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Dez 12

Rezension – Lockwood & Co – Die seufzende Wendeltreppe (Jonathan Stroud)

lockwoodGanz England ächzt unter Geistererscheinungen, die Grauen und Tod mit sich bringen. In London vertreiben Agenturen die Dämonen aus den Häusern. Das Problem ist allerdings, dass Erwachsene die Geisterwesen nicht sehen können und deshalb Jugendliche diesen den Kampf ansagen müssen.
Lockwood & Co. ist die kleinste „Agentur für übersinnliche Ermittlungen“. Der Trupp um den charismatischen und tollkühnen Anthony Lockwood besteht noch aus dem akribischen und sarkastischen George und dem Neuzugang Lucy, die eine besondere Sensibilität für Geistererscheinungen mitbringt. Doch auch den genialsten Geisterjägern passieren fatale Missgeschicke, und nachdem das Haus eines Kunden bei einer Austreibung komplett abbrannte, steckt das Trio ganz schön in der Klemme. Ein höchst dubioser und gefährlicher Auftrag könnte Lockwood & Co. retten – oder alle drei das Leben kosten.

Eine Geisterjäger-Geschichte für junge Leser! Das klang ganz nach meinem Geschmack. Deshalb habe ich der Agentur Lockwood direkt einen Besuch abgestattet.
Zunächst erfährt man nicht viel über die Agentur und die Leute, die dort arbeiten. Das liegt daran, dass man direkt bei einem ihrer Aufträge dabei ist. So kann man sich schnell ein Bild von der Arbeit der Agentur machen. Lockwood selber, Lucy und George lernt man dabei zwar kennen, aber noch nicht besonders genau. Man kann zunächst nicht einmal sagen, wie alt die drei sind. Doch das war mir erstmal egal, denn bei dem Auftrag geht es gut rund. Die Einsätze von Lockwood und seinem Team zeichnen sich meist durch turbulentes Geschehen und gefährliche Vorfälle aus. Nicht selten brennt im Zuge dessen ein ganzes Haus ab. Aber der Geist zumindest ist vertrieben! Dennoch ist das natürlich nicht die beste Werbung.
Nachdem sie also versehentlich ein Haus abgefackelt haben, sieht die Zukunft für die Agentur wenig rosig aus. Auch wenn sie in diesem Haus offensichtlich einem großen Geheimnis auf die Spur gekommen sind. Nachdem der Einsatz über die Bühne ist, müssen sich Lockwood und seine Leute anstrengen, noch Aufträge zu bekommen. Und mit dem Geheimnis kommen sie ebenfalls nicht weiter. In dieser Zeit hat man als Leser Gelegenheit, die drei Hauptpersonen besser kennenzulernen.
Lucy gefiel mir schnell. Sie ist resolut, zielstrebig und hat einen humorvoll-kritischen Blick auf die Arbeit ihrer Agentur. Über manche ihre Schilderungen musste ich grinsen.
George ist neben der Praxis auch für die Theorie zuständig. Er wird von Lucy zwar nicht gerade vorteilhaft beschrieben, aber mit seiner Vernunft und seinen schlagfertigen Antworten für Lucy wurde er mir schnell sympathisch. So jemanden braucht ein solcher Chaotenhaufen einfach.
Lockwood selber…sagen wir mal so: ihm würde ich ausgesprochen gerne in fünf Jahren nochmal begegnen. Dann wäre er 20 und sicher eine sehr, sehr interessante und reizvolle Figur. So dunkel, geheimnisvoll und -wenn es drauf ankommt- energisch wie er schon hier beschrieben wird. Ich würde auch gerne wissen, wie er und Lucy in ein paar Jahren zueinander stehen werden 😉
Gefallen hat es mir außerdem, dass die Geister, gegen die die Agenturen kämpfen, sehr klassisch sind. Hier hat man es nicht mit Zombies, Vampiren oder kreativ neu erfundenen Ungeheuern zu tun, sondern mit Geistern! Solche, die sich aus leuchtenden Schemen zusammensetzen, wie Schatten sind oder auch mal einen deutliche menschliche Gestalt annehmen, sodass man sie -bei entsprechendem Talent- sehen kann. Das ist ungewöhnlich, wo heute jedes neue Unheuer scheußlicher sein muss als alle bisher dagewesenen. Aber es hat seinen Charme und gegen ein waschechtes Spukhaus hat sicher kein Gruselfan etwas einzuwenden. Ältere Leser, die noch nie Ghostbusters kennen, dürften sich bei der Erwähnung von zB Ektoplsama ein Grinsen nicht verkneifen können.
Soweit eigentlich alles in bester Ordnung. Nur leider habe ich mich lange Zeit kein Stück bei dem Buch gegruselt. Da hatte der Trailer mehr versprochen. Außerdem hätte gerne mehr los sein dürfen. Zwischen den Einsätzen plätschert die Geschichte zwar unterhaltsam, aber ziemlich unspektakulär dahin. Nun bin ich längst keine 12 Jahre mehr alt -ab diesem Alter wird das Buch empfohlen-, aber ich schätze, auch für 12jährige von heute darf es etwas mehr zur Sache gehen.
Der finale Fall um die Treppe aus dem Titel legt zum Glück eine ordentliche Schippe Action, Spannung und Gänsehaut zu. Das hat mir dann gut gefallen und da habe ich auch mitgefiebert und mich um Lockwood, Lucy und George gesorgt. Außerdem gibt es hier eine böse Überraschung was ihren Auftraggeber anbetrifft, die obendrein im Zusammenhang mit dem Geheimnis aus dem niedergebrannten Haus steht.  Eine schöne Wendung, die einen staunen lässt.
Eine Frage hat mir dieser erste Band noch nicht beantwortet. Ich würde nämlich gerne wissen, wann die Seuche London befiel und was ihre Ursache war. Und ob sie nur London bzw England betrifft. Das wüsste ich wirklich gerne. Damit man sich schon mal darauf einrichten kann. Mit Salz, Silberketten und Leuchtbomben 😉

Mit seinen 432 Seiten ist das Buch schon recht stattlich. Die Kapitel sind nicht gerade kurz. Es lässt sich aber trotzdem gut lesen, zumal Lucy einen lockeren Erzählstil hat. So macht das Lesen Spass. Außerdem lockern der Humor und viele Dialoge zusätzlich auf. Ich denke, das Buch kann man gut Kapitel für Kapitel vor dem Einschlafen lesen. Schön sind auch die kleinen Illustrationen zu Beginn der Kapitel.

Mit dem gewaltigen Schloss ist das Cover ein echter Hingucker. Das dunkle Blau mit den Schemen im Hintergrund passt gut zu einer Geschichte, in der es um Geister geht. Besonders schön finde ich den Prägedruck. Das fühlt sich toll an, wenn man über dem Umschlag streicht.

Fazit:   Ich weiß es nicht sicher, denke aber, dass dies der erste Band einer Reihe ist. Da müssen Grundlagen geschaffen werden. Lockwood und sein Team haben mir prima gefallen. Vor allem Lockwood selber ist ganz nach meinem Geschmack ;). Außerdem finde ich es gut, dass die Geschichte mit einem klassischen Geisterglauben arbeitet. Das hat Charme! Im nächsten Band darf es für mich aber gerne spannender und gruseliger werden. Die Pausen zwischen den Einsätzen im ersten Band sind zwar unterhaltsam, aber die Spannung blieb da schon mal auf der Strecke. Der abschließende Fall lässt aber darauf hoffen, dass es bald mehr zur Sache gehen wird in Lockwoods Fällen.


Titel: Lockwood & Co. – Die seufzende Wendeltreppe
Autor: Jonathan Stroud
Seiten: 432
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570156179
Preis: € 18,99

1 Kommentar

  1. buchstabentraeume

    Ja, das ist der erste Teil einer Reihe. Ich habe irgendwo mal gelesen / gehört, dass es auch mehr als drei Teile werden sollen. Aber die genaue Zahl weiß ich grad nicht mehr und ich weiß auch nicht mehr, woher ich die Info habe…^^

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