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Nov 18

Rezension – Sauerkrautkoma (Rita Falk)

sauerkrautkomaWeil sich der Eberhofer in Niederkaltenkirchen bei der Verbrechensbekämpfung so verdient gemacht hat, wird er in die bayerische Metropole des Verbrechens versetzt. Gut nur, dass die Oma ihn mit Care-Paketen versorgt. Doch kaum hat der Franz den Sessel im Präsidium angewärmt, da geht’s auch schon los mit der großstädtischen Kriminalität. Als nämlich der Papa zum ersten Mal im Admiral daherkommt, wird ihm sogleich der Wagen geklaut. Der taucht zwar bald wieder auf, doch damit fängt der Stress erst richtig an: Im Kofferraum befindet sich die Leiche einer jungen serbischen Frau. Offenbar erwürgt. Die Spuren führen den Franz in eine ihm völlig fremde Welt: nach Grünwald.

So sehr ich auf „Sauerkrautkoma“ hingefiebert habe, ich hatte auch meine Bedenken. Denn der Franz gehört für mich nirgendwo anders hin als nach Niederkaltenkirchen. Wo die Oma ist, sein Vater, die Susi, seine Kneipenkumpels und Hund Ludwig. Die Versetzung nach München hatte für mich den unangenehmen Beigeschmack davon, dass Niederkaltenkrichen die Kriminellen ausgegangen sind.
Immerhin ist Franz auch nicht begeistert von seiner Versetzung, was für die ersten Schmunzler sorgte. So richtig lachen musste ich dann über seine WG-Versuche, und das hat mich direkt etwas getröstet. Denn wenn Eberhofer auch in München so witzig sein kann, dann könnte ich mich vielleicht doch damit anfreunden.
Aber ich war doch ganz schön froh als sich herausstellte, dass Niederkaltenkirchen seine familiären Finger bis nach München ausstreckte. Umso schöner, dass damit gleich ein Leichendfund verbunden ist. Ausgerechnet im Kofferraum vom alten Admiral vom Papa liegt die Leiche einer jungen Frau. Damit ist eine deutliche Verbindung nach Niederkaltenkirchen gegeben. Und da sich Eberhofer in München eh nicht so recht wohlfühlt, ist er auch immer mal wieder im Dorf anzutreffen. Das fand ich schön ausgewogen und damit war ich mit München endgültig versöhnt.
Die Nachforschungen um die Leiche führen Eberhofer  in eine recht vornehme Gegend nahe München, der jegliche Gemütlichkeit fehlt. Entsprechend exotisch nimmt sich der Franz dort auch aus. Wo doch Niederkaltenkirchen solch ein uriges Dorf ist. Der Unterschied ist krass, und das spürt man. Er hat auch den größten Reiz an seinen Ermittlungen ausgemacht. Denn weil sie sich auf einige wenige verdächtige Personen beschränken, kann man ziemlich bald 2 und 2 zusammenrechnen und hat prompt erst denjenigen, der für eine Besonderheit an der Leiche verantwortlich ist, und wenig später dann auch den Täter. Beides ist am Schluss also keine allzu große Überraschung.
Neben dem Fall kämpft der Franz aber noch an einer ganz anderen, privaten Front. Ich fand es spannender, dem zu folgen als den Ermittlungen. Wobei ich es mir eigentlich nicht vorstellen konnte, andererseits aber doch so sehr darauf gehofft hatte. Näheres dazu möchte ich hier gar nicht verraten. Nur dass ich am Ende tierisch sauer auf Eberhofer war! Dabei mag ich ihn ja total, aber sich einen solchen Aussetzer zu leisten…liebe Oma Eberhofer, dafür darfst du ihm gerne von mir eine Ohrfeige geben!
Trotzdem hat mir das Buch wieder unheimlichen Spass gemacht und ich habe sehr dabei gelacht. Ich mag einfach diesen bissigen Humor, Eberhofers recht radikale Art, wenn ihm etwas nicht in den Kram passt, und die Situationskomik vieler Szenen. Eberhofer, seine Familie und Freunde…das ist einfach ein Haufen liebenswerter Chaoten. Und all das trifft genau meinen Sinn für Humor.

Wie bei jedem Eberhofer-Krimi war ich auch mit „Sauerkrautkoma“ an einem Abend durch. Eberhofers locker- flapsige Erzählweise liest sich einfach super leicht und höchstvergnüglich. Und wenn ich Spass bei Lesen habe, dann fliegen die Seiten nur so dahin. Außerdem haben die Kapitel eine appetitliche Länge. Mit jedem kommt man ein gutes Stück voran.

Optisch reiht sich das Buch problemlos in die Reihe im Regal ein. Essen spielt ja immer eine wichtige Rolle in den Krimis. Und auf den letzten Seiten findet man immer ein paar Rezepte aus dem Fundus der Oma. Da pssen Sauerkraut, Würstl und die Maß gut. Das Fenster habe ich erst auf den zweiten Blick entdeckt. Eine schöne Idee mit dem Blick auf München.

Fazit:  Ich bin froh, dass es Eberhofer nicht total nach München verschlägt, sondern Niederkaltenkirchen weiterhin der zentrale Ort der Krimis bleibt. Der Fall hier schickt den Franz in eine feine Gegend, wo er geradezu exotisch wirkt, so burschikos wie er ist. Das ist reizvoll. Dafür fand ich den Fall sonst nicht allzu spannend. Weil es nur eine Handvoll Verdächtige gibt, ist es nicht schwer, auf den Täter und weitere Beteiligte zu kommen. Da habe ich Eberhofers private Turbulenzen als spannender empfunden. Und mich am Ende total über ihn geärgert. Und das will was heißen, so sehr wie ich ihn eigentlich mag!

Danke an den dtv für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel:  Sauerkrautkoma – Ein Provinzkrimi
Autor: Rita Falk
Seiten:  272
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423249874
Preis:  € 14,90 (broschiert)

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  1. Gelesen 2013 | Leserattes Blog

    […] Sauerkrautkoma (Rita Falk) […]

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