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Jun 04

Rezension – Lilienblut (Elisabeth Herrmann)

Zu ihrem sechzehnten Geburtstag bekommt Sabrina einen Weinberg geschenkt! Aber die Winzertochter weiß gar nicht, ob sie so ein Leben wie ihre Mutter führen möchte: angebunden an den Weinberg, ohne Ferien, ohne Freizeit … Vielleicht sollte Sabrina es so machen wie ihre mondäne Freundin Amelie: das Leben genießen und so bald wie möglich in die Welt hinaus ziehen. Doch Amelie kann ihre Wünsche nicht mehr verwirklichen. Kurz nachdem die beiden einen geheimnisvollen Schiffer in einem verlassenen Seitenarm des Rheins kennengelernt haben, wird sie ermordet. Der Schiffer verschwindet, und alle glauben, dass er der Mörder ist. Außer Sabrina. Sie hat sich auf den ersten Blick verliebt und stellt auf eigene Faust Nachforschungen an. Doch das ist gefährlich, denn viele am Ort haben etwas zu verbergen. Und dann ist da noch der Mord, der vor acht Jahren an genau derselben Stelle am Fluss geschehen ist …

Ich habe „Lilienblut“ durch reinen Zufall entdeckt. Es war im Schaufenster einer Buchhandlung aufgestellt und da ich die Farbe Blau liebe, hat es sofort meiner Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Noch nie war ich mir beim Anblick eines Covers alleine so sicher gewesen, dass mir das Buch gefallen würde. Trotzdem habe ich es nicht sofort gekauft, sondern erst später auf der Leipziger Buchmesse, und auch das muss Schicksal gewesen sein. Denn ich begann abends auf dem Bahnhof zu lesen, verpasste meinen Zug (aber nicht wegen dem Buch ;)) und hatte dank eine irre umständlichen neuen Verbindung massig Zeit zum Lesen.
Zunächst muss man sagen, dass „Lilienblut“ ein Jugend-Thriller ist. Die Hauptcharaktere sind Teenager. Ich bin mir aber sicher, dass auch erwachsene Thriller-Fans sicher ihren Spaß an diesem Buch haben werden, zumal die Handlung alles andere als jugendlich sachte oder seicht ist. Zudem spielt „Lilienblut“ in Deutschland, was ebenfalls einen Pluspunkt einbrachte. Ich habe nämlich immer noch oft das Gefühl als dächten viele Autoren, wirklich gute Krimis oder Thriller dürften auf keinen Fall in Deutschland spielen.
Ganz genau gesagt spielt „Lilienblut“ im Bundesland Rheinland-Pfalz, vornehmlich in den Orten Neuwied und Leutesdorf, die es wirklich gibt. Auch so etwas gefällt mir immer sehr, wenn so reale Orte für solche Storys gewählt werden. Von der Gegend dort wusste ich nichts, war nie da. Die Leute dort, die Gegend mit dem Rhein und den Weinbergen, ich kann nicht behaupten, dass mch das sonderlich interessiert hätte, wäre ich mal dort hin gekommen.
Doch Elisabeth Herrmann beschreibt die Gegend dort so detailreich und liebevoll, dass sie mich damit richtig verzaubert hat. Plötzlich erschien diese Ecke Deutschlands doch interessant, spannend und oft auch sehr düster.
Ebenso interessant hat Elisabeth Herrmann auch ihre Charaktere erdacht. Alle sind sehr gut ausgearbeitet und man wird schnell mit ihnen warm. Im Mittelpunkt steht natürlich Sabrina, die sich daran macht, den Mörder ihrer Freundin zu finden. Dabei hat sie immer wieder mit Schwierigkeiten zu kämpfen und bleibt so das, was sie ist: ein sechzehnjähriges Mädchen, dem sich die Polizei in den Weg stellt, das von der Mutter beschützt wird und die ihr auch mal Hausarrest verordnet, wenn Sabrina ihrer Meinung nach zu weit gegangen ist. Sabrina ist also keine der Super-Detektivinnen, die sich so gerne und oft  durch die Jugend-Thriller ermitteln.
Bei ihren Nachforschungen kommt Sabrina einem gut gehüteten Geheimnis um den toten Fluss auf die Spur, über das die ganze Stadt schweigt, das aber der Schlüssel zu Amelies Tod sein könnte. Dabei weiß sie manches Mal nicht mehr, wem sie überhaupt trauen kann und da es einem als Leser genauso geht, ist für durchgängige Spannung gesorgt.
Eine Lovestory darf in einem Jugendbuch natürlich nicht fehlen, aber sie steht hier nicht im Vordergrund, vor Kitsch triefende Szenen sucht man vergebens. Aber auch wenn sie auf diese Weise nur ganz, ganz selten im Vordergrund steht, so hatte ich doch das Gefühl, dass Liebe ein recht zentrales Thema ist, da sie einer der wesentlichen Antriebe für Sabrina ist, den Mord an Amelie aufzuklären.

Ich habe „Lilienblut“ in einem Rutsch durchgelesen, konnte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Es liest sich eigentlich recht leicht, aber ich habe mir bewusst Zeit beim Lesen gelassen und jede Seite genossen, so sehr hat mich die Geschichte gepackt. Obwohl ich natürlich wisssen wollte, wer der Mörder ist und was es mit Kilian auf sich hat, hätte das buch meinetwegen gar nicht enden brauchen.

Wie gesagt war es das Cover, das mich sofort angesprochen hat mit dem düsteren blauen Hintergrund, der von der Struktur her wohl die Außenwand eines Schiffes darstellt, der großen weißen Blüte und der blutroten Schrift, die darauf tropft. Der Schriftzug ist leicht erhaben geprägt, so dass ein leichter 3D-Effekt erzeugt wird, was bei dem Tropfen besonders gut wirkt. Ein blutrotes Lesebändchen wäre noch schön gewesen. Außerdem ist im Cover des Hörbuchs „Lilienblut“ eine Karte der Gegend abgedruckt, in der die Geschichte spielt. Das hätte mir beim Buch auch gefallen.

Fazit:   Bisher ist „Lilienblut“ mein Buch 2010! Sauspannend, interessant, verzaubernd, romantisch, einfach rundum gelungen. Daher verleihe ich hier erstmals leserattz’s besondere Auszeichnung:

Die Ehren-Ratte für „Lilienblut

Titel:  Lilienblut
Autor: Elisabeth Herrmann
Seiten:  444
Verlag: cbt
ISBN: 978-3-570-16061-9
Preis:  € 17,95

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