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Feb 22

Rezension – Dash & Lilys Winterwunder (Rachel Cohn, David Levithan)

dashundlilyKurz vor Weihnachten entdeckt Dash in einer Buchhandlung ein rotes Notizbuch, in dem ein Mädchen namens Lily den Finder zu einem geheimnisvollen Spiel auffordert. Bald schicken sich die beiden gegenseitig quer durch Manhattan. Über das Notizbuch tauschen sie ihre Gedanken und Träume aus und kommen sich dadurch näher – ohne sich jedoch zu begegnen. Immer größer wird der Wunsch, den anderen endlich kennenzulernen, und doch macht ihnen der Gedanke daran auch Angst. Und so zögern sie das erste Treffen hinaus, bis es fast zu spät ist.

Irgendwie war mir bereits vor dem Lesen dieses Buchs klar, dass ich es besser hätte sein lassen. Mit meiner aktuellen ich-will-hier-weg-Einstellung und dem Wissen, wie schön New York ist und dass es wohl vorläufig keine Gelegenheit geben wird, nochmal dorthin zu kommen, musste es einfach in zumindest einer Hinsicht für Tränen gut sein. Keine Tränen der Rührung allerdings.
Aber auch davon abgesehen konnte mich „Dash & Lilys Winterwunder“ nicht richtig von sich überzeugen. Dabei fand ich die Idee mit dem Notizbuch, den Rätseln und der Schnitzeljagd durch die Stadt wirklich toll. Das versprach für mich einfach eine schöne, spannende und kribbelnd romantische Liebesgeschichte.
Eine Liebesgeschichte ist es tatsächlich, doch das Kribbeln wollte sich bei mir kaum mal einstellen. Das fand ich ausgesprochen schade. Es muss ja nicht gleich kitschig von der Decke tropfen, aber ein paar Schmetterlinge sollte man auch als Leser im Bauch fühlen bei einer solchen Lovestory.
Woran lag es nun, dass das bei mir nicht der Fall war?
Da kommen mehrere Faktoren zusammen. Beispielsweise mochte ich Dash und Lily zwar, aber ich habe mich ihnen nie so richtig nahe gefühlt. Lily fand ich cool mit ihrem schrägen Kleidungsstil, Dash mochte ich speziell für seine etwas eigenbrötlerische Art, aber so richtig warm wurde ich trotzdem nicht mit ihnen. Und ohne das kann ich mich nur schwer in Figuren einfinden und einfühlen. Das braucht es aber unbedingt, wenn ich wenigstens ein paar von ihren Schmetterlingen fühlen möchte.
Hinzu kam noch, dass die beiden mir für ihr Alter eine ganze Ecke zu vernünftig, ernsthaft und tiefsinnig waren . Dass sie einen zu erwachsenen Blick auf viele Dinge hatten. Bei ihren Erzählungen bin ich manchmal erst beim zweiten Lesen mitgekommen, und ich bin doppelt so alt wie sie. Das darf nun niemand falsch verstehen, ich mag vernünftige Kids, aber bei Dash und Lily war es mir doch zu viel um es glauben zu können. So sympathisch ich ihre Liebe zu Büchern, Wörtern und der Sprache auch fand.
Und dann gab es noch eine Reihe von Schilderungen, die schlichtweg kürzer hätten sein können. Dash und Lilly gingen mir auf einige Erlebnisse und Ereignisse in ihrem Leben zu ausführlich ein. Das hätte es für die eigentliche Story aber überhaupt nicht gebraucht. So etwas nimmt bei mir immer Fahrt aus einer Geschichte und lenkt vom eigentlichen Gefühl ab, das ein Buch hervorrufen soll.
Ein weiterer Knackpunkt hat nicht direkt etwas mit Dash und Lily zu tun. Auf dem rückwärtigen Cover steht „New York im Schnee und eine hinreißende Liebesgeschichte – mehr braucht es nicht für die perfekte Weihnachtslektüre“. Allerdings schneit es bis fast zu Ende hin überhaupt nicht in der Geschichte. Nennt mich kleinlich, aber wenn so etwas auf ein Cover gedruckt wird, dann sollte es auch stimmen. In echt mag ich Schnee nämlich zwar gar nicht, finde aber Liebesgeschichten in solch winterlicher Szenerie durchaus schön und romantisch. Und auch für echtes weihnachtliches Flair gehört Schnee dazu. Somit wollte sich bei mir ebenso wenig weihnachtliche Stimmung einstellen. Und die kriege ich sonst -wenn es ein Buch geschickt macht- auch mitten im Sommer hin.

Ich habe das Buch an einem Abend gelesen, das funtkioniert trotz stattlicher 320 Seiten. Aber es war ein langer Abend, denn wie schon geschrieben, musste ich einige Sätze zweimal lesen bis ich sie völlig erfasst und verstanden hatte. Das Buch ist nichts, was man einfach mal so locker weg liest. Es fordert Zeit, Ruhe und Konzentration ein. Für ein wenig Auflockerung sorgt, dass die Geschichte abwechselnd von Dash und Lily erzählt wird.

Wer auf eine solche Szene wie auf dem Cover in der Geschichte hofft und danach sucht, der wird enttäuscht werden. Dabei ist das Motiv doch wirklich wunderschön winterlich, romantisch und fröhlich. Solch eine Geschichte hätte ich gerne gelesen. Die Skyline im Hintergrund verdeutlicht sofort, wo die Handlung spielt.

Fazit:  Die Idee mit dem Notizbuch, den Rätseln und der Schnitzeljagd gefiel mir außerordentlich gut. Das sorgte anfangs für Spannung und ließ mich auf eine kribbelig-aufregende Lovestory hoffen. Doch leider wurde daraus nichts. Es stellte sich kaum mal ein solches Kribbeln ein, Dash und Lily waren mir für zwei Teenie viel zu ernsthaft und tiefsinnig, mit ihnen wurde ich nie so richtig warm. Das brauche ich aber, wenn ich das eben erwähnte Kribbeln spüren will. Es gab einige zu ausführliche Abschnitte, die die Handlung nicht weiterbrachten, und obendrein kam kein winterlich-weihnachtliches Gefühl auf, weil es erst zum Ende hin schneit und weder Dash, noch Lily ein richtig schönes Weihnachten erleben.


Titel: Dash & Lilys Winterwunder
Autor: Rachel Cohn, David Levithan
Seiten: 320
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570308868
Preis: € 7,99 (TB)

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