsel zwischen der Handlung im Jetzt und dem Geschehen damals in der Kindheit der vier Freunde bringt noch Abwechslung rein. Knackig kurze Kapitel helfen dem Tempo ordentlich auf die Sprünge.

Vom Cover her reiht sich „Das Rachespiel“ nahtlos in die Serie der Strobel-Thriller ein. Einmal mehr wird das Cover vom auffälligen und erhaben geprägten Titelschriftzug beherrscht. Der gebeugt sitzende Mann fällt da erst auf den zweiten Blick auf, macht dann aber doch neugierig.

Fazit:  Ich mag kranke Killer, die ebenso kranke Spielchen mit ihren Opfern treiben. Ich mag solch gruselige Schauplätze und eine überschaubere Anzahl Figuren, bei denen man gut mitknobeln kann. Trotzdem, die Idee der Geschichte ist alles andere als neu. Die liegt auf dem Grabbeltisch mit Thriller-Ideen seit „Saw“ und Co. ganz oben. Und da bin ich von Arno Strobel einfach einfallsreichere Thriller gewöhnt. Deshalb wirkt „Das Rachespiel“ auf mich wie mit der heißen Nadel gestrickt. Als hätte dringend ein Erwachsenenthriller hergemusst, damit die Zeit seit „Der Sarg“ nicht zu lang wird. Und das hat mich erstaunt und auch etwas enttäuscht.


Titel: Das Rachespiel
Autor: Arno Strobel
Seiten: 352
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596196944
Preis: 9,99 (TB)

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