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Mrz 31

Rezension – Stimmen in der Nacht (Laura Brodie)

stimmenindernachtEine harmlose Studentenparty in einer kleinen amerikanischen Universitätsstadt endet mit einem Ausbruch von Gewalt im Haus der Dozentin Emma. Ihre kleine Tochter Maggie hat alles mit angesehen.Zehn Jahre später kommen die Erlebnisse von damals wieder hoch: Maggie, inzwischen fünfzehn, wird von alten Albträumen gequält, hat Probleme in der Schule, schwänzt den Unterricht. Sie selbst weiß nur, dass ihr ihre neue Mathelehrerin, die ihr nie ins Gesicht sieht, unheimlich ist. Warum löst Grace, die Lehrerin, die altbekannten Ängste in Maggie aus, die längst überwunden schienen? Und was ist vor zehn Jahren wirklich geschehen?

Von diesem Buch hatte ich mir eine Menge versprochen! Der Klappentext klang genau nach meinem Geschmack und verhieß für mich eine spannende Geschichte.
Im Nachhinein jetzt muss ich aber leider zugeben, dass mir das Buch nicht wirklich gefallen hat.
Dabei begann es verheißungsvoll mit einer Schilderung der verhängnisvollen Nacht. Mir hat daran gefallen, dass man auch am Ende dieses Prologs gar nicht genau weiß, was eigentlich geschehen ist. Es gibt gut und gerne zwei Möglichkeiten, wie die Situation geendet haben könnte. Deshalb hatte ich mich darauf gefreut, die Antwort auf diese Frage vielleicht während des Lesens für mich erknobeln zu können.
Erfreulicherweise klärte auch der folgende Teil der Geschichte diese Frage nicht auf. Ich war mir trotzdem sicher, die Antwort zu kennen. Einfach weil ein bestimmter Eindruck so selbstverständlich erweckt wird, dass ich sicher war, es könne nicht anders sein. Auch wenn es die weniger erfreuliche Möglichkeit gewesen wäre.
In der ersten Häfte  des Buches ist man als Leser quasi mit der 15jährigen Maggie zusammen, die mir schnell symapthisch wurde. Man lernt sie in Ruhe kennen, erfährt von ihren Problemen und Sorgen was die Schule und eben auch diese schicksalhafte Nacht angeht. Ich fand es spannend zu verfolgen, wie sie diesem seltsamen Gefühl einer  Lehrerin gegenüber auf die Schliche kommt und mit der daraus folgenden Erkenntnis umgeht. Zudem habe ich mir oft Sorgen gemacht, wie diese Lehrerin auf Maggies Geständnis reagieren würde. Ich traute ihr so einiges zu.
Maggies Erkenntnis ruft in der zweiten Hälfte dann ihre Mutter auf den Plan. Den größten Teil dieses zweiten Teils begleitet man also Emma und erhält Einblick in ihr Leben und vor allem in ihre Gedanken. Und genau damit begab sich meine anfängliche Begeisterung auf eine steile Talfahrt.
Ich glaube ja gerne, dass eine solche Nacht Spuren hinterlässt. Spuren seelischer Natur. Ich glaube auch gerne, dass man sich darüber immer wieder Gedanken und Vorwürfe macht! Zweifellos! Doch ich hatte den Eindruck, dass es in dieser Hälfte die ganze Zeit nur darum ging! Ich habe es sogar einmal riskiert, einfach drei Seiten zu überspringen um zu sehen, ob mir dabei etwas Wesentliches entgeht. Nein, mir war nichts entgangen (ich habe die drei Seiten anschließend natürlich doch noch gelesen um sicher zu sein!), allenfalls die siebenunddrölfzigste Neuformulierung von Emmas Selbstvorwürfen. Sorry, aber ich hatte schon spätestens nach fünfmal begriffen, wie schwer sie die damaligen Ereignisse auch heute noch nimmt. Deshalb hat mich dieser ewig gleiche Jammer schließlich genervt. Da hat es dann auch nichts mehr rausgerissen, dass Maggie später auch in diesem Teil wieder dabei ist.
Auch das Ende hat mir nicht besonders zugesagt. Ganz ehrlich, für das, was in dieser Nacht -und vor allem auch danach- mit Emma   passiert ist, dafür hätte ich mir schon eine etwas rabiatere Vergeltung gewünscht. Das war mir hier einfach zu lasch. Und ich fand es auch nicht glaubhaft, dass Emma sich damit zufrieden gibt. Verständnisvolle und intelligente Profesorin hin oder her. So heilig kann kein Mensch sein!

Die erste Hälfte las sich eigentlich ganz flott. Neben vielen erzählenden Passagen gibt es auch zahlreiche Dialoge. Eine gute Mischung! Im besagten zweiten Teil nahmen die erzählenden Passagen dann überhand, und ich habe mich teilweise wirklich hindurchgequält.

Das Cover hat mir schon immer gefallen und ich mag es auch jetzt noch. Diese kräftigen, aber doch düsteren Grüntöne sind toll und erwecken einen geheimnisvollen Eindruck. Außerdem finde ich, dass das Mädchen irgendwie etwas traurig schaut. So als habe sie ein unschönes Geheimnis. Das würde zur Geschichte passen.

Fazit:  Das Buch begann wirklich verheißungsvoll, und die erste Hälfte hat mir gut gefallen. Ich bin der Handlung gespannt gefolgt und war neugierig, was noch alles geschehen würde. Die zweite Hälfte hat den guten Eindruck dann aber schnell zunichte gemacht. Die ewigen Vorwürfe gingen mir irgendwann auf die Nerven. Und wenn ich mehrere Seiten überspringen kann ohne hinterher das Gefühl zu haben, etwas verpasst zu haben, dann stimmt da was nicht. Das lasche Ende hat dann sein Übriges dazugetan.


Titel:  Stimmen in der Nacht
Autor: Laura Brodie
Seiten:  336
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423249126
Preis:  € 14,90 (broschiert)

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