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Mai 09

Rezension – Edvard – Mein Leben, meine Geheimnisse (Zoë Beck)

Edvard ist 15, und eines seiner größten Probleme ist: er ist definitiv noch zu wenig Mann und hat viel zu viel Freiräume. Wie soll er bitte bei so toleranten Eltern pubertäre Proteste äußern? Nichts kriegt er wirklich auf die Reihe. Stattdessen Missverständnisse und Nervenzusammenbrüche. Alles ist einfach nur noch peinlich. Edvard schreibt alles über sein Leben und seine Gedanken in einem privaten Blog im Internet nieder, auch seine heimlichen Leidenschaften und Lieben: Astrophysiker will er werden, und es gibt Constanze… Dann die Hammerkatastrophe: Edvards Blog wird aus Versehen öffentlich – nun kann jeder lesen, was in seinem Leben alles passiert und noch viel mehr.

Von Zoë Beck kannte ich bisher nur ihre Psychothriller, die mir gut gefallen haben. Deshalb war ich auch auf „Edvard“ ziemlich neugierig, hatte mir aber -zugegeben- nicht allzuviel davon versprochen. Aber ich mag Teenie-Pubertäts-Stories. Vor allem, wenn sie witzig sind. Wieso also nicht mal antesten?
So habe ich „Edvard“ eines Tages mit zum Arzt genommen um im Wartezimmer schon mal etwas darin zu schmökern. Ganz sicher hatte ich nicht erwartet, dass ich schon nach wenigen Seiten Tränen lachend dasitzen würde. Aber genau das ist geschehen!
Ich mochte Edvard vom ersten Satz an, diesen armen 15jährigen, der mitten in der Pubertät steckt und mit den dafür typischen Problemen zu kämpfen hat. Beispielsweise mangelnde Körperbehaarung an bestimmten Stellen, eine zu hohe Stimme, unerwiderte Liebe und Zoff mit den Mitschülern. Doch damit nicht genug! Edvard hat auch noch ein eher ungewöhnliches Problem, an dem sich leider gar nichts ändern lässt, nämlich seine alternativ eingestellten Eltern, die ihm Freiraum ohne Ende einräumen, mit Verständnis überhäufen und ihn außerdem vom vegetarischen Lebensstil überzeugen wollen.
Von alldem berichtet Edvard auf unglaublich witzige Art in seinem privaten Blog im Internet.  Mir haben speziell die Schilderungen der Erlebnisse mit seinen Eltern gefallen. Ihre Art zu leben wäre auch für mich nichts. Da konnte ich Edvards Verzweiflung sehr gut nachempfinden und hätte ihm beispielsweise auf dem Biobauernhof nur allzu gerne eine Scheibe Schinken gereicht.
Aus der Pubertät bin ich (altersmäßig ;)) zwar schon seit ein paar Jährchen heraus, weshalb die anderen Widrigkeiten in Edvards jungen Leben ein ganzes Stück weit weg für mich sind, aber Edvard beschreibt sie so glaubhaft, dass ich sofort mit ihm gefühlt habe. Ich konnte sogar verstehen, dass er sich auf Facebook eine andere „Identität“ geschaffen hat, so gebeutelt wie er vom Schicksal ist. Dort ist er nämlich ein cooler amerikanischer Austauschschüler, sehr männlich und vor allem nahe an seinem Schwarm Constanze, die den „Ami“ anhimmelt. Dummerweise entwickelt diese Identität bald ein turbulentes  Eigenleben und so geht es für Edvard bald auch online ordentlich rund!
Etwa auf der Hälfte wendet sich die Geschichte dann einem neuen Problem zu. Edvard hat in seinem einst verhassten Nachbarn einen tollen Nachhilfelehrer und Freund gefunden, doch der wird nun von der Besitzerin des Hauses quasi vor die Tür gesetzt. Das muss um jeden Preis verhindert werden. So zettelt man kurzerhand eine Hausbesetzung an, mit allem was dazu gehört.
Das ist zwar auch ganz amüsant, aber ich fand es nicht mehr ganz so witzig wie Edvard vorherige Einträge. So richtig gelacht habe ich in diesem Teil der Geschichte nur noch selten, was ich schade fand. Ich hätte mich auch den Rest des Buches noch mit allergrößtem Vergnügen durch Edvards familiäre und pubertäre Katastrophen gelesen.
Aber okay, anscheinend brauchte die Geschichte noch ein Kernthema, und das ist eben der Kampf darum, dass Edvards Nachbar in seinem Haus bleiben darf. Und der ist wie gesagt immer noch ganz vergnüglich und  auch spannend, denn lange sieht es gar nicht so aus als kämen Edvard und seine „Mitbesetzer“ ihrem Ziel näher.
Vom Ende war ich dann inhaltlich leider etwas enttäuscht. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Es lag für mich auch die ganze Zeit quasi „in der Luft“, dass es noch zu einer abschließenden Riesen-Katatstrophe für Edvard persönlich kommen würde, doch nichts dergleichen geschah. Er kommt mit seinem „Online-Theater“ tatsächlich durch. Das hatte ich alleine deshalb schon nicht erwartet, weil in der Inhaltsangabe etwas davon steht, dass Edvards Blog öffentlich wird. Denn bis zum Ende hin ist das nur einmal für ganz kurze Zeit geschehen und hat keinerlei böse Nachwirkungen für ihn. Deshalb dachte ich, dass am Ende vielleicht…?

Beim Arzt mit dem Buch begonnen, am selben Nachmittag auch schon ausgelesen gehabt. Früher war es das Tagebuch, heute ist es halt ein Blog. Dieser Stil liest sich einfach sehr leicht und flott. Vor allem, wenn die Einträge so witzig sind wie in diesem Falle. Da kann man einfach nicht anders und muss „ach los, einen noch“ weiterlesen. Jedenfalls ging es mir so.

Das Cover passt prima zur Geschichte. Denn Edvard wirkliches Leben ist halt eine Aneinanderreihung von Katastrophen und im Internet, speziell bei Facebook, kann er sich ein Stück heile Welt „bauen“. Daher finde ich die diversen Icons aus dem www sehr passig. Mit gefällt außerdem das Giftgrün der Außenseite der Buchdeckel, das sich wunderbar mit dem Violett der Innenseite und des Vorlageblatts beißt  😉

Fazit:  Anfangs habe ich über „Edvard“ wirklich Tränen gelacht. Später hat das Buch in Sachen Komik für mich ein wenig abgebaut, was ich bedauert habe. Für ein Grinsen und Schmunzeln hat es aber bis zum Ende hin immer noch gereicht. Wer also Lust auf eine vergnügliche Teenanger-Pubertäts-Story hat, der kann unbesorgt zu diesem Buch greifen.

Danke an den Lübbe Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Edvard – Mein Leben, meine Geheimnisse
Autor: Zoë Beck
Seiten: 192
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3404166503
Preis: 12,99 (HC)

1 Kommentar

  1. K.Karczewska

    Ich lese grundsätzlich die Rezensionen der Schullektüre, die meinem Sohn ( 8 Klasse Gymnasium) auferlegt wird.
    Das Buch von ZoE Back erhält fast überall sehr positive Meinungen.

    ABER….!Nur von Erwachsenen, oder fast erwachsenen.
    Die 13 und 14 Jährigen , meinen Sohn inklusive behaupten unisono, dieses Buch wäre ,,völliger Schwachsinn“, schwer lesbar, selten lustig und schräg.

    Die Figuren seien überzeichnet, unrealistisch und dem tatsächlichen Lebensumständen fern.

    Die Problematik des Umgangs mit dem Facebook und mit der Pubertät werden, aus der Sicht der in der Realität pubertierenden Jungs, von einer erwachsenen Frau falsch dasgestellt.
    Ihren Wörtern nach, könne eine Frau so was nicht, die Handlung erfolge in der Vorstellungwelt der Authorin und hätte mit dem wirklichen Leben wenig zu tun.
    Die Jugendlichen denken noch nicht soo abstrakt und für sie sind die Eltern, die die Allergien ihres Kindes nicht kennen und es der Gefahr des anafilaktischen Schocks aussetzten , nicht zu belachen, sondern zu bestrafen.Und, und und….. .

    Die Kritik nimmt kein Ende.Die Kinder mögen dieses Buch NICHT!
    Müssen aber durchlesen und es wird auch analysiert.
    Ich muss zugeben , die Einwände meines Sohnes fand ich alle absolut begrundet und richtig.

    Die Heranwachsenden finden Sich-lustig-über-Pübertät- machen gar nich lustig.Für sie ist es eine ernste Angelegenheit.

    Wir haben es schon hinter uns uns können darüber lachen.

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