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Apr 28

Rezension – AchtNacht ( Sebastian Fitzek)

Stellen Sie sich vor, es gibt eine Todeslotterie.
Sie können den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen.
In der „AchtNacht“, am 8. 8. jedes Jahres, wird aus allen Vorschlägen ein Name gezogen.
Der Auserwählte ist eine AchtNacht lang geächtet, vogelfrei.
Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten – und wird mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.Das ist kein Gedankenspiel. Sondern bitterer Ernst.
Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief.
Und Ihr Name wurde gezogen!

Wer mich ein bisschen kennt, der weiß, dass ich totaler Fitzek-Fan bin. Er gehört zu den wenigen Autoren, von denen ich fast (dieses Kinderbuch kommt mir nicht ins Haus!) alles lese und dessen Bücher ich monate vorab bestelle und meist auch in einem Rutsch lese.
Bei „AchtNacht“ hat es mich außerdem gefreut, dass es bei Knaur erschienen ist. Ich habe nie verstanden, was das Lübbe-Intermezzo sollte, und die dort erschienen Bücher passten auch nicht ganz in mein Beuteschema.
Entsprechernd habe ich auf „AchtNacht“ hingefiebert wie wild. Zumal es vom Klappentext her genau mein Fall zu sein schien. Das war es dann zum Glück auch. Da kann man mich nun für verrückt oder meinetwegen auch krank halten, ich liebe die Idee dieser Todeslotterie. Und es hat mir riesigen Spass gemacht, zu verfolgen, was sich daraus alles entwickelt. Ja, ich stehe auf solch kranke Ideen! Hat schließlich nicht jeder schnell jemanden im Kopf, von dem er meint, dass sich die Welt auch ohne diese Person gut weiterdrehen würde? Darüber kann man dann beim Lesen nochmal gründlich nachdenken. Denn ich halte es nicht nur für möglich, dass einer verrückten Person sowas einfallen könnte, sondern auch für äußerst wahrscheinlich, dass ein solches Spiel solche Folgen haben würde. Ich traue es der Spezies Mensch zweifellos zu. Und was sich hier ereignet ist durchaus erschreckend. Gerade, weil es so glaubhaft wirkt.Da kommt man dann eben doch nochmal ins Grübeln.
Spannend ist die Geschichte ebenfalls, meistens jedenfalls. Ich war schon neugierig, ob Ben es schaffen würde, seinem Schicksal zu entkommen. Ob er aufdecken würde, wer eigentlich warum auf die Idee dieser Lotterie gekommen ist. Ob er seine Tochter retten würde. Welche Rolle Arezu eigentlich spielt. Und wie all die anderen größeren und kleineren Begebenheiten letztlich zusammenhängen würden. Der Weg zu all diesen Antworten ist rasant, meistens jedenfalls.
Nun fragt sich vielleicht der eine oder andere, wie es zu dieser Einschränkung „meistens“ in den Punkten Spannung und Tempo kommt.  Das ist ganz einfach zu erklären. Für mich hatte die Story einfach auch einige Längen, zu ausführliche Szenen und vor allem auch Sequenzen, bei denen ich beim besten Willen nicht verstanden habe, wieso sie sein mussten. So eine wahnsinnige Bedeutung haben sie später nämlich wirklich nicht. Überhaupt hatte ich im Ganzen das Gefühl, dass die Story sich etwas zog. Ich bin mir sicher, das wäre hier und da auch kürzer gegangen, ohne dass einem etwas gefehlt hätte. Da bleiben Spannung und Tempo halt schnell mal auf der Strecke.
Das Ende bzw die Auflösung von „AchtNacht“ fiel mir dann obendrein auch noch zu wenig clever und gewandt aus. Das kenne ich von anderen Fitzek-Thrillern anders und auch besser. Sie kommt zwar überraschend, ist auch erschreckend und lässt einen nochmal ins Grübeln über gewisse eigene Verhaltensweisen kommen, aber irgendwie hat mir dieser besondere Dreh, das gewisse Etwas gefehlt.
Was meinen allgemeinen Eindruck vom „AchtNacht“ verstärkt hat. Nämlich, dass es wie mit der heißen Nadel gestrickt wird.

Vom Schreibstil her unterscheidet es sich nicht von seinen „Kollegen“. Sebastian Fitzeks Art zu schreiben, fesselt mich immer innerhalb von Sekunden und auch hier hat das -bis auf besagte Längen- wieder einwandfrei funktioniert. Die meisten Seiten flogen nur so dahin und die Kapitel sind meist so knackig kurz, dass man einfach jedes Mal denkt: ach, eines noch! Und dann ist man plötzlich schon am Ende angekommen.

Das Cover gefällt mir ebenfalls. Es ist ein Hingucker mit dem Schwarz und dem kräftigen Rot. Man fragt sich sofort, was es mit der Acht auf sich hat, die ja auch im Titel vorkommt. Auch die Innenseiten der Broschur sind düster und schwarz-rot gestaltet und machen erst recht neugierig auf die Story.

Fazit:  Diese Todeslotterie war absolut nach meinem Geschmack, sowas (mancher mah vielleicht sagen „Krankes“) liebe ich. Zu weiten Teilen fand ich „AchtNacht“ auch spannend und atemlos rasant, aber es hatte auch seine Längen. Und das kenne ich von Fitzek-Thrillern bislang gar nicht. Für mich gab es einiges, was man getrost hätte weglassen können. Ncht weil ich es zu grausig fand, sondern weil es der Geschichte im Weiteren kaum bis gar nicht gedient hat. Und insgesamt wirkte die Geschichte auf mich aus wie mit der heißen Nadel gestrickt, zu wenig ausgefeilt.  Als hätte jemand gesagt, man brauch Füllstoff zum nächsten Buch und in Sebastian Fitzeks Schublade habe eben noch „AchtNacht“ gelegen.


Titel:  AchtNacht
Autor: Sebastian Fitzek
Seiten:  416
Verlag: Droemer Verlag
ISBN: 978-3426521083
Preis:  € 12,99 (Broschiert)

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