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Jul 17

Rezension – Final Cut (Veit Etzold)

Du hast 438 Freunde auf Facebook.
Und einen Feind.

Die Freunde sind virtuell, der Feind ist real.

Er wird Dich suchen.
Er wird Dich finden.
Er wird Dich töten.

Du hast 438 Freunde auf Facebook.
Und keiner wird etwas merken.

Ein Killer, der wie ein Computervirus agiert: unsichtbar und allgegenwärtig. Er nennt sich der Namenlose, und seine Taten versetzen ganz Berlin in Angst und Schrecken. Hauptkommissarin Clara Vidalis und ihr Team sind in der Abteilung für Pathopsychologie ohnehin schon für die schweren Fälle zuständig, aber die Vorgehensweise dieses Verbrechers raubt selbst ihnen den Atem. Perfide und genial, lenkt er die Ermittler stets auf die falsche Fährte. Und erst allmählich begreift die Kommissarin, dass der Namenlose sein grausames Spiel nicht mit der Polizei spielen will, sondern nur mit einem Menschen: mit ihr, Clara Vidalis. Während die Ermittler noch verzweifelt versuchen, die Identität des Killers aufzudecken, startet der Medienmogul Albert Torino eine neue Casting-Show. Und es gibt jemanden, der diese Show für seine eigenen, brutalen Zwecke nutzen wird: der Namenlose.

Auf dieses Buch wurde ich zufällig im Buchladen aufmerksam. Mit dem Bezug zu Facebook war es schnell interessant für mich, da ich dort auch aktiv bin. Dass Facebook ein sehr zweischneidiges Schwert ist, sollte jeder wissen. Einen Thriller um dieses Thema herum konnte ich mir gut vorstellen und war entsprechend neugierig.
Für mich gibt es zwei Punkte, die dieses Buch auszeichnen. Erstens der Bezug zu Facebook bzw auch zu anderen Onlineangeboten wie Foren etc. Ich vertraue darauf, dass Veit Etzold gut für „Final Cut“ recherchiert hat und darin keine Märchen erzählt. Wenn man davon ausgeht und liest, wie wenig anonym die angebliche Anonymität im Netz tatsächlich ist, dann ist das erschreckend. Zudem hat mich „Final Cut“ so dazu gebracht, (noch mehr als sonst schon) darüber nachzudenken, was man genau mit gewissen Informationen zB auf Facebook der virtuellen Community an Informationen zur Verfügung stellt. Und welche Folgen diese „Großzügigkeit“ haben kann.
Wenn vielleicht auch nicht unbedingt in dem Maße wie in der Geschichte. Denn hier treibt ein ebenso intelligenter wie gnadenloser Killer sein Unwesen. Er sucht sein Opfer im Netz und ermordet sie in der Realität. Dabei scheint er niemals Spuren zu hinterlassen, was die Polizei vor eine unlösbar scheinende Aufgabe stellt. Dies ist der zweite Punkt, der mich an dem Buch begeistert hat. Die Härte! Was man hier an Morden, in all ihrer Brutälität und schön detailreich, beschrieben bekommt, das ist nicht ohne! Wer mit solchen Schilderungen nicht klar kommt, der sollte die Finger von „Final Cut“ lassen. Fans dieser Art Thriller dagegen werden auf ihre Kosten kommen.
Trotzdem hat mir „Final Cut“ insgesamt nicht richtig gefallen. Das liegt an diesem zunächst zweiten Handlungsstrang um diese unsägliche TV-Serie Shebay. In der werden Mädels vom (männlichen!) Publikum und der Jury wahlweise ins Schlammloch oder den TV-Himmel gewählt und der Siegerin winkt eine Nacht im Bett eines Typen aus dem Publikum . In der er freilich mit ihr tun und lassen kann, was er möchte.
Ich bezweifele nicht, dass irgendwelche TV-Bosse auf die Idee einer solch kranken Sendung kommen könnten. Ich bin auch überzeugt davon, es würde sich genug Pöbel zur Publikums-Jury berufen fühlen. Und ich bin ebenfalls sicher, es würden genug sensations- und sonstwie geile Typen vor dem Fernseher oder PC sitzen.
Dennoch, ich brauche so etwas nicht. Nicht mal in einer Geschichte. Ich bin kein Moralapostel, aber mich haben diese Einblicke in die dreckige Phantasie mancher Kerle alle paar Seiten derbe genervt. Natürlich steht die Sendung bzw die Mädchen im Zusammenhang mit dem Fall, aber auf gewisse Gedanken und Aussprüche der „Herren“ (Macher wie Publikum) hätte ich dankend verzichten können. Auch ohne sie hätte der Verknüpfung zwischen Shebay und dem Killer nichts gefehlt.

Entsprechend schwer habe ich mich auch mit dem Lesen getan und häufiger eine Pause gemacht als normalerweise bei einem Thriller. Aber nach dreimal bei-Shebay-hinter-die-Kulissen-gucken war meist Schluss für den Abend. Dabei liest sich „Final Cut“ an sich wirklich gut. Es ist spannend und -mal bei den für mich richtigen, oft eben aber auch bei den falschen Szenen- detailgenau geschrieben. So ist man bei der Handlung quasi immer direkt dabei. Die Kapitellänge macht es leicht, das Buch „häppchenweise“ zu lesen.

Vom Cover her ist das Buch ein echter Blickfang mit den Schlitzen und dem blutroten Hintergrund dahinter. Cool gemacht! Ansonsten ist der Look sehr dunkel wie es einem Thriller steht und gibt über den Inhalt nichts weiter preis.

Fazit: Wer auf Thriller der härteren Gangart steht, der wird mit „Final Cut“ seinen Spaß haben. Es gefällt mir auch, dass die Geschichte trotz ihrer Unterhaltsamkeit auch zum Nachdenken über die eigene Online-Aktivität anregt. Mich hat aber diese niveaulose TV-Sendung und die Einblicke in die dreckige Phantasie mancher Typen schnell gestört. So etwas muss ich nicht alle paar Seiten haben. Wer sich daran nicht stört: nix wie „Final Cut“ besorgt. Denn dann lohnt das Buch erst recht!


Titel: Final Cut
Autor: Veit Etzold
Seiten: 448
Verlag: Lübbe
ISBN: 978-3404166879
Preis: 8,99 (Broschiert)

1 Kommentar

  1. F

    Ich hatte mir das Buch auch hauptsächlich wegen dem Klappentext und dem Cover gekauft.
    Wie du schon geschrieben hast, die geschilderte Medien- und Cyberwelt ist erschreckend und auch ich kann mir gut vorstellen, dass so eine Show wie Shebay demnächst über den Bildschirm flimmert.
    Insgesamt fand ich das Buch dann aber doch zu trashig und nach der Hälfte auch recht nervig. Zum Glück hat es sich einfach und schnell gelesen.

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