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Dez 04

Rezension – Vollmond über den Moor (Laurie Bridges / Paul Alexander)

Linda, deren Mutter schon lange tot ist, freut sich wahnsinnig, dass sie für die Monate, die ihre Vater in Südafrika arbeiten wird, bei ihrer Freundin Hetty Clark leben darf. Doch kaum ist sie bei den Clarks eingezogen, da beginnt für Linda ein nicht endenwollender Albtraum. Sie erhält keine Briefe mehr von ihrem Vater, ihre liebsten Sachen werden zerstört, und sie wird von schrecklichen Visionen heimgesucht. Als dann auch noch ihre Freundin Hetty ins Krankenhaus muss, glaubt Linda, das alles nicht mehr aushalten zu können, und spricht mit ihrem Freund Ron. Der widerum vertraut sich Ben Davis an.  Doch Ben, der sehr wohl weiß, wem diese Dinge – und schlimmere- zuzutrauen wären, schweigt. Bis zu jeder verhängsnisvollen Vollmondnacht, die alles entscheidet.

Als dieses Heft erschien, war ich gerade mal zehn Jahre alt. Ich weiß noch, wie gut mir diese Reihe damals gefallen hat. Allerdings schätze ich, dass ich damals recht kritiklos war. Da war mir vermutlich jede Story recht, Hauptsache sie versprach gruselig zu sein und ich durfte sie lesen.
Nun habe ich einen kleinen Stapel alter Hefte ergattert und möchte mal schauen, ob mir die Geschichten immer noch so gut gefallen.
Scheinbar habe ich aber mit dem falschen Heft losgelegt, denn an dieser Geschichte ist -für meinen Geschmack- so gar nichts dran. Natürlich, Voodoo ist ein beliebtes Thema für gruselige Geschichten, und genau darum dreht sich auch „Vollmond über dem Moor“. Leider wird das Thema hier nur ganz, ganz nahe an der Oberfläche behandelt. Die Leute aus den Sümpfen (genauere Bezeichnungen finden sich nicht) praktizieren seit Jahren diese Kunst, und die kann nicht nur Gutes bewirken, sondern auch Böses. Dafür benötigt man lediglich besagte Herkunft und allerlei obskure Zutaten, dann kann man viele verschiedene Zauber wirken. Und jemandem wie Linda damit Angst einjagen. Fertig.
Da es so oberflächlich zugeht, fehlt es es den Szenen auch durchweg an Atmosphäre. Ich wusste zwar, wann der Moment gewesen wäre, mich zu gruseln…aber es ging nicht. Weshalb hätte ich mich bei so schnell abgehandelten Passagen bitte gruseln sollen? Und ehe nun jemand fragt, was ich an Grusel von diesen Groschenromanen erwarte: ich kann mich gut an Hefte erinnern, die mich tatsächlich das Gruseln gelehrt haben! Solche gibt es in der „Mystery“-Reihe also auch!
Das zweite große Manko sind die Charaktere, denen es durchweg an Tiefe fehlt. Die unschuldige Linda, die selbstlose Hetti, der nette Ron…keiner hier hat auch nur irgendeine kleine Ecke, die für Persönlichkeit sorgen könnte. Und unter uns: über den Namen „Hetti“ kann ich nur den Kopf schütteln. Eventuelle „Hettis“, die diese Rezi lesen, mögen es mir verzeihen. Ich würde das sicher anders sehen, wenn ich diese Hetti hier gemocht hätte.
Das Ende hat mir dann aber doch noch einigermaßen gefallen. Denn das spielt tatsächlich mal in den Sümpfen, und ich mag gruselige Storys, die in Sümpfen spielen. Außerdem wird es hier schon ein wenig spannend, jedenfalls im Vergleich zum vorigen Geschehen. Aus der Idee mit dem Sumpfmonster, dem Fin Critter, hätte man aber gerne mehr machen dürfen. Dem wäre ich gerne noch begegnet! Auch wenn ich nicht weiß, was das genau sein soll. Ich habe den Begriff bei google eingegeben und in der Bildersuche kommen da teilweise echt niedliche Bilder bei heraus. Aber so ein Fin Critter als beißwütiges, schuppiges Wesen…doch, das hätte mir gefallen.

Wenn man sich zwei, drei Stunden wirklich zum Lesen hinsetzt, hat man solch ein Heft normalerweise ausgelesen. Jedenfalls weiß ich, dass das so mein Schnitt ist, wenn mir ein Heft wirklich gefällt. Bei diesem hat es länger gedauert und ich habe oft Pausen gemacht. Erstens wegen der dünnen Story und zweitens, weil es sich auch sprachlich irgendwie holprig liest. Die Dialoge sind meilenweit vom Teenie-Style entfernt. Selbst von dem vor 24 Jahren. Eventuell liegt das aber auch an der Übersetzung. Der Titel wurde ja auch alles andere als originalgetreu übersetzt.

Das auf dem Cover sollen wohl Linda und Ron sein. Das wäre zumindest logisch. Nur zu wem gehört bloß diese Krallenhand? Egal, mit der Handlung hat dieses Motiv ohnehin nichts zu tun. Es ist nur reißerisch. Und auch hier gilt: ich weiß, dass die Serie das besser kann! Das ist so ebenfalls nicht typisch Groschenroman! Wenigstens ist man nahe am Original geblieben.

Fazit: Leider eine ausgsprochen dünne Story, die nicht einen einzigen wirklich gruseligen Moment bietet. Dafür aber eine ganze Reihe dürftiger Charaktere. Die Idee mit dem Fin Critter hätte noch was rausreißen können, dafür hätte sie aber weiter ausgereizt werden müssen, und das ist so gar nicht der Fall.


Titel:  Mystery – Wenn es dunkel wird (08/88) – Vollmond über dem Moor (Original-Titel „Dark Forces Swamp Witch“)
Autor: Laurie Bridges / Paul Alexander
Seiten:  96
Verlag: Cora Verlag
Preis 1988:  € DM 2,30

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