Okt 20

Rezension – Die Kinder (Wulf Dorn)

Auf einer abgelegenen Bergstraße wird die völlig verstörte Laura Schrader aus den Trümmern eines Wagens geborgen. Im Kofferraum entdecken die Retter eine grausam entstellte Leiche. Als die Polizei den Psychologen Robert Winter hinzuzieht, wird dieser mit dem rätselhaftesten Fall seiner Karriere konfrontiert: Die Geschichte, die Laura Schrader ihm erzählt, klingt unglaublich. Doch irgendwo innerhalb dieses Wahnkonstrukts muss die Wahrheit verborgen sein. Je weiter Robert vordringt, desto mehr muss er erkennen, dass die Gefahr, vor der Laura Schrader warnt, weitaus erschreckender ist als jeder Wahn.

Was habe ich auf dieses Buch gewartet! Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Jahre es schon her ist, dass ich auf einer Buchmesse beim Verlag gefragt habe, wann es erscheinen würde. Es war so ewig lange angekündigt. Und dann gab es endlich einen Termin und schon hatte ich es vorbestellt und darauf hin gefiebert.
Vielleicht hätte mich der Titel skeptisch werden lassen sollen. Denn ich gehöre -das gebe ich ehrlich zu- nicht zu den Menschen, die sich für Kinder allzu sehr begeistern können. Andererseits habe ich schon einige Krimis und Thriller gelesen, in denen Kinder eine wichtige Rolle gespielt haben. Und die haben mir trotzdem gefallen. Genauso wie ich Horrofilme mit Kindern immer besonders schaurig finde. Daher denke ich nicht, dass ich dem Buch mit Vorsicht hätte begegnen sollen.
Es begann dann auch zu 100 % nach meinem Geschmack mit dem nächtlichen Unfall auf der regennassen Bergstraße und dem grausigen Fund im Kofferraum des verunfallten Wagens. So hätte es gerne weitergehen dürfen.
Leider tut es das aber keineswegs. Grundsätzlich gefiel mir die Idee der Story ganz gut. Die Kinder, die sich so seltsam verhalten, die verschwundenen Menschen, die teilweise apokalyptisch anmutende Szenerie, doch das hat schon etwas. Das würde schon fast für einen Horrofilm reichen. Ausreichend blutig geht es dafür ebenfalls zu, was mir auch ganz gut gefallen hat.
Mein Problem mit „Die Kinder“ ist ganz einfach, dass es auf mich wirkt, als habe Wulf Dorn nicht recht gewusst, welches Genre er damit bedienen möchte, was er damit beim Leser bewirken möchte. Will er nun darauf aufmerksam machen, wie schlecht es vielen Kindern auf der Welt geht? Und dass man, wenn man auf der sonnigeren Seite des Lebens aufgewachsen ist, vielleicht etwas dazu beitragen sollte, dass es ihnen ebenfalls besser geht? Soll das Buch also mit diesen erschreckenden Kapiteln gesellschaftskritisch sein und aufrütteln?
Oder soll es doch ein Thriller sein, wie es die Szene am Anfang mit dem Unfall verheißt? Das wäre mir ja am liebsten gewesen, jedoch bleibt davon im wieteren Verlauf am wenigsten übrig.
Oder soll es Richtung Horror, Mystery und Fantasy gehen? Auch das ist absolut denkbar! Es gibt zahlreiche Passagen, die dazu passen würden. Und ich hätte da auch gar nichts dagegen, wenn nicht auf dem Cover ausdrücklich „Thriller“ stehen würde. In einem Thriller hat für mich Übersinnliches nichts verloren. So cool ich das sonst auch immer finde.
Diese Frage danach, was die Story mir sagen soll, was sie sein will, hat mich also schon beschäftigt. Aber dieses „Unetnschlossene“ hat auch dazu geführt, dass ich sie mich nicht wirklich gefesselt hat. Die einzelnen Kapitel zum Teil schon, das Große und Ganze jedoch leider nicht. Auf die Auflösung war ich allerdings sehr gespannt und ich hoffte, dass alles spätestens dann schlüssiger werden würde.
Und dann kam die Auflösung und ich konnte einfach nur den Kopf schütteln. Jetzt also auch noch ein mahnender Zeigefinger zum Thema Umwelt(bewusstsein)? Die nächste Theroie darüber, was „Die Kinder“ eigentlich sein möchte? Und davon mal abgesehen: solch eine Erklärung für die Vorkommnisse wie in dieser Geschichte, welcher Leser, der alle Sinne beieinander hat, soll dem Autoren das bitte abkaufen? Selten so etwas Hanebüchenes gelesen…

Durch die Schauplatzwechsel liest sich „Die Kinder“ erfreulich leicht und flüssig weg. Mit allzu vielen Charakteren hat man es auch nicht zu tun. So bleibt alles schön übersichtlich, was meinem Lesefluss ebenfalls immer gut tut. Mit jedem Kapitel kommt man ein gutes Stück voran, sodass ich mir irgendwann gesagt habe: ach, es sind nur noch drei Kapitel, die schaffe ich nun auch noch. Und schon war ich an nur einem Abend fertig mit dem Buch.

Optisch gefällt mir das Buch ausnehmend gut. Wunderbar finster mit blutroter Schrift, das alleine macht es schon zum Hingucker. Die gesichtslose Reihe Kinder darunter macht neugierig und wirkt auch ein bisschen unheimlich. Rundum stimmig also und genau mein Geschmack.

Fazit:  Ich muss zugeben, ich bin von „Die Kinder“ ziemlich enttäuscht. Es ist kein Thriller, keine Horrorgeschichte, keine Fantasyerzählung, kein Umweltkrimi, sondern einfach nur ein unausgegorenes Gemisch aus allem. Es hat seine schaurigen und erschreckenden Momente, ohne Zweifel, reicht in dieser Hinsicht aber absolut nicht an andere Thriller von Wulf Dorn heran. Abgesehen davon , hat für mich hat Übersinnliches in einem Thriller nichts verloren. Ich habe bis zum Schluss auf eine Auflösung gehofft, die alles ohne übersinnlichen Einschlag erklärt. Stattdessen kam eine Auflösung, bei der ich mich schon fast für dumm verkauft gefühlt habe. Selten so etwas Unglaubwürdiges gelesen. Und so einfach gestrickt nach dem ganzen Hin und Her zuvor. Schade, so schade! Ich hatte mich so auf das Buch gefreut…


Titel: Die Kinder
Autor: Wulf Dorn
Seiten: 320
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 978-3453270947
Preis: € 16,99

Okt 17

Rezension – Nummer 25 (Frank Kodiak)

Der Schriftsteller Andreas Zordan ist Dauergast auf den Bestsellerlisten. Die riesige Fangemeinde kann nicht genug kriegen von seinen Thrillern. Nichts bereitet Zordan mehr Freude als das detailgenaue Beschreiben ausgefallener Tötungsmethoden. Das gelingt dem Einzelgänger nur, weil er sich selbst für einen Psychopathen hält. Er ist kontaktscheu, meidet andere Menschen und lebt einsam in einem ehemaligen Forsthaus im Wald. Er weiß: Würde er nicht in seinen Büchern töten, müsste er auf die Realität ausweichen.
Als er eines Morgens im Garten die übel zugerichtete Leiche eines Mädchens im Teenageralter findet, meldet er es nicht der Polizei, sondern lässt sich auf ein Psychoduell mit einem Mörder ein, der ihn offenbar herausfordert. Und muss erkennen, dass er selbst weit entfernt ist von dessen kaltblütiger Grausamkeit.

In einer der vorigen Besprechungen hatte ich ja erwähnt, dass ich Andreas Winkelmanns Bücher meist direkt nach Veröffentlichung lese. Das schließt auch Bücher ein, die er unter Pseudonym schreibt. So wie „Nummer 25“. Ich verstehe zwar nie, was Pseudonyme eigentlich sollen / nutzen, aber das muss ich vielleicht auch gar nicht. Jedenfalls hatte ich auch dieses Buch sehr fix am Wickel.
Was ich an der Geschichte wirklich sehr interessant fand ist, dass sie sich um einen sehr eigenbrödlerischen Schriftsteller dreht, der abgeschieden in einem Haus am Waldrand wohnt, mit Menschen wenig am Hut hat und sich selbst als Psychopathen bezeichnet. Da darf man sich dann ja schon mal fragen, wieviel von Frank Kodiak bzw Andreas Winkelmann in dieser Figur steckt. Es ist nicht das schönste Bild, das er von dieser Figur malt. Und ich hoffe deshalb sehr, dass Frank Kodiak nicht so geartet ist wie sein Andreas Zordan. Nette Namensspielerei übrigens, oder? Die Figur mit dem realen Vornamen des Autoren hinter dem Pseudonym.
Anfangs fand ich Zordan selber auch noch ganz interessant. Ich habe nichts gegen einzelgängerisch veranlagte und etwas seltsame Figuren (und Menschen) und ich fand auch keineswegs, dass er wie ein Psychopath wirkt.
Das änderte sich dann aber schlagartig nach dem Fund der Leiche und dem ersten Treffen mit der Journalistin Greta. Es tut mir wirklich leid, aber so wie er sich danach und ihr gegenüber aufführt, das geht teilweise echt gar nicht. Und an Gretas Stelle hätte ich diesen Kerl -große Story hin oder her- binnen kürzester Zeit samt seinem Irrsinn einfach stehenlassen. Von da an geht der Typ sowas von überhaupt gar nicht, das kann man kaum beschreiben. Wenn das beabsichtigt war bei der Gestaltung dieser Figur, dann ist es auf ganzer Linie gelungen. Bei mir hat es allerdings dazu geführt, dass mich Zordan in erster Linie tierisch genervt hat.
Greta hat mir jedoch genauso wenig gefallen. Ja, sie hat Mut, ist hartnäckig, lässt sich nich unterkriegen, aber ich hatte trotzdem ständig das Bild von einem dummen, naiven Blondchen und Helene Fischer Double vor Augen. Und was sie später an Zordan gefressen hat, das habe ich auch nicht verstanden. Das sprach für mich ebenfalls dafür, dass sie beim besten Willen nicht die Hellste ist.
Das Rätsel um die Leiche und die weiteren Entführungen fand ich insgesamt ganz spannend, aber auch nicht unbedingt überragend. Irgendwie scheine ich ein Problem damit zu haben, wenn die Ermittler nicht wirklich Polizist oder Kommissar sind. Es ist zwar ganz interessant zu verfolgen, wie Zordan und Greta der Sache auf den Grund zu gehen versuchen, es hat auch seine düsteren und spannenden Momente, aber dieser professionelle Schliff fehlte mir einfach. Ohne den kann ich nicht so richtig mitfiebern. Daher habe ich mich immer gefreut, wenn Lewandowski einen Auftritt hatte. Sobald der Oberkommissar mitmischte, war ich sofort ganz bei der Sache. Und über weite Teile war mir die Story auch zu vorhersehbar.
Ein dickes Lob gibt es für die Szenen mit dem Täter. Herrlich grausam und schaurig, genauso wie ich es mag. Das ist tatsächlich nichts für zartbesaitete Leser und vielleicht bin ich da ein bisschen kaputt, aber ich mag sowas eben einfach total gerne.
Nachdem die Handlung größtenteils erfreulich geradlinig verlief, gibt es zum Ende hin nochmal einen Dreh. Der hat mich zwar nicht unbedingt überrascht, aber er bringt doch nochmal eine zusätzliche Würze ins Finale und sorgt für weitere Dramatik an einem Punkt, an dem man eigentlich schon damit rechnet, dass die Story nun zum Ende kommt.

Mal liest man von Zordan, dann von Greta, dann wieder ist man bei Lewandowski, es geht abwechslunsgreich zu und das liest sich dementprechend gut und flott weg. Ich habe nur zwei Abende für das Buch gebraucht. Betitelte Kapitel gibt es nicht, aber immer wieder größere Absätze, an dem man eine Pause einlegen kann.

Ich bin einfach kein Fan von solch hellen Covermotiven bei Thrillern und Krimis wie hier. Die Sicherheitsnadeln und die blutroten Fäden passen widerum ganz gut dazu und stimmen neugierig, aber insgesamt ist mir das Motiv zu hell für einen Thriller. Da fehlt mir das Düstere und Unheimliche.

Fazit:  Mich hat „Nummer 25“ trotz seines Killers mit seinen abstoßenden Ideen nicht vom Hocker gerissen. Die Hauptfiguren haben mich schnell vor allem genervt und von solchen Figuren lese ich schlicht nicht gerne. So habe ich ihre Nachforschungen in diesem an sich wirklich interessanten Fall (mit einem herrlich abartigen Killer) nur mäßig gespannt verfolgt. Vieles war mir auch zu leicht zu durchschauen, was ebenfalls zu Lasten der Spannung ging.


Titel:  Nummer 25
Autor: Frank Kodiak
Seiten:  384
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3426520093
Preis:  € 9,99 (TB)

Okt 13

Rezension – Die Moortochter (Karen Dionne)

Helena Pelletier lebt in Michigan auf der einsamen Upper Peninsula. Sie ist eine ausgezeichnete Fährtenleserin und Jägerin – Fähigkeiten, die sie als Kind von ihrem Vater gelernt hat, als sie in einer Blockhütte mitten im Moor lebten. Für Helena war ihr Vater immer ein Held – bis sie vor fünfzehn Jahren erfahren musste, dass er in Wahrheit ein gefährlicher Psychopath ist, der ihre Mutter entführt hatte. Helena hatte daraufhin für seine Festnahme gesorgt, und seit Jahren sitzt er nun im Hochsicherheitsgefängnis. Doch als Helena eines Tages in den Nachrichten hört, dass ein Gefangener von dort entkommen ist, weiß sie sofort, dass es ihr Vater ist und dass er sich im Moor versteckt. Nur Helena hat die Fähigkeiten, ihn aufzuspüren. Es wird eine brutale Jagd, denn er hat noch eine Rechnung mit ihr offen.

Dieses Buch ist ein tolles Beispiel dafür, dass man oft doch lieber auf sein Bauchgefühl hören sollte. Das hatte mir nämlich klar davon abgeraten. Aber dann veführte mich das Cover doch, das ich einfach super schön fand und immer noch finde. Damit nahmen die langweiligen Leseabende ihre Lauf.
Dabei finde ich die Grundidee der Geschichte gar nicht so schlecht. So eine verlassene Gegend ist ein toller Schauplatz für einen Thriller und wird sehr anschaulich beschrieben. So kann man sich alles gut vorstellen. Und auch eine Jagd zwischen einer Tochter und einem psychopathischen, aus dem Hochsicherheitsgefängnis entflohenen Vater, hätte ich mir an diesem Ort wirklich spannend und schaurig vorstellen können. Ich mochte auch Helena ganz gerne eigentlich. Sie ist zwar ein bisschen anders, doch das bleibt bei ihrer Geschichte wohl kaum aus. Sie ist clever, mutig und es ist beeindruckend, wie sie sich in der Natur zurechtfindet und Spuren deuten kann.
Leider ist die Geschichte jedoch gewissermaßen zweigeteilt. Einmal ist da der Part im Hier und Heute. Mit der Bedrohung, die plötzlich über Helena (und ihre Familie) hereinbricht und mit Helenas mutiger Jagd auf ihren Vater, bei der man gemeinsam mit ihr nur hoffen kann, dass sie ihm zuvorkommt und ihn unschädlich machen kann. Dieser Teil der Handlung hat einige wenige Schreckmomente und ist auch sonst nur leidlich spannend, einfach weil er vom zweiten, erheblich umfangreicheren zweiten Teil der Story total in den Hintergrund gedrängt wird.
Dieser große zweite Teil besteht aus vielen Rückblicken vor allem in Helenas Kindheit, die sie mit ihrem Vater und ihrer Mutter in einer Blockhütte im Moor verbracht hat. Man liest vom harten Leben dort, von Helenas Anfängen als Jägerin und Fährtenleserin und natürlich von der Tyrannei des Vaters, unter der sie aufgewachsen ist und unter der auch ihre Mutter zu leiden hatte. Ja, das ist alles auch wirklich schrecklich und es gibt durchaus Momente, in denen ich geschaudert habe, aber insgesamt verlieren sie sich in den sonstigen Schilderungen um diese Zeit in Helenas Leben. Um die Schilderungen, was die Familie damals gegessen hat, was für ein Erlebnis das erste selbst erlegte Tier war, wie oft Helena in alten Zeitschriften geblättert hat, wie sich die eisigen Nächte angefühlt haben und so weiter und so weiter. Später dreht sich in diesem Teil alles um die Zeit nach der Befreiung von Helena und ihrer Mutter und der Festnahme des Vaters. Und dann gibt es auch noch Rückblenden in die Anfänge von Helenas Familienleben und ihren Problemen, sich in der normalen Gesellschaft einzufinden.
Das alles ist dermaßen ausführlich ausgefallen, dass ich denke, würde man der Geschichte all ihre Rückblicke nehmen, hielte man maximal ein Romanheftchen in Händen. So kann man das Verhältnis dieser beiden Parts vielleicht ganz anschaulich beschreiben.
Bei mir ist es nun einmal so, dass mich solch umfangreiche Einschübe aus der eigentlichen Handlung herausreißen und mich davon ablenken. Damit bleiben dann immer auch die eventuell aufgebaute Spannung und Atmosphäre auf der Strecke. Und da es der „Moortochter“ ohnehin kaum gelungen ist, beides aufzubauen, blieb durch die Rückblenden bei mir gar nichts mehr davon übrig.

Helena erzählt die Geschichte aus ihrer Perspektive und eigentlich empfinde ich diese Ich-Perspektive meist als sehr leicht zu lesen. Helena erzählt auch gut und anschaulich, aber einfach viel zu ausschweifend und detailreich. Ich bin mir sicher, hätte ich mal zwei oder drei Seiten ausgelassen, es wäre für die eigentliche Handlung kaum bis gar nicht von Bedeutung gewesen. Und so habe ich mich Abend für Abend durch die Geschichte gekämpft.

Das Cover, das mich so sehr verführt hat, mag ich allerdings immer noch. Mir gefallen die kräftigen, leuchtenden Grüntöne einfach super. Auch der düstere Rahmen aus Schilfhalmen und die einsame Hütte passen für mich zu einem spannenden Thriller.

Fazit: Was für ein langweiliger und unspannender Thriller! Anders kann ich es einfach nicht sagen, so leid es mir auch tut. Die Aufteilung in die Handlung heute und die Rückblenden hat längenmäßig ein völlig falsches Verhältnis. Die Erzählung verliert sich völlig im Damals und verdrängt so das Heute gänzlich in den Hintergrund. Dadurch hat weder die Spannung, noch die Atmosphäre eine Chance sich zu entfalten. Ich habe mich ehrlich durch das Buch hindurch gequält.


Titel: Die Moortochter
Autor: Karen Dionne
Seiten: 381
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN: 978-3442205356
Preis: € 12,99 (TB)

Okt 10

Rezension – Housesitter (Andreas Winkelmann)

Er will dein Haus. Er will deine Frau. Er will dein Leben. Er ist der Housesitter.

Stell dir vor, du kommst mit deiner Freundin aus dem Urlaub in dein Haus zurück. Du merkst sofort, dass irgendetwas anders ist: Die Möbel sind verrückt. In der Küche stehen benutzte Töpfe. Die Handtücher riechen fremd.
Dann spürst du einen jähen Schmerz – und es wird Nacht um dich.
Stell dir vor, du wachst erst nach Tagen im Krankenhaus auf.
Deine Freundin ist verschwunden – entführt.
Denn da draußen ist jemand, der sich nach einem warmen Heim sehnt. Nach einer liebenden Frau. Nach deinem Leben. Und er ist zu allem entschlossen.

Seit einer ganzen Weile schon gehört Andreas Winkelmann zu den Autoren, deren Bücher ich so bald wie möglich nach Veröffentlichung kaufe und lese. Entsprechend hatte ich mich schon lange auf den „Housesitter“ gefreut. Der Klappentext klang schon mal sehr vielversprechend.
Es ist ja auch eine schaurige Vorstellung: man kommt aus dem Urlaub zurück und irgendetwas im Haus hat sich verändert. Die Möbel stehen anders und an einigen Stellen sieht es tatsächlich so aus als habe in der Zwischenzeit jemand hier gewohnt. Das ist nichts, was man selber erleben möchte und es bereitet einem eine Gänsehaut. Thomas und Saskia erleben genau das. Und dann wird Thomas niedergschlagen, wird im Krankenhaus wach und erfährt, dass Saskia verschwunden ist, entführt wurde.
Ja, in der Tat, das klang soweit alles ganz nach meinem Geschmack.
Leider muss ich aber sagen, dass „Housesitter“ mich dennoch nicht begeistern konnte.
Ja, die Idee des Housesitters ist cool, interessant und vielversprechend, doch die Story, der Krimi um ihn zieht sich zu großen Teilen schier unglaublich. Das fängt bei zahlreichen, für mein Empfinden unnötig langatmigen (Rück)blicken in die Gedanken und Erinnerungen des Täters an, geht weiter mit den Nachforschungen von Thomas, die sehr lange Zeit alles andere als zielführend wirken und mit Ermittlungen an zwei Stellen, die anfänglich überhaupt keinen Zusammenhang zu haben scheinen. Für mich hätte man das alles ruhig etwas kürzer fassen können, dann wäre sicher auch mehr Spannung aufgekommen. Ich habe mich durch diese Passagen aber immer wieder aus der Story, aus dem Spannungsbogen herausgerissen und davon abgelenkt gefühlt. Manches Mal musste ich mich wirklich zusammenreißen, nicht einfach mal ein paar Seiten nur quer zu lesen. Ich bin überzeugt davon, dabei wäre mir nichts Wichtiges entgangen.
Erst zum Ende hin mauserte die Geschichte dann. Plötzlich spürt man, dass die Ermittlungen auf der richtigen Fährte sind, man dem Täter ganz nahe ist und es zunehmend gefährlicher wird. Plötzlich zog dann auch das Tempo an, weshalb ich zumindest das Finale ganz gelungen fand. Solch ein Tempo, solch eine Dramatik hätte ich mir auch vorher an verschiedenen Stellen gewünscht.
Zweiter Knackpunkt waren für mich hier speziell zwei Figuren. Zunächst hätten wir da Thomas. Ich kann es nicht anders sagen, aber für mich ist er schlichtweg eine Flasche. Und das nicht nur wegen des Vorfalls am Flughafen zu Beginn der Geschichte. Da habe ich zwar auch schon den Kopf geschüttelt, aber ich dachte, er würde sich im Laufe des Geschehens schon entwickeln. Davon kann aber lange, sehr lange gar keine Rede sein. Sicher, die Story braucht vielleicht solch eine Hauptfigur um zu funktionieren, abe rman sollte doch meinen, so ein Erlebnis wie das von Saskia und ihm müsste einen Menschen verändern, wütend machen, ihn über sich hinauswachsen lassen. Doch bei Thomas? Bis fast zum Ende keine Spur davon.
Zweitens ist da Kommissar Scheurich. Ich brauche wahrlich keinen gelackten Kommissar mit vorbildlichen Manieren. Ich habe nichts gegen Ecken und Kanten bei einer Figur. Aber solch einen Widerling brauche ich beileibe auch nicht. Er hat mich im Nullkommanichts und danach durchweg vor allem total genervt mit seiner patzigen und ruppigen Art. Und wenn mich eine Figur nervt, dann lese ich ihre Kapitel auch nicht sonderlich gerne.
Mit Priska musste ich zwar auch erstmal warm werden, aber das ging wesentlich besser. Und auch die hat so ihre Macken und Eigenarten. Aber eben auf eine weitaus sympathischere Art. Außerdem hat sich spürbar Köpfchen,was ich bei Scheurich schon sehr vermisste habe. Dafür, dass er es zum Kommissar gebracht hat.

An sich ist die Geschichte nicht schwierig zu lesen. Mir fiel es trotzdem aufgrund erwähnter Längen sehr schwer, jeden Abend nach dem Buch zu greifen und ein Stück weiter zu lesen. Daran haben auch die Schauplatzwechsel und Zeitsrprünge nichts geändert. Normalerweise steigert sowas mein Lesetempo, doch inhaltlich kommt das alles hier einfach viel zu zäh daher. Richtige Kapitel gibt es nicht, mehr größere Absätze. An diesen Stellen kann man genauso leicht eine Pause einlegen wie am Ende eines Kapitels.

Das Cover gefällt mir immer noch sehr gut mit seinen leuchtenden Farben in Kombination mit dem düsteren Grau und Schwarz. Der leuchtende rote Titelschriftzug ist ein Hingucker im Thrillerregal.

Fazit:  Die Idee des Housesitters hat mir super gut gefallen und ich war mir sicher, dass die Geschichte spannend und düster sein würde. So wie ich Thriller eben mag. Doch leider zieht sich die Story teilweise wirklich unglaublich. Dadurch blieb bei mir immer wieder die Spannung auf der Strecke. Ich wurde abgelenkt durch unnötig viele Nebensächlichkeiten und fühlte mich aus dem Fall heraugerissen. Vielleicht hätte ich doch die eine oder andere Seite quer lesen sollen..? Und dann diese Flasche von Hauptfigur und dieses Ekelpaket vom Kommissar. Nichts gegen Figuren mit Ecken und Kanten, aber in diesem Maße nervte es doch sehr schnell. Schade um die gute Idee.


Titel: Housesitter
Autor: Andreas Winkelmann
Seiten: 496
Verlag: Wunderlich by Rowohlt
ISBN: 978-3805251020
Preis: € 14,99 (Broschiert)

Okt 06

Rezension – Gray (Leonie Swann)

Dr. Augustus Huff, Dozent an der berühmten Universität von Cambridge, hat plötzlich ein Problem: einer seiner Studenten ist in den Tod gestürzt. Nur ein tragischer Unfall oder Mord? Augustus vermutet Letzteres, denn das Opfer war alles andere als ein Engel. Ein Mörder im Elfenbeinturm – das darf nicht sein, und so macht sich Augustus, unterstützt von Gray, dem Graupapageien des Verstorbenen, auf die Suche nach dem Täter. Der Vogel erweist sich aber als vorlautes Federvieh, und zuerst stolpert Augustus von einem Fettnäpfchen in das nächste. Doch schon bald ist es Gray, der die richtigen Fragen stellt und Augustus begreift: nur gemeinsam können sie es schaffen, diese harte Nuss von einem Fall zu knacken.

Als riesiger Tierfreund und begeisterter Krimileser, stand für mich schnell fest, dass ich nach Leonie Swanns „Garou“ und „Glennkill“ auch „Gray“ lesen würde. Graupapageien finde ich einfach toll!
Der Start mit der Geschichte verlief dann jedoch leider nicht allzu glücklich und ich begann bereits zu zweifeln, ob aus Gray, Huff und mir etwas werden würde. Ich habe nämlich immer so meine Probleme mit Figuren, die ungewöhnliche Eigenarten / Ticks an sich haben. Und Huff bringt davon einen ganzen Sack voll mit. Das hat mich -ehrlich gesagt- anfangs mehr genervt als unterhalten. Und wer möchte schon ein ganzes Buch lang genervt sein?
Je größer allerdings Grays Rolle wurde, umso mehr habe ich mich auch mit Huff angefreundet. Denn er ist ist wirklich sehr gut zu dem Tier, schließt es schnell ins Herz und lässt sich absolut auf den Vogel ein. Da ich der Meinung bin, dass ein tierlieber Mensch kein schlechter Mensch sein kann, wurde ich dadurch langsam auch mit Huff warm.
Auch ich habe Gray im Nullkommanichts ins Herz geschlossen. Der Vogel wird so anschaulich und goldig beschrieben, dass man ihn einfach liebhaben muss. Seine Plapperei ist ausgesprochen witzig und lockert so manche Szene auf, die sonst vielleicht eher düster oder schwermütig ausgefallen wäre. Ich habe so oft über den kleinen Kerl lachen müssen und so etwas mag ich immer sehr gerne.
Der Krimi um den Tod des Studenten hat, Huffs Naturell gemäß, ein eher ruhiges Tempo an sich. Huff ist kein Hektiker, er hat auch seine ganz eigene Art über die Dinge zu denken und einen guten und scharfen Blick im entscheidenden Moment. An dieses Tempo und die eigenwillige Gedankenwelt des Dozenten muss man sich ein bisschen gewöhnen, aber das geht schnell, es lohnt sich auf jeden Fall und witzig ist es mitunter auch.
Mit allzu vielen Figuren hat man es hier nicht zu tun, sodass das Geschehen stets übersichtlich bleibt. So kann man sich ganz auf den Fall konzentrieren und gemeinsam mit Huff und Gray knobeln, was im altehrwürdigen College vorgefallen sein könnte. Das macht Spass, ist spannend und hat sehr viel englischen Charme an sich. Und irgendwie hatte all dies für mich bald auch einen gewissen Wohlfühl- und Gemütlichkeitsfaktor an sich. Ich bin jeden Abend gerne wieder zu Huff und Gray ans College zurückgekehrt.
Beeindruckt hat mich Huffs Entwicklung während des Falls. Seine Nachforschungen sind ohnehin so manches Mal ganz schön gefährlich, doch diese gewissen Talente, die er nach und nach an den Tag legt, haben mich wirklich überrascht. Aber eben auch beeindruckt, was ihn mir nochmal sympathischer gemacht hat. Anfangs wirkte er auch irgendwie so alt auf mich (was er gar nicht ist), doch das Bild wandelte sich durch eine Extratouren recht schnell.
Nach dem vergleichsweise gemächlichen Tempo der Story bringt das Finale dann neben einer großen Überraschung noch einen großzügigen Schuss Schwung und Dramatik mit einigen Schreckmomenten mit. Das hatte ich der Geschichte lange so gar nicht zugetraut. Trotzdem ist es stimmig und das Flair der Geschichte geht dadurch auch nicht verloren. Fein gemacht!
Zuletzt noch ein paar mahnende Worte. In meiner Familie gab es mal ein Graupapagei. Ein bisschen weiß ich noch, was diese Tiere alles (lernen) können. Das ist teilweise wirklich außergwöhnlich. Ob es allerdings einen Graupapagei wie Gray gibt bzw geben kann, da bin ich mir nicht sicher. Ich hoffe nicht, dass sich begeisterte Leser alleine aufgrund von Grays Darstellung solch ein Tier zulegen. Und auch die Haltungsweise von Gray ist defintitiv nicht ideal für einen solchen Vogel. All das erwähnt Leonie Swann auch in ihrem Nachwort und ich hoffe wirklich sehr, die Leser nehmen es sich zu Herzen. Um der Tiere Willen.

Wie schon geschrieben denkt Huff ein wenig anders als die meisten Menschen. Da die Geschichte überwiegend aus seinem Blickwinkel erzählt ist, liest sie sich entsprechend auch eine Spur schwieriger. Ich muss aber sagen, dass ich mich schnell daran gewöhnt habe.und dann las es sich flott und flüssig weg. Die Kapitel sind vergleichweise lang, aber nicht zu lang. Man kommt mit jedem Kapitel ein gutes Stück voran und kann auch mal zwei oder drei (oder vier oder fünf…) am Stück lesen. Die Titel der Kapitel stimmen jedes Mal neugierig.
Unten rechts in der Ecke der Seiten gibt es jeweils ein kleines Bild vom Detektiven Gray. Wenn man nur die Ecken blättert, ergibt sich so ein witziges Daumenkino.

Wie auch bei „Glennkill“ und „Gray“ ist das Covermotiv eher schlicht gehalten und zeigt ein interessantes Schattenspiel aus Papagei und…tja, soll das Huff sein? Oder doch Sherlock Holmes? Nichts Genaues weiß man nicht, wie es sich für einen Krimi eben gehört. Passend zum Graupapgei ist alles in Grau und Schwarz mit Flecken in leuchtendem Rot gehalten.

Fazit: Nach einigen Startschwierigkeiten, hat mir „Gray“ dann doch noch richtig gut gefallen! Ein wirklich spannender und durch ein recht illustres Ermittelerteam auch ungewöhnlicher und interessanter Krimi. Lange Zeit geht es eher ruhig zu, wodurch man sich ganz auf das Geschehen und den Fall konzentrieren kann. So kann man sehr gut miträtseln, was dank Grays Sprüchen und Huffs leicht schräger Gedankenwelt auch sehr unterhaltsam ist.


Titel: Gray
Autor: Leonie Swann
Seiten: 416
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN: 978-3442314430
Preis: € 20,00 (HC)

Mai 22

Neu im Regal – KW 20 / 2017

Mit leichter Verspätung kommen hier die Neuen der vergangenen Woche.

Beide habe ich im Tedi entdeckt, wo sie eine ganze Menge wirklich toller und bekannter Bücher hatten.
Darunter auch diese beiden Bücher, die schon lange auf meinem Wunschzettel standen.
Sie sind in einem super Zustand und haben noch nicht einmal einen „Mängelexemplar“-Stempel auf dem Schnitt.
Ich wusste gar nicht, dass man Bücher ohne eine solche Markierung im Handel für so kleines Geld verkaufen darf.
Meine zwei haben stolze € 3,00 gekostet, zusammen!

 

„Von ganzem Herzen, Emily“ (Tanya Byrne)

Für die siebzehnjährige Emily bricht eine Welt zusammen, als sie erfährt, dass ihr geliebter Vater ein gefährlicher Krimineller ist. Als er von Juliet, der Tochter eines seiner Opfer lebensgefährlich verletzt wird, sinnt Emily auf Rache. Sie erschleicht sich unter falschem Namen das Vertrauen von Juliet und ihrem Freund Sid und freundet sich mit den beiden an. Doch sie hat nicht damit gerechnet, dass sie sich in Sid verliebt und damit in eine nahezu ausweglose Zwangslage gerät.

„Das  Lazarus Phänomen – Wenn die ganze Welt dich jagt“ (Kjetil Johnsen)

Nach einem Autounfall erwacht Emma aus dem Koma und nichts ist mehr wie zuvor. Sie hat das Gefühl, dass mit ihrem Kopf etwas nicht stimmt. Wieso kann sie sich immer wieder an Situationen und Orte erinnern, die sie gar nicht kennt? Emma weiß nicht, was andere schon längst herausgefunden haben. Sie ist die Hoffnung der Zukunft und damit in großer Gefahr. Aber die Jagd hat gerade erst begonnen…

Mai 22

Rezension – Johnny Sinclair (01) – Beruf: Geisterjäger (Sabine Städing)

Johnny Sinclair ist nicht wie jeder gewöhnliche Junge, denn er kann mit Geistern reden! Als der 12-Jährige einen der legendären sprechenden Schädel findet, kann er sein Glück kaum fassen. Dumm ist nur, dass ihm der Jahrhunderte alte Schädel haushoch überlegen ist und nicht zögert, es bei jeder Gelegenheit zu beweisen. Dabei hat Johnny zurzeit ganz andere Sorgen. Greyman Castle, die Burg, die er bewohnt, wird von Geistern heimgesucht, und auch in Blacktooth, dem nahegelegenen Dorf, gehen seltsame Dinge vor sich. Als Johnny dank des Schädels ein mächtiges magisches Artefakt in die Hände fällt, haben die Geister nichts mehr zu lachen. Und für Johnny ist klar: Er will Geisterjäger werden und dem Bösen den Kampf ansagen! Was er nicht ahnt: Seine Gegner haben ihn längst im Visier.

Von Sabine Ständing kenne ich bereits „Magnolia Steel“ und „Petronella Apfelmus“. Zwei Reihen, die mir sehr gut gefallen. Als ich dann auf Johnny Sinclair aufmerksam wurde, stand fest, dass ich auch ihn kennenlernen würde. Erst recht, nachdem ich irgendwo gelesen hatte, wie sich die eingefleischten Fans von John Sinclair darüber aufregten, dass man ihren Helden so ins Kindische ziehen würde.
Dabei hat Johnny Sinclair gar nicht viel mit John Sinclair zu tun. Er liebt die Romanhefte, er ist sein Held und Vorbild in Sachen Geisterjägerei und er schreibt ihm sogar eMails, doch das war es auch schon. Da ist nichts dran, was John Sinclair irgendwie herabwürdigt, eher ganz im Gegenteil!
Johnny ist ein liebenswerter Kerl, der einem mit seinem Geisterproblem auf der Burg seiner Familie ganz schön leid tun kann. Er fürchtet sich wirklich vor ihnen und hätte sie nur zu gerne aus dem Haus. Doch nicht einmal sein Kindermädchen, eine waschechte Mambo kann ihm dabei wirklich helfen, ausser mit Tipps und Hausmittelchen, die eher weniger wirkungsvoll sind. Ich habe dieser Frau übrigens bis zum Ende nicht recht über den Weg getraut und immer gefürchtet, selbst sie könnte sich gegen Johnny wenden.
Nach einem schaurigen Erlebnis im Moor findet Johnny dort einen alten Totenschädel voller seltsamer Symbole. Er nimmt ihn mit nach Hause und erlebt dort sein Blaues Wunder als der Schädel sich als Erasmus von Rothenburg vorstellt. Erasmus hat eine ganz schön große Klappe, aber irgendwie raufen Johnny und er sich dann doch zusammen. Kann Erasmus Johnny vielleicht dabei helfen, die Geister im Haus loszuwerden?
Es war lustig zu lesen, wie Johnny quasi bei Erasmus in die Lehre zum Geisterjäger geht. Aber er hat unter seiner Anleitung auch so manches unheimliche Abenteuer durchzustehen, was für Spannung und eine dezente Gänsehaut sorgt. Johnny muss schließlich herausfinden, wieso die Geister eigentlich bei ihm hausen. Nur so kann er einen Plan fassen, wie er sie loswerden kann. Einige Ideen dabei sind schon sehr witzig wie Johnnys Salzwasserpistole, andere sind recht klassisch. So muss zB einem Geistermädchen, das fürchtet, es könne in Vergessenheit geraten, eine Rose zur Erinnerung gepflanzt werden. Diese Mischung aus spaßigen und klassischen Methoden ist gut gelungen und hat mich manchmal schmunzeln lassen, manchmal aber auch einfach gerührt.
Neben den Geistern machen auch einige Klassenkameraden Johnny das Leben schwer und lassen sich immer neue Streiche einfallen um ihn zu ärgern und zu blamieren. Es gibt für Johnny also auch ein ganz normales Leben, was mir gut gefallen hat. Ich mag es, wenn bei phantastischen Geschichten immer auch ein Bezug zur Wirklichkeit gegeben ist. Eine wensentlich sympathischere Klassenkameradin hat mir dagegen richtig gut gefallen. Ich hoffe sehr, man wird im Folgeband noch eine ganze Menge über das Gruftimädchen Millie erfahren. Sie und Johnny wären ein tolles Gespann. Zusammen mit Johnnys bestem Freund Russell natürlich, der zwar oft etwas trottlig wirkt, aber eben einfach ein toller Freund ist, der bei diesem Abenteuer über sich hinaus wächst.
So richtig gruselig ist die Geschichte allerdings nicht. Das Buch wird für junge Leser ab 10 Jahren empfohlen und ich kann mir nicht vorstellen, dass es in diesem Alter noch für schlaflose Nächte sorgen wird. Der Gruselfaktor ist absolut kindgerecht und wird vor allem durch Erasmus‘ Großmaul sehr gut aufgelockert. Ein wohliges Schaudern dürfte das einzige sein, wozu Johnnys Hausgeister beim Lesen verleiten und ich denke, mehr möchte die Geschichte auch gar nicht erreichen. Spannend geht es aber in jedem Fall zu, und das soll für die Leserschaft diesen Alters auch unbedingt so sein.

Ich habe mir das Buch auf drei Abende aufgeteilt. Ganz bewusst, um mehr davon zu haben. Ansonsten hätte ich es auch in einem Rutsch lesen können. Es liest sich wunderbar leicht. Zahlreiche und oft sehr witzige Dialoge lockern zusätzlich auf und die Kapitel haben genau die richtige Länge. Da kann man schnell mal noch eines mehr lesen als gedacht. Einfallsreiche Titel machen neugierig und kleine Illustrationen gestalten die Seiten und Kapitelanfänge abwechslungsreich und interessant.

Das Cover gefällt mir sehr gut! Und ja, zugegeben, die Schrift des Titels erinnert nun doch ziemlich an Johnnys großes Vorbild. Ich finde es cool, wie Johnny und sein Ort / die Burg mit dem Totenschädel kombiniert wurden. Als seien die Häuse der Zähne des Schädels. Johnny sieht goldig aus wie er da mit seiner Laterne durch die Düsternis läuft. Genauso habe ich ihn mir beim Lesen vorgestellt. Die Krönung dieses Covers wäre es gewesen, wenn es im Dunkeln geleuchtet hätte. Doch das ist leider nicht der Fall, schade. Vielleicht ist das ja eine Idee für Band 2?

Fazit:  Mir hat Band 1 von Johnny Sinclair sehr gut gefallen! Eine phantasievolle, spannende und kindgerecht schaurige Geschichte, die neben klassischen Geisterideen auch witzige neue Ideen auf Lager hat. Das macht Spass und ist so auch nie wirklich richtig gruselig. Dafür sorgt schon der vorwitzige Schädel namens Erasmus. Aber auch Johnny ist nicht auf den Mund gefallen. Es hat Spass gemacht, mit ihm und Russell Abenteuer zu erleben und gegen Geister zu kämpfen. Ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung. Und an alle spaßbefreiten John Sinclair – Fans: geht doch heulen!


Titel: Johnny Sinclair (01) – Beruf: Geisterjäger
Autor: Sabine Städing
Seiten: 269
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3833904677
Preis: 12,00 (HC)

Mai 18

Rezension – Skulduggery Pleasant (01) – Der Gentleman mit der Feuerhand (Derek Landy)

Er ist kein gewöhnlicher Detektiv. Er ist Zauberer und Meister der kleinen schmutzigen Tricks, und wenn die Umstände es erfordern, nimmt er es mit dem Gesetz nicht so genau. Er ist ein echter Gentleman. Und … er ist ein Skelett. Als Stephanie Skulduggery Pleasant das erste Mal sieht, ahnt sie noch nicht, dass sie ausgerechnet mit ihm eines ihrer größten Abenteuer erleben wird. Denn um den mysteriösen Tod ihres Onkels aufzuklären, muss sie ihn in eine Welt voller Magie begleiten – eine Welt, in der mächtige Zauberer gegeneinander kämpfen, Legenden plötzlich zu Leben erwachen und in der das Böse schon auf Stephanie wartet.

Diesen ersten Band habe ich bereits vor Jahren einmal gelesen, die Reihe dann aber als Hörbuch weiterverfolgt. Die Bücher habe ich dennoch weiterhin gekauft und nun plane ich, die Reihe nach und nach auch zu lesen. Seit geraumer Zeit bin ich für Fantasy allerdings kaum bis gar nicht mehr zu begeistern, von daher könnte das Unternehmen durchaus scheitern. Wir werden sehen.
Mit diesem ersten Teil und mir lief es aber erstmal ganz gut. Ich mag auch einfach so Vieles an der Serie. Ich finde die Idee mit dem Skelett super genial und Pleasants Humor ist genau mein Fall. Somit habe ich mich mit ihm schnell angefreundet. Mit Stephanie bin ich auch am Ende dieses Buches noch nicht so richtig gut Freund. Sie wirkt mir für eine Zwölfjährige zu erwachsen, zu abgeklärt bis überheblich und ist mir für ein Mädchen diesen Alters auch eine ganze Ecke zu mutig, taff und zu talentiert in einigen Dingen.
Wiederum muss ich zugeben, so eine typische Zwölfjährige hätte Pleasant an seiner Seite auch beim besten Willen nicht brauchen können. Denn es geht durchaus rund in der magischen Welt. Ein bereits ausgeschaltet geglaubter, böser Magier drängt zurück in die Welt und an die Herrschaft darüber. Er hat nicht weniger im Sinn, als die nutzlose Menschheit auszurotten. Und dabei geht er auch häufig gerne mal über Leichen. Das ist hier wörtlich zu nehmen, es gibt mehr als einen Toten in diesem ersten Band. Da ist eine Einstufung der Leserschaft ab zwölf Jahren schon ziemlich gewagt, wie ich finde. Genau das mag ich aber auch so gerne: wenn Jugendbücher sich so etwas Gewagtes trauen.
Auch Pleasant ist nicht gerade zimperlich bei seinen Unternehmungen, jedoch hat das bei ihm halt irgendwie einen gewissen Charme, und nie trifft es bei ihm unbeteiligte, unschuldige Menschen. Da kann man seinem Einsatz in so mancher deftigen Prügelei also kaum übelnehmen. Und man sorgt sich halt schnell auch um ihn, denn zum Glück ist er kein Held, der immer am längeren Hebel sitzt. Zumindest vorübergehend kann man ihm durchaus mal schaden. Das macht seine Figur glaubhafter. Soweit man das bei einem Skelettdetektiv überhaupt sagen kann.
Die Geschichte ist spannend, jedes Kapitel hat für sich schon einen kleinen Höhepunkt, und es geht rasant und actionreich zur Sache. Langeweile hat da rein inhaltlich keine Chance. Während man mit Pleasant, seinen Verbündeten und Stephanie mitfiebert, wenn sie ermitteln oder eben auch handfest kämpfen, fragt man sich gleichzeitig auch, was mal aus Stephanie werden wird. Ob sie es schaffen kann, halb in der realen, halb in der magischen Welt zu leben. Vor allem, weil ihr in beiden häufig nach dem Leben getrachtet wird.
Zuletzt mag ich an der Story (und der ganzen Reihe) einfach, wie einfallsreich und unverbraucht so viele Ideen daran sind. Obwohl es um Zauberer geht, kam mir nie „Harry Potter“ in den Sinn. Die Zauberer in Pleasants Gefolge und bei seinen Gegnern sind deutlich anders erdacht. Zum Glück -denn ich kann der Reihe gar nichts abgewinnen- kommt auch nie eine „Herr der Ringe“-Stimmung auf. Dafür spielt Pleasants Reihe viel zu sehr in der realen Welt, was mir immer einen Pluspunkt wer ist. Sämtliche Figuren sind, auch wenn es zig Magier in der Literatur gibt, eben so ganz anders und deshalb so besonders. Und auch die Figuren nebenher, wie Vampire, die Hohlen oder der Troll sind von ihrer Art, ihren Eigenschaften und dem Aussehen her schön weit weg von den gängigen Vertretern ihrer Art. Phantasie hat Derek Landy defenitiv massig, und das zum Glück!
Ach so, ich hab den Humor vergessen. Denn nicht nur Pleasants Sprüche sind oft zum Totlachen, auch zahlreiche Formulierungen haben mich zum Grinsen und Lachen gebracht.

Ich habe das Buch in drei Etappen gelesen, was bei 344 Seiten auch kein Problem war. Die Kapitel haben genau die richtige Länge, sind weder zu kurz, noch zu lang und haben sehr einladende Titel. Zahlreiche Dialoge machen das Lesen angenehm und lassen schon mal zwei, drei Seiten im Rekordtempo dahinfliegen. Es gibt aber auch Abschnitte, die ich persönlich etwas anstrengend fand. Nämlich die Schilderungen der Kämpfe. Da bräuchte ich weit weniger Details und wäre trotzdem noch zufriden. Das hat mich dann wieder etwas ausgebremst. Ich hoffe sehr, dass solche Passagen in den weiteren Bänden nicht Überhand nehmen.

Das Cover liebe ich einfach heiß und innig. Die Figur Skulduggery Pleasant sieht schlichtweg cool aus und mit dem freundlichen Grinsen kein Stück gruselig. Dazu der düstere Hintergrund mit dem kontrastreichen Orange, das ist ein Hingucker durch und durch. Übrigens: das Buch hat ein ebenfalls orangefarbenes Lesebändchen! Lesebändchen finde ich immer toll.

Fazit: Obwohl ich mit Fantasy nicht mehr viel anfangen kann, so lief es mit diesem ersten Band von Pleasant und mir doch wirklich gut. Ich finde die Idee dieses ungewöhnlichen Detektivs cool und mag seinen Humor total. Die magische Welt wirkt unverbraucht und neuartig, nie hat man das Gefühl solche ähnlichen Figuren irgendwo anders schon mal angetroffen zu haben. Das ist heute auch schon viel wert und echt selten. Die Geschichte hat Spannung, Tempo und Action und schont die (junge) Leserschaft keineswegs! Hier gibt es Mord und Totschlag, das ist einfach so. Das muss man wissen, wenn man dem Nachwuchs das Buch in die Hand geben möchte. Ich mag solch mutige Jugendbücher.


Titel: Skulduggery Pleasant (01) – Der Gentleman mit der Feuerhand
Autor: Derek Landy
Seiten: 344
Verlag: Loewe Verlag
ISBN: 978-3-7855-5922-2
Preis: € 16,90 (HC)

Mai 14

[Veranstaltung] Lesung mit Thomas Krüger aus „Erwin, Enten, Präsidenten“

So langsam komme ich nach einer Bücher- und Leseflaute wieder in Stimmung 😉

Anfang dieser Woche stand endlich wieder einmal eine Lesung auf dem Programm.
Thomas Krüger las am 09.05.17 in Löhne aus dem neuen Band seiner Krimireihe um Erwin Düsedieker und seine Laufenten aus Bramschebeck.

Von der Lesung habe ich einmal mehr eher kurzfristig erfahren, aber es gab noch Karten dafür.
Vielen Dank an dieser Stelle an die Löhner Buchhandlung Dehne, die mir so unkompliziert eine Karte an der Kasse hinterlegt haben.

Es war meine inzwischen dritte Lesung mit Thomas Krüger, Erwin und seinen Enten und es hat wieder genauso viel Spass gemacht, wie bei den beiden vorigen Lesungen. Thomas Krüger liest sehr viel und ausführlich bei seinen Lesungen, sodass man sich ein gutes Bild von der Geschichte und den Figuren machen kann.
Überrascht hat mich die recht ausführliche Fragerunde nach der Lesung. Ich glaube, so viele Fragen gab es noch auf keiner der Erwin- Lesungen, bei denen ich war. Das war wirklich interessant! Nur schade, dass dabei herauskam, dass die Reihe um Erwin & Co. mit diesem vierten Band wohl ihren Abschluss gefunden hat. Das finde ich persönlich sehr schade. Aber hoffen darf man ja.
Übrigens empfehle ich allen Ostwestfalen, die hier eventuell mitlesen, die Seite www.owl-namen.de .
Ich habe davon erst jetzt bei der Lesung erfahren, war dort ausgiebig stöbern und hatte einen Heidenspaß dabei!

Ein paar Fotos von der Lesung habe ich mitgebracht.
Es sind nur Handyfotos bei miserablen Lichtverhältnissen, aber irgendwie traue ich mich nie, meine große Kamera zu solchen Veranstaltungen mitzunehmen.
Also SORRY für die Qualität…

Mit dem Team der Buchhandlungen & der Bibliothek

Beim Signieren

Ist der Pin nicht super goldig?

Mai 14

Neu im Regal – KW 19 / 2017

Genau wie in der vorigen Woche trafen auch diese Woche neue Bücher bei mir ein.
Ebenfalls auf Tauschticket ertauscht.

Falls sich jemand wundert: ja, ich habe mich hier schon vor Längerem über die Veränderungen bei Tauschticket ausgelassen und aufgeregt. Nachwievor finde ich sie mehrheitlich total daneben und unnötig. Was einige Anbieter daraus in Sachen Ticketpreise machen, ist eine absolute Unverschämtheit. Genauso, dass Tauschticket überhaupt die Möglichkeit eingeräumt hat, solche „Preise“ verlangen zu können.
Ich bin mir trotzdem treu geblieben. Wenn ich etwas anbiete, dann zu -wie ich finde- sehr fairen „Preisen“ (zu meinem Regal).
Und ich „zahle“ gerantiert nicht mehr als 3 Tickets für ein Buch. Dafür muss es dann aber auch schon ein totales Must-Have in super Zustand sein. Vermutlich würde ich es mir aber eher kaufen als es zu ertauschen. Ansonsten ist bei 2 Tickets Schluss, mehr gibt es von mir nicht.

Hier sind also die beiden Neuen dieser Woche

„Die 5. Welle“ (Rick Yancey)

Die erste Welle brachte Dunkelheit. Die zweite Zerstörung. Die dritte ein tödliches Virus. Nach der vierten Welle gibt es nur noch eine Regel fürs Überleben: Traue niemandem! Cassie hat seit der Ankunft der Anderen fast alles verloren: Ihre Freunde und ihre Familie sind tot, ihren kleinen Bruder haben sie mitgenommen. Und dann begegnet sie Evan Walker. Er rettet sie vor dem Tod. Aber kann sie ihm trauen? Sie geht das Risiko ein und findet schon bald heraus, welche Grausamkeit die fünfte Welle für sie bereithält.

„Dark Noise“ (Margit Ruile)

Zafer arbeitet als freiberuflicher Bildretuscheur. Und er ist der Beste. Er kann sogar die Wassertropfen auf einer Sektflasche so täuschend echt nachbilden, dass der Betrachter seiner Filmsequenzen glaubt, er würde sich darin spiegeln. Einen Mann in das Überwachungsvideo einer Tiefgarage einzufügen ist dagegen ein Kinderspiel. Merkwürdig ist nur, dass dieser Auftrag anonym war.
Tage später erkennt Zafer durch Zufall eines seiner Videos in den Nachrichten über einen Journalistenmord wieder. Es zeigt, wie der mutmaßliche Täter den Tatort, eine Tiefgarage, verlässt.
In Wirklichkeit ist der Mann nie dort gewesen. Aber das weiß nur Zafer.

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