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Feb 10

Rezension – Mord mit Schnucke (Brigitte Kanitz)

mordmitschnuckeDie Kommissarin Hanna Petersen wird nach Hassellöhne strafversetzt, einem Örtchen in der Lüneburger Heide. Doch die Idylle trügt. Als ein Tourist bei einer Jagd ums Leben kommt, ist Hanna davon überzeugt, dass es kein Unfall war. Ihre Ermittlungen gestalten sich jedoch schwierig: Eine Heidschnuckenherde verwischt die Spuren im Wacholder, die Hasellöhner schweigen plötzlich wie ein Grab, und der junge Dorfpolizist Fritz Westermann verwirrt Hanna mit seinem Charme. Nur die alte Luise steht ihr bei. Mit selbstgebrautem Wacholderschnaps, der alle Probleme dieser Welt lösen soll.

Ich denke, ich muss nicht mehr extra erwähnen, wieso dieses Buch quasi nach mir rief 😉
Allerdings hat mich der Anfang zunächst ganz schön überfordert. Man wird nämlich sofort in die Szene mit dem Mord geschubst. Und anschließend geht es direkt zu Kommissarin Hanna Petersen, wo mit so vielen Namen um sich geworfen wird, dass ich schon dachte, ich würde nie durchsteigen.
Freundlicherweise erlebt man daraufhin einen Zeitsprung, der einen fünf Tage zurückführt. Zu Hannas Ankunft in Hasellöhne.
Hannas Begeisterung über ihre Versetzung von Hamburg in die Lüneburger Heide hält sich in engen Grenzen. Das konnte ich nur allzu gut verstehen, daher tat sie mir auch ganz schön leid. Amüsant fand ich ihren Einstand in dem Dörfchen trotzdem.
Und mir hat es genauso gut gefallen, dass sich die Geschichte viel Zeit nimmt. Das heißt, Hanna kommt unter erschwerten Bedingungen in dem Dorf an und lernt dann nach und nach erstmal die Personen kennen, die sie im weiteren Verlauf am meisten beschäftigen werden. Dabei wird sich für jeden Charakter ausreichend Zeit genommen, dass man ihn sich als Leser zu Eigen machen kann. Und speziell Hannas erste Bekanntschaften sind einfach zum Knuddeln: Luise mit ihrem äußerst wirkungsvollen Wacholderschnaps und ihr neuer Kollege Westermann. Den Dorfarzt fand ich auch noch ganz nett, mehr aber nicht!
Erst danach wendet sich die Geschichte dem Verbrechen in Hasellöhne zu, das sich zunächst nur in einem Fall um einen abgebrannten Schafstall zeigt. Da bei kann Hanna bereits einmal glänzen, sodass ich ihr die fähige Kommissarin leicht abgenommen habe. Und den größten Unsympathen des Dorfs lernen sie und der Leser bis dahin auch schon mal kennen. So ist alles Rüstzeug für später vorhanden.
Anschließend hüpft die Story flugs wie ein Heidschnuckenlamm ans Ende des Prologs, und damit zu den Ermittlungen um den Mordfall. Ich fand sie sehr spannend. Vor allem, weil sie nicht so einfach gestrickt daher kommt, wie man es von einem solchen Dorf-Krimi vielleicht erwartet. Ich habe Hanna und Westermann gerne begleitet und mit ihnen Vermutungen angestellt. Das fällt hier angenehm leicht, weil es nicht zig Leute sind, die die Geschichte bevölkern. Da kann man gut nach Verbindungen und Zusammenhängen suchen und versuchen, sich ein Bild zu machen. Und dabei tun sich tatsächlich einige Abgründe auf. Gegend Ende gar im wahrsten Sinne des Wortes!
Außerdem haben mir die Ermittlungen riesig Spass gemacht. Die Hasellöhner sind ein uriges, aber liebenswertes Völkchen, das für manche amüsante Szene gut sind. Hannas und Westermanns Diskussionen sind in der Hinsicht ebenfalls nicht ohne. Da habe ich manches Mal gelacht. Aber es ist eben ein liebenswerter Humor. Es wird nicht über die Dorfbewohner hergezogen und sie werden auch nicht als rückständig dargestellt. Auf ihre urige, gewitzte Art haben sie alle was auf dem Kasten. Und sie sind einfach so nett, dass man sich „bei ihnen“ im Nu wohl fühlt. Tat mir Hanna anfangs noch leid, dachte ich schnell, dass sie einfach nur glücklich über ihre Versetzung sein sollte. Was sie dann ja auch ist. Auch wenn in Hasellöhne und der Polizeistation einiges anders läuft als in Hamburg. Dafür spürt man, wie sich allmählich ein ganzes Dorf hinter sie stellt als es darum geht, den Mörder zu entlarven.
Zuletzt sollen noch zwei Dinge gesagt werden:
Erstens: ich liebe Alfred! (ihr müsst selber rausfinden, wer das ist ;))
Zweitens: ich mag Hanna echt gerne, aber was sie sich bei der Entscheidung für diesen Kerl gedacht hat, das will mir nicht in den Kopf. Bei der goldigen Alternative!

Ich habe mit „Gewalt“ zwei Abende mit „Mord mit Schnucke“ verbracht. Am liebsten hätte ich es in einem Rutsch gelesen, so viel Spass hat es gemacht. Was ein gesunder Schuss Humor in einer Geschichte doch ausmacht. Das liest sich sofort leichter. Die Kapitel sind genau richtig lang und viele vergnügliche Dialoge lockern ebenfalls auf.

Hach, dieses Covermotiv! So tierisch niedlich, so sommerlich bunt, so  heidemäßig flach. Aber mit den Pfeilen und dem Kreuz auf der Schnuckenwolle sieht man auch, dass in dieser Idylle offenbar irgendwas nicht stimmt. Ich war sofort hin und weg.

Fazit:  Ein wunderschöner, spannender Krimi mit einem ordentlichen Schuss Humor und Lokalkolorit aus der Lüneburger Heide! Ich hoffe sehr, es geht nochmal zurück nach Hasellöhne zu Westermann , Alfred , Luise *prost* und den Verbrechern, die doch tatsächlich auch in dieser Idylle ihr Unwesen treiben.


Titel: Mord mit Schnucke
Autor: Brigitte Kanitz
Seiten: 320
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3442382194
Preis: € 8,99

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  1. Gelesen 2013 | Leserattes Blog

    […] Mord mit Schnucke (Brigitte Kanitz) […]

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