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Apr 23

Rezension – Wer liebt mich und wenn nicht, warum? (Mara Andeck)

lilia02Nach dem Fiasko mit Jakob weiß Lilia inzwischen genau: Sandkastenfreund Tom ist der Richtige! Den aber hat Lilia mit ihrem Balzverhalten vergrault. Aber Lilia wäre nicht Lilia, wenn sie so schnell aufgeben würde. Sie beschließt, Tom zurückzuerobern und auf wissenschaftliche Erkenntnisse künftig ganz zu verzichten. Ab sofort will sie sich nur noch von ihrem Herzen leiten lassen. Als Tom sich für ein Praktikum in der Wildnis bewirbt, schließt Lilia sich an. Dort aber gibt es mehr Natur, als ihr lieb ist. Und dann ist das noch Vicky, Lilias alte Rivalin, die in freier Wildbahn Raubtierqualitäten entwickelt.

Nachdem ich über Band 1 Tränen gelacht hatte, musste natürlich Band 2 so schnell wie möglich her! Ich wollte unbedingt wissen, wie es mit Tom und Lilia und ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen über Jungs und Mädels weitergeht.
Band 2 ließ sich zunächst gut wie eh und je an. Erstmal hat man noch Gelegenheit, die Erinnerungen an den ersten Teil aufzufrischen. Also was mit Lilia und Tom los und was bei ihnen dann letztlich schiefgegangen ist, wer zu Lilias Freundeskreis gehört und was diese Personen so an Teenagerproblemen und -problemchen herumschleppen, und welche Dramen sich in Lilias Familie gerade abspielen, wo plötzlich jeder so seine eigenen Pläne hat.
Beispielsweise Lilia, die zusammen mit ein paar Mitschülern auf eine Insel in einem See möchte, weil Tom dort in der Gegend gerade ein Praktikum absolviert. Immerhin möchte sie Tom zurückerobern. Da schadet es dann sicher nicht, ihm zu zeigen, dass auch sie in der Wildnis zurechtkommt.
Gefallen hat mir, dass Lilia ihren Wunsch bei der Familie nicht so leicht durchgesetzt bekommt. Ich mag es nicht, wenn Figuren in einer Geschichte es in Situationen allzu leicht haben, an denen sich die (hier vornehmlich) jungen Leserinnen in der Realität die Zähne ausbeißen würden. So viel Realität darf gerne sein!
Wie schon der Klappentext verrät, schafft Lilia es aber schließlich doch ihr Vorhaben durchzusetzen. Sehr bald geht es auf die Reise in die „Wildnis“.  Ich musste ja schon ein wenig darüber schmunzeln, was bei Lilia unter diesen Begriff fällt. Ein See, eine Insel, darauf ein paar Kühe und was sich eben sonst noch an typischer Fauna an solch einem Ort herumtreibt.
Ich hätte jedenfalls gerne und sofort mit ihr getauscht als ihr aufging, dass diese Wildnis scheinbar doch nicht ganz so ihr Fall ist. Das muss man der Geschichte lassen: sie versteht es, einem ein klaren und wunderschönes, wild-idyllisches Bild von der Insel und der Gegend zu vermitteln. Und mit der Gruppe Jugendlicher, mit der es Lilia dorthin verschlägt, kommt schnell so eine richtig schöne sommerliche Ferienlager-Atmosphäre auf. Das hat etwas Uriges, das bei mir sofort ankam.
Außerdem ändert sich an Lilias Liebeschaos natürlich auch mit diesem Ortswechsel nichts. Auf ihre typische, chaotische Art und mit vielen mal mehr, mal weniger verrückten Ideen, versucht sie dem Thema „Liebe“ auf den Grund zu gehen. Im Allgemeinen und -was Tom und sie angeht- im Speziellen. Da darf man gespannt sein, ob die beiden das mit der Liebe schließlich auf die Reihe kriegen. Und auch ein paar „Nebenbaustellen“ sind ganz interessant. Beispielsweise das, was zwischen Lilias Freundin Maiken und Felix läuft. Beziehungsweise nicht wirklich läuft. Und wie Lilias Vater es schafft, alleine mit zwei kleinen Jungs, seiner kleinen Tochter und diversen Goldfischen zurechtzukommen.
Trotzdem, so positiv das bis hierher alles klingt, nachdem ich nun auch Band 3 gelesen habe, ist dieser zweite Teil für mich der schwächste der Reihe. Die Geschichte ist schön, spannend, sommerlich, alles bestens, ich fand sie allerdings längst nicht so lustig wie Band 1. Ich habe mal geschmunzelt, ab und zu auch gegrinst, aber längst nicht so oft. Und so richtig gelacht, habe ich schon gar nicht. Da hat mich Band 1 wohl ganz schön verwöhnt. Und weil mir gerade diese immense Komik dort so gut gefallen hat, bringt es Band 2 einen dicken Minuspunkt ein, dass er nicht mithalten kann.

Eines teilen die beiden ersten Bände der Reihe aber ganz klar: sie lassen sich lesen wie nix. Lilias Tagebucheinträge sind meist kurz und knackig, sodass man leicht ach einen noch hinterherschiebt, und plötzlich ist man dann ein ganzes End vorangekommen. Ihr jugendlich-flapsiger Ton tut ein Übriges dazu. Felix‘ und Toms Mailwechsel bieten zwar ebenfalls eine gewisse Auflockerung, aber meinen Lesefluss haben sie doch einige Male gestört. Nicht, dass es uninteressant wäre, was die beiden sich schreiben, aber ich fühlte mich immer aus Lilias rasantem Tempo herausgerissen.

Das Buch ist dieses Mal in zartem Grün gehalten und mit fliegenden Gänseblümchen verziert. Das erinnert vom Design her an die anderen Bücher der Reihe, passt sich aber auch dem neuen Schauplatz an. Grün ist eine sommerliche Farbe und Gänseblümchen gibt es in Lilias Wildnis ebenfalls.

Fazit:  Eine schöne, spannende, romantische und sommerlich leichte Geschichte, an der es inhaltlich nichts auszusetzen gibt. Lilia in Bestform, könnte man sagen. Ich habe „Wer liebt mich und wenn nicht, warum?“ allerdings als deutlich weniger witzig empfunden als Band 1. Das hat mich schon ganz schön enttäuscht.


Titel: Wer liebt mich und wenn nicht, warum?
Autor: Mara Andeck
Seiten: 256
Verlag: Lübbe Verlag
ISBN: 978-3414823649
Preis: € 12,99 (HC)

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