Mrz 27 2014

Rezension – Weit weg im Outback – Unser Leben in Australien (Urs Wälterlin)

weitwegoutbackUrs Wälterlin hat den Traum vieler Großstädter wahr gemacht: Er lebt mit seiner Frau und den beiden Söhnen mitten im australischen Busch. Umgeben von Eukalyptusbäumen kämpft der Hobby-Alphornspieler im beschaulichen Greentown mit seiner Familie gegen Überflutungen und Waldbrände an, sie scheren Schafe und suchen nach immer neuen Mitteln, um die Kängurus davon abzuhalten, den Salat im Garten zu fressen. Das Aussie-Provinzkaff ihrer Wahl ist wie ein Mikrokosmos von Australien: übersichtlich, liebenswert, freundlich – und gelegentlich furchtbar nervig.

Dieses Buch war eine Zufallsentdeckung, bei der mich nicht nur das Cover ansprach, sondern auch der Titel. Beides versprach ein amüsantes Buch über eine Auswandererfamilie. Da Australien zu meinen Traumzielen gehört und ich jeden verstehen kann, der den Schritt dorthin wagt, kam ich an diesem Buch nicht vorbei.
Im Nachhinein jetzt muss ich leider sagen, dass Cover, Titel und selbst der Klappentext ziemliche falsche Erwartungen schüren. Dem Klappentext entsprechend hatte ich mich über interessante und amüsante Episoden aus dem Leben der Auswandererfamilie gefreut. Eben ein heiterer Blick hinüber auf den fünften Kontinent.
Das stimmt allerdings nur bedingt so. Natürlich geht es um Familie Wälterlin. Darum, wie es dazu kam, dass sie ausgewandert sind. Darum, wie sie sich nach und nach ihr eigenes kleines Reich in dem Nest im Outback geschaffen haben, und wie sie dort leben. Da Urs Wälterlin als Journalist viel in Australien umher reist, bekommt man dabei auch einen Blick auf andere Gegenden dieses Kontinets gewährt, was für Abwechslung sorgt. Das fand ich ganz interessant und oft auch ziemlich spannend. Genauso wie die kleinen Abenteuer, die die Familie beim Bau ihrer Häuser erlebt. Oder wenn sie sich im Alltag mit den Australiern auseinandersetzen müssen, die sich von der Mentalität her doch sehr von der schweizer Familie unterscheiden. Das hätte für meinen Geschmack gerne das ganze Buch hindurch so weitergehen können, denn genau so etwas hatte ich erwartet.
Was ich klar nicht erwartet hatte, sind Moralpredigten darüber wie es in der Politik in Australien zugeht oder wie man auf diesem Kontinent mit der Landschaft und dem Klima umgeht. Und ich war auch nicht darauf vorbereitet, mich durch Wälterlins Kampf mit der Lokalpolitik lesen zu müssen. Das darf jetzt bitte niemand falsch verstehen. Ich finde nicht, dass all das uninteressant ist. Ganz im Gegenteil: sicher geht in Australien politisch einiges schief, selbstverständlich sollte man dort mit Land und Klima pfleglicher umgehen, keine Frage!
Aber mich erinnerte all das mehr an ein informatives Sachbuch, und das hatte ich mir nach dem Klappentext so nicht vorgestellt. Ich hätte gerne mehr über die Familie gelesen. Zum Beispiel mehr über die Bauarbeiten an den Häusern, mehr darüber, wie es den Kindern in der Schule ergeht, oder über den stetigem Kampf mit der Tierwelt wie salatfressenden Kängurus oder gefährlichen Schlangen. Urs Wälterlin spricht alle diese Themen zwar an, schlägt aber immer direkt einen Bogen hin zu allgemeinen Problemen, die Australien betreffen und damit zusammenhängen. Und das hat für mich auch nicht viel mit „Unser Leben in Australien“ zu tun, denn um die Familie geht es dabei häufig nur im Ansatz.
Dabei bleibt auch etwas auf der Strecke, worauf ich mich bei diesem Buch besonders gefreut hatte. Der Humor nämlich! Der Klappentext klingt nach einem Buch, bei dem man gerne mal schmunzeln oder lachen kann und das Covermotiv sieht ebenfalls ganz lustig aus. Ich weiß es nicht genau, aber wenn es hochkommt, dann habe ich während des gesamten Buchs höchstens fünfmal gelächelt oder gegrinst. Ziemlich dürftig für meinen Geschmack.

Für mich ließ sich das buch ganz unterschiedlich lesen. Die Kapitel zuhause bei der Familie, ihrem Haus, den Nachbarn usw flogen nur so dahin. Dagegen fielen mir Urs Wälterlins Ausführungen über Politik, Umwelt usw oft ganz schön schwer. Die entsprechenden Kapitel zogen sich so ganz ordentlich. Dabei sind sie keineswegs länger.

Das Cover gefällt mir immer noch sehr gut. Es sieht lustig aus und das Känguru mit seinem Kleinen sind ausgesprochen niedlich geraten. Das macht so wirklich Lust auf dieses Buch.

Fazit:  Ich bin wohl mit falschen Erwartungen an dieses Buch herangegangen. Schuld daran sind der Klappentext und das Cover, die beide eine heitere Lektüre über eine Auswandererfamilie versprechen. Da erwarte ich halt keinen kritischen Blick auf Land, Leute und Politik, sondern mehr Episoden aus dem Familienleben, bei denen man auch mal lachen kann. Sicher sind das wichtige Themen, aber darauf ist man nach einem ersten Blick auf das Buch halt nicht vorbereitet.


Titel:  Weit weg im Outback – Unser Leben in Australien
Autor: Urs Wälterlin
Seiten:  368
Verlag: Ullstein Verlag
ISBN: 978-3548285351
Preis:  € 9,99

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1 Kommentar

  1. Danke für die ehrliche Meinung zu dem Buch 🙂 Ich würde bei solchen Layouts vermutlich auch eher ein lustiges Buch erwarten aber dank deiner Rezi bin ich jetzt gewarnt 🙂 Vielen Dank 🙂

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