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Apr 14

Rezension – Der Tod macht Schule – Bröhmann ermittelt wieder (Dietrich Faber)

broehmann02Neukölln im Vogelsberg.
Kommissar Henning Bröhmann führt mit der Direktorin der Gesamtschule Schotten gerade ein ernstes Gespräch über seine versetzungsgefährdete Tochter, da durchschlägt ein Stein das Fenster des Büros. Nach dem ersten Schrecken wiegelt die Pädagogin ab: Dumme-Jungen-Streich, alles im Griff – Einmischung nicht erwünscht. Kurz darauf ist sie tot. Jemand hat sie brutal erstochen. Henning ist entschlossen, diesen Fall zu lösen.

Ich weiß noch genau, dass ich bei Band 1 von Bröhmann nicht sonderlich angetan war. Mir gefiel seine Haltung nicht, den damaligen Fall mit möglichst wenig Aufwand möglichst schnell abzschließen zu können. Außerdem war er mir zu versumpft in dem familiären Elend, an dem er zum großen Teil selber Schuld war. Ich mag es nicht, wenn ein Kommissar in einem Buch so hängenlässt.
Umso mehr hat es mich gefreut, in „Der Tod macht Schule“ einen komplett anderen Bröhmann zu erleben. Einen, der sich mit Feuereifer in den neuen Fall stürzt und sich sehr um seine Familie bemüht. Ich weiß nicht genau, woher dieser Sinneswandel kommt. Vielleicht daher, dass seine Tochter Melina mit dem neuen Fall im Zusammenhang steht, vielleicht weil er eingesehen hat, dass man für seine Familie auch mal kämpfen muss, vielleicht auch von gewissen beflügelnden neuen Bekanntschaften. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus allem. Jedenfalls war ich sehr froh darüber.
Der neue Fall beginnt mit einem Anschlag auf die Direktorin von Melinas Schule. Jemand wirft einen Stein durch das Direktorenzimmerfenster und verfehlt die Direktorin nur knapp. Das wird zunächst noch als Schuljungenstreich abgetan, doch die Angriffe auf die Direktorin häufen sich und erreichen bald eine Dimension, die man nicht mehr als dummer-Jungen-Streich abtun kann.
Damit beginnen Bröhmanns Ermittlungen am Melinas Schule um im Umfeld der Direktorin. Ich fand sie sehr spannend! Der Kreis beteiligter und damit teilweise verdächtiger Personen ist recht überschaubar. So hat man schnell einen Überblick und kann gemeinsam mit Bröhmann rätseln, was es mit den Anschlägen auf sich hat und wer eventuell in der Sache mit drinsteckt. Das macht mir immer sehr viel Spass. Da die Handlung schön geradlinig verläuft, ist es für den Leser machbar, dem Rätsel nach und nach auf die Schliche zu kommen. Dabei hat es der Fall durchaus in sich! Einerseits konnte ich mir das Geschehen in der hessischen Idylle gar nicht wirklich vorstellen, andererseits: warum nicht? So abwegig ist es auch wieder nicht. Mir hat es gefallen, dass Dietrich Faber zwar ein erschreckendes Szenario zeichnet, es aber nicht so abgehoben ist, dass es einem für einen kleinen hessischen Ort aber keineswegs unmöglich scheint.
Neben dem neuen Fall spielt auch Bröhmanns Privatleben wieder eine große Rolle. Die Probleme mit seiner Frau, die pubertierende Tochter oder auch Zeltlager mit dem jüngsten Sproß der Familie. Es ist Dietrich Faber gut gelungen, all das ebenso wichtig erscheinen zu lassen, ohne dass es aber den Krimi zurückdrängt. Bröhmanns Familienleben ist zudem für den größten Teil der Komik verantwortlich. Dieser Teil der Geschichte strotzt vor Situationskomik und lustigen Dialogen. Ich habe Tränen gelacht. Oft tat mir Bröhmann dabei sehr leid. Andererseits hätte ich es nicht missen möchten, denn dann gäbe es weit weniger zum Lache.
Der Krimi entdet quasi zweigleisig. Ein Teil des Falles wird relativ frühzeitig aufgelöst, sodass ich mich schon gefragt hatte, was die verbliebenen 76 Seiten noch bringen sollten. In ihnen löst sich allmählich der zweite Teil des Falles auf und endet schließlich sehr dramatisch. Ich konnte es dem Täter nicht mal verdenken, was er getan hat.

Ich hatte das Buch innerhalb von vier Stunden durch. Ich konnte es vor Spannung und Witzigkeit einfach nicht aus der Hand legen. Bröhmann hat einen guten Blick für die Eigenarten und Schwächen der Menschen um ihn herum und nimmt sie so gerne aufs Korn. Die Kapitel sind angenehm kurz und Melinas Mails an ihre Freundin sorgen für zusätzliche Auflockerung. An ihnen habe ich wohl am längsten gelesen. Es ist ganz schön anstrengend, sich durch eine Mail im Stil der heutigen Jugend zu lesen, aber hallo!

Das Cover mochte ich sofort. Auch wenn ich jetzt nicht wüsste, wann mir in der Geschichte auch nur ein Schwein begegnet ist. Kein tierisches jedenfalls. Trotzdem ist es niedlich. Und das Fadenkreuz verrät deutlich, dass man hier einen Krimi in Händen hält. Mit der Tafel wird man der Schule im Titel gerecht.

Fazit:  Mir hat Bröhmanns zweiter Fall super gut gefallen! Er ist gleichermaßen spannnend, wie auch witzig, ohne dass er dabei jemals in Klamauk abrutscht. Ich konnte vor lauter kriminellem Vergnügen gar nicht mehr aufhören zu schmökern, und habe das Buch in einem Rutsch gelesen. Außerdem hat mir der muntere, clevere und engagierte Bröhmann hier wesentlich besser gefallen als der träge Kommissar, der er in Band 1 noch war. Nun freue ich mich auf Band 3.


Titel:  Der Tod macht Schule – Bröhmann ermittelt wieder
Autor:  Dietrich Faber
Seiten:  304
Verlag: Rowohlt (Polaris)
ISBN: 978-3862520251
Preis:  € 13,95 (TB)

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