«

»

Mrz 03

Rezension – Drowning – Tödliches Element (Rachel Ward)

drowningEr kommt zu sich. Ein Tropfen trifft sein linkes Auge. Dann schießt Regen aus dem grauen Himmel. Er dreht den Kopf zur Seite, spuckt Schlamm und Kies aus, entdeckt ein Gesicht, wenige Meter entfernt. Haare kleben wie dünne Schlangen auf der Stirn. Aus dem Mundwinkel rinnt Wasser. Bleiche Haut, dreckverschmiert, geschlossene Augen. Es ist sein eigenes Gesicht! Als Carl aufwacht, ist Rob tot. Doch Carl kann sich an nichts erinnern. Nicht, wie sein Bruder ertrunken ist, oder warum sie an dem See waren und auch nicht, weshalb Neisha, die offensichtlich bei ihnen war, Todesangst vor ihm hat. Er weiß nur, dass er herausfinden muss, was passiert ist. Bevor vollendet wird, was an jenem Tag begann.

Ich hatte damals Band 1 von Rachel Wards „Number“-Reihe gelesen und der hatte mir leider nicht so gut gefallen. Es war also eine gewisse Skepsis im Spiel als ich „Drowning“ entdeckte. Weil ich selber ein ziemlicher Angsthase bin was Wasser angeht, klang es aber andererseits wirklich interessant und auch ein wenig gruselig, und sowas mag ich. Also zog „Drowning“ doch ins Regal ein.
Mit langen Vorreden hält die Geschichte sich nicht auf. Man ist sofort am See mit dabei nachdem sich der Unfall ereignet hat, und im Gegensatz zu Carl ist einem gleich klar, was mit seinem Bruder Rob geschehen ist.
Ein sehr ordentlicher Auftakt für eine Geschichte und ganz nach meinem Geschmack. Anschließend wurde mir dann etwas klar, das weniger nach meinem Geschmack ist. Scheinbar hat Rachel Ward eine Vorliebe für Charaktere, die aus sozial schwächeren Familien stammen. Damit habe ich oft meine Schwierigkeiten. Nicht, weil ich so dumm wäre zu glauben, solche Leute gäbe es nicht. Und auch nicht, weil ich es weiß, aber lieber nicht auch noch drüber lesen möchte. Sondern weil es -zum Glück- ziemlich weit weg von meinem Leben ist. Und dann fällt es mir einfach schwer, mich  darin einzufinden und Zugang zu den Figuren zu finden.
Aber wahrscheinlich wäre eine liebende und heile Familie in dieser Geschichte völlig fehl am Platze gewesen. Denn dann hätte Carl wohl Unterstützung bekommen und das Geschehen um ihn herum hätte längst nicht so seltsam, gruselig und bedrohlich gewirkt. Seltsam, weil ich beim Lesen einerseits nicht an Spuk glauben wollte, es aber genau danach aussieht. Gruselig, weil es die Szenen, in denen Carl seinem verstorbenen Bruder begegnet, wirklich in sich haben und für eine Gänsehaut gut sind. Das hat mir an der Geschichte am besten gefallen: dass sie wirklich richtig gruselige Momente auf Lager hat. Und bedrohlich, weil Wasser dabei eine immer größere Rolle spielt und bald Carls Leben bedroht. Beispielsweise Regen, der immer heftiger wird, ein Feuchtigkeitsfleck an der Wand, der größer wird und ein ansteigender Fluss. Man kann bei diesem Buch quasi am Wasserstand ablesen, wie schlimm es um Carl und seine Freundin Neisha steht. Wenn man wie ich ohenhin kein Fan dieses Elements ist, dann lässt einen das durchaus schaudern. Und spannend ist es natürlich auch!
Ebenso spannend fand ich die Frage, wie diese Geschichte wohl enden würde. Denn einerseits war ich mir schon früh sehr sicher, worüber ich hier lese. Andererseits wird diese Ungewissheit wirklich bis zuletzt ausgereizt, und da kann man dann doch schon mal ins Zweifeln über die eigenen Theorien kommen. Beim dramatischen Ende habe ich sie dann vorübergehend komplett vergessen und mit Grausen gelesen, was Carl da mitmacht. Mein persönliches Albtraum-Szenario.
Das ändert aber nichts daran, dass ich mit meiner Vermutung völlig richtig lag. Ich denke, wer bereits den einen oder anderen (Psycho)thriller gelesen hat, für den ist es einfach ein naheliegender Gedanke.

Ich hatte das Buch nach zwei (längeren) Leseabenden ausgelesen. Ich musste mich am ersten Abend wirklich zwingen, es nicht in einem Rutsch zu lesen. Carl erzählt schön anschaulich von seinen Erlebnissen und Beobachtungen und mit der nötigen Ernsthaftigkeit, wodurch Spannung und Grusel umso besser wirken. Aber natürlich ist er ein Teenager und so ist sein Ton oft auch ziemlich locker, was sich leicht lesen lässt. Die Kapitel sind appetitlich kurz, da kann man gut mal eines mehr lesen als geplant. Oder zwei, oder drei… 😉

Der Look des Buchs gefällt mir außerordentlich gut. Dunkles Wasser, das ist mir automatisch nicht geheuer und flößt mir sofort Unbehagen ein. Passend zum Titel versinken seine Buchstaben in den dunklen Fluten. Das wirkt!

Fazit:   Ich habe mit „Drowning“ zwei spannende und echt gruselige Leseabende verbracht. Auch wenn ich früh eine Idee hatte, was da vor sich gehen könnte, konnte ich diese Idee doch immer wieder gut vergessen und mich auf das unheimliche Geschehen einlassen. Besonders gefallen hat mir, dass man praktisch an der Masse an Wasser in der Geschichte ablesen konnte, wie dramatisch es um Carl un Neisha steht. Das ist mal eine andere Art, Dramatik zu messen.


Titel: Drowning – Tödliches Element
Autor: Rachel Ward
Seiten: 329
Verlag: Chicken House
ISBN: 978-3551520524
Preis: € 14,99

amazonbutton

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

%d Bloggern gefällt das: