Mai 14 2010

Rezension – Die Welt wie wir sie kannten (Susan Beth Pfeffer)

Was zählt, wenn jeder Tag der letzte sein könnte?
Was, wenn die Welt über Nacht nicht mehr so ist, wie wir sie kannten?
Gespannt verfolgt Miranda zusammen mit ihrer Familie und der ganzen Straße, wie ein Asteroid auf dem Mond einschlägt. Doch dann verläuft der Abend ganz anders als erwartet: Der Mond wird aus seiner Umlaufbahn geworfen und nichts ist mehr, wie es war. Über Nacht gerät die Welt aus den Fugen; Flutkatastrophen, Erdbeben und extreme Wetterumschwünge bedrohen die gesamte Zivilisation. Und Miranda und ihre Familie müssen lernen, dass bei großen Katastrophen gerade die kleinen Dinge zählen: Feuerholz, Klopapier, eine Dose Bohnen, Aspirin. Und dass sie alle zusammen sind.

“Die Welt wie wir sie kannten”  ist ebenfalls solch ein Buch, wie ich sie aktuell händeringend suche: solche, die interessant und spannend klingen ohne dafür liebestrunkene Vampire oder zum Schoßhund degenerierte Werwölfe aufzufahren. Außerdem habe ich ein Faible für Endzeit-Geschichten.
Nachdem ich die ersten Kapitel gelesen hatte, war ich dann ziemlich über mich selbst erschrocken, denn irgendwie hatte ich eine Weltuntergangs-Geschichte quasi im Hollywood-Stil erwartet. Wo es die Menschen speziell schockiert, wenn die Wahrzeichen ihres Landes in sich zusammenfallen (natürlich mit lautstarkem Spektakel drum herum und einem Gewitter oben drüber), wo es besonders dramatisch ist, wenn die Naturgewalten ein liebendes Paar trennen, wo aber immer auch ein Trupp Menschen unterwegs ist, der später alles retten wird, was nur zu retten ist.
Tja, solche Erwartungen erfüllt “Die Welt wie wir sie kannten” nicht.Ich habe das anfangs tatsächlich als bedauerlich empfunden, aber dann ist mir schnell klar geworden, dass diese Art Weltuntergangs-Szenario wie es dieses Buch beschreibt, noch um ein Vielfaches dramatischer ist.  Da merkt man erst, wie sehr einen die Hollywood-Endzeit-Storys verderben. Denn Susan Beth Pfeffer greift sich eine ganz normale amerikanische Familie heraus und lässt die Tochter in Tagebucheinträgen von ihrem Leben, ihrem Alltag, berichten, nachdem ein Asteroideneinschlag auf dem Mond diesen aus seiner Bahn gebracht hat.  Und da sind in erster Linie die vermeintlich kleinen Dinge des Lebens plötzlich großes Thema. Wie soll ein Haushalt funktionieren, wenn es plötzlich tagelang keinen Strom gibt und wenn, dann nur für wenige Minuten? Wie hält man es aus, wenn das Essen plötzlich so radikal rationiert wird, dass man den Hunger irgendwann schon als normal empfindet? Wie lebt es sich mit der Ungewissheit um Freunde und Verwandte, wenn Telefon, Internet, TV und selbst die Post nicht mehr funktionieren und stattdessen Todeslisten die Runde machen? Und wie verändert sich das Miteinander in der Familie, wenn plötzlich alles fast ständig zusammen sind, weil es zu gefährlich ist, nach draußen zu gehen?
Es ist wirklich der reine, schiere Alltag, der in diesem Buch beschrieben wird, und damit ist es so nahe an jedem Menschen dran, dass es einen im Nu gefangen nimmt und erschreckt.
Und so viel sei verraten: ein Happy-End gibt es nicht, allenfalls ein Hopeful-End.

“Die Welt wie wir sie kannten” wird wie gesagt in Tagebucheinträngen von der 16jährigen Miranda erzählt.  Das schränkt zwar einerseits die Sichtweise ein, ermöglicht es andererseits aber auch dieser einen Sichtweise, besonders intensiv und detailreich zu sein. Genau das trifft hier zu. Man fühlt mit Miranda in jeder Minuten mit. Da sie ihre Familie natürlich sehr gut kennt, vermittelt sie einem aber auch oft einen Blick auf diese Personen.  Mitunter so intensiv, dass einem tatsächlich die Tränen kommen oder man trotz allen Elends plötzlich lachen muss.
Das Buch liest sich eigentlich flüssig weg, es ist eher der Inhalt, der mich immer wieder zu Pausen gezwungen hat.
Denn auch wenn es hier keine Effekthascherei gibt, das Geschilderte hat Wirkung und das muss man ab und zu erst mal sacken lassen.

Das Cover wird von dem riesigen Mond dominiert, die verschneite Szene darunter nimmt man zunächst kaum wahr.
Dabei ist sie einen Blick wert, denn sie sieht täuschend idyllisch aus. Erst nach der Lektüre wird einem das ganz anders erscheinen.

Fazit:   Näher an jedermanns Leben kann eine Geschichte um den drohenden Weltuntergang nicht sein. Und dadurch ist “Die Welt wie wir sie kannten” nur umso erschreckender.


Titel:  Die Welt wie wir sie kannten
Autor: Susan Beth Pfeffer
Seiten:  409
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN: 3551582181
Preis:  € 17,90

Mrz 27 2010

Rezension – Invisible Fiends (01) – Mr. Mumbles kehrt zurück (Barry Hutchinson)

Kennst du sie noch, deine unsichtbaren Freunde aus Kindertagen? Oder hast du sie verstoßen? Sieh dich vor. Denn sie werden dich finden. Und dann lauf um dein Leben! Ein Winterabend, Kyle ist allein zu Hause. Es klopft an der Haustür. Überraschung! Draußen steht Mr Mumbles , Kyles Fantasiefreund von früher. Mr Mumbles sieht allerdings erschreckend real aus. Und Mr Mumbles will auch nicht mehr spielen er trägt jetzt eine Axt! Kyle flieht in Todesangst und macht eine schreckliche Entdeckung: Es gibt eine Parallelwelt der vergessenen Freunde. Dort sind sie alle versammelt, die einst netten unsichtbaren Spielkameraden. Sie wollen zurück in die Welt der Menschen, sie wollen Vergeltung. Doch dazu brauchen sie Kyle. Mr Mumbles Besuch ist erst der Anfang…

Ich bin über einen Irrtum zu diesem Buch gekommen. Mir sagte der Inhalt zu und ich erwartete eine Geschichte so im Stil der „Mystery“-Romane aus dem Cora Verlag. Eben für die jüngere Leserschaft und nur mäßig gruselig.
Das hat sich dann allerdings sehr schnell als völlig falsch herausgestellt. Die Reihe „Invisible Fiends“ richtet sich zwar ohne jeden Zweifel an jüngere Leser, ist aber nicht auf dem larifari-gruseligen und wenig blutigen Niveau der „Mystery“-Romane. Ganz im Gegenteil, ich würde „Invisible Fiends“ erst Kindern so ab 12 Jahren zum Lesen geben. und ich bin bei solcher Aufteilung ansonsten nicht zimperlich. Denn Barry Hutchinson schont seine Leserschaft beileibe nicht.
Anfänglich hat es mich schon gestört, dass er sich so wenig damit aufhält, seine Charaktere ordentlich vorzustellen und zu beschreiben, wenigstens bei Hauptperson Kyle und später bei Ameena hätte ich mir das schon gewünscht. Doch statt damit Seiten zu verschwenden, lässt Barry Hutchinson sehr schnell die Show beginnen. Und in diesem Tempo geht es auch weiter, die Story ist von vorne bis hinten mit atemloser Action vollgestopft, kaum mal ein paar Zeilen um mal durchzuatmen. Mr. Mumbles wird dagegen sehr gut beschrieben, was alleine schon mal für Grusel sorgt. Es fließt aber auch reichlich Blut, Schilde und Äxte sind im Einsatz, Knochen und Zähne brechen, Kyle und Ameena drohen zu ertrinken, treffen auf wahrlich schauerliche Kreaturen und handeln oft bemerkenswert kaltblütig, und der Dreh am Ende der Geschichte kommt nicht nur mächtig unerwartet, sondern hat es ebenfalls noch mal in sich. Ich war dem Irrtum aufgesessen, bei einer Kinder-Geschichte müsse es ein Happy End geben…weit gefehlt. Dafür spinnt sich aber offenbar eine sehr interessante Reihe mit diesem ersten Teil an.
Einen erwachsenen Horror-Fan wird diese Story sicher nicht unter die Bettdecke kriechen lassen, aber -wie gesagt- für eine Geschichte für jüngere Leser wird hier schon ordentlich etwas geboten, Langeweile hat keine Chance.
Als bei mir während des Lesens unerwartet die Jalousie runterkrachte, habe ich jedenfalls auch ganz gut gezuckt.

Das Buch hat nur 201 Seiten, ich hatte es an einem Nachmittag ausgelesen. Mir ist aufgefallen, dass es im Verhältnis zu den erzählenden Passagen nur wenige Dialoge gibt. Dadurch wirkt der Text optisch sehr wuchtig und massiv. Glücklicherweise erzählt Kyle die Geschichte in der Ich-Form und „spricht“ dabei auch jugendlich locker und mit viel schwarzem Humor, so dass diese mächtigen Parts sich aber doch recht gut und leicht lesen lassen. Also nicht vom Anblick abschrecken lassen, das hat die Geschichte nicht verdient.

Wie ich finde, lässt eigentlich schon das Cover erahnen, dass zwischen diesen Deckeln keine zahme Kindergeschichte steckt. Die Schrift „Invisible Fiends“ scheint durch den orangefarbenen Schatten förmlcih zu glühen. Außerdem glänzt sie, genau wie auch die Darstellung von Mr. Mumbles, dessen Hand nach dem Leser zu greifen scheint.

Fazit:   Ältere Kinder, die vielleicht schon Erfahrung mit R.L. Stine gemacht haben und nun in Sachen Grusel und Action um eine Liga nach oben steigen möchten, werden sicher ihren Spaß an „Invisible Fiends“ haben. Ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzung und ob man dort diese Klasse halten kann.


Titel:  Invisible Fiends
Autor: Barry Hutchison
Seiten:  201
Verlag: Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-74197-4
Preis:  € 7,95

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