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Mrz 21

Rezension – Noah (Sebastian Fitzek)

noahEr weiß nicht, wie er heißt. Er hat keine Ahnung, wo er herkommt. Er kann sich nicht erinnern, wie er nach Berlin kam, und seit wann er hier auf der Straße lebt. Die Obdachlosen, mit denen er umherzieht, nennen ihn Noah, weil dieser Name tätowiert auf der Innenseite seiner Handfläche steht. Noahs Suche nach seiner Herkunft wird zu einer Tour de force. Für ihn und die gesamte Menschheit. Denn er ist das wesentliche Element in einer Verschwörung, die das Leben aller Menschen auf dem Planeten gefährdet und schon zehntausende Opfer gefunden hat.

Bereits lange bevor „Noah“ erschien ging bereits das Gerücht um, dass dieses Buch mal ein anderer Fitzek-Thriller sei als man es von ihm bisher gewöhnt war. Ein wenig besorgt war ich deshalb schon, aber eben auch neugierig. Und ich glaubte auch nicht wirklich, dass mir ein Roman von Sebastian Fitzek nicht gefallen könnte.
Damit hatte ich völlig recht. Aber ja, es stimmt, einen Psychothriller hält man mit „Noah“ nicht in den Händen.
Noah wurde von dem Obdachlosen Oscar auf den Straßen von Berlin gefunden und kam durch eine „Noah“-Tätowierung zu seinem Namen. Seinen richtigen Namen kennt er nicht, genauso wie er auch sonst rein gar nichts mehr über sich weiß. Ziemlich bald erfährt er allerdings, dass es offenkundig sehr begehrt wird, und das von nicht gerade zimperlichen und mitunter sehr schießfreudigen Menschen und Gruppierungen. Kurz gesagt, aus irgendwelchen Gründen ist man hinter ihm her. Es gilt herauszufinden, weshalb.
Die Geschichte spielt nicht nur bei Noah und Oscar in Berlin, sondern noch an verschiedenen anderen Orten auf der Welt. Beispielsweise in New York und in einem Slum von Manila. Wie üblich hat mich das sofort verunsichert. Es fällt mir immer sehr schwer, bei vielen Charakteren und verschiedenen Schauplätzen den Überblick zu behalten. Da hat es mich ehrlich gefreut, dass ich damit hier gar keine Probleme hatte. Das lag vor allem daran, dass an jeder Figur etwas Besonderes, Markantes war und dass ich zu jeder schnell eine Verbindung aufbauen konnte. So konnte ich gut den Überblick behalten.
Die Geschichte stellt ein heikles, aber wichtiges Thema in den Mittelpunkt. Die Menschheit ist auf dem besten Wege, ihren Planeten zugrunde zu richten. Und sich selber so natürlich gleich mit. Doch was kann man unternehmen um dem zumindest ein wenig Einhalt zu gebieten. Es gibt jemandem, dem ist eine äußerst drastische Idee dazu gekommen und die sorgt -verständlicherweise- für Aufruhr. Von der Politik bis hin zu den Ärmsten der Armen, die noch nicht mal wissen, was los ist. Und auch Noah und seine Freunde kommen der Sache nur langsam auf die Spur, da sie immer wieder in lebensgefährliche Situationen geraten.
Ich fand die Geschichte sehr spannend. Herauszufinden, wer Noah wirklich ist, wer hinter den Plänen steckt, die Welt auf solch drastische Art retten zu wollen, wem es gelingen würde, sein Ziel durchzusetzen, wie es der kleinen Familie in Manila ergeht und natürlich, wie all das zusammenhängt. Oder ob alles nicht vielleicht doch nur eine aufwändig angelegte Täuschung der Menschheit ist.
Gleichzeitig macht die Geschichte darauf aufmerksam, welches Schindluder jeder einzelne Mensch mit der Erde treibt. Das ist so und das lässt sich auch nicht schön reden, aber man darf es nicht falsch auffassen. Zunächst mal wird dabei keineswegs mit dem moralischen Zeigefinger gewunken. Das habe ich nicht ein einziges Mal so empfunden. Für mich war es einfach nur ein Aufmerksammachen und eine Einladung dazu, sich auch mal ein paar Gedanken über den eigenen Umgang mit der (Um)welt zu machen. Aber kein „Du darfst jetzt keine Plastiktüten mehr verwenden!„, um mal ein Beispiel herauszupicken. Hätte ich solche Moralpredigten vorgefunden, hätte ich das Buch ganz sicher gleich bei der ersten abgebrochen. Ohne Wenn und Aber. Aber diese Stupser in die Richtung sich Gedanken zu machen, gut verpackt in eine spannende, rasante und actionreiche Story, die gehen für mich völlig in Ordnung und wirken bei mir auch besser als der moralische Zeigefinger.

„Noah“ ist vom Thema her ganz sicher mal ein anderer Thriller vom Sebastian Fitzek. Allerdings so überhaupt nicht vom Schreibstil her. Es liest sich weg wie nichts. Trotz des ernsten Themas ist es locker und mit einem Funken Humor geschrieben. Die Kapitel sind appetitlich kurz, sodass ich doch immer weitergelesen haben, auch wenn eigentlich nach fünf Kapiteln hätte Schluss sein sollen. Die stetig wechselnden Schauplätze und damit verbundenen verschiedenen Charaktere bringen zudem noch viel Abwechslung rein, was dem(Lese)tempo nochmal auf die Sprünge hilft.

Das Cover ist mit dem weißen Handabdruck auf schwarzem Hintergrund ein Hingucker im Regal. Im Dunklen zeigt sich ein nettes Gimmick: der Handabdruck leuchtet nämlich! Eine schöne Idee!

Fazit:  „Noah“ behandelt klar ein anderes Thema als Sebastian Fitzeks Psychothriller. So gesehen ist es schon anders als seine vorigen Bücher. Ansonsten habe ich keinen nennenswerten Unterschied gefunden. Die Geschichte steht den Psychothrillern in Sachen Spannung in nichts nach, bringt nur obendrein noch einen gehörigen Schuss Action mit. Dabei steht ein ernstes und wichtiges Thema im Mittelpunkt, das jedoch nie mit erhobenem Zeigefinger behandelt wird, aber dennoch zum Nachdenken anregt. Geschrieben ist es, wie man es von Sebastian Fitzek kennt. So dass man es am liebsten in einem Rutsch lesen würde. Mir hat es sehr gut gefallen!


Titel: Noah
Autor: Sebastian Fitzek
Seiten: 560
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3785724828
Preis: 19,99 (HC)

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