Mrz 02 2018

[Rezension] Panic – Wer Angst hat, ist raus (Lauren Oliver)

PANIC verändert alle(s). Heather hatte nie vor, an dem verbotenen Spiel für Schulabgänger teilzunehmen. Denn der Gewinn ist zwar hoch, aber der Einsatz auch, und sie ist keine Kämpferin. Doch schnell wird ihr klar, dass es nur den richtigen Grund braucht, um dabei sein zu wollen. Und dass Mut auch eine Frage von Notwendigkeit ist. Dodge war sich immer sicher, dass er bei Panic mitmachen würde. Er hat keine Angst, denn es gibt ein Geheimnis, das ihn durchs Spiel pushen wird. Aber um zu gewinnen, muss man auch seine Gegner kennen.

Vor längerer Zeit hatte mir Lauren Olivers „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ so gut gefallen, dass ich „Panic“ einfach lesen musste. Natürlich in der Erwartung, noch einmal so begeistert zu sein.
Gelungen ist das „Panic“ nur so semigut. Zunächst fand (und finde ) ich  die Idee, dieses Spiels wirklich genial. Natürlich, das Spiel ist lebensgefährlich und über jede einzelne Aufgabe für die Spieler kann ein vernünftig denkender Mensch nur entsetz den Kopf schütteln. Doch genau solche Extreme machen für mich oft das Besondere an einer Geschichte aus. Im Jugendbuchgenre ist das dann noch mal eine andere Liga und gewagt, aber im Vergleich zu „WDSZDGLADVSS“ finde ich es nicht heikler. Darin geht es immerhin um ein sehr junges Mädchen, das stirbt. Das ist auch nicht ohne.
Spannung zieht „Panic“ also einmal aus dem Spiel und den Aufgaben,  Da fiebert man schnell mit und ein bisschen Sensationsgier (wenn man es so nennen möchte) spielte bei mir da auch immer mit rein. Ich hatte immer die gespannte Frage im Hinterkopf, ob die nächste Aufgabe noch eine Schippe drauflegen würde.
Spannend ist aber auch das Leben der einzelnen Figuren und wie PANIC es beeinflusst. Keiner der Jugendlichen, die am Spiel teilnehmen, hat es leicht. Keiner von ihnen lebt im Luxus, ganz im Gegenteil. Viele haben alles andere als ein gutes Elternhaus. Jeder hat seine persönlichen Geheimnisse und Probleme. Und bei jedem einzelnen kann man nur allzu gut nachvollziehen, dass sie sich erträumen, mit dem Geldgewinn aus PANIC ein besseres Leben führen zu können. Doch der Weg dorthin ist mehr als steinig, denn je weiter es zum Ende hin geht, umso gefährlicher wird die Sache. Irgendeiner der Mitspieler scheint obendrein falsch zu spielen und bringt die anderen damit umso mehr in Gefahr.
Soweit war die Geschichte durchaus nach meinem Geschmack. Es gab dann aber doch zwei Knackpunkte, die dafür gesorgt haben, dass ich von „Panic“ nicht allzu angetan bin. Diese Punkte sind sicher ein Stück weit Geschmackssache, aber das ändert die Sache an sich ja nicht.
Erstens bin ich mit keiner der Figuren richtig warm geworden. Dafür waren es zu viele und die Wechsel zwischen ihnen zu häufig. In der recht kurzen Zeit, die man für jede quasi bekommt, konnte ich mich mit keiner anfreunden. Natürlich, das Hauptaugenmerk liegt auf Heather, doch ich mochte sie deshalb nicht mehr als die anderen. Auch mit ihr bin ich nicht besonders gut Freund geworden. Und ich brauche bei einer Geschichte einfach mindestens eine Figur, die für mich etwas Besonderes ist.
Zweitens gefiel mir einfach das Umfeld der Kids nicht. Es ist mir klar, dass „Panic“ in einer normalen oder gar guten Gegend und mit Jugendlichen, die keine echten Probleme im Leben haben, nicht funktionieren würde. Aber ab einem gewissen Maß Elend ist bei mir Schluss. Wenn alles nur noch traurig, trostlos, hoffnungslos istund die Figuren alle in Armut, Elend und zerrütteten Familien leben, dann ist das nicht mein Fall. Ich brauche wenigstens ab und zu einen Lichtblick oder wenigstens eine Figur, deren Leben nicht meilenweit von meinem eigenen entfernt ist.  Das macht es mir leichter, mich mit ihr zu identifizieren.
Ein kleiner Punkt noch zum Schluss: es gibt ein Element, das ich für absolut unglaubwürdig halte. In den USA ist sicher vieles möglich, aber das sich jemand diese speziellen Tiere dort auf einem Hof hält / halten kann, das bezweifele ich doch sehr

Mit fast jedem Kapitel springt man zwischen den Figuren hin und her. Das sorgt für Abwechslung und bringt Schwung ins Lesetempo. Sonderlich lang sich die Kapitel meistens auch nicht. So hat sich „Panic“ trotz meiner Schwierigkeiten mit der Story und ihren Figuren doch ganz gut und fix lesen lassen.

Das Cover gefällt mir nachwievor richtig gut. Ich mag das kräftige Rot-Orange und dass man den Schemen des Mädchengesichts erst auf den zweiten oder dritten Blick erkennt. Es gibt also auch Möglichkeiten, ein Cover nicht mit einem Mädchengesicht quasi zu erschlagen. Das Schattenrissbild der Klippenspringer verrät bereits, weshalb die Spieler von PANIC sehr viel Mut brauchen.

Fazit: Die Idee des Spiels finde ich  genial und so (lebens)gefährlich die Aufgaben auch sind, cool fand ich sie doch. Weil Lauren Oliver damit im Jugendbuchgenre einiges wagt. Spannend sind die Aufgaben natürlich auch. Genauso wie die Frage, ob die Kids mit PANIC ihr Leben in neue, bessere Bahnen lenken werden. Mir war es aber in Summe zu viel Elend, zu viel Hoffnungslosigkeit. Ab einem gewissen Maß habe ich darauf irgendwann keinen Nerv mehr. So war es auch hier. Und durch die vielen Figuren und die schnellen Wechsel zwischen ihnen, konnte ich mich leider auch mit keinem wirklich anfreunden.

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Titel: PANIC – Wer Angst hat, ist raus
Autor: Lauren Oliver
Seiten: 268
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN: 978-3551583291
Preis: €  8,99 (Broschiert) / € 17,99 (HC)

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