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Feb 16

Rezension – Was geschah mit Mara Dyer? (Michelle Hodkin)

maradyerAls Mara aus einem mehrtägigen Koma erwacht, erfährt sie, dass über ihr ein altes verlassenes Haus zusammengestürzt ist. Ihre beiden Freundinnen konnten nur tot geborgen werden, die Leiche ihres Freundes Jude wurde nicht gefunden. Mara hat keine Erinnerung an jene Nacht und begreift nicht, warum sie die Katastrophe als Einzige überlebt hat. Seit dem Unglück hat sie Albträume und Visionen – immer wieder sieht sie ihre toten Freunde, bis sie nicht mehr weiß, was Realität ist und was Einbildung. Als sich die mysteriösen Todesfälle in ihrer unmittelbaren Nähe mehren, sucht sie Hilfe bei ihrem Mitschüler Noah. Doch der hat ein eigenes dunkles Geheimnis.

Dieses Buch stand lange auf meinem Wunschzettel. Der Klappentext klang einfach total nach meinem Geschmack. Vor allem, weil weit und breit nichts Übersinnliches zu wittern war. Das ist derzeit ja nicht ganz leicht zu finden unter den Jugendbüchern.
Der Anfang gestaltete sich ziemlich schleppend. Auf das Geschehen in der Ruine wurde mir zu wenig eingegangen um mich schaudern zu lassen. Und auch Maras Schock kam bei mir nicht wirklich an als sie erfährt, dass ihre Freunde das Unglück nicht überlebt haben.
Anschließend geriet die Geschichte für mich dann zu sehr zu einer Teenie-High-School-Story. Denn um mehr geht es lange Zeit kaum. Maras Start an der Schule, die Probleme mit gewissen Mitschülern und der fortwährende Clinch in dem sie mit ihrer Mutter liegt. Das ist nicht uninteressant und liest sich unterhaltsam, aber es war für mich nicht erkennbar, in welche Richtung die Geschichte steuert.
Als sich dann Maras seltsame und oft grausige Visionen mehren, wurde es eine Spur interessanter. Da haben es manche Szenen durchaus in sich. Vor allem, als die erste Leiche auftaucht. Nun habe ich das zwar als recht seltsamen Zu- bzw Vorfall eingestuft, andererseits wusste ich ja aber auch, dass Mara bei dem Unglück in der Ruine ordentlich was auf den Kopf bekommen hat. Psychothrillermäßig erprobt, habe ich allerdings stets irgendwie daran gezweifelt, dass das alles wirklich so geschieht. Man kennt das ja. Da wird einem über drei Viertel eines Buchs eine Realität vorgegaukelt, die sich am Ende als eine Art Wahn entpuppt. Entsprechend habe ich das nicht ganz so ernst genommen. Und solche Vorfälle gibt es zunächst auch wirklich selten, da kann man sie leicht verdrängen.
Die Geschichte nahm mich erst so richtig für sich ein als Noah allmählich eine wichtigere Rolle spielte. Den Kerl fand ich schlichtweg zum Niederknien süß mit seinem tollen Humor, über den ich wirklich oft gelacht habe. Ehrlicherweise muss man aber auch sagen, dass man bei Noah und Mara das typische Schema antrifft. Sie sind verrückt nacheinander, aber jeder ist überzeugt davon, nicht gut für den anderen zu sein. Deshalb umkreist man sich, die Sache zieht sich hin und her…das ist kribbelig, ja, aber eben auch typisch.
Und dieses Typische weckte bei mir plötzlich den Verdacht, dass die Story eben doch einen übersinnlichen Hintergrund haben könnte. Solches Liebes-Hinundher kennt man ja vor allem aus solchen Geschichten. Ich habe es nicht geglaubt bzw nicht glauben wollen, habe händeringend nach vernünftigen Erklärungen gesucht und jeden Hinweis auf Übersinnliches schlicht ignoriert. Und dann ging es plötzlich nicht mehr und es stellte sich heraus: von wegen (Psycho)thriller! Auch „Mara Dyer“ bedient sich am Übersinnlichen. Das hat mich schon enttäuscht, aber ich halte der Geschichte immerhin zugute, dass sie keine Vampire, Werwölfe oder sonstige Wesen ins Rennen schickt, sondern mit einer durchaus ungewöhnlichen Idee aufwartet.
Und da ich keinen Weg sah, wie Mara und Noah aus dieser Sache jemals herauskommen wollen, habe ich das Buch im letzten Drittel endlich mit Spannung verschlungen. Vor allem auch, weil sich das Übersinnliche zwar inzwischen eingeschlichen hatte, der Großteil der Handlung aber ganz im Hier und Jetzt der realen Welt abspielt. Das kommt mir so entgegen, ich mag es nicht, wenn Geschichten zu sehr ins Phantastische abdriften.
Da es sich um den ersten Band einer Trilogie handelt, wird die Frage nach dem „Wie kann das jemals auch nur einigermaßen gut enden?“ natürlich nicht beantwortet.

Mara erzählt selber von ihren Erlebnissen. Abgesehen von Anfang mit der Szene in der Ruine, erzählt sie schön jugendlich locker und mit einer guten Prise Humor. Das beißt sich zwar etwas mit ihrer Trauer, dafür liest es sich aber wirklich leicht und flott. Die Kapitel sind angenehm kurz, was zumindest meinem Lesetempo immer gut auf die Sprünge hilft.

Das Cover mochte ich sofort mit den kräftigen Grüntönen. Außerdem habe ich mich direkt gefragt, was ich sonst sehe. Ein Mädchen, das aus dem Wasser gerettet wird? Das hat mich als kleinen Wasser-Angsthasen schnell neugierig gemacht.

Fazit: Es war kein leichter Start mit „Mara Dyer“, da es mir lange an Spannung fehlte und nicht ersichtlich war, in welche Richtung es gehen würde. Mit Noah kam Schwung in die Geschichte, vielleicht mochte ich ihn auch deshalb so sehr. Dass die Story doch ins Übersinnliche geht, hat mich zunächst enttäuscht. Zum Glück steckt aber keine Mainstream-Idee dahinter. Ich frage mich ehrlich, wie das enden kann. Deshalb bekommen Band 2 un 3 sicher auch noch ihre Chance. Auf Englisch, denn auf Deutsch wird die Reihe leider nicht fortgesetzt.


Titel:  Was geschah mit Mara Dyer?
Autor: Michelle Hodkin
Seiten:  480
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423715362
Preis:  € 14,95 (broschiert)

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