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Nov 18

Rezension – Karwoche (Andreas Föhr)

Als Polizeiobermeister Kreuthner von seinem Spezl Kilian Raubert zu einer Wettfahrt herausgefordert wird, lässt er sich nicht lumpen. Mit 150 km/h rauschen sie den Achenpass runter Richtung Tegernsee. Bei einem halsbrecherischen Überholmanöver fegt Kreuthner fast ein entgegenkommendes Auto von der Straße – am Steuer ausgerechnet sein Chef, Kommissar Wallner. Kreuthner versucht, das Autorennen als dienstliche Aktion zu tarnen, und führt spontan eine Straßenkontrolle durch. Dabei bietet sich den Polizisten ein schockierendes Bild: Im Laderaum von Rauberts Lkw kniet eine Tote, das Gesicht zu einer grotesken Fratze verzerrt …

Als Fan von Wallner und Kreuthner habe ich mich sehr über den neuen Krimi gefreut.  Und er hat mir auch wieder ausgesprochen gut gefallen.
Der Fall beginnt mit einer relativ skurrilen Situation, wie man es von den beiden ja bereits kennt. Doch sehr bald tun sich immer neue Verbindungen und Zusammenhänge auf, die teilweise zurück in die Vergangenheit führen.
Diese Kapitel in der Vergangenheit sind schon deshalb interessant, da sie vorwiegend an Weihnachten spielen, während die Handlung in der Gegenwart um Ostern herum spielt. Aber aus diesen Kapiteln bezieht die Geschichte auch den Großteil ihrer Spannung. Denn durch diese Blicke ins Früher ist man Wallner und Kreuthner oft einen oder auch mal ein paar Schritte weit voraus und kann so prima selber seine Vermutungen anstellen und Zusammenhänge suchen. Aber keine Sorge, die Auflösung des Falles bleibt bis zum Ende hin spannend, trotz dieser Wechsel in der Zeit und eventueller Erkenntnisse.
Besonders gefallen hat mir die Darstellung der Familie, zu der Wallners und Kreuthners Ermittlungen über kurz oder lang immer wieder führen. Sie wirkt in sich sehr geschlossen, geradezu ablehnend anderen Menschen und deren Lebensweise gegenüber. Das ist einerseits faszinierend, dem hängt aber auch immer etwas Bedrohliches an. So manche Szene mit diesen Personen hat mir eine Gänsehaut bereitet. So müssen Krimis wirken.
Doch bei aller Spannung und bei allem Schaudern, natürlich gibt es auch bei „Karwoche“ einiges zum Schmunzeln, wenn nicht gar zum Lachen. Ich jedenfalls habe mich über Kreuthners unorthodoxe Methoden und sein loses Mundwerk ebenso amüsiert wie über Wallners Großvater Manfred. Die beiden sorgen erneut für Heiterkeit.

Man sollte seine Gedanken beim Lesen schon zusammenhalten. Erstens wegen der Sprünge in der Zeit. Zweitens aber auch, weil besagte Familie aus einer größeren Anzahl an Personen besteht, bei denen man dringend den Überblick haben sollte. Ansonsten kann man da leicht ins Schleudern kommen und steigt irgendwann nicht mehr durch. Davon abgesehen liest sich „Karwoche“ ganz flüssig und unterhaltsam. Mit Kreuthners Dialekt muss man aber schon klarkommen. Ich habe mir das Buch bewusst eingeteilt und so insgesamt nicht ganz eine Woche dafür gebraucht.

Das Covermotiv fällt wieder recht religiös aus, wie man es von den vorigen Büchern kennt. Ein Kreuz ist auf dem Cover jeden Bandes anzutreffen. Das lässt auf eine gewisse Zusammengehörigkeit, auf sowas wie Serien-Charakter schließen, passt aber auch gut zum Schauplatz der Wallner-und-Kreuthner-Krimis. Im Allgäu ist der Glaube sicher wichtiger als in manch anderer Region.

Fazit: Mir hat „Karwoche“ wieder sehr gut gefallen. Ein spannender und clever konstruierter Fall für die beiden gegensätzlichen, aber sympathischen Ermittler. Gewürzt mit der vertrauten Prise Humor ein echtes Krimi-Vergnügen.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttester Programms.


Titel: Karwoche
Autor: Andreas Föhr
Seiten: 400
Verlag: Droemer Knaur Verlag
ISBN: 978-3426652527

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