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Jan 11

Rezension – Entenblues (Thomas Krüger)

entenbluesWas ist los in Bramschebeck? Erwin Düsedieker, der Sohn des ehemaligen Dorfpolizisten, hat das Waffenlager eines mörderischen Geheimbundes ausgehoben. Trotzdem gilt er weiterhin als Trottel, der in Gummistiefeln über Äcker und Wiesen stapft und mit seinen Enten Lothar und Lisbeth spricht. Bald heißt es im Dorf, er habe in dem Waffenlager Geld gefunden und unterschlagen. Und dann liegt auch noch eine grässlich zugerichtete Leiche in seinem Gartenteich. Erwin hat das Gefühl, in einen Strudel aus Erpressung und Verdächtigungen zu geraten. Und Lothar und Lisbeth droht der Entenblues.

Tierverrückt wie ich nun mal bin, bin ich Lothar-Fan der ersten Stunde. Deshalb musste natürlich auch dieser zweite Band der Reihe her. Aber auch Erwin mag ich wirklich gerne. Er ist mal ein etwas anderer Ermittler, geiistig vielleicht nicht ganz so fit wie andere, aber auf seine Art doch ganz clever. Solche Figuren mag ich.
Kaum hat sich die Aufregung darüber gelegt, dass ausgerechnet „Dorftrottel“ Erwin einen Kriminalfall gelöst hat, stolpert Erwin erneut in einer hochbrisante Situation: nach einer stürmischen Nacht liegt eine Leiche in seinem Gartenteich. Und obwohl Erwin eigentlich keine Lust mehr auf weitere Ermttlungen hat, kommt er gar nicht umhin, Nachforschungen anzustellen. Es steht einfach zu viel auf dem Spiel!
Mir hat Erwins ruhige, aber zielstrebige Art der Ermittlung wieder sehr gut gefallen. Man muss sich auf seine Denkweise ein Stück weit einlassen, aber wenn einem das gelingt, dann kommt man prima mit und kann sogar mitknobeln. Und das macht mir bei einem Krimi ja immer besonders viel Spass. Außerdem macht es für mich einen Großteil der Spannung aus. Der Kreis der Figuren hier ist recht überschaubar, viele sind mir schon im ersten Teil ans Herz gewachsen, da fällt es leicht, den Überblick zu behalten. Ebenfalls ein großer Pluspunkt in meinen Augen, denn mit Massen an Charakteren kann man mich leicht verwirren.
Seinen besonderen Reiz zieht dieser Fall aus der Tatsache, dass das Geschehen so unvorstellbar ist. Vor allem deswegen, weil der Krimi in einer sehr ländlichen Gegend spielt, die von kauzigen und eingenbrötlerischen Menschen bevölkert ist. Da konnte ich mir solche Vorkommnisse einfach überhaupt nicht vorstellen. Das wirkte alles so unglaublich schräg! Andererseits, warum nicht? Die Gegend bietet sich an und letztlich sind die Bewohner von Bramschebeck ja auch nur Menschen! Trotzdem, ich konnte Erwins Fassungslosigkeit angesichts einiger Entdeckungen nur allzu gut nachvollziehen.
An seiner Seite ist natürlich auch in diesem Fall wieder die Laufente Lothar, mein kleiner Liebling. Doch Lothar ist nicht mehr alleine, Laufentendame Lisbeth ist eingezogen und ergänzt das Team mit ihrer burschikosen Art. Neben dem Fall um die Leiche aus dem Teich erleben die beiden noch ihr ganz eigenes kleines Abenteuer. Denn im Zuge der Ermittlungen müssen sie eingesperrt bleiben, was auf die Dauer natürlich nicht funktioniert. So gehen sie bald ihre ganz eignenen Wege -die zufällig die Wege des Falles kreuzen und dem Leser Erwin gegenüber einen Vorsprung verschaffen- und müssen dabei wortwörtlich dem Tod ins Auge blicken. Ehrlich, es hat mich geschüttelt als ich vom Catch-Hervester gelesen habe. Und ich musste erstmal googeln, ob es das Ding tatsächlich gibt. Ich habe zwar keine Sekunde geglaubt, dass Thomas Krüger sich dieses Ungeheuer ausgedacht hat, aber manche Dinge muss man eben erst sehen um sie glauben zu können.

Das Buch ist mal mehr aus Erwins Sicht geschrieben, mal mehr aus Lothars / Lisbeths Sicht. Erwin denkt nun mal etwas anders als die meisten Menschen und in die Gedanken von Enten hat man eher selten Einblick. Deshalb muss man sich da zunächst ein bisschen einfinden. Ich brauche dafür immer ein oder zwei Kapitel, aber dann lesen sich Erwins und Lothars Krimis fast genauso leicht wie andere Krimis mit weniger „eigenartigen“ Figuren. Für mich macht es aber einen Teil des Charmes dieser Krimis aus, dass sie etwas mehr Zeit für sich einfordern.

Sind die beiden Enten nicht absolut goldig? Ich bin mal wieder total verknallt in das Cover. Da stören auch die Beine nicht, die aus der Wanne ragen. Irgendwo muss ja erkennbar sein, dass dies ein Krimi ist und keine Tiergeschichte. Mit dem knalligen Rot fällt das Buch außerdem gut auf.

Fazit:  Ein rundum gelungener zweiter Fall für Erwin, Lothar und Lisbeth. Der besondere Reiz dieses Bandes besteht darin, dass das kriminelle Geschehen und vor allem die Hintergründe so unglaublich schräg wirken vor der Bramschebecker Kulisse. Erwins Nachforschungen fand ich einmal mehr wirklich spannend und erfrischend anders. Doch nicht nur seine Erlebnisse sind für eine Gänsehaut gut! Auch Lothars und Lisbeths Entdeckungen haben mich oft schaudern lassen. Die armen Enten! So darf die Reihe gerne weitergehen!

as1174


Titel: Entenblues
Autor: Thomas Krüger
Seiten: 366
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 978-3453417694
Preis: € 9,99

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