Apr 22 2017

Rezension – Tiefe Narbe – Im Kopf des Mörders (Arno Strobel)

Max Bischoff, Oberkommissar, Anfang dreißig, ist der Neue bei der Düsseldorfer Mordkommission. Er ist hoch motiviert und schwört auf moderne Ermittlungsmethoden, was nicht immer auf Gegenliebe bei den Kollegen stößt. Sein erster Fall beim KK11 hat es in sich. Auf dem Polizeipräsidium taucht eines Morgens ein Mann auf, der völlig verstört und von oben bis unten mit Blut besudelt ist. Er weiß weder, was in der Nacht zuvor geschehen ist, noch hat er eine Erklärung für das Blut auf seiner Kleidung. Wie sich bald herausstellt, stammt es nicht von ihm selbst, sondern von einer Frau. Einer Frau, die vor über zwei Jahren spurlos verschwand. Die für tot gehalten wird. Als kurz darauf eine Leiche am Rheinufer gefunden wird, verstricken Max Bischoff und sein Partner Horst Böhmer sich immer tiefer im Dickicht der Ermittlungen, um einen Fall zu lösen, in dem lange nichts zusammenzupassen scheint.

Ich habe es schon mehrfach geschrieben in vergangenen Rezensionen: Arno Strobels Thriller sind für mich ein ziemliches Auf und Ab. Einer so richtig gut, der nächste eher weniger, der folgende wieder besser usw. Somit bin ich immer gespannt, was der neue Thriller bereithält.
Zu „Tiefe Narbe“ muss ich vorausschicken, dass es wohl der Erstling einer Trilogie ist. Und ich habe in den letzten ein, zwei Jahren eine dicke Aversion gegenüber Reihen entwickelt. Einfach, weil es gefühlt keinen für sich alleine stehenden Roman mehr gibt. Entsprechend bin ich nicht sonderlich angetan von dem Gedanken, auch von Arno Strobel irgendwann eine Reihe im Regal stehen zu haben.
Nun zur Geschichte bzw zunächst zu den Figuren, mit denen man es ja dann wohl noch zwei weitere Bücher lang zu tun haben wird. Max Bischoff gefiel mir von Anfang an. Er hat für mich eine sympathische Art an sich, ist clever und denkt tatsächlich sehr modern bei seinen Ermittlungen. So etwas mag ich einfach, alles „Altmodische“ ist nicht so mein Fall. Daher mochte ich ich Max wirklich schnell. Sein Kollege Horst Böhmer ist dagegen mehr vom alten Schlag. Das ist zwar ein heftiger Kontrast, der alleine schon für Zündstoff sorgt, allerdings hat er mich mit seiner muffigen Art, der Unfreundlichkeit Max gegenüber und seinen oft so überflüssigen, bissigen Bemerkungen relativ schnell auch tierisch genervt. Solche Figuren halte ich nur sehr schwer aus und ich habe es deshalb sehr begrüßt, dass der Fall schnell in den Mittelpunkt rückte. Endlich ging es vornehmlich darum, das Rätsel um den Mann, die totgeglaubte Frau und den Mörder aufzuklären, statt sich wie im Kingergarten zu bekriegen.
Den Fall selber fand ich ausgesprochen spannend und ich habe lange und gerne mit Max und seinen Kollegen gerätselt. Es gab einige Momente, in denen ich mir schon recht sicher war, wer der Täter ist, doch dann belehrte mich Arno Strobel wieder eines Besseren und das Rätselraten ging weiter.
Für mich sehr erfreulich war dabei, dass es durchaus schauerliche bis eklige Szenen gibt. Ich mag sowas, und solange es nicht übertrieben wird, bin ich davon stets angetan. Ich mag dieses Gefühl und die Gänsehaut dabei.
Es gibt neben den Kapiteln mit der Handlung um Max und Böhmer auch immer mal wieder eingeschobene „Zwischenkapitel“, in denen einem ein Blick in den Kopf des Täters gewährt wird. Ich bin von sowas absolut kein Fan und auch dieses Mal habe ich diese Kapitel sehr großzügig gelesen. Mir waren sie einfach zu…schwülstig. Mir fällt kein besserer Begriff dafür ein, aber „schwülstig“ trifft es für mich gut. Und das, obwohl in diesen Kapiteln reihenweise Gewaltphantasien beschrieben werden.
Gegen Ende wird die Handlung dann nochmal eine Ecke spannender und dramatischer, weil plötzlich eine Person betroffen ist, die Max nahesteht. Keine Frage, das bringt nochmal zusätzlich Brisanz in die Sache und man bangt und hofft nochmal mehr mit Max. Ich muss allerdings gestehen, dass ich ansonsten dankend auf diese Person hätte verzichten können. Max‘ Wandlung durch diese Person gefiel mir nämlich gar nicht. Plötzlich hätte ich ihm liebend gerne mal ordentlich eine runtergehauen, öfters sogar.
Nachdem man schon während der Geschichte so manche Wendung erlebt hat und feststellen musste, dass man mit seinen Theorien doch wieder falsch lag, bekommt man auch am Ende nochmal einen feinen Dreh geboten. Das hat mir gefallen.
Mir hat übrigens auch gefallen, wie es mit oben erwähnter Person am Ende ausgeht. So jemanden braucht niemand, wenn er sowas aus jemandem wie Max macht. Punkt!

Wie immer bei Thrillern von Arno Strobel liest sich das Buch flüssig und unterhaltsam. Die Kapitel haben genau die richtige Länge, da liest man vor dem Schlafen schnell mal eines mehr als geplant. Und auch wenn ich sie nicht mochte, so sorgen die Kapitel im Kopf des Täters doch für eine Auflockerung.

Wie gewöhntlich bei Arno Strobels Thrillern ist das Cover vornehmlich in Schwarz gehalten mit einem farblich kontrastreichen Schriftzug.
Das Versprechen, dass das Buch einen Blick in den Kopf des Mörders gewährt, macht genauso neugierig wie die Gestalt oben auf dem Cover.

Fazit:  Ein spannender Fall mit vielen Wendungen, die einen immer wieder zu überraschen wissen. Hier und da geht es ein wenig schauerlich zu und manche Beschreibung kann man vielleicht auch schon eklig nennen, aber ich mag sowas. Max gefiel mir auf Anhieb und ich bin froh, ihn so wohl auch in Band 2 der Trilogie wieder anzutreffen. Wobei ich nachwievor enttäuscht bin, dass auch Arno Strobel nun mit auf diesen nervigen Reihen-Trend aufspringt.


Titel: Tiefe Narbe – Im Kopf des Mörders
Autor: Arno Strobel
Seiten: 368
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596296163
Preis: 9,99 (TB)

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