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Feb 11

Rezension – Virtuosity – Liebe um jeden Preis (Jessica Martinez)

Die siebzehnjährige Carmen ist ein Star. Sie tourt mir ihrer Geige durch die Welt und spielt überall vor ausverkauften Konzertsälen. Doch die Konkurrenz ist hart. Beim Guarneri-Wettbewerb treten Jungstars aus den verschiedensten Ländern gegeneinander an – und nur der Sieg zählt. Carmen steht unter Druck, den sie nur noch mit Tabletten in den Griff bekommt. Doch dann lernt sie Jeremy kennen, ihren ärgsten Konkurrenten um den Sieg. Und obwohl Carmen weiß, dass sie sich vor ihm in Acht nehmen sollte, fühlt sie sich unwiderstehlich zu ihm hingezogen. Für Carmen ist die Zeit gekommen, sich zu entscheiden: Setzt sie auf Sieg oder auf die Liebe …

Hinter diesem Cover und Titel vermutete ich eine schlichte Teenie-Lovestory. Dieses Mal mit zwei Musikern im Mittelpunkt und gewürzt mit ein wenig Konkurrenzkampf über den die Liebe natürlich siegen würde. Welch ein Irrtum, wie ich schnell feststellte!
Natürlich, die Liebe zwischen Carmen und Jeremy spielt eine wichtige Rolle, sonst würde sie nicht im Titel erwähnt werden. Allerdings nicht im kitschigen Sinne. Es gibt zwar einige romantische Szenen, doch ist die Liebe hier eher Auslöser für einschneidende Ereignisse.
Beispielsweise hinsichtlich Carmens Entwicklung. Anfangs ist sie kaum mehr als ein 17jähriges Wunderkind mit einer teuren Geige, das sich unglaublich vor einem bedeutenden Wettberwerb fürchtet, von dem seine Karriere abhängt. Gescheucht durch unerbittlichen Geigenunterricht, gemanaged (statt geliebt) von der karrierefixierten Mutter.  Mir hat gefallen, wie deutlich der Stress gemacht wird, unter dem Carmen steht und dass sie in den Augen aller kaum mehr als ihre Geige ist. Das ist schon erschreckend und an sich unvorstellbar für einen Teenager.
Ebenso erschreckend ist es, wie nahe die Geschichte der Realität ist. Da merkt man, dass Jessica Martinez selbst Geige spielt(e?) und dabei Einblicke in diese Welt und hinter deren Kulisse gewann. Diese gibt sie in „Virtuosity“ an die Leser weiter und schont sie dabei nicht. So kommt Abhängigkeit von Medikamenten zur Stressbewältigung zur Sprache, ebenso Themen wie der unerbittliche Konkurrenzkampf und Bestechung.
Die Konkurrenz ist Carmens größtes Problem, denn sie weiß genau, dass Jeremy ihr in der Endausscheidung für den besagten Wettbewerb streitig machen kann.
Umso überraschter und verunsicherter ist sie als sie feststellt, dass es Jeremy auch ohne seine Geige und abseits der Bühne gibt. Und dass er dort sehr nett ist.
Dass sich die beiden in einander verlieben bringt dann die spezielle Brisanz in die Geschichte. Denn auf rosa Wolken wandeln hin oder her: der Wettberwerb und ihre Konkurrenzsituation bleiben weiterhin Thema und beinahe ständig spürbar. Natürlich ist auch Carmens „Coachingteam“ alles andere als begeistert und setzt sie unter Druck, den Kontakt zu Jeremy einzustellen.
Unterdessen macht Carmen gewisse Entdeckungen und Beobachtungen, die sie allmählich an gewissen Personen ihres „Teams“ zweifeln lassen.  Schließlich kommt sie dieser Person auf die Schliche und sieht sich zu einer weitreichenden Entscheidung gedrängt.
Es ist schön, Carmens Entwicklung zu verfolgen. Wie sie langsam ein normaler Teenager wird, wie sie sich aus den Zwängen und dem Stress herausarbeitet. Da kann man gut mitfühlen und man gönnt es Carmen von Herzen.
Das Ende hat mich dann noch mal überrascht. Denn auch wenn Carmen sich gut mausert, so ist ihre letzte Entscheidung ein schon sehr großer und mutiger Schritt. Aber er ist nachvollziehbar und hat mir zusätzlich Achtung vor der „neuen“ Carmen abgerungen.

Die Geschichte ist in der Ich-Form aus Carmens Sicht geschrieben. Das gewährt sehr guten Einblick in ihre Gedanken und Gefühle. Außerdem ist so eine gewisse jugendlich-lockere Erzählweise gewährt. So kommt es, dass „Virtuosity“ sich sehr flüssig liest.Mit 249 Seiten ist es auch nicht besonders dick, und so hatte ich es an zwei Abenden ausgelesen.

Die Geige auf dem Cover hatte ich erst gar nicht erkannt, aber an meinem ersten Eindruck hätte sie auch nichts geändert. Jetzt gefällt mir die Gestaltung aber sehr gut, da die Konturen der Elemente so schön in einander übergehen. Zusammen mit den Lichtspielereien ergibt das ein Motiv, bei dem es sich lohnt, es genauer anzuschauen.

Fazit: Mir hat „Virtuosity – Liebe um jeden Preis“ sehr gut gefallen und ebenso sehr überrascht. Eine spannende Geschichte, die interessante und erschreckende Blicke hinter die Kulissen des Musikgeschäftes bietet. Außerdem eine schöne Liebesgeschichte. Viel Romantik oder Kitsch darf man aber nicht erwarten. Ganz im Gegenteil unterstreicht Carmens und Jeremys Verliebtheit noch die ohnehin vorhanden Dramatik der Geschichte. Auch wenn es ein Jugendbuch ist, ganz leichte Kost ist es nicht. Speziell Carmens Leben vor Jeremy hat mir doch eine Weile im Kopf herumgespukt.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttester Programms!


Titel: Virtuosity – Liebe um jeden Preis
Autor: Jessica Martinez
Seiten: 249
Verlag: Boje by Lübbe Verlag
ISBN: 978-3414823229

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