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Apr 11

Rezension – Ich und andere uncoole Dinge in New York (Julia K. Stein)

uncooledingeEndlich: Für einen Sommer entkommt Judith der Kleinstadt im Ruhrgebiet, wo sie die ersten sechzehn Jahre ihres Lebens vergeudet hat. Eigentlich soll sie ihre Mutter begleiten, doch die ist mit ihrem neuen Geliebten und ihrer Karriere beschäftigt. Judith wird in Rachels WG einquartiert und zu einem Praktikum verdonnert. Dann trifft sie Peter, er ist selbstsicher, sieht großartig aus und kennt jeden Club in New York. Immerhin scheint der Plan aufzugehen und Peter wird ihr Freund. Doch während Judith sich mit Rachels herzlicher jüdischer Familie anfreundet, wird Peters Verhalten immer merkwürdiger. Wo ist er, wenn er angeblich studiert, warum bekommt er so viele Nachrichten und kennt  jeden Türsteher? Und dann ist da noch Adam, Rachels Bruder, dessen Nähe sie mehr verwirrt, als sie sich erklären kann.

Als dieses Buch günstig als eBook erhältlich war, habe ich zugeschlagen. Ich mag New York und der Titel verhieß eine fröhliche, sommerliche Geschichte rund um die erste Liebe einer Sechzehnjährigen, die sich offenbar für nicht allzu cool hält. Das fand ich auf Anhieb sympathisch, weil ich es nicht mag, wenn jemand so sehr von sich überzeugt ist, dass er sich selber als cool bezeichnet. Waren das bereits zu hohe Ansprüche, oder wieso ist die Sache mit diesem Buch und mir so kolossal gescheitert? Schauen wir mal genauer hin.
Erstens kam ich mit Judith einfach nicht klar, geschweigen denn, dass ich mich mit ihr hätte anfreunden können. Auf den ersten Seiten ging es noch, da erschien sie mir noch wie ein ganz normaler Teenie, was völlig in Ordnung  war. Doch kaum in New York und in der WG angekommen, wandelte sich das Bild. Plötzlich erzählt Judith wie die aufgeklärteste Erwachsene mit dem totalen Durchblick von ihrem neuen Leben. Sie durchschaut alles und jeden, allen voran ihre Mutter, und findet zielgenau jede Schwäche ihrer Mitmenschen, die sie dann auch umgehend anspricht. Dabei wäre es viel dringender notwendig, dass sie sich mal an die eigene Nase fasst! Zugeben, dass sie von ihrem Praktikantenjob null Ahnung hat? Nö, lieber durchmogeln! Und wieso kapiert Fräulein Superschlau nicht, was dem Leser nach wenigen Begegnungen mit Peter klar ist? Schon seltsam, wo sie sonst überall den Durchblick hat!
Dieses Job ist gleich der zweite Grund, worüber ich mich geärgert habe. Da kommt ein deutsches Mädel an und bekommt sofort eine Praktikumsstelle, weil die Mutter behauptet hat, es könne so gut programmieren. Das alleine finde ich schon hanebüchen. Dass Judith aber direkt richtige Aufgaben in Sachen Programmierung zugeteilt bekommt, ist für mich noch abwegiger. So bedürftig und blauäugig können doch nicht mal die Amis sein!
Und letztlich frage ich mich noch, wieso Rachels Familie jüdischen Glaubens sein muss? Ich habe weiß Gott nichts gegen Juden, ehrlich nicht! Aber so unglaubwürdig und dünn wie die Story sonst ist, hat Julia K. Stein da vielleicht gedacht, mit einer Schippe Moral und Offenheit noch was rausreißen zu können? Das wirkt als habe sie selbst bemerkt, dass die Story den jungen Lesern nichts an die Hand gibt, was ihnen im Leben nochmal nützlich sein könnte. Und als habe sie dann händeringend nach etwas gesucht und das Erstbeste eingebaut.
Ach so, es geht so viel um Liebe, aber dieses gewisse Kribbeln kam bei mir nicht eine Sekunden lang auf. Das fiel dann aber auch nicht mehr ins Gewicht.

Immerhin ist die Geschichte locker weg geschrieben. Somit fiel das Lesen an sich sehr leicht. Ich denke, wenn mich das obendrein noch angestrengt hätte, hätte ich schnell kapituliert.

Das Covermotiv wirkt schön sommerlich. Wahrscheinlich habe ich uA auch deshalb erwähnte falsche Erwartungen an die Geschichte gehabt.

Fazit:  16 Jahre alt, von Tuten und Blasen keine Ahnung, aber im Glauben, den vollen Durchblick zu haben. Solche Charaktere sind nichts mein Fall. Da rege ich mich zu schnell auf. Ansonsten eine recht unglaubwürdige Geschichte, hinter deren größtes Mysterium (Peter) man als Leser im Nu steigt. Damit ist dann auch jegliche Spannung futsch. Und New York – Flair kommt ebenso wenig auf wie dieses Kribbeln, das eigentlich zu jeder Lovestory gehört.


Titel: Ich und andere uncoole Dinge in New York
Autor: Julia K. Stein
Seiten: 274 Seiten
Format: Kindle Edition
Preis: € 3,99

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