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Apr 09

Rezension – Breed (Chase Novak)

breedEigentlich führen Alex und Leslie ein schönes Leben: tolle Jobs, ein großes Haus an der Upper Eastside von Manhattan, eine glückliche Ehe. Aber Alex wünscht sich nichts mehr als ein Kind. Die Suche nach neuen Behandlungsmethoden wird für ihn immer mehr zur Obsession, und er ist überglücklich, als Leslie schließlich schwanger ist, trotz der Veränderungen, die auch er nach der schmerzhaften Behandlung spürt und die er zu ignorieren versucht. Zehn Jahre später führen die Zwillinge Alice und Adam ein seltsames Doppelleben: Ihre Eltern lieben sie über alles, sperren sie aber jede Nacht in ihre Zimmer ein. Aus dem Keller dringen furchtbare Geräusche. Verzweifelt versuchen die beiden Kinder, herauszufinden, wer ihre Eltern sind. Aber die Wahrheit über Alex und Leslie hat einen hohen Preis.

An dieses Buch bin ich ohne viele Erwartungen herangegangen. Mir war einfach mal nach einer Horrorgeschichte. Ich denke, das ist auch die beste Haltung um mit „Breed“ seinen Spass zu haben. Das Rad der Horrorstorys erfindet es nämlich nicht neu.
Ein Paar ist glücklich und wohlhabend verheiratet. Das einzige, was zum großen Glück fehlt, ist ein Kind. Als sich dieser Wunsch trotz unzähliger Versucheüber Jahre hinweg  nicht erfüllen will, wenden sie sich an einen Wunderdoktor in Slowenien. Der Horrorfan weiß: Osteuropa ist in diesem Genre seit einiger Zeit immer gerne genommen.
Es kommt, was kommen muss: das Wundermittel funktioniert, hat aber verhängnisvolle Nebenwirkungen. Schon bald sind die zu beobachten. So etwas mag der sensationslüsterne Horrorfreak in mir immer sehr gerne! Schon hier gibt es immer wieder Anlass für ein dezentes Grusel oder leichtes Ekeln. Darauf lässt sich aufbauen.Anschließend folgt ein Zeitsprung 10 Jahre voran. Der Zwillingsnachwuchs -Adam und Alice- ist inzwischen zehn Jahre alt und wird allabendlich von den Eltern in ihren Zimmern eingeschlossen.
Als Leser ahnt man natürlich bereits den Grund dafür, und auch auch, weshalb Leben und Haus der Familie in Trümmern liegt. Man bekommt es dann auch bereitwillig bestätigt. Dazu dienen erschütternde Rückblicke auf die vergangenen Jahre und auch so manche schauerliche und eklige Szene. Leser mit empfindlichen Mägen könnten ab und zu so ihre Probleme bekommen. Allen anderen wird reichlich Anlass für ein wohliges Schaudern geboten.
Als die Zwillinge ausreißen, kommt Tempo in die bisher eher gemächliche Geschichte. Sie könten schließlich das Familiengeheimnis verraten! Damit beginnt die Jagd der Eltern auf ihre Kinder und den Lehrer, bei denen die beiden Zuflucht gesucht haben.
Von hier an fand ich die Geschichte noch mal einen Tacken spannende. Obwohl die Kids ihren Eltern x-mal entkommen, sodass man sich schnell daran gewöhnt und eigentlich nicht mehr davon ausgeht, dass sie sie jemals zu fassen kriegen. Es geht aber immer wirklich um Haaresbreite, und alleine die Vorstellung, was den beiden blüht, wenn sie doch erwischt werden, lässt einen schon mal an den Fingernägeln knabbern. Außerdem hat man immer im Hinterkopf, dass die Kinder zu ihren Eltern gehören. Das wird oft genug erwähnt, und so bleibt stets ein Zweifel daran zurück, ob die nächste Flucht nicht vielleicht doch schiefgehen wird.
Mich hat zudem bei Laune gehalten, dass im Laufe der Geschichte immer mal angedeutet wird, es könnte eine Heilung geben. Diese Frage stellt sich vor allem zum Ende hin. Ich konnte mir zwar nicht vorstellen, wie die aussehen sollte, aber immerhin wird ja auch auch Material eines kannibalistischen Fischs im Wunderserum für die Verwandlung angeführt. Da hat die Heilung  am Ende quasi freie Bühne für jede wie auch immer geartete und absurde Theorie.
Das Ende ist dann recht vage gehalten. Es sind längst nicht alle Fragen beantwortet. An eine Fortsetzung glaube ich trotzdem nicht. Die größten Scherben sind zusammengekehrt und beseitigt. Das kann man als Ende gut so stehen lassen.
Über eines habe ich mich am Ende dann aber doch ganz schön gewundert. Es heißt immer, Wesen wie die Eltern der Zwillinge könnten keinen Selbstmord begehen, weil sie zu sehr Tier sind. Und im Tierreich gibt es die Idee des Selbstmord nicht. Aber mit Absicht in eine laufende Flugzeugturbine springen…das ist doch auch eine Art Selbstmord, oder? Sei’s drum, das ist vermutlich Erbsenzählerei.

Mir hat der Erzählstil sehr gut gefallen. Sehr distanziert, aber doch mit einem sehr genauen Blick auf das Geschehen. So wie ein Wissenschaftler durch das Mikroskop auf eine interessante, seltene Spezies blickt.  Reaktionen und Gefühle werden nahezu ausschließlich anhand von zB evolutionsbiologischen Gesichtspunkten hergeleitet. Das ist mal eine andere Erzählweise, die gerade dieser Geschichte gut steht. Erstaunlicherweise lässt sie trotz dieser Distanz auch Raum dafür, dass man als Leser Gefühle entwickeln kann. Beispielsweise Mitgefühl und Angst. Und auch ein schöner Funken sehr böser Humor mischt mit.

Ich mag Bücher mit Schutzumschlag! Und so ein finsterer Look wie hier, das ist ebenfalls genau mein Ding. Um zu erkennen, was der blutrote Doppelbogen darstellt, braucht es aber doch etwas Phantasie. Ich hab’s auch nicht sofort begriffen.

Fazit:  Eine unterhaltsame Horrorgeschichte, die einem auf bewährte Art und Weise ein paar Abende eine wohlige Gänsehaut beschert. Mir hat sie vor allem wegen dieser schaurigen und ekligen Szenen, Spannung bis zum Schluss und dem außergwöhnlichen Erzählstil prima gefallen.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Prdukttesterprogramms!


Titel:  Breed
Autor: Chase Novak
Seiten:  325
Verlag: Hoffmann & Campe
ISBN: 978-3455404418
Preis:  € 19,99 (HC)

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