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Sep 05

Rezension – Salt & Storm. Für ewige Zeiten (Kendall Kulper)

saltstormSeit Generationen verlässt kein Schiff den Hafen von Prince Island ohne einen Talisman der mächtigen Roe-Frauen. Avery ist die Jüngste und Letzte ihrer Linie. Nimmt sie ihr Erbe an, wird sie Macht über das Meer, den Sturm, das Glück und die Liebe haben. Doch sie weiß noch nicht, dass der Preis dafür ihr eigenes gebrochenes Herz sein wird. Verweigert sie sich ihrem Schicksal, muss sie sterben.

Dieses Buch wurde mir quasi von einer Flaschenpost ins Haus gespült, worüber ich mich sehr gefreut hatte. Es stand nämlich ohnehin bereits auf meinem Wunschzettel.
Allerdings dauerte es nur wenige Seiten, da stand die Sache mit „Salt & Storm“ und mir bereits auf der K(l)ippe. Die Geschichte spielt nämlich im Jahre 1860. Wer mich kennt, der weiß, dass das viel, viel, viel zu lange her ist um für mich noch interessant zu sein.
Ich habe aber die Zähne zusammengebissen, was auch gar nicht mal so schwer fiel. Erstens fand ich, dass die Geschichte für diese Zeit schon sehr modern geschrieben ist. Zweitens gefiel mir Averys burschikose Art, die ebenfalls nicht so recht in die Zeit passte. Zu dieser burschikosen Art zähle ich es jedoch nicht, dass sie so oft so bockig und widerspenstig ist. Damit wurde mir doch etwas zu sehr übertrieben. Das wäre sicher nicht nötig gewesen. Und drittens hatte ich vom ersten Moment an eine Stimme zu Avery im Ohr, die mir die Geschichte erzählte und im Nu eine geheimnisvolle und schöne Atmosphäre heraufbeschwor. Da habe ich die einsame Insel schnell vor mir gesehen, das kleine Örtchen, in dem Avery lebt, die Hütte ihrer Großmutter, das Meer und den Hafen mit seinen Schiffen. Ich mag das Meer und daher haben Geschichten rund um das Meer per se einen Stein bei mir im Brett.
Spannung kam dagegen für mich erst auf als Tane auf der Bildfläche erschien. Immerhin weiß man als Leser durch den Klappentext bereits, was auf Avery zukommt, wenn sie sich verliebt. Tane hat außerdem eine Bitte an Avery, die ebenfalls für Spannung sorgt. Und seinerseits kann er Avery eventuell helfen, zu einer richtigen Hexe zu werden. Beides fand ich wirklich ganz spannend. Den Part um Tane etwas mehr als den um Avery. Dafür kam in ihrem Teil für mich sehr gut rüber, wie sehr es sie quält, dass die Magie in ihr nicht „ausbrechen“ kann. Das kann man beim Lesen tatsächlich fühlen.
Was ich nicht nachempfinden konnte, das waren Averys plötzliche Gefühle für Tane. Anfangs hegt sie alles andere als liebevolle Gefühle für ihn, motzt mit ihm herum, aber als er ihr dann hilft und total nett und gefühlvoll mit ihr umgeht, da ist es mit einem Mal um sie geschehen. Avery fühlt in Sachen Hexendasein und Magie so viel, da wäre für ein bisschen Romantik sicher auch noch Raum gewesen. Es hätte gar nicht so viel sein müssen. Eben einfach genug um diesen Gefühlswechsel nachvollziehen zu können.
Selbstverständlich können und wollen die beiden -vor allem Avery- nicht einsehen, dass es für ihre Liebe nach all diesen Kämpfen keine Chance geben soll, und sie stemmen sich nach Kräften gegen dieses Schicksal. Obwohl ihre Liebe für mich -wie gesagt- nicht so rüber kam, habe ich es ihnen doch gegönnt. Dabei kommt es zu einem sehr dramatischen Vorfall auf hoher See, der wunderbar konsequent endet. Mehr möchte ich dazu nicht verraten, außer dass mich ein anderes Ende enttäuscht hätte.
Die Geschichte hatte für mich also ihre Schwächen, aber durchaus genauso viele Stärken. So bleibt ein guter Gesamteindruck zurück. Ich befürchte, es ist einmal mehr ein Serienauftakt, aber erstmal möchte ich daran nicht glauben. Die Geschichte könnte problemlos für sich stehen und braucht in meinen Augen keinen zweiten oder gar dritten Teil.

Wie schon erwähnt, hat mir der Schreibstil sehr gut gefallen. Einfach weil er nicht nach 1860 klingt, sondern deutlich moderner. Das wirkt vielleicht etwas skurril, für mich aber genau richtig. Mit einer altertümlichen Erzählweise wäre das Buch bei mir tatsächlich nach ein paar Seiten unten durch gewesen. So aber lässt es sich prima und zügig lesen, ohne dass dabei die Atmosphäre auf der Strecke bleibt.

Das Cover finde ich wunderschön mit den türkisfarbenen Wasserwirbeln und dem Mädchen mit dem rabenschwarzen Haar, das einen so tollen Kontrast zum Türkis bildet. Endlich mal ein Mädchengesicht / Mädchenkopf auf einem Buchcover, das nicht fotorealistisch ist. So hebt sich „Salt & Storm“ gut von vielen Genrevertretern ab.

Fazit:  Die Geschichte hat ihre Schwächen. Beispielsweise dauert es, bis es wirklich spannend wird. Außerdem wurden mir Averys und Tanes Gefühle für einander nicht intensiv genug beschrieben. Und ab und zu war mir Avery auch unnötigerweise zu bockig und widerspenstig. Doch als Tane auftaucht, kommt die Story in Sachen Spannung und Dramatik ordentlich in die Gänge. Außerdem konnte ich mir die Insel sehr gut vorstellen und Averys Gefühle um die unterdrückte Magie wirkten schön intensiv. Einen dicken Pluspunkt verdient sich „Salt & Storm“ mit seinem konsequenten Ende, das hoffentlich auch das Ende ist. Eine Fortsetzung wäre nicht notwendig.

Vielen Dank an die Fischer Verlage für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Salt & Storm. Für ewige Zeiten
Autor: Kendall Kulper
Seiten: 448
Verlag: Fischer Sauerländer Verlag
ISBN: 978-3737351003
Preis: € 16,99 (HC)

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