Nov 08 2013

Rezension – Erwin, Mord & Ente (Thomas Krüger)

erwinmordenteErwin Düsedieker ist ein herzensguter Mensch, doch er gilt als beschränkt: Der Sohn des ehemaligen westfälischen Dorfpolizisten Friedhelm Düsedieker stapft gern mit Gummistiefeln an den Füßen und Papas alter Dienstmütze auf dem Kopf über Äcker und Wiesen. Begleitet von Lothar, seiner treuen Laufente. Ein Polizist könnte Erwin nie sein. Eines Tages aber strauchelt er in einen Kriminalfall mit geradezu höllischen Dimensionen und muss ihn lösen – zusammen mit Lothar, der sich im Zuge des Abenteuers als wahre Ermittlungsente entpuppt.

Wenn man sich das Cover dieses Buchs anschaut, dann dürfte klar sein, dass ich daran nicht vorbeikam. Die Ente in der Wanne ist ja so niedlich! Auch die Tatsache, dass der Krimi in Westfalen spielt, machte mich neugierig. Westfälin, die ich bin.
„Erwin, Mord & Ente“ ist für mich ein besonderer Krimi. Erstens wegen Erwin, der alles andere als ein typischer Ermittler ist. Nicht nur, dass er gar kein Polizist ist, aber trotzdem mit der Polizeimütze seines Vaters herumläuft, er ist zudem von eher schlichtem Gemüt und ziemlich naiv. Bei den meisten Einwohnern seines Orts Versloh-Bramschebeck gilt er gar als beschränkt! Zweitens ist er meist in Begleitung seiner Laufente Lothar (mein Liebling, na klar!) unterwegs. Auch das ist in Krimis sicher nichts Alltägliches! Trotzdem mochte ich dieses ungewöhnliche Gespann sofort. Auf Erwin und sein Denken muss man sich aber einlassen können. Das fiel mir anfangs etwas schwer, später war es dann gar kein Problem mehr. Da merkt man erst, wie kompliziert man selber oft denkt!
Als im Dorf Knochen gefunden werden, ist Erwins Neugier geweckt. Was ist dort geschehen? Woher kommen die Knochen? Steckt ein Verbrechen dahinter? Er macht sich daran, Nachforschungen anzustellen. Auf die ihm eigene, oft naive, aber doch sehr gründliche Art. Ich muss sagen, ich war einige Male wirklich beeindruckt! Denn Erwin hat natürlich von solch modernen und fortschrittlichen Dingen wie zB dem Internet keine Ahnung. Er zieht stattdessen Bücher zu Rate, verlässt sich bei Beobachtungen ganz auf sein Gedächtnis und untersucht Papierfetzen mit einer Lupe. Das hat etwas von einem altmodischen, sehr klassischen Krimi, und genau deshalb war es für mich etwas Beosnderes. Wegen Erwins Vorliebe für Bücher auch etwas besonders Schönes! Und spannend geht es allemale zu! Da muss Erwin sich mit seinen altmodischen Ermittlungsmethoden nicht hinter den modernen Kollegen verstecken.
Der Fall um die Knochen selber ist Geschmackssache. Ich persönlich habe für Krimis, deren Auflösung in eine gewisse deutsche Vergangenheit führen, wenig bis gar nichts übrig. Für mich ging es deshalb hier nur in Ordnung. Wenn die Wurzeln eines Falles in der deutschen Vergangenheit liegen sollen, kommt man an dieser Zeit wohl nur schlecht vorbei. Wen solche Hintergründe nicht stören, der wird sich daran sicher nicht stoßen. Besonders getröstet hat mich ein gruseliges bis ekliges Element am Ende. Sowas mag ich dann wieder ausgesprochen gerne! Und man kann bis zum Schluss prima mitknobeln, was hinter dem Knochenfund steckt. Auch sowas finde ich immer toll!
Die Geschichte spielt in einem kleinen westfälischen Dorf. Ich habe ein großes Faible für Regionalkrimis, aber Regiokrimis aus Westfalen konnten mich bislang nicht begeistern. Dann kamen Erwin und Lothar, und schon war bewiesen: solche Krimis funktionieren auch hier! Ja, hier gibt es solch einsame Kaffs! Und ja, der Westfale ist mitunter eigebrötlerisch und stur! Und ja, wir reden hier so! Ältere Leute mehr, die jüngeren weniger. Aber auch ich habe viele Ausdrücke wiedergefunden, die zu meinem Sprachgebrauch gehören. Es gehört für mich zu solchen Krimis, dass solche Eigeschaften deutlich aufgezeigt werden. Das verleiht ihnen einen eigenen Charakter und oft kann man darüber gut schmunzeln. Ich habe einige Male wirklich lachen müssen und hatte dabei nie das Gefühl, dass die Westfalen hier irgendwie vorgeführt oder schlecht gemacht werden.

Ich habe unerwartet lange für das Buch. Das liegt vor allem an Thomas Krügers ungewöhnlichen und auch gewöhnungsbedürftigem Schreibstil. Der liest sich nicht gerade flott weg. Er passt aber gut zu Erwin und sein Denken, in das man sich auch erst einfinden muss. So naiv wie Erwin wirkt, er ist auf seine Art durchaus zu komplexen Denkvorgängen in der Lage. Die müssen wir aber erst für uns auf die Reihe kriegen, denn wir denken ja doch anders. Uns kommen sie oft sogar seltsam vor. Somit konnte sich die Geschichte einfach nicht lesen wie jeder 0815-Krimi sonst.

Ich bin ganz verliebt in Lothar! Und die Wanne spielt im Buch ebenfalls eine wichtige Rolle. Damit passt das Covermotiv wirklich gut zum Buch. Und ein Hingucker ist es durch Lothar auf jeden Fall! Im vorderen Deckel findet man eine Karte der Gegend, in der der Krimi spielt. Und im rückwärtigen Deckel…hach! 😉

Fazit:  „Erwin, Mord & Ente“ ist kein Krimi von der Stange! Erwin ist durch sein schlichtes Wesen ein Ermittler, wie ich ihn noch in keinem Krimi erlebt habe. An ihn und sein Denken muss man sich gewöhnen, dafür mag man ihn von der ersten Seite an. Lothar ist das Salz in der Suppe, mein Liebling und obendrein eine fähige Ermittlungsente. So gesehen ist die Geschichte ganz schön schräg, aber Erwins erster Fall hat es trotzdem  in sich und kann leicht mit anderen Krimis mithalten. Ein feiner Blick auf westfälische Dörfer und ihre Bewohner laden zum Schmunzeln und hier und da zum an-die-eigene-Nase-fassen ein. Mir hat der Krimi viel Spass gemacht!

Vielen Dank an Thomas Krüger für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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Titel: Erwin, Mord & Ente
Autor: Thomas Krüger
Seiten: 300
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 978-3453411524
Preis: € 9,99

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