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Apr 05

Rezension – In guten wie in toten Tagen (Gina Mayer)

gutetotetageHelenas Hochzeit soll das gesellschaftliche Ereignis des Jahres werden: Das Kleid, die Torte, die Gäste alles muss perfekt sein, wenn sie vor den Altar tritt. Vor allem aber ist der Bräutigam perfekt: Tom Schenker, von allen Schülerinnen angehimmelter Vertrauenslehrer des Gymnasiums. Helena war schon in ihn verliebt, als er noch ihr Deutschlehrer war. Genau wie die meisten ihrer Freundinnen. Eine Woche vor der Hochzeit steigt der klassische Jungesellinnenabschied. Bis spät in die Nacht ziehen die jungen Frauen, beschwingt und reichlich alkoholisiert, durch die Bars und Clubs der Stadt. Zum krönenden Abschluss werden noch ein paar Pillen eingeworfen. Am nächsten Morgen ist Helena verschwunden und Tom wurde brutal ermordet. Und keine der Freundinnen kann sich erinnern, was in der Nacht wirklich passiert ist.

Als ich dieses Buch zum ersten Mal in Händen hielt, wusste ich nicht so recht. Ein Thriller lockt mich immer. Aber diese Thematik mit der Hochzeit usw, die hielt mich lange ab.
Nun habe ich das Buch endlich gelesen und ganz unbegründet waren meine Bedenken nicht. Cara mochte ich sofort, sie war nicht das Problem. Mir war es nur tatsächlich anfangs zu viel „Weiberkram“. Hochzeit, Junggesellinnenfeier, Brautkleid, Hochzeitstorte…nee, das ist nicht mein Thema, damit begeistert man mich nicht, sondern schreckt mich ab. Hinzu kam noch, dass ich von Caras Schwester überhaupt nichts hielt! Wie kann man so egoistisch sein? Und keiner merkt das so wirklich, stattdessen tanzt tatsächlich alles nach ihrer Pfeife! Ich hätte Cara -so sehr ich sie mochte- manches Mal schütteln mögen!
Aber es wurde belohnt, dass ich diesen schwierigen Start durchgehalten habe.
Denn als der Mord geschehen war, da zog die Story plötzlich gewaltig an. Schnell stellte sich heraus, dass Helena unter ihren angeblich besten Freundinnen gar nicht so beliebt war wie sie selber -und auch Cara- immer dachte. Diese Entwicklung hat mir prima gefallen. Schon alleine, weil ich mir vorher nicht vorstellen konnte, dass man eine Person wie Helena dauerhaft aushalten und mögen kann. Ich war entsprechend auch nicht böse als man sie aus dem Verkehr zog.
Ich mag es außerdem immer gerne, wenn ich es bei einem Krimi oder Thriller mit einem überschaubaren Personenkreis zutun habe. Eben so wie hier mit Helena, ihren sogenannten Freundinnen, Cara und deren Kollegen Vitali. Sie alle werden so ausführlich wie nötig vorgestellt, sodass man sich ein gutes Bild von ihnen machen kann. Und so fiel es mir sehr leicht, selber Überlegungen darüber anzustellen, was mit Helenas Beinahe-Ehemann geschehen sein könnte und wer vielleicht dahinter steckt. Ich war gerne mit Cara bei ihren Nachforschungen unterwegs. Dabei habe ich sie oft für ihren Mut bewundert, wodurch sie mir noch sympathischer wurde.
Ich hatte abwechselnd mal diese, mal jene Person im Verdacht und so manche Idee, was das Warum anbelangen könnte. Bei einem Verdacht habe ich ehrlich Angst gehabt, es könnte tatsächlich so sein. Aber nach und nach setzte sich das Puzzle dann doch zusammen. Wenn ein Krimi oder Thriller so funktioniert, dann hat er mich im Nu erwischt. Das finde ich spannend, interessant und abwechslungsreich, und so hält man mich bei Laune. Ich hätte das Buch am liebsten in einem Rutsch gelesen, aber das wäre abends zu spät geworden 😉
Und dann kam der Moment, da hat es bei mir klick gemacht und ich war mir -mit einigem Entsetzen- ganz sicher, wer hinter dem Mord steckt. Dabei kenne ich solche Auflösungen von anderen Thrillern durchaus. Aber bei „In guten wie in toten Tagen“ wäre ich bis dahin nie auf die Idee gekommen, dass mich am Ende ein solcher Dreh erwartet. Daher mein Entsetzen. Das kam aber gleichzeitig mit einem wohligen Schaudern, denn eigentlich sind solche Auflösungen hundertprozentig mein Ding

Wie schon gesagt, hätte ich nicht arbeiten müssen, hätte ich das Buch in einer langen Nacht ausgelesen. Erstens weil es nach dem schwierigen Start richtig spannend wurde, zweitens aber auch, weil es wunderbar locker geschrieben ist. Das liest sich weg wie nichts und immer denkt man, dass ein Kapitel mehr doch kein Problem ist…und dann sind plötzlich doch ein paar Stunden vergangen. Genauso mag ich das. Lesen soll Entspannung für mich sein, dabei mag ich mich nicht anstrengen müssen.

Äußerlich zeigt sich das Buch  schlicht: hauptsächlich schwarz mit dem Ornament um den Titelschriftzug als einziges Motiv. Schwarz steht einem Thriller aber immer gut, und außerdem bildet dieses Ornament einen feinen Kontrast mit seinen Blümchen und Vögelchen. Das macht neugierig, wie das zusammenpasst.

Fazit:  Der Einstieg in die Geschichte fiel mir schwer, weil es mir mit der Hochzeit und den Vorbereitungen zuviel Mädelskram war. Außerdem mochte ich Helena nicht. Als dann der Mord geschah, Helena aus dem Verkehr gezogen wurde und sich offenbarte was ihre angeblichen Freundinnen tatsächlich von ihr hielten, da hatte mich die Story dann schnell am Haken. Caras Nachforschungen fand ich spannend und ich habe mit Vergnügen mitgeknobelt. Das Ende war dann noch die Krönung. Sowas mag ich total!


Titel: In guten wie in toten Tagen
Autor: Gina Mayer
Seiten: 357
Verlag: Script5
ISBN: 978-3839001646
Preis: € 14,95 (Broschiert)

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