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Okt 01

Rezension – Das Labyrinth erwacht (Rainer Wekwerth)

labyrintherwachtDas Labyrinth. Es denkt. Es ist bösartig.
Sieben Jugendliche werden durch Raum und Zeit versetzt.
Sie wissen nicht mehr, wer sie einmal waren.
Aber das Labyrinth kennt sie.
Jagt sie.
Es gibt nur eine einzige Botschaft an jeden von ihnen:
Du hast zweiundsiebzig Stunden Zeit das nächste Tor zu erreichen oder du stirbst.
Problem Nummer Eins, es gibt nur sechs Tore.
Problem Nummer Zwei, ihr seid nicht allein.

Als ich von diesem Buch hörte, hatte ich überhaupt keine Vorstellung, was mich erwartet. Das hat neugierig gemacht. Nur hat sich an dieser Ahnungslosigkeit zumindest anfangs nichts geändert. Denn man bekommt als Leser kein Vorwissen an die Hand, mit dem man den sieben Jugendlichen voraus wäre. Man ist genau auf ihrem Stand. So lernt man sie erstens einzeln kennen. Das fand ich schon mal klasse, denn ich habe oft so meine Schwierigkeiten damit, mir auf die Schnelle eine Handvoll Personen zu eigen zu machen. Dafür hat man hier gut Zeit und da die Kids sehr unterschiedlich sind, ist das auch ganz interessant.
Zweitens erfährt man über die Gegend, in der sie aufgewacht sind, auch nur genau das, was sie sehen und durch Entdeckungen geschlussfolgert haben. Und genau wie sie fragt man sich automatisch, wie und wieso sie dorthin gelangt sind, was in der Gegend auf sie lauert und was es mit den Toren auf sich hat.
Was in dieser ersten Ebene auf sie lauert, das wird ansatzweise erzählt. Sie spüren eine gewisse Bedrohung und es gibt Vorfälle mit äußerst gefährlichen Gegnern. Das ist ein bisschen gruselig -auch weil es nicht richtig greifbar ist- und natürlich auch spannend. Schließlich kann immer etwas passieren und die Gruppe hat nicht gerade Vieles, mit dem sie sich wehren könnte.
Ich fand es außerdem ganz spannend, die Entwicklung der einzelnen Jugendlichen zu verfolgen. Zu sehen, welche Seiten an ihnen durch die ungewohnte und bedrohliche Situation zum Vorschein kommen. Einige sind eher ruhig, sodass man denkt, sie geben bald auf. Andere sind besonnen und vernünftig, und wieder andere haben keine Scheu mit Gewalt und unter Einsatz jedweder Waffen gegen die anderen vorzugehen. Eine brisante Mischung und speziell die Härte einiger Kids hat mich in einem Jugendbuch überrascht. Im positiven Sinne, denn ich finde, sie müssen genauso angelegt sein um eben diese Mischung zu ergeben.
Nun bin ich jemand, den man mit einer gottverlassenen Ebene, einem Wald, einer riesigen Wiese beim besten Willen nicht begeistern kann. Schon mal lange nicht, wenn ein weiter Teil einer Geschichte dort spielt und ich mir immer wieder ähnliche Beschreibungen durchlesen muss. Ich weiß auch nach einer Schilderung, wie der Wald, die Wiese, die Ebene aussieht! Entsprechend war ich schnell in Sorge, dass ich das Buch deshalb aufgeben könnte.
Zum Glück ist es Rainer Wekwerth gelungen, mich damit nie zu langweilen. Denn er schafft es, die Szenerie stets auf eine andere Art zu beschreiben. Sei es dadurch, dass man abwechselnd durch die Augen der Kids darauf schaut und entsprechend anderes in den Vordergrund stellt, oder einfach indem komplett andere Worte für eine solche Beschreibung genutzt werden. Das ist abwechslungsreich, obwohl sich am Setting an sich nichts ändert. Und da diese Schilderungen obendrein nie allzu ausschweifend sind, waren sie für mich gar kein Problem. Da mir das die meisten Sorgen bereitet hatte, ist das der größte Pluspunkt, den ich an das Buch vergeben kann!
Wohin der Weg bei dieser Geschichte führt, weiß ich natürlich noch nicht. Geht auch gar nicht. Außer, dass noch einige Tore und Ebenen auf die Gruppe warten.
Anhand gewisser „Flashbacks“, die einer von ihnen hat, habe ich allerdings ganz automatisch zu tüfteln angefangen und erste Vermutungen angestellt. Ich hoffe sehr, ich liege völlig daneben. Die Folgebände werden es zeigen.

Obwohl das Buch mit 405 Seiten ganz schön dick ist und es im Verhältnis wenige Dialoge, sondern mehr beschreibende Passagen gibt, hatte ich es an drei recht kurzen Leseabenden ausgelesen. Erstens ist es wirklich spannend, zweitens wird die Geschichte abwechslungsreich und sprachlich unkompliziert erzählt. Und die Kapitel, na, das kennt man ja: ach, eins noch, ist ja nicht lang, dann mache ich das Licht aus…Mist, jetzt waren es doch drei oder mehr! Das passiert einem hier schnell.

An ein Labyrinth erinnert mich der Look des Buches nicht unbedingt, deshalb war ich erst etwas erstaunt. Inzwischen denke ich, wer weiß, wer die Kids vielleicht im Labyrinth beobachtet? Und wie? Außerdem mag ich den leichten 3D-Effekt ganz gerne, und den Kontrast zwischen dem Rot und dem Blau-Schwarz ebenfalls.

Fazit:   Ein interessanter erster Band, der einen in Sachen Wissen um die Situation der Kids mit ihnen auf eine Stufe stellt. So ist es spannend, der Sache mit ihnen gemeinsam auf den Grund zu gehen, sich mit ihnen den Gefahren zu stellen und dabei ihre Entwicklung zu verfolgen. Ein ganz großes Lob nochmal dafür, wie abwechslungsreich die beschreibenden Passagen gehalten sind. Ich langweile mich bei sowas normalerweise rasend schnell, hier aber nicht eine Minute lang! Und wie gesagt, mit meinen Krümeln einer Theorie über das „Warum“ liege ich hoffentlich völlig daneben. Es soll ja ein Thriller sein…steht schließlich so drauf…


Titel: Das Labyrinth erwacht
Autor: Rainer Wekwerth
Seiten: 405
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401067889
Preis: € 16,99 (HC)

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