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Apr 08

Zeitsplitter – Die Jägerin (Cristin Terrill)

zeitsplitterMarina steht am Anfang: Sie ist reich, beliebt und verliebt in einen hinreißend attraktiven Jungen. Em ist am Ende: Sie ist seit Jahren auf der Flucht, seit Monaten in einer winzigen Zelle eingesperrt, wird beinahe täglich verhört. Die beiden Mädchen haben nichts gemeinsam, außer der einen Sache: Sie sind ein und dieselbe Person. Vier Jahre trennen sie. Vier Jahre, in denen die Welt an den Rand des Abgrunds gerät. Doch Em bekommt die Möglichkeit, durch eine Zeitreise die Vergangenheit zu ändern. Nur ist der Preis, den sie dafür zahlen muss, schrecklich.

Ehrlich zugegeben, alleine anhand des Covers und des Klappentextes hätte mich dieses Buch nicht gleich angesprungen und neugierig gemacht. Allerdings hatte ich im Vorfeld so viele Lobeshymnen darauf gelesen, dass ich dann doch neugierig darauf war. Zeitreisen sind zum Glück ein Thema, mit dem man mich durchaus noch begeistern kann, wenn es gut gemacht ist.
Leider erwischte mich schon der Anfang auf dem falschen Fuß. Ein Mädchen in einer Zelle. Das reichte für den ängstlichen Gedanken: bitte nicht schon wieder eine zerrüttete Welt, bitte nicht schon wieder eingekerkerte oder sonstwie unterdrückte Jugendliche, die für diese Welt letztlich die Kohlen aus dem Feuer holen müssen! Bedauerlicherweise musste ich mit dieser Sorge eine ganze Weile leben, denn Erklärungen, weshalb Em zB eingesperrt ist oder was sie da im Abfluss findet, bekommt man lange Zeit nicht. Das kann man zunächst nur hinnehmen, wie es ist.
Erst bei der Befreiungsaktion wurde die Geschichte für mich interessanter. Zwar ließen Erklärungen noch immer auf sich warten, aber wenigstens kam endlich Schwung in die Sache, und spannend fand ich die Aktion durchaus auch. Außerdem kommt in dieser Zeit erstmals das Thema der Zeitreisen auf den Tisch und -wie schon gesagt- das hat für mich immer seinen Reiz.
Em fand ich zwar ganz okay, aber so richtig ans Herz gewachsen ist sie mir das ganze Buch hindurch nicht. Da mochte ich Finn bedeutend lieber. Und am liebsten war mir eigentlich Marina. Ja, anfangs ist sie schon ein wenig naiv, total verliebt und vielleicht auch etwas oberflächlich in mancher Hinsicht, aber wenigstens führt sie ein relativ normales Teenagerleben. Damit komme ich immer besser zurecht als mit einer Geschichte, die nur vom Elend und irgendwelchen Problemen erzählt.
Somit wurde die Geschichte für mich nochmal interessanter als es mit den Perspektivwechseln losging. Ziemlich regelmäßig wechselt man zwischen Ems und Marinas Erlebnissen. Das bringt nach und nach obendrein noch Licht in die Rätsel, die einem die Story anfangs aufgegeben hat. Ich fand sogar, dass man sich gut zusammenreimen kannt, was in der Vergangenheit vorgefallen sein muss, dass Em und Finn nun in solcher Gefahr schweben. Und ein Stückweit kann man auch in die Zukunft sehen und knobeln, was bei Marina, James und Nate geschehen wird.
Die Kapitel in der Gegenwart geben Hinweise auf das, was vor vier Jahren vorfiel. Die Kapitel in der Vergangenheit enthalten Hinweise darauf, wie es zu Ems und Finns Situation in der Gegenwart kam.  Besonders spannend fand ich die Momente, in denen sich die Zeiten quasi berühren. Wobei so etwas grundsätzlich nichts allzu Neues ist! Spätestens seit „Zurück in die Zukunft“ wissen wir ja, dass Veränderungen in der Vergangenheit zu ernsthaften Problemen in der Zukunft führen können. Nach diesem Prinzip läuft es auch in dieser Geschichte.
So gut mir dieser Teil der Geschichte gefiel, geärgert habe ich mich dabei auch einige Male. Em weiß schließlich, was auf dem Spiel steht, was sie zu tun hat, und dann vermasselt sich gleich mehrere wirklich günstige Gelegenheiten. Das Buch könnte wesentlich dünner sein, wenn sie ihr Ding gleich durchziehen würde. Da muss man mir auch nicht argumentieren, dass doch noch Gefühle im Spiel sind. In solch einer Situation und so abgebrüht wie Em sonst wirkt, passt das für mich nicht.
Das Ende der Geschichte sollte man sich in aller Ruhe vornehmen und voll und ganz bei der Sache sein, sonst steigt man nicht durch. Ich musste mich sehr konzentrieren und trotzdem habe ich manches doppelt lesen und mir nochmal selber erklären müssen um es zu durchblicken. Ich frage mich, ob die Leser der anvisierten Altersgruppe ab 14 Jahren damit gut zurechtkommen. Da habe ich so meine Zweifel. Eine feine Idee, gut durchdacht, ohne Zweifel, aber schon sehr komplex und teilweise verwirrend.

Ich habe ein paar Abende für „Zeitsplitter“ gebraucht, was bei einem Buch mit 330 Seiten eher ungewöhnlich ist, aber es ist eben auch keine leichte Kost, wie man sie von einem Jugendbuch erwartet. Es liest sich flüssig und gut, aber die erklärenden und beschreibenden Passagen fordern Zeit für sich ein. Glücklicherweise gibt es auch viele Dialoge. Das lockert auf.

Das Cover mochte ich von Anfang an. Nachdem ich nun die Geschichte kenne, finde ich es auch sehr passend mit dem quasi gespiegelten Mädchen. Der zersplitternde Kreis wird dem Titel gerecht und die Farben ließen für mich auf Anhieb ahnen, dass sich zwischen den Deckeln eine Fatasystory verbirgt.

Fazit: Der Anfang fiel mir schwer, weil ich überhaupt nicht schlau aus dem wurde, was ich las. Die Befreiung und das Geschehen danach fand ich dagegen interessant und spannend. Vor allem, wie sich die beiden Zeitebenen allmählich aufeinander zu bewegen und gelegentlich berühren. Deshalb konnte ich darüber hinwegsehen, dass Em sich einige Male einfach nur gefühlsduselig und deppert anstellte. Beim Ende ist unbedingte Aufmerksamkeit erforderlich, sonst steigt man nicht durch. Die große Begeisterung teile ich also nur in Maßen, aber die Fortsetzung werde ich dennoch auf jeden Fall lesen.

Vielen Dank an den Boje Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Zeitsplitter (01) – Die Jägerin
Autor: Cristin Terrill
Seiten: 330
Verlag: Bastei Lübbe / Boje
ISBN: 978-3-414-82390-8
Preis: 14,99 (HC)

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