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Sep 03

Rezension – Nur 6 Tage (Philip Webb)

Solange Cass denken kann, muss sie sich schon durch die Überreste der zerstörten Stadt wühlen. Genau wie alle anderen Räumer. Denn ihre Aufgabe ist, das Artefakt zu suchen, an das niemand so richtig glaubt. Bis auf Cass‘ kleinen Bruder Wilbur, aber der spinnt sowieso ein bisschen. Wie aus dem Nichts tauchen plötzlich Peyto und Erin auf. Sie sind Schläfer und kommen aus einer anderen Zeit. Und sie glauben, dass nur Wilbur ihnen helfen kann. Denn auch sie sind auf der Suche nach dem Artefakt. Nur gemeinsam haben die vier eine Chance, es zu finden. Doch sie müssen sich beeilen. Ihnen bleiben genau sechs Tage, sonst wird die Welt untergehen.

Dieses Buch war eine zufällige Entdeckung auf einer Buchmesse. Das Cover sprach mich genug an um mich über den Inhalt ein wenig hinwegzutrösten, denn der klang nich gerade nach meinem Geschmack. Mal wieder Endzeit und noch dazu ein womöglich uraltes Artefakt.
Es hat dann auch beim Lesen noch seine Zeit gebraucht, ehe ich mich mit der Geschichte angefreundet hatte. Nämlich so lange bis ich erkannte, dass ich hier nicht seitenweise Abhandlungen darüber lesen musste, wie es zu dem zerstörten London kam. Es werden zwar schwere Kriege erwähnt, die dazu führten, aber die Hintergründe werden nicht allzu tiefgründig beleuchtet. Gleiches gilt für das sagenumwobene Artefakt. Natürlich ist es Thema, aber da niemand wirklich etwas darüber weiß (außer dass es für die neue Obrigkeit gefunden werden muss), erwartete mich auch darüber keine großartige Litanei.
Das liegt sicher auch daran, dass die fünfzehnjährige Cass die Geschichte selber erzählt. Für sie ist das zerstörte London normal. Sie kennt es gar nicht anders. Und über das Artefakt weiß sie nur, was man sich so erzählt.
Mir gefällt diese auf das Nötigste beschränkte Erzählweise, weil ich es nicht mit Kriegsschilderungen und sagenhaften Beschreibungen irgendwelcher altertümlicher Artefakte habe. Für mich wurde in dieser Hinsicht genau das richtige Maß getroffen. Man kann sich alles gut vorstellen und weiß das, was man für die Handlung wissen muss. Nicht mehr und nicht weniger. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass die angepeilte jugendliche Leserschaft so mehr Spaß an der Geschichte hat, als wenn man sie mit Details überschüttet, die später ohnehin nicht von Belang sind.
Endgültig gewonnen hatte die Geschichte bei mir als Peyto und Erin auftauchten und ihre Herkunft aufgedeckt wurde. Denn in dem Moment kommt ein gehöriger Schuss Science Fiction in die Story, und das mag ich widerum ausgesprochen gerne!
Bis dahin liest die Geschichte sich recht einfach, die Handlung ist nicht besonders komplex. Von diesem Moment allerdings sollte man unbedingt mehr bei der Sache sein, denn von nun an wird es schon eine Spur komplizierter.
Gleichzeitig wird es aber auch spannender, was ohenhin aufmerksameres Lesen zur Folge hat. Denn nun ist die Mission von Casss, ihrem Bruder Wilbur und Peyto und Erin klar. Allerdings haben sie nur die titelgebenden 6 Tage Zeit und die Mission steckt voller Gefahren, denen sie sich stellen müssen. Sowohl im zerbombten und umgegrabenen London, als auch in den Weiten des Weltalls. Und da geht es durchaus auch mal um nichts Geringeres als das Leben von Menschen.
An Cass selber musste ich mich ebenfalls erst gewöhnen. Zunächst kam sie mir vor wie ein recht großmäuliger Teenie, der so tut als wisse und kenne er bereits alles. Solche Charaktere sind nicht mein Fall. Später beweist sie dann aber sehr viel Mut und Schneid, lässt auch mal Gefühle durchblitzen, und schon fand ich sie viel netter und bin ihrer Erzählung neugierig gefolgt.

Wie bereits erwähnt, liest sich die Geschichte zunächst flott weg. Das liegt in erster Linie an Cass jugendlich lockerer und burschikoser Erzählweise. Zudem hat sie trotz aller Widrigkeiten ihren (bissigen) Humor nicht verloren, so dass ich auch mal schmunzeln musste. Später dann als Peyto und Erin ihren Auftritt haben und die Mission angegangen wird, legte sich mein Lesetempo deutlich, zumal die Handlung von nun an komplexer wurde. Die jugendliche Erzählweise bleibt aber erhalten. Auffällig war, dass Cass sehr häufig das Wort „dermaßen“ verwendet, wobei ich das auf die Übersetzung schiebe.

Die Leuchttafel auf dem Cover macht aufmerksam und neugierig. Dafür ist mir die Stadt im Hintergrund zu heile. Das entspricht gar nicht der Schilderung Londons  in der Geschichte. Trotzdem mag ich das Cover mit diesem verwaschenen Stil. Es drückt eine gewisse Bedrohung aus und das widerum passt gut zur Story.

Fazit:  Nachdem die Geschichte einige meiner Bedenken ausgeräumt hatte, hat mir „Nur 6 Tage“ gut gefallen. Es ist eine spannende Mischung aus Dystopie und Science Fiction, die beide Genres genau im richtigen Maße  vereint. Ich kann mir gut vorstellen, dass speziell Jugendliche mit dem Buch unterhaltsame Stunden verbringen können. Trotz weiblicher Hauptperson übrigens sicher auch Jungs!

Vielen Dank an Chicken House für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Nur 6 Tage
Autor: Philip Webb
Seiten: 352
Verlag: Chicken House
ISBN: 978-3551520319
Preis: 16,95 (HC)

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