Jan 23

Rezension – Die Mühle (Elisabeth Herrmann)

The Court – das waren die Coolen. Die Unerreichbaren. Die Helden von Lanas Schulzeit. Wie kann es sein, dass ausgerechnet Lana an eine Einladung zu einem Kurztrip mit der Überflieger-Clique kommt? Jahre, nachdem sie alle ihre alte Schule verlassen haben? Die Kings und Queens der coolen Clique sind zwar wenig begeistert, als Lana statt ihres siebten Mitglieds bei ihrem Treffen auftaucht. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse. Der Trip führt die Clique in eine alte abgelegene Mühle, umgeben von Wildnis. Alles hier scheint für sie vorbereitet zu sein. Nur wer hat eigentlich die Einladungen verschickt? Wer begrüßt sie mit schriftlichen Botschaften, hat seltsame Spiele für sie organisiert? Als der erste der Freunde verschwindet, bricht Panik in der Gruppe aus.

Auch dieses Buch habe ich noch 2016 gelesen. Elisabeth Herrmanns Jugendthriller haben mir im Schnitt immer ganz gut gefallen und auch wenn bei diesem Buch von einem All Age-Thriller gesprochen wird, die Hauptfiguren sind für mich noch jung genug um es als Jugendthriller zu verstehen.
Ich muss gestehen, dass ich Lana anfangs nicht wirklich verstanden habe. Wie kommt man dazu, solch eine Einladung einfach anzunehmen? Das ist doch so schon von vorne bis hinten seltsam und undurchschaubar. Außerdem stand sie nie in sonderlich guter Beziehung zu ihren alten Schulkollegen, und da nimmt sie einfach so diese Einladung an und fährt mit ihnen in Wald und Berge? Ich weiß ja nicht. Aber klar, würde sie sich nicht darauf einlassen, hätte die Story keinen Aufhänger. Alleine durch diese Entscheidung wurde ich mit Lana sehr lange nicht richtig warm.
In der kleinen Reisegruppe musste ich mich erst zurechtfinden, wer welche Position hat, wem welche Rolle zukommt und wer welche Charaktereigenschaften mitbringt und was all das für die Gruppe für eine Rolle spielt. Erfreulicherweise ist die Gruppe nicht allzu groß, so ging das Zurechtfinden ziemlich fix. Ich bin ja bekanntlich gar kein Fan davon, mich bei einer ganzen Schar Figuren einfinden zu müssen. Eine gewisse besonders gefährliche Situation bringt das Wesen der einzelnen Figuren außerdem so klar ans Tageslicht, dass man sich spätestens dann klar über die Charaktere ist.
Das Setting mit der alten Mühle entsprach ganz meinem Geschmack. Sie wird wunderbar düster und unheimlich beschrieben, aber genau deshalb auch irgendwie schön und geheimnisvoll. Anfangs fühlte ich mich dort -genau wie die Gruppe- sogar noch auf urige Weise wohl, doch dann geschehen die ersten seltsamen Vorkommnisse. Zunächst sind sie nur eher seltsam, nehmen dann aber schnell an Bedrohlichkeit zu. Als einer der jungen Leute verschwindet, ist der erste Höhepunkt erreicht.
Aber schon vorher gibt es einige Anlässe zum Wundern und auch zum Schaudern. Und natürlich fragt man sich recht schnell, was oder wer dahinterstecken könnte, und warum eigentlich. Ich habe schon in der Gruppe viel herumspekuliert. Es gibt da so manche Gestalt, die ich mir gut als Täter hätte vorstellen können. Doch dann steckte eben genau diese Person wieder in lebensgefährlichen Schwierigkeiten und ich habe ich wieder umorientieren müssen. So blieb es bis zum Schluss wirklich spannend.
Elisabeth Herrmann schont ihre Figuren nicht. Sie geraten in einige wahrlich haarsträubende und gefährliche Situationen, die mehr als einmal schier auswegslos wirken und den Leser an den Fingernägeln knabbern lässt vor Aufregung. Der Gruselfaktor ist dabei mitunter auch recht hoch und ich bin manches Mal bei Geräuschen beim Lesen aufgeschreckt. So gehört sich das für einen Thriller!
Es gibt aber auch den einen oder anderen Punkt, der nicht so nach meinem Geschmack war. Einmal sind es diese häufigen, ausschweifenden Beschreibungen. Geraden wenn es um Gegenden wie einen Wald geht, kann ich damit nichts anfangen und es bremst mich beim Lesen aus. Auch Lanas Gedanken / Erinnerungen fielen mir manches Mal zu ausführlich aus. Weiterhin muss Lana ja wirklich hunderte von Schutzengeln haben. Ja, auch das muss für die Story wohl so sein, aber so richtig glaubhaft wirkte es nicht auf mich.
Insgesamt gesehen sind das jedoch nur Kleinigkeiten, die mir den Spass an der Geschichte nicht nehmen konnten.

Es hat etwas länger als gewöhnlich gedauert bis ich „Die Mühle“ ausgelesen hatte. Wie schon erwähnt haben mich die weitschweifigen Beschreibungen und Gedanken immer mal wieder ausgebremst. Allerdings gibt es auch sehr viele Dialoge, was bei so vielen Figuren ja auch kaum ausbleibt und die widerum ließen sich für mich wunderbar lesen. Die Kapitel sind durchweg ziemlich kurz, was schnell dazu verleitet, dass man sich denkt ‚ach, eines schaffst du noch ehe du schlafen musst‘ und dann war es bei mir doch wieder mehr als eins und ziemlich spät geworden.

Das Cover finde ich einfach genial. So schön finster und so unheimlich irgendwie mit der nur angedeuteten Mühle und den schwarzen Vögeln. Für mich ein echter Blickfang im Regal und ein Motiv, das eine spannende, düstere und unheimliche Story verspricht.

Fazit:  Bis auf ein paar Kleinigkeiten hat mir „Die Mühle“ sehr gut gefallen. Eine durchweg spannende Story, die ihre Figuren in wahrlich lebensbedrohliche Situationen bringt. Da kann man mehr als einmal mit den Charakteren bangen. Gleichzeitig fand ich die Frage unsagbar spannend, wer warum hinter den Vorkommnissen stecken könnte. Ich habe wirklich bis zur Auflösung gegrübelt, zu kombinieren versucht und verdächtigt. So hat mir „Die Mühle“ wirklich Spass gemacht.


Titel: Die Mühle
Autor: Elisabeth Herrmann
Seiten: 448
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570164235
Preis: € 17,99 (Broschiert)

Jan 19

Rezension – Weisswurstconnection (Rita Falk)

Ein Luxus-Spa-Hotel öffnet seine Pforten, und die Hälfte der Dorfbevölkerung tobt. Als kurz darauf auch noch eine Leiche ausgerechnet in einer Marmorbadewanne dort liegt, muss der Eberhofer freilich wieder ran. Ganz egal, wie geschmeidig es mit der Susi grad läuft. Leider ist der Birkenberger Rudi momentan ein wenig verpeilt – was den Franz vor eine schwere Entscheidung stellt. Bleibt zu hoffen, dass zumindest er den Überblick behält. Oder verrennt er sich dieses Mal tatsächlich ein bisschen?

Endlich habe ich den (nicht mehr ganz) neuen Eberhofer gelesen. Sonst habe ich ihn sofort gelesen, sobald er eintraf. Aber 2016 war einfach kein so gutes Lesejahr bei mir.
Nun aber habe ich ihn endlich gelesen und er hat mir insgesamt so 50:50 gut gefallen.
Ein Mord im neu eröffneten Wellnesshotel von Niederkaltenkirchen hält Eberhofer dieses Mal auf Trab. Während der Mord Rätsel aufgibt, gibt es gleichzeitig auch noch massig Verdächtige. Denn so richtig begeistert war man im Dorf ja eher nicht vom neuen Hotel. Dass selbst Franz‘ beste Freunde plötzlich auf der Verdächtigenliste stehen, sorgt für zusätzliche Brisanz.
So kann man als Leser gut mitknobeln und Verdächtigungen anstellen. Ich muss zugeben, ich habe es selbst der ein oder anderen an sich so lieb gewonnenen Figur mal zugetraut. Irgendwo sie sind ja -so kauzig und liebenswert- eben doch ein arger Sauhaufen in meinen Augen.
Somit war für mich durchgängi für Spannung gesorgt. Irgendwann beißt sich Eberhofer aber dann doch an einem Verdächtigen fest und ich muss sagen, dass ich zuvor bereits einmal in diese Richtung gedacht hatte, die Idee aber von wegen „das kann doch gar nicht sein“ bald wieder verworfen hatte. Ich hatte sogar die richtige Idee, was die Ursache für die Tat sein könnte, aber es wollte mir halt einfach nicht wirklich in den Kopf.
Somit kam die Auflösung dann doch noch sehr überraschend. Ich muss aber gestehen, dass sie mir -im Verhältnis zum vorangegangenem Geschehen mit Ermittlungen und Verdächtigungen etc- eine Spur zu einfach gestrickt daherkam.Und irgendwie habe ich sie auch nicht als eine echte Krimiauflösung empfunden. Ich dachte die ganze Zeit quasi ‚was, das soll alles gewesen sein, dafür das ganze Brimborium zuvor?‘ und irgendwie verstehe ich unter einem Mord doch etwas anderes. Vor allem unter einem Mord in einem Krimi. Das ist schwer zu erklären, aber ich hoffe, man versteht es trotzdem.
Ich fand übrigens auch, dass es dieses Mal nicht so viel aus Eberhofers Privat- und Familienleben zu lesen gibt. Natürlich mischen die Oma, die Susi, das Paulchen und Bruder Leopold mit, aber eben nicht so häufig und so ausführlich wie zB in den ersten Bänden der Reihe. Das ist einserseits gut, denn so bleibt der Fokus auf den Fall gerichtet und die Geschichte fühlt sich nach einem waschechten Krimi an. Andererseits gehört Eberhofers Familie für mich einfach in die Geschichten und sorgt bei mir für die meisten Lacher. Dieses Mal habe ich eher selten gelacht, was ich schade fand. Zudem kündigen sich im Zusammenhang mit der Familie gewisse Veränderungen für Eberhofer an, die mir nicht zusagen. Ich kann ihn mir so einfach nicht vorstellen und möchte ihn so auch gar nicht erleben.
Ob aus diesen Plänen tatsächlich etwas wird, bleibt hier aber erstmal noch recht fraglich. Daher hoffe ich noch, dass es nicht alles so eintreten wird. Und angesichts des Endes der Geschichte darf man sowieso noch großzügig daran zweifeln. Denn das Ende…nun, sagen wir mal, es dürfte Eberhofer-Fans mit einem entsetzen „Alles nur das bitte nicht!“ zurücklassen. Mir hat es tatsächlich ein bisschen Angst gemacht. Ich bin gespannt auf den nächsten Band…falls es einen geben sollte. [Jetzt wäre der Moment für Fans, entsetzt zu gucken 😉

Wie gehabt liest sich auch dieser Krimi wieder weg wie nichts. Ich liebe Eberhofers Art zu erzählen, diesen Dialekt, die Formulierungen, einfach alles. Das ist so herrlich locker und so etwas liest sich für mich eben einfach wunderbar flüssig und fix. Ich möchte die Krimis manchmal ehrlich länger genießen, aber Eberhofers „Schnauze“ reißt mich irgendwie jedes Mal mit. Und ich mag das halt auch so.

Mein erster Gedanke beim Anblick des Covers war: schwimmt da ein Gebiss im Bier? Der Lippenstiftabdruck ist wirklich nicht so gut getroffen, finde ich. Davon abgesehen ist es insgesamt aber ein zur Geschichte passendes Cover mit dem Polizeischlüsselanhänger, dem Kronleuchter, den man sich leicht in einem bayerischen Hotel vorstellen kann und natürlich den Weisswürsten aus dem Titel.

Fazit:  Der Krimi an sich hat mir sehr gut gefallen. Er ist spannend, lädt zum Mitknobeln ein und steht hier nicht hinter Eberhofers Privatleben zurück. Allerdings fühlte sich die Auflösung für mich einfach nicht krimiwürdig an und wirkte mir zu einfach gestrickt. Außerdem kam mir Eberhofers Familie etwas zu kurz, wodurch mir auch eine Ecke an Witz und Komik fehlte. Und die Entwicklung von Eberhofers Privatleben sagt mir (bislang) so gar nicht zu. So möchte ich es einfach nicht haben bzw ihn nicht darin erleben. Mal schauen, was daraus wird. Vor allem nach diesem Ende…


Titel: Weisswurstconnection
Autor: Rita Falk
Seiten: 304
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423261272
Preis:  € 15,90 (broschiert)

Jan 16

Rezension – Engelmord (Bettina Brömme)

engelmordMelina ist auf der Suche nach ihrem Bruder Heiko, seit drei Jahren ist er verschwunden. Auf dem Hof einer religiösen Sekte findet sie ihn wieder, aber er scheint sie nicht mehr zu erkennen. Dann geschieht ein schrecklicher Mord an einer jungen Frau, der Heiko angelastet wird. Denn die Tote war Heikos geheime Freundin – eine verbotene Liebe innerhalb der Sekte. Melina glaubt an die Unschuld ihres Bruders. Doch jemand aus der Gemeinschaft will mit allen Mitteln verhindern, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

Ich habe noch einige Rezensionen nachzuholen zu Büchern, die ich bereits 2016 gelesen habe. Also fangen wir direkt mit einem davon an. Im Urlaub letztes Jahr haben mich vor allem die Arena Thriller begleitet, von denen ich noch manchen Band ungelesen stehen habe.
„Engelmord“ -das kann ich gleich vorab schon sagen- gehört für mich zu den stärkeren Geschichten aus der Reihe, auch wenn ich auch hier mit gewissen Dingen ein paar Schwierigkeiten hatte. Dazu später.
Alleine dass die Story sich hauptsächlich in der Gemeinschaft einer Sekte abspielt, hat mir auf Anhieb gut gefallen. Das ist einfach mal etwas anderes und einem ganz schön fremd. Und das sorgt dann irgendwie auch dafür, dass die Umstände zB eines Mords anders wirken (können).
Zunächst hat man erstmal genug Gelegenheit, sich mit Melina in der Gemeinschaft ein- und zurechtzufinden. Und schon das Leben und die Lebensweise und Lebensumstände der Gemeinschaft wirken  eher befremdlich. Natürlich, vieles klingt einladend und irgendwie konnte ich ein kleines Stück weit nachvollziehen, was die Menschen dort daran begeistert, doch in erster Linie fand ich es einfach nur schrecklich. Ich habe Melina ehrlich dafür bewundert, wie sie die Sache meistert und damit umgeht. Denn schnell stellt sich heraus, dass diese vemeintlich so ehrenhafte Gemeinschaft allgegenwärtig ist, dass man ihr nicht entkommen kann und dass sie zur Verwirklichung ihres Lebenstraums über Leichen gehen. Zunächst im übetragenen Sinne, später dann auch im buchstäblichen Sinne.
Natürlich eckt Melina häufig an in der Gruppe, was Strafen nach sich zieht. Das sorgt ebenso für Spannung wie auch die Suche nach ihrem Bruder selber und dem Schrecken als sie ihn dann findet. Und natürlich die Frage, ob der Mord tatsächlich auf sein Konto geht.
Die Lage für Meline in der Sekte spitzt sich schnell zu und man hat häufig Gelegenheit, Angst um sie zu haben und an den Fingernägeln zu knabbern, wenn sie eine neuerliche Aktion startet um dem Rätsel auf den Grund zu gehen, das die Gemeinschaft umgibt. Außerdem habe ich die ganze Zeit gehofft, dass die Mitglieder sie nicht doch auf ihre Seite ziehen.
Das Finale präsentiert sich erstmal höchst dramatisch mit einem Feuer und wartet anschließend mit so mancher Überraschung auf. Einige davon haben mich ehrlich schockiert, weil ich das im Vorfeld nicht habe kommen sehen. Einige waren weniger überraschend, haben mich aber trotzdem wirklich ärgerlich gemacht. So eine heuchlerische Bande aber auch!
Bis hierher klingt das alles ja wirklich prima. Aber eingangs habe ich ja bereits gechrieben, dass ich auch gewisse Probleme mit der Geschichte hatte. Ich konnte nämlich beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie sich jemand freiwillig in die Fänge einer Sekte begeben kann. Allgemein nicht, was vermutlich daran liegt, dass mir dieser Grad an Verzweiflung völlig fremd ist (zum Glück!), den es dafür braucht.
Im Falle von Melina aber auch deshalb nicht, weil ihr doch schon nach kurzer Zeit dort klar sein muss, wie man sie dort behandelt, wie man Menschen allgemein dort behandelt. Und dass ihr Bruder sich längst so weit von ihr entfernt hat wie es nur geht! Alleine um ihr eigenes Wohl, hätte ich ihr manches Mal gerne zugerufen, sie solle Bruder Bruder sein lassen und sich dort vom Acker machen. Schließlich ist sie mutig und clever und steht mit beiden Beinen auf dem Boden. Wie kann so jemand widerum gleichzeitig so dumm sein? Nein, das habe ich nicht verstanden. Und so habe ich mir innerlich alle naselang an die Stirn getippt und mich irgendwie auch geärgert.

Lesen ließ sich „Engelmord“ jedenfalls wie nichts. Melina erzählt sehr lebendig, locker und mit einem Funken bösen, teilweise ein wenig bitteren Humor. Die Kapitel sind teilweise etwas länger, was aber gleichzeitig bedeutet, dass man mit jedem Kapitel auch ein gutes Stück in der Geschichte vorankommt.

Für mich passen weiße Cover ja nicht so wirklich zu einem Thriller. Aber dieses Motiv an sich mag ich schon mit dem Flügelanhänger und dem Hintergrund, der einen gefiederten Engelsflügel zeigt. Trotzdem, etwas düsterer hätte es für mich gern sein dürfen.

Fazit:  Ich konnte die ganze Zeit nicht nachvollziehen, wie man sich freiwillig in eine Sekte begibt. Und wie man all das auf sich nimmt für jemanden, der an einem gar kein Interesse mehr zeigt. Da habe ich mich schon manches Mal geärgert. Allerdings fand ich die Geschichte auch sehr spannend und teilweise wirklich schockierend. Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, sich solch ein Leben anzutun und sich davon obendrein noch eine Verbesserung seiner Situation zu versprechen? Schlimm, wenn man sich vorstellt, dass es so etwas tatsächlich gibt. Somit kann ich „Engelmord“ trotz meines durchgängig leichten Ärgers wirklich empfehlen.


Titel: Engelmord
Autor: Bettina Brömme
Seiten: 280
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401069180
Preis: € 9,99 (Broschiert)

Jan 12

Rezension – Laufen. Essen. Schlafen. (Christine Thürmer)

laufenessenschlafenAls Christine Thürmer gekündigt wird, beschließt sie, sich eine Auszeit zu nehmen und auf dem Pacific Crest Trail von Mexiko nach Kanada zu wandern – 4277 Kilometer. Eigentlich unsportlich und ohne Erfahrung bricht sie zu ihrem Abenteuer auf und schafft es tatsächlich bis ans Ziel. Und sie wandert weiter, läuft 2007 den Continental Divide Trail und 2008 den Appalachian Trail. Aus der gewissenhaften Geschäftsfrau wird eine Langstreckenwanderin, die fast ununterbrochen draußen unterwegs ist. Anschaulich und humorvoll beschreibt Christine Thürmer die Geschichte ihrer inneren Suche, ihre Erlebnisse und landschaftlichen Eindrücke auf den drei großen Trails und wie es ist, als Frau allein unterwegs zu sein.

Seit „Wild – Der große Trip“ bin ich ständig auf der Suche nach ähnlichen Büchern / Geschichten. Ich liebe einfach solch abenteuerliche Geschichten, die tatsächlich passiert sind an Orten, die es tatsächlich gibt. Das vermittelt mir immer das Gefühl, das so etwas auch für mich möglich wäre. Wobei ich meine Fitness natürlich schon genau kenne und somit weiß, dass ich daran vermutlich scheitern würde. Trotzdem, dieses Mögliche hat eben seinen Reiz.
Dieses Buch hier klang vom Klappentext her genau so als könne es für mich ein würdiger Nachfolger sein. Gefallen hat mir zunächst besonders, dass Christine Thürmer tatsächlich die totale Karrierefrau ist mit einem Job in bester Position und sich nach gewissenen einschneidenden Erlebnissen dennoch für diese Wanderungen entscheidet. Das spricht für Mut (und ein gut gefülltest Konto, anders geht es nicht).
In vielerlei Hinsicht hat mir das Buch auch gut gefallen. Es war interessant, gleich drei Trails in den USA kennenzulernen. Den PCT ist Cheryl Strayed aus „Wild“ ja ebenfalls gelaufen, und hier bekommt man nochmal weitere Informationen dazu und bekommt wirklich wunderschöne und beeindruckende Bilder beschrieben, die sich dem Wanderer dort bieten.
Den Continental Divide Trail kannte ich bisher noch nicht und er wird auch eine Ecke kürzer behandelt als der PCT.
Den kleinsten Teil der Erzählung bekommt der Appalachian Trail ab, wobei er mir in Summe eigentlich am besten gefallen hat.
Alle drei bieten dem Wanderer ganz verschiedene Landschaften und Herausforderungen. Ich fand es spannend, wie die Wanderer -insbesondere Christine Thürmer- diese Herausforderungen meistern und habe die Beschreibungen der Landschaften und die dazu gehörigen Bilder vor meinem geistigen Auge nur so aufgesogen. Gepaart mit meinem ständigen Fernweh war es bei mir ein ständiges: das möchte ich auch mal sehen / erleben.
Bis hierher ist also wirklich alles genau nach meinem Geschmack gewesen.
Nicht so gut hat mir gefallen hat mir allerdings, dass Vieles bei Christine Thürmer so völlig glatt läuft. Ich glaube ihr dabei schon alles, was sie in ihrem Buch schildert, keine Frage! Darum geht es mir auch nicht! Aber ich finde, dass man sich als Leser bei diesem Buch einige Dinge immer vor Augen halten sollte. Beispielsweise, dass Christine Thürmer durch ihren Job über das ganze Buch hinweg finanziell keine Probleme hat. Dass sie durch ihre Qualifikation jederzeit zurück in einen solchen Job kann. Dass sie über ein mehr als gesundes Maß an Selbstbewusstsein und Mut verfügt. Dass sie offenbar schon anfangs perfekt Englisch sprach und so schnell Anschluss fand. Und noch einige Dinge mehr.
Und dann muss man -wenn man wie ich so ein Abenteuer erwägt- ganz ehrlich mit sich sein, ob man all dies auch aufbringt. Mir wird das alles einfach etwas zu leicht beschrieben. Wer das Buch liest, das nicht reflektiert und loszieht, der dürfte schnell Probleme bekommen.
Und tja, so ein bisschen mehr Jammer hätte ich auch authentischer gefunden. Aber Muskelkater und schmerzende Füße sind oft kaum mehr als eine Erwähnung wert. Dass die erste Nacht im Zelt entspannt wie im heimischen Bett verläuft, glaube ich auch nicht. Doch darauf wird gar nicht groß eingegangen. Ich denke einfach, speziell bei der ersten Wanderung dürfte es auch bei Christine Thürmer das eine oder andere Wehwehchen gegeben haben, und davon hätte ich gern gelesen. Weil es die Sache noch authentischer gemacht hätte.

Lesen ließ sich das Buch für mich wirklich gut und flüssig weg. Richtige Überschriften gibt es nicht. Wenn man so will sind die Angaben über die zurückgelegte Strecke eine Art Kapiteleinteilung. Und diese Kapitel haben durchweg eine angenehme Länge. Dazwischen gibt es dann noch die Kapitel zuhause bei Christine Thürmer, ihren Erlebnissen und Planungen dort, was sich für mich noch einen Tacken besser lesen ließ.

Das Cover sprach mich mit den verschiedenen Bildern in kräftigen Farben sofort an. Was für eine schöne Landschaft! Und Campingkocher und Zelt vermitteln Abenteuerfeeling. In der vorderen Broschur gibt es eine Karte der USA mit den drei eingezeichneten Trails. In der rückwärtigen Broschur findet man Fotos aus der Erzählung. Und auch in der Mitte des Buch gibt es ein paar Seiten mit Fotos.

Fazit:  Für mich mit meinem ständigen Fernweh war dies wieder ein richtig tolles Buch. Es hat Spass gemacht, nach dem PCT noch andere Trails kennenzulernen und viele Situationen, in die Christine Thrümer gerät, sorgen für Spannung und Unterhaltung. Lediglich den im Klappentext gepriesenen Humor habe ich vergeblich gesucht. Allerdings lief mir für die Autorin Vieles doch zu einfach ab und man muss sich beim Lesen immer über die geradezu idealen Voraussetzungen klar sein, die sie schon bei ihrer ersten Wanderung mitbrachte. Sollte man selbst solch ein Abenteuer in Erwägung ziehen, sollte man genau über die eigenen Voraussetzungen nachdenken. Bringt man nicht die selben mit, dann wird man es auch schwerer haben.


Titel: Laufen. Essen. Schlafen. – Eine Frau, drei Trails und 12700 km Wildnis
Autor: Christine Thürmer
Seiten: 288
Verlag: Malik Verlag
ISBN: 978-3890294711
Preis: € 16,99 (HC)

Jan 11

Gelesen 2016

Auf dieser Seite könnt ihr sehen, welche Bücher ich in diesem Jahr bereits gelesen habe!

 

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

August

September

Gelesene Bücher 2016

16

Sep 28

Rezension – Rosengift (Susanne Mischke)

rosengiftAnfangs fühlt Matilda sich von Patricks kleinen Aufmerksamkeiten – Briefen, SMS, einer roten Rose vor der Haustür – geschmeichelt. Doch dann kommt es zu einem verhängnisvollen Kuss und die „Liebesbeweise“ nehmen eine völlig neue, beunruhigende Form an. Irgendjemand scheint Matilda offensichtlich bis aufs Blut zu hassen. Und sie zweifelt mehr und mehr daran, dass es wirklich Patrick ist.

In letzter Zeit habe ich wieder einige Arena Thriller gelesen, weil davon mehrere ungelesen im Regal stehen. Im echten Regal genauso wie im virtuellen auf dem Kindle.
„Rosengift“ gehört dabei zu den Arena Thrillern, die mich lange nicht von sich überzeugen konnten.
Das lag anfangs vor allem daran, dass ich mit Matilda einfach nicht warm wurde. Ich kann das noch nicht mal richtig begründen. Jedenfalls nicht, ohne dass es irgendwie oberflächlich klingen würde. Schon alleine wie sie vom Aussehen her beschrieben wird, sagte mir nicht so recht zu. Mit ihrem Faible für Geige konnte ich -unmusikalisch wie ich bin- auch nichts anfangen. Ihr Name wirkte altmodisch auf mich, obwohl ich weiß (und es auch gut finde), dass solche Namen gerade ein Comeback feiern. Aber alles in allem sorgte eben dafür, dass ich mich mit Matilda nicht so richtig anfreunden konnte. Ihre selbstbewusste Art dagegen mochte ich wirklich, aber das alleine reichte eben nicht.
Ich habe auch nicht verstanden, wieso sie sich über die ersten Vorkommnisse so aufregt. Klar, nerven würde mich so etwas auch. Vor allem bei jemandem, dessen Gefühle ich nicht erwidere. Aber ihre Reaktionen habe ich teilweise als zu heftig empfunden. Und ich habe nicht verstanden, wieso sich dieses sonst so abgeklärte Mädchen nicht aufrafft und Patrick ein für allemal klipp und klar sagt, dass ihrerseits nichts zwischen ihnen läuft.
Natürlich habe ich von Anfang an geknobelt, wer noch hinter den Vorfällen stecken könnte, wenn es nicht Patrick ist. Dass er es nicht ist, erschien mir nämlich ziemlich schnell ziemlich klar. Doch dann gab es widerum Ereignisse, bei dem er mir als erstes als Verdächtiger einfiel. Es war also ein schönes krimimäßiges Rätselraten, dass Spass gemacht hat. Andere Verdächtige gibt es genügend, da hat man so einiges zu tun und zu knobeln.
So richtig hatte mich die Geschichte aber erst am Haken, als die Vorfälle drastischer wurden. Von da an, gefiel mir die Story wirklich richtig gut. Ich mag es einfach, wenn es mehr und grausiger zur Sache geht in einem Krimi / Thriller. So konnte ich das Buch irgendwann eben doch nicht mehr aus der Hand legen. Damit hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr gerechnet.
Die Auflösung gefiel mir dann auch wirklich gut. In einem Punkt, hinsichtlich einer Person, wurde mein Verdacht bestätigt. Der andere war eine Überraschung. Und die Gründe für die Taten kamen nicht Nullachtfünfzehn daher, sondern einfallsreich.
Das Ende selber hat mir ebenfalls gefallen, weil es eben nicht rosarot ausfällt, sondern mit den Ecken und Kanten, die man nach dem Geschehen auch erwartet.
Selbstverständlich gehört bei einem Arena Thriller immer auch eine kleine Lovestory mit dazu. Diese hier ist erfreulich unkitschig. Etwas anderes hätte ich einem Mädchen wie Matilda auch nicht abgenommen. Von daher ist auch in dieser Hinsicht alles in trockenen Tüchern.

Matilda hatte für mich neben ihrer manchmal seltsamen Art auch eine relativ anstrengende Art zu erzählen. Das hätte ich mir jugendlicher gewünscht. So hat die Geschichte sich für mich lange Zeit erstaunlich schwer gelesen. Das lag aber auch daran , dass sie zahlreiche beschreibende und erklärende Passagen hat. Ich mag Dialoge lieber, in denen sowas verpackt ist. Das liest sich dann auch lockerer.

Selbstverständlich ist auf dem Cover eine Rose zu sehen, wenn diese Blume schon im Titel vorkommt. Ein Trauerflor ist ebenfalls zu sehen, der aber erst seinen Bezug zur Geschichte zeigt, wenn man sie gelesen hat. Somit ist die Kombination gut gelungen. Nur mag ich helle Hintergründe für Krimis / Thriller nicht so gerne.

Fazit: Mir hat ausgerechnet die Hauptfigur lange Schwierigkeiten mit dieser Geschichte beschert. Das ist natürlich sehr unglücklich. Doch irgendwann als die Übergriffe drastischer wurden, packte mich die Geschichte dennoch. Nichtsdetotrotz hat man hier massig Gelegenheit mitzuknobeln und das ist widerum ein dicker Pluspunkt. Trotzdem hatte ich mir von einem Thriller von Susanne Mischke irgendwie mehr versprochen.


Titel: Rosengift
Autor: Susanne Mischke
Seiten: 288
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401066011
Preis: € 9,99 (Broschiert)

Sep 24

Rezension – Rosen, Tulpen, Nelken, alle Blumen welken (Deborah Ellis)

Rosen, Tulpen, Nelken, alle Blumen welken (Deborah Ellis)Es sollte ein unbeschwerter Sommer werden für Jess und ihre beste Freundin Casey. Doch die aufmüpfige kleine Stephanie macht den beiden Feriencamp-Betreuerinnen das Leben schwer. Wem rutscht da kein Scherz über Mordgelüste raus? Als das Mädchen eines Nachts verschwindet und Tage später tot aufgefunden wird, gerät ausgerechnet Casey unter Mordverdacht. Jess ist gelähmt vor Schock: Kann sie ihre Freundin bei der Polizei entlasten oder stimmt es etwa, was im ganzen Ort gemunkelt wird, dass Casey doch schon immer etwas sonderbar war?

Rein vom Klappentext sprach mich dieses Buch sofort an. Gut, ich hatte dabei außer Acht gelassen, dass die Geschichte nicht in Deutschland spielt (was ich mittlerweile nicht mehr mag), aber das stellte sich dann doch noch als kleinstes meiner Probleme damit heraus.
Dabei klingt der Aufhänger wirklich gut und vielversprechend. Ein Mord an einem Kind, eine Jugendliche unter Verdacht, Zweifel an ihrem bislang so gutem Wesen, das klang nach Spannung und viel Knobelei beim Lesen. Aber: Pustekuchen!
Die Geschichte wird quasi zweiteilig erzählt. Es gibt Kapitel, die erzählen von den Ereignissen im Camp, in dem die kleine Stephanie war. Wo sie Casey und Jess als Betreuerinnen hatte. Und wo sie letzlich auch verschwand und ermordet aufgefunden wurde. So kann man sich gut ein Bild vom Geschehen machen und nach Anhaltspunkten für oder gegen einen Verdacht gegenüber Casey suchen. Leider erfährt man dabei nicht viel über Casey, im Mittelpunkt steht meist ihr ständiges Bemühen um die aufmüpfige Stephanie (die ich persönlich schon nach kurzer Zeit hätte eiskalt auflaufen lassen, denn das Kind nervt nur!) und ihre Liebe zu Insekten, was mir irgendwann schlichtweg auf die Nerven ging.
Die übrigen Kapitel spielen sich im Hier und Jetzt ab, wo Casey unter Mordverdacht im Gefängnis sitzt und ihre Freundin Jess das Leben ohne die Freundin meistern muss. Auch von Jess konnte ich mir die ganze Zeit kein richtiges Bild machen. Sie wirkte auf mich immer nur irgendwie farblos und trantütig. Gerade Letzteres habe ich ihr schwer übel genommen und es auch einfach nicht verstanden.Sie erzählt, dass ihre beste Freundin im Gefängnis sitzt, wie die Stadt sich gegen Casey wendet, wie sie langsam zu zweifeln beginnt und dass sie eigentlich dringend etwas für Casey tun müsste, aber…nichts! Alles kommt völlig emotionslos rüber, nichts davon kommt so tiefgehend zu Sprache, dass es den Leser betroffen machen könnte. Stattdessen wollte ich Jess ständig nur treten, dass sie eben nicht nur schwafelt, sondern auch etwas tut. Etwas anderes, als sich selbst immer mehr mit ins Elend zu reiten! Etwas anderes als absolut unnütze und sinnlose Dinge wie zB jede Nacht Rad zu fahren.
Spannung kam bei mir hier leider nicht eine einzige Sekunde auf. Ich wollte zwar wissen, ob es Casey war und falls ja, wie sie es getan hat, aber mehr war es nicht. Mehr so eine Art nun-komm-endlich-zum-Ende-Gefühl.
Natürlich kam das Ende irgendwann und die Auflösung entpuppte sich gleich als die nächste Pleite. Da hat man nun zig Seiten mehr oder weniger intensiv gegrübelt, wer Stephanie umgebracht hat und dann sowas! Das wirkte schlichtweg erzwungen, mehr nicht. Und dem Leser zeigt es klar eine lange Nase. Denn nichts, wirklich nichts, deutet zuvor darauf hin. Wenn man denn also wirklich gerätselt hat, denn kriegt man hier quasi vor den Latz geknallt, dass man eigentlich nur sinnlos Hirnschmalz verbrannt hat.
Ein überraschendes Ende, eine clevere Wendung, das geht defintivi anders!

Lesen lässt sich die Geschichte ganz gut, wenn man sich denn mangels Spannung und Dramatik bis zum Ende hin durchbeißt. Dass Jess recht langweilig erzählt, muss man auch akzeptieren können. Mir haben es vor allem die Wechsel zwischen den Schauplätzen leicht gemacht, dabei zu bleiben. Das ist zwischen Jess öden Parts eine ganz nette Abwechslung.

Das Cover gefällt mir noch genauso wie auf den ersten Blick. Es ist schön düster wie es sich für einen Thriller gehört. Und mit dem Fahrrad auf der Wieso wirkt es auch eine Spur geheimnisvoll. Eine schöne Kombination.

Fazit:  Unspannend, undramatisch, mit oberflächlichen und farblosen Figuren, die teilweise dermaßen unsinnige Dinge tun, dass man nur den Kopf schütteln kann, und mit einer Auflösung, die jeden miträtselnden Leser verspottet. Das ist für mich „Rosen, Tulpen, Nelken, alle Blumen welken“. So leid es mir tut, aber Thriller geht anders!


Titel: Rosen, Tulpen, Nelken, alle Blumen welken
Autor: Deborah Ellis
Seiten: 256
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570401750
Preis: € 7,99 (TB)

Sep 20

Rezension – Denn morgen sind wir tot (Andreas Götz)

Denn morgen sind wird tot (Andreas Götz)Seit sie mit Adrian zusammen ist, ist das Leben der 16-jährigen Siri ein einziger Rausch. Am meisten fasziniert sie, dass Adrian sich nicht um Grenzen und Verbote schert. Lebe jetzt, ist sein Motto, denn morgen sind wir tot. Alles könnte perfekt sein, wäre da nicht Siris Ex-Freund Niklas, der Adrian sogar für gefährlich hält. Siri schlägt alle Warnungen in den Wind und ist bereit, für ihr Glück Eltern und Freunde zu hintergehen. Doch Niklas lässt nicht locker. Als er zur ernsten Bedrohung wird, schmieden Siri und Adrian einen Plan, der das Dunkelste in ihnen zum Vorschein bringt.

Dies ist ein irgendwie ein schwieriges Buch.
Warum?
Weil ich es in einer langen Nacht in einem Rutsch und in irrsinnigem Tempo durchgelesen habe. Ich fand es unglaublich spannend, war von Anfang an total neugierig darauf, wie es mit Siri und Adrian weitergehen würde, welche katastrophalen Folgen das alles noch haben würde. Denn schließlich erfährt man bereits im Klappentext, dass dieser Rausch der beiden böse Folgen hat. Und irgendwo war es auch dieses Drastische, das mich so sehr bei der Stange gehalten hat. Denn durch Adrian gerät Siri in Situationen, die so extrem sind, dass ich oft den Kopf geschüttelt habe. Das muss wohl sowas wie Sensationsgier gewesen sein bei mir. Allerdings -und das ist die Kehrseite und einer der Gründe, wieso die Geschichte schwierig für mich war- hätte ich oft auch durchdrehen und Siri schütteln können. All das wegen einem Typen? Gutes Aussehen, Talent im Bett in allen Ehren, aber trotzdem! Und das mit gerade mal sechzehn Jahren! Das ist der nächste Punkt. Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass sechzehnjährige Mädels heute so drauf sind. Irgendwie möchte ich mir das auch gar nicht vorstellen. Womöglich, weil das so weit weg von meinem sechzehnjähren Ich damals ist und weil ich heute um einiges älter bin. Das kann gut sein.
In Zusammehang damit steht, dass ich gestaunt habe, dass eine Sechzehnjährige so quasi über Leichen geht. Ist das in diesem Alter tatsächlich möglich? Reicht dafür ein  bisschen schlechter Einfluss aus? Eine erschreckende Vorstelllung.
Was mich ebenfalls bei Laune gehalten hat, ist Siris Ex Niklas. Aber auch da gab es eine Sonnen- und eine Schattenseite an ihm für mich. Die Sonnenseite war der Niklas, der sich so um Siri bemüht, ihr immer wieder ind Gewissen redet. Die Schattenseite an ihm war, dass es Siri mit ihrer Meinung zu ihm, tatsächlich gelungen ist, dass ich Niklas entsetzlich nervtötend fand. So nervtötend, dass ich gewisse Folgen seiner Mühen an irgendeiner Ecke ein bisschen nachvollziehen konnte.
Denn natürlich habe ich Siri durchaus dieses Glück wie mit Adrian gegönnt. Nur eben mit einem Kerl, der nicht solch üblen Einfluss auf sie hat. Auch das ist schwierig zu erklären. Wenn Siri von ihm schwärmte, dann habe ich mich so für sie gefreut. Habe ich dann gelesen, was er mit ihr macht, wozu er sie bringt, habe ich ihn aus tiefstem Herzen gehasst.
Womit ich ebenfalls Schwierigkeiten hatte, was die direkte Ansprache dem Leser gegenüber. Siri erzählt aus zeitlicher Distanz von ihrem „Abenteuer“ mit Adrian und spricht den Hörer relativ regelmäßig ganz direkt an. Das wirkte für mich immer wie aus der Erzählung herausgerissen. Abgesehen davon, dass ich mit dieser Art „Dialog“ mit dem Leser ohnehin so meine Probleme habe. Ich brauche Nähe zur Hauptfigur, um mit ihr fühlen zu können, klar. Aber dafür brauche ich solch eine Erzählweise nicht, das gelingt auch anders. Ich bin allgemein einfach kein Fan davon, wenn sich eine Figur so direkt an mich wendet. So kumpelig. Das mag ich bei mir unbekannten oder erst kurz bekannten Menschen in der Realität auch nicht. Warum sollte das bei einem Buch anders sein?
Ach, und zuletzt: wie kann man Siri heißen? Selbst wenn es Spitzname ist. Will wirklich jemand so heißen wie die Handytrulla vom Apfel? Daran konnte ich mich bis zum Schluss nicht gewöhnen.

Siri erählt selber ihre Geschichte. Schön flüssig und jugendlich locker weg, schonungslos und direkt. Das liest sich weg wie nichts und dieses Atemlose in ihrer Erzählung hat auch mein Lesetempo ordentlich auf Touren gebracht. Viele Absätze sorgen dafür, dass man immer mal wieder eben eine kurze Pausen machen kann, aber immer auch das Gefühl hat, dass man einen Absatz mehr doch noch schnell schaffen wird, ehe man wegen frühem Aufstehen das Licht löschen muss. Mir ist das gar nicht gelungen.

Das Cover ist ein Hingucker mit den kontrastreichen Farben und außerdem auffallend schlicht gehalten. Ich mag sowas ja. Ich finde, so ein Look passt ideal zu einem Thriller und vermittelt auf den ersten Blick den Eindruck einer spannenden und düsteren Story zwischen den Deckeln.

Fazit: Wie schon geschrieben ein schwieriges Buch. Atemlos spannend, rasant und schockierend, aber eben auch ärgerlich, für mich schwer vorstellbar und stellenweise auch absolut nervig. Wenn es so gewollt war, dass die Story ein solches Gefühlschaos beim Leser hinterlässt, war das ein Erfolg auf ganzer Linie.


Titel: Denn morgen sind wir tot
Autor: Andreas Götz
Seiten: 368
Verlag: Oetinger Verlag
ISBN: 978-378913617
Preis: € 14,99 (Broschiert)

Sep 17

Rezension – Jäger des versteckten Schatzes (Ingo Oschmann)

allesgeoDie neue Massenbewegung Geocaching beweist, dass draußen sein nicht nur gesund ist, sondern auch richtig Spaß machen kann: Allein hierzulande liegen etwa 300.000 ungehobene Schätze, sogenannte Caches, die es mithilfe von GPS-Gerät und Online-Hinweisen zu fi nden gilt. Egal, ob allein, mit der ganzen Familie oder dem Kegelclub, der passionierte Outdoor- Schatzsucher Ingo Oschmann zeigt auf verständliche und unterhaltsame Weise, wie noch aus dem letzten Couch-Potato ein echter Indiana Jones wird.

Was habe ich mich gefreut als dieses Buch endlich im Buchladen lag. Es war ja lange angekündigt, aber irgendwie nie erschienen und dann plötzlich doch. Warum ich es haben musste, dürfte klar sein: Geocaching gehört auch zu meinen Hobbys, schon lange sogar. Der zweite Grund war, dass ich mit Hoeckers „Schnitzeljäger“ so unheimlich viel Spass hatte. Und da lässt es sich leider nicht vermeiden, dass man beim Lesen vergleicht. Vielleicht einer der Gründe, wieso ich mit Ingo Oschmanns Buch nicht so recht warm geworden bin.
Ein weiterer dürfte sein, dass ich nicht mehr am Anfang stehe bei diesem Hobby. Denn Ingo Oschmann beginnt die Thematik wirklich quasi beim Urschlamm. Der Anfänger bekommt hier wirklich ausführlich alles an die Hand gegeben, was er wissen muss. Das finde ich für Anfänger auch wirklich richtig toll. Und wenn ich daran denke, wie ich mich damals am Anfang mühselig eingefuchst habe, dann kann ich das Buch jedem Anfänger wärmstens ans Herz legen. Es wird ihm vieles erleichtern.
Für mich allerdings bot das Buch so zunächst nahezu gar nichts Neues. Und entsprechend hat es mich durchaus ein bisschen gelangweilt. Und da steht dann der erste Vergleich mit dem „Schnitzeljäger“ an: auch Hoecker erklärt alle Elemente des Hobbys, , auch super für Anfänger, aber eben anders. Nicht so ganz kleinschrittig (aber es fehtl trotzdem nichts) und vor allem erheblich witziger. Ich kenne Ingo Oschmanns Darbietung als Komiker, Kabarettist usw nicht, denke aber nach dem Buch, dass ihn ihn in der Hinsicht auch nicht weiter kennenlernen muss. So richtig unterhaltsam und spaßig fand ich im Buch nur seine Cacher-Weisheiten, ansonsten reichte es nicht mal für ein Schmunzeln.
Weiterhin haben mich die teilweise wirklich ausufernden Beschreibungen von Caches bzw Cacherabenteuern gestört. Das ist aber zweifelsfrei Geschmackssache. Ich habe persönlich zB gar nichts gegen einen Multicache mit einer guten Story dazu, ganz im Gegenteil. Es muss aber nach meinem Geschmack sein. Und dazu gehören weder Wikingergeschichten, noch solche aus Gandalfs Universum und schon lange keine mit irgendwelchen Rechnereien (dafür bin ich eh zu dusselig 😉 ). Von daher packte mich Ingo Oschmann auch damit nicht.
Fairerweise muss ich sagen, dass das Buch mich im letzetn Drittel mehr begeistern konnte. Da geht es beispielsweise um Events (noch nie mitgemacht), besondere Cachetypen (Lost Places, um meinen Favoriten zu erwähnen, T5 – Caches, speziell Klettercaches (ich möchte bei Gelegenheit dafür gerne einen Kurs machen) und die dafür nötige Ausrüstung usw. Hier habe ich eben doch noch interessantes Neues erfahren. Für Ingo Oschmanns Humor habe ich aber wohl trotzdem keine Antenne, jedenfalls ist mir keiner aufgefallen.

Was mich auch gestört hat, Ingo Oschmanns Art, den Leser direkt per „Du“ anszusprechen. Nichts gegen das „Du“, das geht in Ordnung, aber von der Art her ist mir das einfach eine Ecke zu persönlich direkt. Hin und wieder, okay, aber hier taucht diese direkte Ansprache für meinen Geschmack zu oft auf. So oft, dass ich es fast aufdringlich fand. Abgesehen davon liest sich das Buch aber leicht und locker weg. Die Kapitel sind angenehm kurz und locken mit cleveren Titeln.

Das Cover gefällt mir. Ingo Oschmann kommt sympathisch rüber und mit Landschaft und GPS sind zwei der wichtigsten Elemente dieses Hobbys vorhanden.

Fazit: „Es ist das erste Buch […], mit dem jeder direkt loslegen und sofort selbst einen Geocache finden kann“. So steht es am Ende des Klappentextes, und das stimmt auf ganzer Linie. Hier finden absolute Anfänger alles, was sie brauchen um loszulegen. Das ist toll. Geht man dem Hobby jedoch schon länger nach, bietet der erste Teil des Buchs wenig bis nichts Neues, wodurch es durchaus öde werden kann. Der zweite Teil hat dann auch mir besser gefallen, weil es dort auch für Cacher Neues zu entdecken gibt, die schon länger dabei sind. Mit Ingo Oschmanns Humor konnte ich kaum etwas anfangen, leider. für Anfänger also ein Top-Buch zum Einstieg, für „ältere Hasen“ nuchr teilweise.


Titel: Jäger des versteckten Schatzes
Autor: Ingo Oschmann
Seiten: 368
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 978-3453615076
Preis: € 9,99

Sep 14

Rezension – Zwei um die Welt – In 80 Tagen ohne Geld (Hansen & Paul Hoepner)

zweiumdieweltEndlich zieht es die beliebten Globetrotter wieder in die Welt! Von Berlin aus reisen sie per Anhalter, Zug, Bus und Flugzeug um den Erdball. Die finanziellen Mittel wollen sie verdienen: als Handwerker, Umzugshelfer und Verkäufer selbst gestalteten Schmucks – Betteln ist ausgeschlossen. Und so gelangen sie in einem klapprigen Bulli nach Montpellier. Begegnen gleich mehreren Schutzengeln in Lissabon. Und reparieren auf dem Weg nach Vancouver das Lieblingsspielzeug eines Vollblut-Rockers. Sie lernen, dass man nicht zu Fuß nach Myanmar einreisen kann, wie schwer es ist, auf Indiens Straßen Geld zu verdienen, und erreichen in letzter Minuten den Zug nach Russland.

Wie ich auf dieses Buch gestoßen bin, weiß ich gar nicht mehr. Es war auf jeden Fall reiner Zufall. Es sprach mich einfach vom Titel her an, wo ich selber doch auch am liebsten immer nur umherreisen würde. Das es bei den beiden Autoren ohne Geld gelingen sollte, spielte da keine wesentliche Rolle. Mir ging es vor allem darum, zumindest per Buch weg zu kommen und Länder und Orte kennenzulernen.
Das ist der Buch auch prima gelungen. Dabei gefiel es mir am besten, dass die Brüder überwiegend Länder bereisen, die nun nicht in jedem Reisekatalog auf Seite 1 stehen. So etwas ist dann natürlich besonders reizvoll. Und wenn ich einfach mal davon ausgehe, dass das Geschriebene der Wahrheit entspricht, dann sind mir einige dieser Länder dabei so sympathisch geworden, dass ich sie für eventuelle Reisen im Hinterkopf behalten habe. Es gibt aber auch Länder, die überhaupt nicht attraktiv beschrieben werden. Auch das empfinde ich als sehr ehrlich. Manches davon hat mich sehr beeindruckt. Bei mir wirken solche Schilderungen meist intensiver als Schreckensbilder in beispielsweise TV-Reportagen. Und dann sind da noch ein paar durchaus prominente Reiseländer, die mich ohnehin immer schon gereizt haben. Und was darüber hier geschrieben, das hat mir vor Sehnsucht und Fernweh glatt die Tränen in die Augen getrieben.
So bin ich gerne mit den Hoepner-Brüdern gereist, von denen ich bis zu diesem Buch noch gar nichts gehört hatte.
Es ist spannend, welche Länder sie bereisen und was sie dort erleben. Und natürlich ist da auch immer die Frage, ob ihre Reise um die Welt ohne Geld überhaupt gelingen wird. Doch irgendwie geht es -trotz mehrerer Rückschläge und Misserfolge- immer weiter voran. Nicht zuletzt, weil die beiden selbst in den unwirtlichsten Ländern oft auf Menschen stoßen, die ihnen gerne helfen und ihre Mission unterstützen. Das hat mich teilweise wirklich sehr berührt. Wenn man zB liest, wie ihnen in einem Land, wo die Menschen selber kaum über die Runden kommen, so gut es nur ging geholfen wurde.
Ich habe in einigen Besprechungen gelesen, dass die Mission der Brüder reichlich verlogen sei. Weil sie ja für alle Fälle eben doch eine Kreditkarte in der Tasche haben. Da frage ich mich doch, wer hätte das in ihrer Situation nicht? Es kann schließlich immer etwas passieren, wo man ohne Geld einfach nicht weiterkommt. Da wäre ich auch froh, wenn ich dann noch die Notfall-Kreditkarte in der Hinterhand hätte. Das hat für mich mit verlogen gar nichts zu tun. Es zeichnet die Brüder letztlich ja auch aus, dass sie davon keinen Gebrauch machen. Selbst in den schlimmsten Situationen ist da kaum mehr als ein Gedanken an diese Sicherheit, aber sie wird eben nicht genutzt. Was daran unehrlich ist, soll mir bitte gerne mal jemand erklären.
Als Reiseführer taugt dieses Buch allerdings nichts. Wer es sich mit diesem Ansinnen kauft, der wird enttäuscht werden. Selbstverständlich werden -wie schon gesagt- viele weniger bekannte Reiseziele besucht und erwähnt, man erfährt auch einiges darüber, aber als Reiseführer kann man das auf keinen Fall bezeichnen. Ich denke aber, dass das Buch auch gar kein Reiseführer sein will. Es ist eine Geschichte über ein bemerkenswertes Abenteuer. Oder auch Experiment. Je nachdem, wie man das sehen möchte.

Das Buch ist immer abwechselnd mal aus Hagens, mal aus Pauls Sicht geschrieben. Das sorgt für Abwechslung, denn auch wenn sie Zwillinge sind, haben sie doch verschiedene Charaktere. Und gehen gewisse Dinge auf ganz verschiedene Arten an. Auch das habe ich als ganz spannend empfunden, denn irgendwie müssen sie sich doch oft auch erst zusammenraufen. Aber egal, wessen Kapitel man gerade liest, sie lesen sich alle angenehm leicht und flüssig.

Das Cover zeigt die Hoepner-Bruder irgendwo auf der Welt in einem Bus, wie sie aus dem Fenster schauen. Für mich strahlt dieses Motiv bereits Abenteuer und Freiheit aus. So hat es mich sofort angesprochen.

Fazit:  Mir hat das Buch sehr gut gefallen! Es ist spannend zu lesen, wie die Brüder ihr Abenteuer bewältigen, mit allen Höhen und Tiefen. Und es ist interessant, neben bekannten Reiseländern auch Länder kennenzulernen, die diesen Ruhm nicht genießen. Einige davon sind für mich dadurch gleich interessanter geworden. Als Reiseführer darf man das Buch nicht verstehen, das ist es nicht und -wie ich denke-  will es auch nicht sein.


Titel: Zwei um die Welt – In 80 Tagen ohne Geld
Autor: Hagen und Paul Hoepner
Seiten: 304
Verlag: Malik Verlag
ISBN: 978-3890294698
Preis: € 19,99 (HC)

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