Mai 22

Neu im Regal – KW 20 / 2017

Mit leichter Verspätung kommen hier die Neuen der vergangenen Woche.

Beide habe ich im Tedi entdeckt, wo sie eine ganze Menge wirklich toller und bekannter Bücher hatten.
Darunter auch diese beiden Bücher, die schon lange auf meinem Wunschzettel standen.
Sie sind in einem super Zustand und haben noch nicht einmal einen „Mängelexemplar“-Stempel auf dem Schnitt.
Ich wusste gar nicht, dass man Bücher ohne eine solche Markierung im Handel für so kleines Geld verkaufen darf.
Meine zwei haben stolze € 3,00 gekostet, zusammen!

 

„Von ganzem Herzen, Emily“ (Tanya Byrne)

Für die siebzehnjährige Emily bricht eine Welt zusammen, als sie erfährt, dass ihr geliebter Vater ein gefährlicher Krimineller ist. Als er von Juliet, der Tochter eines seiner Opfer lebensgefährlich verletzt wird, sinnt Emily auf Rache. Sie erschleicht sich unter falschem Namen das Vertrauen von Juliet und ihrem Freund Sid und freundet sich mit den beiden an. Doch sie hat nicht damit gerechnet, dass sie sich in Sid verliebt und damit in eine nahezu ausweglose Zwangslage gerät.

„Das  Lazarus Phänomen – Wenn die ganze Welt dich jagt“ (Kjetil Johnsen)

Nach einem Autounfall erwacht Emma aus dem Koma und nichts ist mehr wie zuvor. Sie hat das Gefühl, dass mit ihrem Kopf etwas nicht stimmt. Wieso kann sie sich immer wieder an Situationen und Orte erinnern, die sie gar nicht kennt? Emma weiß nicht, was andere schon längst herausgefunden haben. Sie ist die Hoffnung der Zukunft und damit in großer Gefahr. Aber die Jagd hat gerade erst begonnen…

Mai 22

Rezension – Johnny Sinclair (01) – Beruf: Geisterjäger (Sabine Städing)

Johnny Sinclair ist nicht wie jeder gewöhnliche Junge, denn er kann mit Geistern reden! Als der 12-Jährige einen der legendären sprechenden Schädel findet, kann er sein Glück kaum fassen. Dumm ist nur, dass ihm der Jahrhunderte alte Schädel haushoch überlegen ist und nicht zögert, es bei jeder Gelegenheit zu beweisen. Dabei hat Johnny zurzeit ganz andere Sorgen. Greyman Castle, die Burg, die er bewohnt, wird von Geistern heimgesucht, und auch in Blacktooth, dem nahegelegenen Dorf, gehen seltsame Dinge vor sich. Als Johnny dank des Schädels ein mächtiges magisches Artefakt in die Hände fällt, haben die Geister nichts mehr zu lachen. Und für Johnny ist klar: Er will Geisterjäger werden und dem Bösen den Kampf ansagen! Was er nicht ahnt: Seine Gegner haben ihn längst im Visier.

Von Sabine Ständing kenne ich bereits „Magnolia Steel“ und „Petronella Apfelmus“. Zwei Reihen, die mir sehr gut gefallen. Als ich dann auf Johnny Sinclair aufmerksam wurde, stand fest, dass ich auch ihn kennenlernen würde. Erst recht, nachdem ich irgendwo gelesen hatte, wie sich die eingefleischten Fans von John Sinclair darüber aufregten, dass man ihren Helden so ins Kindische ziehen würde.
Dabei hat Johnny Sinclair gar nicht viel mit John Sinclair zu tun. Er liebt die Romanhefte, er ist sein Held und Vorbild in Sachen Geisterjägerei und er schreibt ihm sogar eMails, doch das war es auch schon. Da ist nichts dran, was John Sinclair irgendwie herabwürdigt, eher ganz im Gegenteil!
Johnny ist ein liebenswerter Kerl, der einem mit seinem Geisterproblem auf der Burg seiner Familie ganz schön leid tun kann. Er fürchtet sich wirklich vor ihnen und hätte sie nur zu gerne aus dem Haus. Doch nicht einmal sein Kindermädchen, eine waschechte Mambo kann ihm dabei wirklich helfen, ausser mit Tipps und Hausmittelchen, die eher weniger wirkungsvoll sind. Ich habe dieser Frau übrigens bis zum Ende nicht recht über den Weg getraut und immer gefürchtet, selbst sie könnte sich gegen Johnny wenden.
Nach einem schaurigen Erlebnis im Moor findet Johnny dort einen alten Totenschädel voller seltsamer Symbole. Er nimmt ihn mit nach Hause und erlebt dort sein Blaues Wunder als der Schädel sich als Erasmus von Rothenburg vorstellt. Erasmus hat eine ganz schön große Klappe, aber irgendwie raufen Johnny und er sich dann doch zusammen. Kann Erasmus Johnny vielleicht dabei helfen, die Geister im Haus loszuwerden?
Es war lustig zu lesen, wie Johnny quasi bei Erasmus in die Lehre zum Geisterjäger geht. Aber er hat unter seiner Anleitung auch so manches unheimliche Abenteuer durchzustehen, was für Spannung und eine dezente Gänsehaut sorgt. Johnny muss schließlich herausfinden, wieso die Geister eigentlich bei ihm hausen. Nur so kann er einen Plan fassen, wie er sie loswerden kann. Einige Ideen dabei sind schon sehr witzig wie Johnnys Salzwasserpistole, andere sind recht klassisch. So muss zB einem Geistermädchen, das fürchtet, es könne in Vergessenheit geraten, eine Rose zur Erinnerung gepflanzt werden. Diese Mischung aus spaßigen und klassischen Methoden ist gut gelungen und hat mich manchmal schmunzeln lassen, manchmal aber auch einfach gerührt.
Neben den Geistern machen auch einige Klassenkameraden Johnny das Leben schwer und lassen sich immer neue Streiche einfallen um ihn zu ärgern und zu blamieren. Es gibt für Johnny also auch ein ganz normales Leben, was mir gut gefallen hat. Ich mag es, wenn bei phantastischen Geschichten immer auch ein Bezug zur Wirklichkeit gegeben ist. Eine wensentlich sympathischere Klassenkameradin hat mir dagegen richtig gut gefallen. Ich hoffe sehr, man wird im Folgeband noch eine ganze Menge über das Gruftimädchen Millie erfahren. Sie und Johnny wären ein tolles Gespann. Zusammen mit Johnnys bestem Freund Russell natürlich, der zwar oft etwas trottlig wirkt, aber eben einfach ein toller Freund ist, der bei diesem Abenteuer über sich hinaus wächst.
So richtig gruselig ist die Geschichte allerdings nicht. Das Buch wird für junge Leser ab 10 Jahren empfohlen und ich kann mir nicht vorstellen, dass es in diesem Alter noch für schlaflose Nächte sorgen wird. Der Gruselfaktor ist absolut kindgerecht und wird vor allem durch Erasmus‘ Großmaul sehr gut aufgelockert. Ein wohliges Schaudern dürfte das einzige sein, wozu Johnnys Hausgeister beim Lesen verleiten und ich denke, mehr möchte die Geschichte auch gar nicht erreichen. Spannend geht es aber in jedem Fall zu, und das soll für die Leserschaft diesen Alters auch unbedingt so sein.

Ich habe mir das Buch auf drei Abende aufgeteilt. Ganz bewusst, um mehr davon zu haben. Ansonsten hätte ich es auch in einem Rutsch lesen können. Es liest sich wunderbar leicht. Zahlreiche und oft sehr witzige Dialoge lockern zusätzlich auf und die Kapitel haben genau die richtige Länge. Da kann man schnell mal noch eines mehr lesen als gedacht. Einfallsreiche Titel machen neugierig und kleine Illustrationen gestalten die Seiten und Kapitelanfänge abwechslungsreich und interessant.

Das Cover gefällt mir sehr gut! Und ja, zugegeben, die Schrift des Titels erinnert nun doch ziemlich an Johnnys großes Vorbild. Ich finde es cool, wie Johnny und sein Ort / die Burg mit dem Totenschädel kombiniert wurden. Als seien die Häuse der Zähne des Schädels. Johnny sieht goldig aus wie er da mit seiner Laterne durch die Düsternis läuft. Genauso habe ich ihn mir beim Lesen vorgestellt. Die Krönung dieses Covers wäre es gewesen, wenn es im Dunkeln geleuchtet hätte. Doch das ist leider nicht der Fall, schade. Vielleicht ist das ja eine Idee für Band 2?

Fazit:  Mir hat Band 1 von Johnny Sinclair sehr gut gefallen! Eine phantasievolle, spannende und kindgerecht schaurige Geschichte, die neben klassischen Geisterideen auch witzige neue Ideen auf Lager hat. Das macht Spass und ist so auch nie wirklich richtig gruselig. Dafür sorgt schon der vorwitzige Schädel namens Erasmus. Aber auch Johnny ist nicht auf den Mund gefallen. Es hat Spass gemacht, mit ihm und Russell Abenteuer zu erleben und gegen Geister zu kämpfen. Ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung. Und an alle spaßbefreiten John Sinclair – Fans: geht doch heulen!


Titel: Johnny Sinclair (01) – Beruf: Geisterjäger
Autor: Sabine Städing
Seiten: 269
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3833904677
Preis: 12,00 (HC)

Mai 18

Rezension – Skulduggery Pleasant (01) – Der Gentleman mit der Feuerhand (Derek Landy)

Er ist kein gewöhnlicher Detektiv. Er ist Zauberer und Meister der kleinen schmutzigen Tricks, und wenn die Umstände es erfordern, nimmt er es mit dem Gesetz nicht so genau. Er ist ein echter Gentleman. Und … er ist ein Skelett. Als Stephanie Skulduggery Pleasant das erste Mal sieht, ahnt sie noch nicht, dass sie ausgerechnet mit ihm eines ihrer größten Abenteuer erleben wird. Denn um den mysteriösen Tod ihres Onkels aufzuklären, muss sie ihn in eine Welt voller Magie begleiten – eine Welt, in der mächtige Zauberer gegeneinander kämpfen, Legenden plötzlich zu Leben erwachen und in der das Böse schon auf Stephanie wartet.

Diesen ersten Band habe ich bereits vor Jahren einmal gelesen, die Reihe dann aber als Hörbuch weiterverfolgt. Die Bücher habe ich dennoch weiterhin gekauft und nun plane ich, die Reihe nach und nach auch zu lesen. Seit geraumer Zeit bin ich für Fantasy allerdings kaum bis gar nicht mehr zu begeistern, von daher könnte das Unternehmen durchaus scheitern. Wir werden sehen.
Mit diesem ersten Teil und mir lief es aber erstmal ganz gut. Ich mag auch einfach so Vieles an der Serie. Ich finde die Idee mit dem Skelett super genial und Pleasants Humor ist genau mein Fall. Somit habe ich mich mit ihm schnell angefreundet. Mit Stephanie bin ich auch am Ende dieses Buches noch nicht so richtig gut Freund. Sie wirkt mir für eine Zwölfjährige zu erwachsen, zu abgeklärt bis überheblich und ist mir für ein Mädchen diesen Alters auch eine ganze Ecke zu mutig, taff und zu talentiert in einigen Dingen.
Wiederum muss ich zugeben, so eine typische Zwölfjährige hätte Pleasant an seiner Seite auch beim besten Willen nicht brauchen können. Denn es geht durchaus rund in der magischen Welt. Ein bereits ausgeschaltet geglaubter, böser Magier drängt zurück in die Welt und an die Herrschaft darüber. Er hat nicht weniger im Sinn, als die nutzlose Menschheit auszurotten. Und dabei geht er auch häufig gerne mal über Leichen. Das ist hier wörtlich zu nehmen, es gibt mehr als einen Toten in diesem ersten Band. Da ist eine Einstufung der Leserschaft ab zwölf Jahren schon ziemlich gewagt, wie ich finde. Genau das mag ich aber auch so gerne: wenn Jugendbücher sich so etwas Gewagtes trauen.
Auch Pleasant ist nicht gerade zimperlich bei seinen Unternehmungen, jedoch hat das bei ihm halt irgendwie einen gewissen Charme, und nie trifft es bei ihm unbeteiligte, unschuldige Menschen. Da kann man seinem Einsatz in so mancher deftigen Prügelei also kaum übelnehmen. Und man sorgt sich halt schnell auch um ihn, denn zum Glück ist er kein Held, der immer am längeren Hebel sitzt. Zumindest vorübergehend kann man ihm durchaus mal schaden. Das macht seine Figur glaubhafter. Soweit man das bei einem Skelettdetektiv überhaupt sagen kann.
Die Geschichte ist spannend, jedes Kapitel hat für sich schon einen kleinen Höhepunkt, und es geht rasant und actionreich zur Sache. Langeweile hat da rein inhaltlich keine Chance. Während man mit Pleasant, seinen Verbündeten und Stephanie mitfiebert, wenn sie ermitteln oder eben auch handfest kämpfen, fragt man sich gleichzeitig auch, was mal aus Stephanie werden wird. Ob sie es schaffen kann, halb in der realen, halb in der magischen Welt zu leben. Vor allem, weil ihr in beiden häufig nach dem Leben getrachtet wird.
Zuletzt mag ich an der Story (und der ganzen Reihe) einfach, wie einfallsreich und unverbraucht so viele Ideen daran sind. Obwohl es um Zauberer geht, kam mir nie „Harry Potter“ in den Sinn. Die Zauberer in Pleasants Gefolge und bei seinen Gegnern sind deutlich anders erdacht. Zum Glück -denn ich kann der Reihe gar nichts abgewinnen- kommt auch nie eine „Herr der Ringe“-Stimmung auf. Dafür spielt Pleasants Reihe viel zu sehr in der realen Welt, was mir immer einen Pluspunkt wer ist. Sämtliche Figuren sind, auch wenn es zig Magier in der Literatur gibt, eben so ganz anders und deshalb so besonders. Und auch die Figuren nebenher, wie Vampire, die Hohlen oder der Troll sind von ihrer Art, ihren Eigenschaften und dem Aussehen her schön weit weg von den gängigen Vertretern ihrer Art. Phantasie hat Derek Landy defenitiv massig, und das zum Glück!
Ach so, ich hab den Humor vergessen. Denn nicht nur Pleasants Sprüche sind oft zum Totlachen, auch zahlreiche Formulierungen haben mich zum Grinsen und Lachen gebracht.

Ich habe das Buch in drei Etappen gelesen, was bei 344 Seiten auch kein Problem war. Die Kapitel haben genau die richtige Länge, sind weder zu kurz, noch zu lang und haben sehr einladende Titel. Zahlreiche Dialoge machen das Lesen angenehm und lassen schon mal zwei, drei Seiten im Rekordtempo dahinfliegen. Es gibt aber auch Abschnitte, die ich persönlich etwas anstrengend fand. Nämlich die Schilderungen der Kämpfe. Da bräuchte ich weit weniger Details und wäre trotzdem noch zufriden. Das hat mich dann wieder etwas ausgebremst. Ich hoffe sehr, dass solche Passagen in den weiteren Bänden nicht Überhand nehmen.

Das Cover liebe ich einfach heiß und innig. Die Figur Skulduggery Pleasant sieht schlichtweg cool aus und mit dem freundlichen Grinsen kein Stück gruselig. Dazu der düstere Hintergrund mit dem kontrastreichen Orange, das ist ein Hingucker durch und durch. Übrigens: das Buch hat ein ebenfalls orangefarbenes Lesebändchen! Lesebändchen finde ich immer toll.

Fazit: Obwohl ich mit Fantasy nicht mehr viel anfangen kann, so lief es mit diesem ersten Band von Pleasant und mir doch wirklich gut. Ich finde die Idee dieses ungewöhnlichen Detektivs cool und mag seinen Humor total. Die magische Welt wirkt unverbraucht und neuartig, nie hat man das Gefühl solche ähnlichen Figuren irgendwo anders schon mal angetroffen zu haben. Das ist heute auch schon viel wert und echt selten. Die Geschichte hat Spannung, Tempo und Action und schont die (junge) Leserschaft keineswegs! Hier gibt es Mord und Totschlag, das ist einfach so. Das muss man wissen, wenn man dem Nachwuchs das Buch in die Hand geben möchte. Ich mag solch mutige Jugendbücher.


Titel: Skulduggery Pleasant (01) – Der Gentleman mit der Feuerhand
Autor: Derek Landy
Seiten: 344
Verlag: Loewe Verlag
ISBN: 978-3-7855-5922-2
Preis: € 16,90 (HC)

Mai 14

[Veranstaltung] Lesung mit Thomas Krüger aus „Erwin, Enten, Präsidenten“

So langsam komme ich nach einer Bücher- und Leseflaute wieder in Stimmung 😉

Anfang dieser Woche stand endlich wieder einmal eine Lesung auf dem Programm.
Thomas Krüger las am 09.05.17 in Löhne aus dem neuen Band seiner Krimireihe um Erwin Düsedieker und seine Laufenten aus Bramschebeck.

Von der Lesung habe ich einmal mehr eher kurzfristig erfahren, aber es gab noch Karten dafür.
Vielen Dank an dieser Stelle an die Löhner Buchhandlung Dehne, die mir so unkompliziert eine Karte an der Kasse hinterlegt haben.

Es war meine inzwischen dritte Lesung mit Thomas Krüger, Erwin und seinen Enten und es hat wieder genauso viel Spass gemacht, wie bei den beiden vorigen Lesungen. Thomas Krüger liest sehr viel und ausführlich bei seinen Lesungen, sodass man sich ein gutes Bild von der Geschichte und den Figuren machen kann.
Überrascht hat mich die recht ausführliche Fragerunde nach der Lesung. Ich glaube, so viele Fragen gab es noch auf keiner der Erwin- Lesungen, bei denen ich war. Das war wirklich interessant! Nur schade, dass dabei herauskam, dass die Reihe um Erwin & Co. mit diesem vierten Band wohl ihren Abschluss gefunden hat. Das finde ich persönlich sehr schade. Aber hoffen darf man ja.
Übrigens empfehle ich allen Ostwestfalen, die hier eventuell mitlesen, die Seite www.owl-namen.de .
Ich habe davon erst jetzt bei der Lesung erfahren, war dort ausgiebig stöbern und hatte einen Heidenspaß dabei!

Ein paar Fotos von der Lesung habe ich mitgebracht.
Es sind nur Handyfotos bei miserablen Lichtverhältnissen, aber irgendwie traue ich mich nie, meine große Kamera zu solchen Veranstaltungen mitzunehmen.
Also SORRY für die Qualität…

Mit dem Team der Buchhandlungen & der Bibliothek

Beim Signieren

Ist der Pin nicht super goldig?

Mai 14

Neu im Regal – KW 19 / 2017

Genau wie in der vorigen Woche trafen auch diese Woche neue Bücher bei mir ein.
Ebenfalls auf Tauschticket ertauscht.

Falls sich jemand wundert: ja, ich habe mich hier schon vor Längerem über die Veränderungen bei Tauschticket ausgelassen und aufgeregt. Nachwievor finde ich sie mehrheitlich total daneben und unnötig. Was einige Anbieter daraus in Sachen Ticketpreise machen, ist eine absolute Unverschämtheit. Genauso, dass Tauschticket überhaupt die Möglichkeit eingeräumt hat, solche „Preise“ verlangen zu können.
Ich bin mir trotzdem treu geblieben. Wenn ich etwas anbiete, dann zu -wie ich finde- sehr fairen „Preisen“ (zu meinem Regal).
Und ich „zahle“ gerantiert nicht mehr als 3 Tickets für ein Buch. Dafür muss es dann aber auch schon ein totales Must-Have in super Zustand sein. Vermutlich würde ich es mir aber eher kaufen als es zu ertauschen. Ansonsten ist bei 2 Tickets Schluss, mehr gibt es von mir nicht.

Hier sind also die beiden Neuen dieser Woche

„Die 5. Welle“ (Rick Yancey)

Die erste Welle brachte Dunkelheit. Die zweite Zerstörung. Die dritte ein tödliches Virus. Nach der vierten Welle gibt es nur noch eine Regel fürs Überleben: Traue niemandem! Cassie hat seit der Ankunft der Anderen fast alles verloren: Ihre Freunde und ihre Familie sind tot, ihren kleinen Bruder haben sie mitgenommen. Und dann begegnet sie Evan Walker. Er rettet sie vor dem Tod. Aber kann sie ihm trauen? Sie geht das Risiko ein und findet schon bald heraus, welche Grausamkeit die fünfte Welle für sie bereithält.

„Dark Noise“ (Margit Ruile)

Zafer arbeitet als freiberuflicher Bildretuscheur. Und er ist der Beste. Er kann sogar die Wassertropfen auf einer Sektflasche so täuschend echt nachbilden, dass der Betrachter seiner Filmsequenzen glaubt, er würde sich darin spiegeln. Einen Mann in das Überwachungsvideo einer Tiefgarage einzufügen ist dagegen ein Kinderspiel. Merkwürdig ist nur, dass dieser Auftrag anonym war.
Tage später erkennt Zafer durch Zufall eines seiner Videos in den Nachrichten über einen Journalistenmord wieder. Es zeigt, wie der mutmaßliche Täter den Tatort, eine Tiefgarage, verlässt.
In Wirklichkeit ist der Mann nie dort gewesen. Aber das weiß nur Zafer.

Mai 13

Rezension – Erwin, Enten, Präsidenten (Thomas Krüger)

In Versloh, der Gemeinde mit den Dörfern Bramschebeck und Pogge, steht die Wahl vor der Tür. Alle paar Jahre wieder wird Fritzwalter Kleinebregenträger hier zum Bürgermeister gewählt. Nie gab es einen Gegenkandidaten. Eines Morgens allerdings liegt Kleinebregenträger tot neben der Bundesstraße. War es Mord? Oder ein Unfall? Erwin Düsedieker, den man im Ort für trottelig hält, weil er mit seinen Enten spricht und in Gummistiefeln Spaziergänge unternimmt, macht sich so seine Gedanken. Und verstrickt sich unversehens in einen schmutzigen Wahlkampf.

Die Krimis um Erwin und seine Ermittlerenten geht in die vierte Runde und spielt dieses Mal wieder in Erwins Heimat, dem kleinen ostwestfälischen Dorf und maximal den umliegenden, kleineren Ortschaften. Für meinen Geschmack hat sich Erwin auf Oddinsee zwar sehr gut gemacht, aber an sich gehört er für mich doch eher genau in dieses verschlafene Nest.
Wobei es -mal wieder- ganz und gar nicht so verschlafen zugeht. Die Bürgermeisterwahl steht bevor und der bislang konkurrenzlose Bürgermeister liegt eines Morgens Gesicht nach unten am Straßenrand im Flüsschen Bramsche. Tot. Und wie der Zufall es will, ist Erwin an diesem Morgen ganz in der Nähe und bekommt so einiges mit. Und wird dort auch noch gesehen!
Die Suche nach dem Täter und seinem Motiv beginnt, und da Erwins Lebensgefährtin Lina als Bürgermeisterin kandidiert, ist das für ihn ganz besonders brisant, denn der Wahlkampf bringt so manch finstere Machenschaften ans Tageslicht. Es war schon erstaunlich zu lesen, welche Abgründe sich selbst in solch dörflicher Politik plötzlich auftun. Gleichzeitig zeigte es für mich auch auf, welcher Filz in solch kleinen Ortschaften herrschen kann. Es ist wirklich beachtlich, dass Erwin dabei den Überblick behält. Unter Anderem natürlich mit der Hilfe seiner Freunde, den Enten und seinen Büchern. Dabei ist auch hier wieder deutlich zu spüren, dass Erwin sich mausert. Er ist längst nicht mehr der „Dorftrottel“ und so naiv wie zB noch zu Beginn von Band 1. Das hat mir -wie schon im vorigen Band- wieder richtig gut gefallen. Was habe ich gelacht über seinen Auftritt in der Konzerthalle. So cool! Und so ein schöner Beweis dafür, wie dusselig doch die vermeintliche High Society des Dorfes ist…
Es macht Spass, mit ihm gemeinsam zu knobeln. Verdächtige gibt es mehr als genug und immer wieder geschieht etwas, das den Mord und seineHintergründe wieder in anderem Licht erscheinen lässt. Kaum hat man einigermaßen sicher in eine Richtung gedacht, wendet sich das Blatt auch schon wieder. Das sorgt natürlich für Spannung. Und alle naselang habe ich mr nur gedacht: das darf doch wohl nicht wahr sein! So ein Kaff und so viele linke Bazillen! Ganz langsam dröselt sich nach und nach erst ein Bild davon auf, was da eigentlich vor der großen Wahl ablief und immer noch abläuft, und ein richtiges Bild ergibt sich tatsächlich erst zum Ende hin bei der Auflösung.
Spannend ist auch die Frage, ob es Lina tatsächlich ins Bürgermeisteramt schaffen wird. Die Vorstellung ist -angesichts ihren Alters- ja schon etwas schräg und eher abwegig, aber Bramschebeck traue ich inzwischen so einiges zu. Ihr Wahlkampf und die Vorbereitungen dazu sind sehr amüsant und teilweise ganz schön chaotisch, aber irgendwie habe ich es ihr die ganze Zeit von Herzen gegönnt. Dem Dorf hätte so eine Minirevolution schon gut zu Gesicht gestanden. Übrigens waren Linas Wahlkampfveranstaltungen mein ganz persönliches Highlight. Einerseits tat sie mir unglaublich leid, wie sie da vor Kneipen voller stark alkoholisierter Dörfler ihre Frau stehen muss, andererseits sind diese Situationen aber auch zum Totlachen komisch beschrieben. Rührend dagegen sind die Passagen, in denen Erwin alles dafür tut, dass Lina sich im Wahlkampf gut schlägt und sie unterstützt, wo er nur kann. Da spürt man richtig, wieviel sie ihm bedeutet, und das ist einfach nur schön.

Für diesen Band habe ich wieder etwas länger gebraucht als man es bei der Dicke des Buchs erwarten sollte. An Thomas Krügers etwas anderen Schreibstil habe ich mich inzwischen ganz gut gewöhnt und dank vieler Dialoge wirkte er hier nochmal aufgelockerter. Aber in den ganzen Namen musste ich mich doch erstmal zurechtfinden und hatte selbst zum Ende hin noch Probleme, einige von ihnen auf Anhieb richtig einzusortieren. Da musste ich manches Mal nochmal kurz überlegen, über wen ich gerade lese. Und das hielt ab und zu etwas auf.

Das Cover ist einmal mehr genial und mit dem kräftigen Gelb und dem witzigen Motiv ein echter Hingucker im Regal. So süß, die Ente da in der Ente! Die spielt übrigens in der Geschichte auch eine Rolle! In der vorderen Klappe der Broschur findet man eine Karte von Bramschebeck und dem Nachbardorf Pogge.

Fazit: Auch Band 4 der Reihe hat mir wieder sehr gut gefallen! Schön, dass Erwin und seine Freunde wieder zurück in der Heimat sind. Erwins neuer Fall ist ausgesprochen spannend und vielschichtig. Es ist schon erstaunlich, was -sobald es um Politik geht- selbst in so einem kleinen Nest los ist. Nicht mal vor Mord schreckt man dabei zurück und es braucht einiges an Geschick und Cleverness um sich durch den dörflichen Filz zu kämpfen, damt man dem Täter schlussendlich auf die Schliche kommen kann. Gut, dass Erwin beides hat. Gelacht habe ich auch wieder, speziell bei allem rund um Linas Wahlkampf. Einfach zu schön!


Titel: Erwin, Enten, Präsidenten
Autor: Thomas Krüger
Seiten: 400
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 978-3453419810
Preis: € 9,99

Mai 10

Rezension – Ragdoll – Dein letzter Tag (Daniel Cole)

Der umstrittene Detective William Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf, ist nach seiner Suspendierung wieder in den Dienst bei der Londoner Polizei zurückgekehrt. Wolf ist einer der besten Mordermittler weit und breit. Er dachte eigentlich, er hätte schon alles gesehen. Bis er zu einem grausigen Fund gerufen wird. Sechs Körperteile von sechs Opfern sind zusammengenäht zu einer Art Flickenpuppe, einer »Ragdoll«. Gleichzeitig erhält Wolfs Exfrau eine Liste, auf der sechs weitere Morde mit genauem Todeszeitpunkt angekündigt werden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, doch der Ragdoll-Mörder ist der Polizei immer einen Schritt voraus. Und der letzte Name auf der Liste lautet: Detective William Oliver Layton-Fawkes.

Inzwischen hat er sich schon wieder gelegt, aber vor gar nicht allzu langer Zeit, gab es um dieses Buch einen gewaltigen Hype. Die positiven Bewertungen häuften sich, und manchmal lasse ich mich damit eben doch ködern. Obwohl ich von Anfang an Bedenken hatte, denn -wie schon mehrfach erwähnt- locken mich Krimis und Thriller, die außerhalb von Deutschland spielen, eigentlich nicht mehr.
Hier habe ich dann aber doch zugegriffen.
Was soll ich sagen? Ich kann die allgemeine Begeisterung über „Ragdoll“ nicht nachvollziehen, und das liegt nicht nur am Schauplatz. Der ist zwar durchaus auch ein Grund, aber er gehört nicht zu den wesentlichen Gründen.
Dabei gefiel mir die Idee mit der Flickenpuppe, zusammengestückelt aus Körperteilen von sechs Leichen erstmal wirklich richtig gut. Das ist so die Art von kaputter Idee, mit der man mich leicht und schnell begeistern kann. So legte „Ragdoll“ zunächst einen recht guten Start bei mir hin.
Allerdings blieb es dabei auch. Ich habe etwas darüber nachdenken müssen, wieso mich die nachfolgende Story nicht gepackt hat, und es lag haputsächlich .an mangelnder Spannung.
Ich konnte mich beispielsweise mit kaum einer Figur wirklich anfreunden. Sei es mit der  ständig herumbrüllenden ach-was-bin-ich-doch-für-ein-harter-Hund – Ermittlerin Baxter, noch mit dem reichlich verkommenen Wolf, oder den anderen im Team, das sich mit den Ragodll-Morden beschäftigt. Und es ist immer schlecht, wenn es keine Figur gibt, zu der ich eine Beziehung aufbauen kann. Denn diese Art „Nähe“ brauche ich, um mit einer Figur mitzufiebern, mit ihr zu hoffen, zu bangen und  dem Geschehen um diese Figur gebannt zu folgen. Lediglich Edmunds gefiel mir wirklich gut und über seine Nachforschungen habe ich wirklich gerne gelesen. Und es hat mich tierisch geärgert, wie die anderen Ermittler mit ihm umgehen.
Was mich gleich zum nächsten Punkt bringt, weshalb „Radgoll“ bei mir nicht punkten konnte. Was ist das denn bitte für ein Umgang untereinander in diesem Team? Jeder hetzt irgendwann mal gegen jeden, man schnauzt sich an, ignoriert gute Denkansätze, nur weil sie von dem Neuen bei Scotland Yard kommen und haut sich mitunter gegenseitig ordentlich in die Pfanne. Natürlich, das Team steht unter gewaltigen Druck, aber das rechtfertigt für mich noch lange keinen solch assigen (sorry für den Ausdruck) Umgang im Team. Wenn es bei Scotland Yard wirklich so zugeht, dann gute Nacht! Das kann ich mir irgendwie kaum vorstellen.
Leider sind Edmdunds Passagen zumindest anfangs eher selten und kurz. Später werden sie zum Glück ausführlicher, weshalb bei ihnen auch ein bisschen Spannung bei mir aufkam. Generell gab es für mich aber erheblich zu viele Wechsel zwischen den Schauplätzen und / oder Charakteren. Zum einen habe ich dabei oft die zahlreichen Namen durcheinander gebracht bzw nicht sofort zuordnen können, zum anderen dämpften auch diese Wechsel die Spannung erheblich. Sobald sich ein Funken andeutete, ging es schon wieder an anderer Stelle weiter und die Spannung hatte keine Chance, sich weiter aufzubauen.
Weiterhin fehlte es mir an neuen thrillermäßig grausigen Ideen während der Handlung. Die Ragdoll fand ich cool und wunderbar schaurig und eklig. Doch dabei bleibt es auch. Jemand verbrennt, okay, das lasse ich auch noch durchgehen. Aber sonst? Einer stürzt sich vom Dach, doch erstens ist diese Idee nicht sonderlich innovativ und zweitens war derjenige sowieso ein Unsympath auf ganzer Linie, also für mich kein großartiger Verlust. All das konnte absolut nicht mit dem Aufhänger mithalten.
Daran änderte es auch nichts, dass Wolf selber auf der Todesliste des Killer steht.
Und das, was vermutlich als die große Überraschung am Ende hin gedacht war, hat mich kein Stück überrascht. Nicht, dass ich es geahnt hätte, nein, aber es hat einfach nichts bei mir ausgelöst. Keine Überraschung, keinen Schrecken, kein Staunen. Ich habe es einfach hingenommen, und das ist für ein Thriller-Finale schlichtweg zu wenig.

Ich habe für das Buch ungewöhnlich lange gebraucht, weil ich es zwischendurch tatsächlich mal für zwei Wochen einfach beiseite gelegt habe. Dabei liest es sich wunderbar leicht und flüssig, dank zahlreicher Dialoge, vergleichsweise kurzen Kapiteln und einer recht einfachen Erzählweise. Daniel Coles Schreibstil ist an sich ein Garant dafür, ein Buch mal eben so wegzulesen. Aber es haperte an der Story selber.

Das Cover hat mir sofort gefallen. Düsterer geht es kaum. Die Krähe schimmert und wird erst so richtig sichtbar, wenn man das Buch im Licht betrachtet und dreht. Der Titelschriftzug ist geprägt, was edel aussieht.

Fazit:  Leider habe ich mich be „Ragdoll“ von der begeisterten Masse an Lesern anstecken lassen. Der Aufhänger mit der „Flickenpuppe“ war auch ganz nach meinem Geschmack, doch dann häuften sich die Punkte, die mir die nachfolgende Story verleidet haben. Überwiegend unsympathische Figuren und keinerlei weitere Ideen, die auch nur ansatzweise mit der Ragdoll mithalten konnten, um nur zwei Beispiele zu nennen. Und die „große Überraschung“ gegen Ende hat mir lediglich ein Schulterzucken abgeluchst.


Titel:  Ragodll – Dein letzter Tag
Autor: Daniel Cole
Seiten:  480
Verlag: Ullstein Verlag
ISBN: 978-3548289199
Preis:  € 14,99 (Broschiert)

Mai 07

Neu im Regal – KW 18 / 2017

Kürzlich habe ich eine größere Menge an Büchern zu Tauschticket gegeben (es sind noch welche da, ich heiße dort „pelznase“) und entsprechend einige Tickets gesammelt.
Zwei sind gleich wieder in neue Bücher gewandert. Nun kann es mit „Dämmerhöhe“ losgehen.
Das andere Buch habe ich auf Amazon Marketplace gekauft, nachdem mir die Reportage dazu so gut gefallen hat.

 

 

„Dämmerhöhe (01) – Lautlos“  (Birgitta Elin Hassell & Marta Hlin Magnadottir)

Es war ganz plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht – das Mädchen. Und es hatte Anna ein verlockendes Angebot gemacht: Für ein bisschen mehr Freizeit und die Möglichkeit, noch öfter mit dem Snowboard unterwegs zu sein, muss Anna nur den Namen des Mädchens erraten. Doch als ihr kleiner Bruder schwer erkrankt und sie die Nachbarshündin Píla tot in ihrer Hütte findet, wird Anna klar: Das Mädchen ist nicht, was es vorgibt zu sein. Anna bleibt nur noch wenig Zeit, um das Rätsel zu lösen und das Schlimmste zu verhindern.

„Dämmerhöhe (02) – Eiskalt“ (Birgitta Elin Hassell & Marta Hlin Magnadottir)

Seit einiger Zeit hat Vigdís diese Albträume von einem weinenden Kind mit blutroten Augen. Als sie ihre Großmutter bei einem Gespräch über ungeklärte Todesfälle in der Familie belauscht, beschließt sie zusammen mit Jóhanna, der Sache auf den Grund zu gehen. Auf dem Dachboden finden die beiden ein Kleid und ein altes Foto von einem blondgelockten Mädchen. Doch alle Nachfragen werden von der Großmutter nur mit Schweigen beantwortet. Vigdís hat mehr und mehr das Gefühl, dass die Augen sie auch am Tag verfolgen. Und immer wieder spürt sie eine kalte Kinderhand, die sie irgendwohin führen will. Als Vigdís begreift wohin, ist es fast zu spät.

„Zwei nach Shanghai – 13600 Kilometer mit dem Fahrrad von Deutschland nach China“ (Paul & Hansen Hoepner)

Ein Zelt, Isomatten und zwei Fahrräder – mehr brauchen Paul und Hansen nicht, um von Berlin nach Shanghai zu radeln. Es wird die Fahrt ihres Lebens, mit Momenten des größten Glücks, aber auch anscheinend ausweglosen Situationen: An der russischen Grenze entgehen sie ganz knapp ihrer Verhaftung, und das schillernde Nachtleben Moskaus zieht sie in ihren Bann. In Kasachstan fliehen sie vor üblen Raufbolden, und nur die Hilfsbereitschaft der Kirgisen kann das vorzeitige Ende ihrer Reise abwenden. China wartet mit Sandstürmen und unheimlichen Polizeibeamten auf, und in einer Jurte im Himalaja werden sie eingeladen, für immer zu bleiben. Ein mutiges und unvergessliches Abenteuer, bei dem der beste Freund nie von der Seite weicht.

Mai 05

Rezension – Im Zelt: Von einem, der auszog, um draußen zu schlafen (Wigald Boning)

Zelten – da denkt man an Sommerurlaub, romantische Abende am See, an Lagerfeuer, Luftmatratzen und Grillwürstchen. Vielleicht noch an Mücken. Was aber, wenn das Zelt zum Schlafplatz im Alltag wird? Und zwar über Herbst und Winter hinweg, bei Wind und Wetter, über 200 Nächte am Stück? Wigald Boning probiert es aus. Er sagt Matratze und Federbett ade und schläft draußen: auf Campingplätzen und in Flussbetten, auf Häuserdächern und Balkonen, am Strand und auf Parkbänken. Was er dabei erlebt und welcher Traum dabei in Erfüllung geht, erzählt er in diesem Buch.

Mit meinem ständigen Drang, zu reisen, raus zu wollen, leben und etwas erleben zu wollen, lag es ohnehin schon nahe, dieses Buch zu lesen. Außerdem mag ich Wigald Boning wirklich gerne. Er gehört für mich zu den Comedians, die diese Bezeichnung mit Fug und Recht tragen, weil er immer mit sehr viel Köpfchen witzig ist. Da spreche ich den meisten anderen sogenannten „Comedians“ rundweg ab.
Ich freute mich also auf ein interessantes und informatives Buch mit vielen Gelegenheiten, auch mal zu schmunzeln oder zu lachen.
Wigald Boning hat also eines Tages vor nicht allzu langer Zeit beschlossen, von nun an im Zelt zu schlafen. Nur zu schlafen! Es sind keine Campingpläne im eigentlichen Sinn, kein allgemeiner Ausstieg aus dem Alltag. Er geht dabei weiterhin seiner Arbeit nach und mal nicht vom Gaskocher zu essen, sondern im Lokal, ist beispielsweise auch erlaubt. Wer eine Campingstory erwartet, ist hier also falsch. Mich hat das nicht gestört, ich fand es im Gegenteil sogar konsequent. Es geht nur um das Schlafen im Zelt. Dabei trifft man zwar auf viele Punkte, die man auch für das reguläre Camping übernehmen kann, aber es geht nicht zentral darum. Und wenn ich so an meine Campingerfahrungen zurückdenke, ist vor allem das Schlafen schon eine heikle und meist unbequeme Angelegenheit. Damit packt Wigald Boning also einen brisanten Teil des Campens an. Ein bisschen schräg ist die Idee natürlich auch, doch für solche Unternehmungen ist er ja nun wirklich bekannt.
Das Buch geht auf alle Punkte rund um das Schlafen im Zelt ein. Von der erforderlichen Ausrüstung, über geeignete Kleidung, das Zusammenleben mit Flora und Fauna bis hin zu der Tatsache, dass mann dabei mitunter offline ist. Und natürlich gibt es Kapitel, in denen von ganz besonderen Zeltplätzen berichtet wird.
Ich fand all das durchweg wirklich interessant, zumal mal eine Menge über Dinge erfährt, die diese Unternehmung ausmachen und über die man sich anfangs vielleicht gar keine Gedanken gemacht hat. Und auch die Kapitel über Ausrüstung, geeignete Kleidung und Körperpflege beispielsweise habe ich mit Interesse gelesen. Vielleicht landet man ja selber auch mal wieder in einem Zelt, da kann man sich hier ein paar Dinge quasi mitnehmen. Auf die eigenen Bedürfnisse angepasst, selbstverständlich. Dass speziell bei der Ausrüstung Markennamen fallen, damit muss man leben. Mich hat es gar nicht gestört. Es wirkt nie wie eine Werbeveranstaltung, und wenn ich mir vorstelle, ein Leser plant vielleicht auch mal eine Campingtour, kennt sich aber mit alldem nicht aus, dann hat er hier einige Anhaltspunkte. Abgesehen davon: wem wäre denn damit gedient, es stände da zB „M…..t“ oder „Elefant“, statt „Mammut“? Na also!
Unterhaltsam und auch etwas verrückt fand ich die Schilderungen von den ausgefallenen Zeltplätzen, auf denen Wigald Boning genächtigt hat. Das ist -wenn man es sich bildlich vorstellt-  schon oft etwas verrückt, aber im postiven Sinne. Dennoch gibt es auch Erlebnisse, die wenig erfreulich waren. Auch diese kommen ausführlich zur Sprache, was hier und da sogar ein bisschen spannend ist.
Und ja, es gab für mich tatsächlich massig Gelegenheiten zum Schmunzeln und Lachen. Wigald Bonings Erzählweise ist einfach so clever-gewitzt und amüsant, dass ich nicht umhin kam, häufig vor mich hin zu kichern.
Einen kleinen Wermutstropfen gab es aber doch für mich. Es gibt nämlich einige, sehr wenige Passagen, in denen Wigald Boning auf mich arg arrogant wirkte. Das hat mich stuzig gemacht und auch ein bisschen gestört, weil ich finde, dass er das absolut nicht nöitg hat. Er ist natürlich bekannt, meinetwegen auch ein Promi, aber ich habe ihn immer als am Boden geblieben empfunden. Daher habe ich mich an diesen Stellen schon gewundert.

Auf Wigald Bonings Schreibstil muss man sich einlassen können. Er erzählt intelligent und gewandt. Da trifft man durchaus häufig Formulierungen an, die einem im normalen Sprachgebraucht eher nicht begegnen. Eben typisch Boning. Wer ihn aus dem Fernsehen kennt, er wird verstehen, was ich meine. Genau deshalb hat mir die Lektüre aber auch so viel Spass gemacht. Die Kapitel lasen sich weg wie nichts. Dafür haben sie genau die richtige Länge. Ich hatte beim Lesen auch immer Wigald Bonings markante Stimme im Ohr, und auch wenn er im TV zu sehen ist, hat er mich alleine damit immer schon am Schlafittchen.

Das Covermotiv zeigt ihn mit seinem Zelt an seinem allerersten Zeltplatz. Wie üblich ziemlich ausgefallen gekleidet und einfach sympathisch. Mit dem Motiv wird sofort deutlich, um was es in diesem Buch geht. Und es macht neugierig darauf, wo er sein Zelt wohl noch alles ausgestellt und was er dabei erlebt und festgestellt hat.

Fazit:  Mir hat „Im Zelt“ vom Anfang bis zum Ende hin gefallen. Interessant, informativ, unterhaltsam und einige Male durchaus spannend. Zudem höchst amüsant erzählt. So hat es mir sehr viel Spass gemacht, über Wigald Bonings Abenteuer im Alltag zu lesen. Wer seinen Humor mag, ein Faible für Schräges hat und den Themen „Zelt“ und „draußen schlafen“ nicht abgeneigt ist, kann hier unbesorgt zugreifen.


Titel: Im Zelt: Von einem, der auszog, um draußen zu schlafen
Autor: Wigald Boning
Seiten: 272
Verlag: rororo by Rowohlt
ISBN: 978-3499631948
Preis: € 10,99 (TB)

Mai 02

Rezension – Erwin, Enten und Entsetzen (Thomas Krüger)

Erwin Düsediekers Freundin Lina Fiekens ist verschwunden. Sie wollte ihre Schwester auf der Insel Oddinsee besuchen. In den Zeitungen wird von einer unbekannten Toten berichtet. Erwin muss in den Norden, ans Meer, um sie zu finden. Selbstverständlich reist Erwin nicht ohne seine Laufenten Lothar und Lisbeth und deren Nachwuchs Alfred. Auf Oddinsee erleben sie eine Welt voller Mythen & Morde.

Trotz des schon recht unheilvollen Prologs wirkt im ersten Kapitel von „Erwin, Enten & Entsetzen“ alles noch eher harmlos. Man erfährt, dass Lina ihre Schwester auf der Insel Oddinsee besuchen gefahren ist, dass Erwin daher -bis auf seine Enten- alleine zuhause ist und wie es dazu kam, dass Lina diese Reise unternahm. Erwin hatte dabei zwar von Anfang an kein gutes Gefühl, doch das schiebt man als Leser zum Großteil auch darauf, dass Erwins Welt bisher nicht über die Grenzen seines Dorfs hinausreichte.
Doch dann ist da die Anzeige in der Zeitung: auf der Insel hat es einen Mord gegeben. Der Mörder ist unbekannt, ebenso die Identität der Toten. Obwohl ich es mir nicht vorstellen konnte (und auch nicht wollte) kam mir da doch, gleichzeitig mit Erwin, als erstes Lina in den Kopf.
Dann geschieht etwas noch Unglaublicheres: gemeinsam mit den Enten, Arno und Hilde macht er sich auf den Weg nach Oddinsee. Das wirkt dann schon irgendwie ein bisschen schräg, zumal man Erwin bisher niemals anderswo als in Bramschebeck und umliegenden westfälischen Nestern erlebt hat. Allerdings zeigt es für mich auch, dass Erwin sich entwickelt, dass er wagemutiger wird und sich trotz vieler Widrigkeiten auch in der Fremde zurechtfindet. Mit kleineren Problemchen hier und da, aber doch mit offenem Sinn Neuem gegenüber. Das kommt in dieser Geschichte wirklich gut und deutlich rüber. Trotzdem bleibt Erwin aber auf der anderen Seite noch der liebenswerte, etwas einfältige Mensch, den ich seit seinem ersten Abenteuer ins Herz geschlossen habe.
Die Insel wird einerseits wirklich schön beschrieben, andererseits aber auch fremd und rätselhaft. Man kann sich von Anfang an vorstellen, dass sich hier Ungeheuerliches abspielen kann bzw bereits abgespielt hat. Dieser Eindruck entsteht vornehmlich dadurch, dass Erwin seine Entdeckungen immer wieder mit Texten aus seinen Büchern, aus Mythen und Legenden, in Verbindung bringt. Immer mal wieder sind beispielsweise Teile aus Homers Odysee eingestreut, die Lina und Erwin vor Linas Reise gelesen haben. Das sorgt für eine düstere Stimmung.
Allerdings gibt es auch ganz handfeste Vorfälle und Entdeckungen auf Oddinsee, die einen schaudern lassen. Der Mörder geht brutal vor und bei gewissen Funden, die Erwin macht, kann man sein Grauen nur allzu gut nachvollziehen. Dabei gerät er an einige unheimliche Orte, speziell zum Ende hin. Da habe ich ehrlich gestaunt, denn mit so etwas hatte ich nicht gerechnet.
Am Ende dann wächst Erwin wahrlich über sich hinaus, das hätte ich ihm nie zugetraut. Obwohl ich schon bemerkt habe, dass er sich zusehends mausert, sich immer mehr traut und gewitzter kombiniert, hat er mich hier doch so richtig beeindruckt. Dabei sieht es am Ende nicht gut für ihn aus, gar nicht! Da muss man tatsächlich um sein Leben bangen. Als hätte es noch nicht gereicht, dass man die ganze Zeit zuvor schon Angst um Lina hatte!
Immer an Erwins Seite ist natürlich auch wieder seine kleine Laufentenfamilie. Ihr Wesen und Verhalten ist ein wenig merkwürdig, wenn man sie als Mensch betrachtet, doch oft steckt hinter diesen Eigenarten dann doch mehr als man dachte. Ich finde es immer irgendwie beruhigend, wenn geschildert wird, wie die Enten durch ihr eher einfaches Leben gehen. Es ist eben ein kleiner Einblick in eine Welt, die von unserer ein ordentliches Stück entfernt ist. Über Entensohn Alfred habe ich wieder einige Male lachen müssen. Der Kleine bringt so richtig schön Schwung in die kleine Gesellschaft, die nach Oddinsee reist.

Wie gewohnt liest sich auch dieser Fall für Erwin, seine Freunde und die Enten nicht unbedingt zügig. Nicht mal, nachdem ich bereits zwei dieser Bücher gelesen habe. Der Schreibstil ist schon gewöhnungsbedürftig und speziell, darauf muss man sich einlassen können. Das bedeutet mitunter auch, dass man hier und da mal ein zweites oder drittes Mal über einen Satz oder Absatz nachdenken muss. Oder sie eben noch ein weiteres Mal lesen muss. Und daran bin ich bei der Reihe zum Glück schon sehr gut gewöhnt. Es macht auch irgendwo den Charme der Reihe aus und passt gut zu Erwins Gedankenwelt, die oft auch nicht die Einfachste ist.

Das Covermotiv ist einmal mehr gnadenlos niedlich mit den drei Enten, die da über den Bootsrand schauen. Dass das Boot auf den Namen Lina getauft wurde, macht deutlich, wer in dieser Geschichte eine wichtige Rolle spielt, um wen sich hier alles dreht. Darüber spannt sich ein herrlich blauer Himmel. Das Motiv hat aber auch etwas Einsames, Verlassenes an sich. In der vorderen Klappe der Broschur findet man eine Karte von Oddinsee mit Orten, die in der Geschichte erwähnt werden. Witzig ist die Form der Insel.

Fazit: Einmal mehr ein spannender und grausiger Fall für Erwin, seine Freunde und die Enten. Dieses Mal weit weg von Bramschbeck, was man speziell Erwin bislang kaum zugetraut hat. Mich hat es auch überrascht, aber es hat mir auch gefallen. Es zeigt nämlich, dass sich Erwin weiterentwickelt, dass mehr in ihm steckt als man bislang dachte und dass er auch anderswo als in seinem Dorf mutig und clever ermitteln kann. Düstere Szenen und schaurige Enteckungen sorgen ebenso für Spannung wie die stetige Angst um Lina. Das Ende hat mich wirklich überrascht und um Erwin bangen lassen. Rundum ein gelungenes Abenteuer für Erwin & Co.


Titel: Erwin, Enten und Entsetzen
Autor: Thomas Krüger
Seiten: 368
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 978-3453418769
Preis: € 9,99

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