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Feb 05

Rezension – Graveminder (Melissa Marr)

graveminderJede Generation hat ihre eigene Totenwächterin. Bei Beerdigungen spricht sie die magischen Worte über dem frischen Grab: »Drei Schlucke, um sie zu bannen. Nicht mehr und nicht weniger.« Doch was geschieht, wenn es kein Grab gibt? Wenn die Tote ein junges Mädchen ist, das auf grausame Weise ermordet wurde und nun auferstanden ist, um Rache zu nehmen? Für Rebekkah, Graveminder des idyllischen Claysville, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Sie muss ihre Stadt vor der hungrigen Toten schützen. Und nur Byron, ihre große Liebe, steht ihr bei.

Bei diesem Buch war ich schon vor dem Lesen hin- und hergerissen bzw unsicher. Irgendwie hatte ich schon die Ahnung, dass es nicht das sein würde, was ich mir erhoffte. Alleine Melissa Marr, deren „Sommerlicht“-Reihe ich nichts abgewinnen kann…ich war also geigentlich ewarnt. Aber meine Begeisterung für Zombie-Geschichten schoss quer und so habe ich „Graveminder“ doch gelesen.
Die Idee der Geschichte gefällt mir nachwievor. In Claysville sorgt eine sogenannte „Graveminder“ durch Magie dafür, dass die Toten dort bleiben, wo sie hingehören: in ihren Gräbern. Der Graveminder steht der sogenannte Undertaker zur Seite, ein Bestatter, der die Toten ordnungsgemäß herrichtet und die Graveminder beschützt. Doch plötzlich geht in Claysville trotzdem ein Untoter um und Graveminder Rebekkah und ihr Undertaker Byron müssen ihr ungewöhnliches Amt antreten und dies wieder in Ordnung bringen.
Soweit so gut, das hätte in meinen Augen an sich gereicht für eine spannende, phantastische und hier und da vielleicht auch ganz gruselige Geschichte. Leider trifft davon so gar nichts auf „Graveminder“ zu. Am meisten hat es mich gestört, dass es überhaupt nicht gruselig ist. Es geht immerhin um Tote, die wieder zum Leben erweckt wurden! Zombies stehen für mich eben einfach für Grusel! Aber es sind ja keine Zombies, es sind ja lediglich „aufgestandene Tote“, wie „Graveminder“ lehrt. Die allerdings äußerst zombietypisch Appetit auf Menschenfleisch haben! Ich schätze, da hätte mich die Autorin warnen müssen, denn nach der „Sommerlicht“-Reihe Grusel zu erwarten, das war wohl etwas vermessen.
Ich hätte es aber in Kauf genommen und mich damit abgefunden, dass die aufgestandenen Toten trotz ihrer Essensvorlieben eher bemitleidenswert sind. Bitte, warum eigentlich nicht? Solange es nicht vor Kitsch und Mainstream trieft und die Story trotzdem spannend ist.
Kitsch ist aber trotzdem ganz klar anzutreffen! Denn auch wenn Graveminder und Undertaker traditionell durch eine innige Liebe verbunden sind, auf Rebekkah und Byron trifft das -hauptsächlich seitens Rebekkah- nicht gerade zu! Es ist etwas zwischen ihnen passiert, dass sie trotz aller Gefühle für einander entzweit hat. Aber diese Gefühle halt! Die sind da und allgegenwärtiges Thema! Da wird seitenweise die Story um den umherlaufenden Toten außer Acht gelassen und stattdessen dieses teenagerhafte Hin- und Her zwischen den beiden thematisiert. Bei aller Liebe und allen Traditionen zum Trotz: an Byrons Stelle hätte ich Rebkkah längst in die Wüste geschickt. Dafür, dass sie Ende 20 ist (oder war es Anfang 30?), führt sie sich auf wie eine Halbwüchsige und ist bockig und stur wie ein Esel! (Wobei: Rebekkah und Byron unterhalten sich in einem Ton als wären sie doppelt so alt! Da passt also gar nichts!) Nicht dass ich mir gewünscht hätte, die beiden fallen sich nach fünf Kapiteln liebeskrank in die Arme, aber irgendwann halt schon. Dann wäre es endlich vorbei gewesen und die Handlung hätte sich wieder am Problem mit den Untoten orientieren können.
Leider war das ganz und gar nicht der Fall und dieses ganze Liebesbrimborium hat für mich den eigentlichen Kern der Story nahezu ganz übertüncht. Da kann keine Spannung aufkommen! Stattdessen war ich im Nu von diesem unlogischen und unerwachsenen Verhalten der beiden Hauptcharaktere tierisch genervt. Das hat es mir überdies auch noch unmöglich gemacht, einen Zugang zu ihnen zu finden. Da fand ich ja die aufgestandenen Toten noch sympathischer! Und entsprechend zog sich die Geschichte für mich schier unendlich.
Da haben auch die Passagen  nichts gerettet, in die die einst umhergewanderten und wieder eingefangenen Toten zurück in eine jenseitige Welt gebracht werden. Erstens spielen sie in einer Welt, die auch von anno Schnee stammen könnte und zweitens fehlt es ihrer Beschreibung gänzlich an Flair.

Ich schätze, wenn einem die Geschichte gefällt, dann liest sich „Graveminder“ schnell weg. Sprachlich ist es alles andere als komplex und die Kapitel haben eine feine Länge, die zum kapitelweisen Lesen geradezu einladen.

Das Grabstein-Cover gefällt mir soweit auch ganz gut, vor allem der schöne Blauton. Ich mag halt Blau. Die roten Blüten bilden einen schönen Kontrast dazu und die vielen Schnörkel sind ein Hingucker.

Fazit:  Mir hat „Graveminder“ leider nicht gefallen. Vor lauter Liebeshinundher blieb jegliche Spannung auf der Strecke und das Buch zog sich für mich wie Kaugummi. Die Hauptcharakteren gingen mir im Nu auf die Nerven, und der Versuch, Zombies ein neues, andersartiges Wesen angedeihen zu lassen, ist für mich hier kläglich gescheitert.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogrammes!


Titel: Graveminder
Autor: Melissa Marr
Seiten: 400
Verlag: Piper Verlag
ISBN: 978-3492268905
Preis: € 12,99 (TB)

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