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Feb 13

Rezension – Du lebst, solange ich es will (April Henry)

dulebstsolangeAllein in einem kalten Raum! Gefangen. Überall Dunkelheit. Und ein Unbekannter, der sich Master nennt. Gabys junge Kollegin Kayla verschwindet während einer Pizza-Auslieferung spurlos. Gaby findet heraus, dass eigentlich sie es ist, die gekidnappt werden sollte! Getrieben von Schuldgefühlen und Angst, versucht sie alles, um Kayla zu finden. Die Zeit läuft, denn auch Kayla weiß: Sie ist das falsche Mädchen.

Dieses Buch klang so sehr nach meinem Geschmack, dass ich sogar darüber hinweg gesehen habe, dass die Geschichte in den USA spielt. Normalerweise bevorzuge ich ja Jugendthriller, die in Deutschland spielen.
Leider muss ich sagen, dass das Land noch mein kleinstes Problem mit dieser Geschichte war.
Es begann schon gleich am Anfang. Ich mag es gar nicht, wenn man da direkt mit einer Reihe an Namen überschüttet wird, ohne dass einem die Figuren irgendwie nahegebracht werden. Genau das war hier der Fall. Drew, Gaby, Pete John…ich war ernstlich besorgt, ob ich mich darin irgendwann zurechtfinden würde. Und tatsächlich fiel es mir auch später noch schwer, gewisse Namen einzusortieren. Wobei das zum Glück Namen von Charakteren waren, die keine so zentrale Rolle spielten.
Im Wesentlichen dreht sich die Geschichte um die entführte Kayla und um Gaby und Drew, die mit Kayla zusammen in einer Pizzabude gearbeitet haben. Eines Tages wird Kayla gekidnappt, und bald stellt sich heraus, dass offenbar ein Fehler geschehen ist und eigentlich Gaby hätte entführt werden sollen. Im Klappentext steht, dass Gaby mit allen Mitteln versucht, die Freundin und Kollegin zu finden. Bedauerlicherweise kam das bei mir aber gar nicht so an. Natürlich geht Gaby irgendwann auf, dass es sie hätte treffen sollen, aber von „mit allen Mitteln“ und „von Schuldgefühlen getrieben“ kann nun wirklich nicht die Rede sein. Dafür gab es für mich zu viele Passagen dazwischen, die von der Arbeit in dem Pizzarestaurant handeln, von den Gefühlen zwischen Gaby und Drew, der ihr zur Seite steht, oder auch mal von einem spontanen Besäufnis, das für mich so überhaupt nicht in das Geschehen passte. Haben die keine anderen Sorgen gerade?
Entsprechend fand ich die Story nicht sonderlich spannend. Dafür war Vieles auch einfach zu offensichtlich. So gibt es beispielsweise Kapitel, die bei Kayla und ihrem Entführer spielen. Es ist dabei unverkennbar, was der Entführer plant und wie er gestrickt ist. Damit fehlt ihm jede Bedrohlichkeit. Ganz im Gegenteil befiehlt er Kayla uA, sie solle ich fortan „Meister“ nennen. Das habe ich doch als etwas arg albern empfunden. So fehlte diesen Kapiteln für mich das Bedrohliche. Da wurde längst nicht herausgeholt, was man hätte herausholen können.
Am Ende kommt dann immerhin endlich Tempo in die Geschichte. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse und an diesem Punkt hatte ich zum ersten Mal überhaupt das Gefühl, dass Kayla und ihre Retter tatsächlich in großer Gefahr schweben. Reichlich spät für einen Thriller. Selbst für einen Jugendthriller. Verblüfft hat mich das Ende auch. Waren Gaby und Drew zuvor meist noch ängstlich bei ihren Nachforschungen, so mutieren sie hier plötzlich die wahren Helden, die weder Tod noch Teufel fürchten um Kayla zu retten. Nicht so ganz überzeugend, möchte ich meinen.

Das Buch liest sich ausgesprochen leicht. Dazu trägt beispielsweise bei, dass es nicht nur einen Erzähler gibt. Einige Kapitel schildern aus Drews Sicht, was gerade geschieht, andere aus Gabys Sicht und wieder andere aus Kaylas Perspektive oder der des Entführers. Diese Abwechslung lockert auf. Zudem findet man immer mal wieder Abbildungen vor. Sie stellen beispielsweise ein Formular dar, in dem Beweismittel aufgeführt sind oder eine Empfehlung für Eltern, wenn deren Kind vermisst wird. So etwas mag ich immer gerne, weil es mal etwas anderes ist als nur sturer Text.

Ehrlich gesagt erschließt sich mir nicht, was das Covermotiv mit der Geschichte zu tun hat. Gut, es ist einigermaßen düster und die roten Tropfen kann man für Blutstropfen halten, aber beides ist doch sehr allgemein für einen Thriller. Wenigstens einen kleinen Bezug speziell auf die Geschichte hinter dem Deckel sollte es für mich schon geben.

Fazit:  Mich hat „Du lebst, solange ich es will“ leider enttäuscht. Ich fand es nicht spannend, da Gaby und Drew für mich nicht durchgängig genug nachgeforscht haben. Es gab immer wieder Ablenkungen. Und ihr plötzliches Heldentum am Ende habe ich ihnen Dank ihres vorherigen eher ängstlichen Verhaltens nicht abgenommen. Zudem hätte ich mir die Kapitel bei Kayla und ihrem Entführer bedrohlicher gewünscht. Da wurde einfach zu viel verraten.


Titel: Du lebst, solange ich es will
Autor: April Henry
Seiten: 240
Verlag: Planet Girl / Thienemann Verlag
ISBN: 978-3522503297
Preis: € 9,95 (Broschiert)

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