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Apr 17

Rezension – Tote Hunde beißen nicht – Bröhmann ermittelt wieder (Dietrich Faber)

broehmann03Kommissar Henning Bröhmann hat den Dienst noch nie sehr geliebt. Und er hat die Nase ziemlich voll: von der Provinz, den Kollegen, dem diktatorischen Vater. Mit dem reist er eines Tages nach Berlin: Beerdigung eines alten Kollegen von Bröhmann senior. Doch in der Hauptstadt geschieht etwas Unerwartetes, Schreckliches. Ein gewaltsamer Tod. Nein, zwei. Und kurz darauf ist der Vater verschwunden. Henning geht der Sache nach und kommt einer unschönen Geschichte auf die Spur. Vor Jahrzehnten, als der Alte noch das Heft in der Hand hielt, verschwand ein Mann hinter Gittern und schwor Rache. Nun sterben in der Gegenwart Menschen. Und Hunde!

Nachdem ich Band 2 der Reihe in einer Nacht ausgelesen hatte, habe ich am folgenden Abend sofort zu diesem dritten Band gegriffen. Natürlich in der Erwartung wieder eine solch amüsante und spannende Lektüre vor mir zu haben.
Die Geschichte begann mit einer echten Überraschung. Auf den ersten Seiten blieb mir wortwörtlich vor Staunen der Mund offen stehen. Mit allem hatte ich gerechnet, damit aber ganz sicher nicht. Somit ging es vielversprechend los!
Doch schon mit der Fahrt nach Berlin, die Bröhmann zusammen mit seinen beiden Kindern und den Eltern unternimmt um dort einen alten Kollegen seines Vaters zu Grabe zu tragen, erhielt meine Begeisterung einen ordentlichen Dämpfer. Das lag alleine an Bröhmanns Eltern, die mir elendig auf die Nerven gingen, und auch ein wenig an Bröhmann, der ihnen kaum etwas entgegenzusetzen hat.
Das ist überhaupt eines der wesentlichen Probleme, die ich mit diesem dritten Teil hatte. Dass die Geschichte auf neue Charaktere setzt, die Franziska, Melina und Laurin nicht ansatzweise das Wasser reichen können. Bröhmanns Eltern nerven ohne Ende und seine alternativ orientierte Schwester habe ich ebenfalls immer wieder zum Teufel gewünscht. Von Franziska hört man kaum etwas, Melina ist plötzlich von ganz anderen Wesen, gar nicht mehr frech und aufmüpfig, und Laurin wird zügig auf Klassenreise geschickt und mischt gar nicht mehr mit. Später erscheint dann noch eine Rike auf der Bildfläche, die mir einfach nur auf den Keks ging, und eine Sabse, über die ich ebenfalls nur die Augen verdreht habe. Ein sehr schlechter Tausch liebgewonnener Figuren gegen Charaktere, die man keine drei Seiten lang am Stück ausshält.
Auch Bröhmanns neuer Fall konnte mich nicht so richtig begeistern. Selbstverständlich war ich gespannt und neugierig, was mit Bröhmanns Vater passiert ist. Eine klasse Idee, jemanden zum Opfer eines Verbrechens zu machen, der Bröhmann so nahesteht. Da hofft und bangt man automatisch intensiver mit als wenn es um jemand Außenstehenden geht. Mir zogen nur die Ermittlungen zu weite Kreise. Sie führen Bröhmann Jahrzehnte zurück, und das war mir dann eine ganze Spur zu komplex für einen Bröhmann-Fall. Vor allem, weil mir die beteiligten Figuren nicht vertraut genug wurden um immer genau zu wissen, um wen es gerade geht bzw mit wem man gerade zu tun hat. Und was diejenigen nun früher und heute miteinander zu tun haben. Dafür waren mir die Charaktere zu wenig markant um jederzeit den Überblick zu haben. Und dabei blieb dann letztlich auch die Spannung um das „Warum“ hinter dem Fall ziemlich auf der Strecke.
Zuletzt sei noch erwähnt, dass ich nicht halb so viel gelacht habe bei diesem Band wie beim vorigen Teil. Wer Figuren wie Bröhmanns Eltern und seine Schwester witzig finden, dem wird es vielleicht anders gehen. Mir haben die alte Melina, Laurin und Franziska klar mehr Spass gemacht. Und auch sonst gab es kaum Szenen, die ich so richtig lustig fand. Schade.
Trotzdem, das Ende der Geschichte darf nicht wahr sein!

Zum Glück ist es dabei geblieben, dass sich das Buch lesen lässt wie nichts. Ich mag Bröhmanns lockeren Erzählstil und die untergemischten Dialoge in hessischem Dialekt, die erstens noch mehr auflockern und zweitens für das typische Flair eines Regionalkrimis sorgen.

Das Covermotiv finde ich immer noch toll. Klar, tierverrückt wie ich nun einmal bin. Es passt so einfach gut zum Titel. Und ein wenig krimimäßig düster wirkt das Motiv ebenfalls.

Fazit:  Für meinen Geschmack der schwächste Band der Reihe. Sympathische und liebgewonnenen Charaktere wurden durch absolut unsympathische und nervige Figuren ausgetauscht, die ich überhaupt nicht lustig fand. Der Fall ist nicht übel, zumal Bröhmann dem Opfer sehr nahesteht, aber er zog mir zu weite und komplexe Kreise, in denen ich mich mangels markanter Figuren nur schlecht zurechtfand. Dennoch hoffe ich, dass das Ende nicht wahr ist.


Titel:  Tote Hunde beißen nicht – Bröhmann ermittelt wieder
Autor:  Dietrich Faber
Seiten:  288
Verlag: Rowohlt (Polaris)
ISBN: 9978-3499267604
Preis:  € 14,99 (Broschiert)

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