Aug 02 2015

Rezension – Hoëckers Entdeckungen – Ein merkwürdiges Bilderbuch längst vergessener Orte (Erik Haffner, Bernhard Hoëcker, Tobias Zimmermann)

hoeckersentdeckungenBernhard Hoëckers Drang nach Abenteuer und Nervenkitzel ist schier unermesslich. Er fährt Rallyes von den Alpen bis nach Jordanien. Er klettert unter Autobahnbrücken und an baufälligen Industrieschornsteinen. Er ist auf der Suche nach den letzten Abenteuern der zivilisierten Welt. Und er ist nicht allein, denn irgendjemand muss den Wahnsinn ja dringend fotografieren bzw. für die Nachwelt festhalten. Auf vielen Seiten dringt Hoëcker mit seinen Weggefährten Erik Haffner und Tobias Zimmermann immer tiefer in unbekanntes Terrain vor – auf der Suche nach weiteren weißen Flecken in der googelbaren urbanen Zone. Dabei stoßen sie auf Unglaubliches und Bizarres. In diesem bebilderten Buch sieht man Bernhard Hoëckers spektakulärste Bilder von verlassenen Orten, die meist unerkannt mitten unter uns schlummern.

Ich habe es schon mal in eine Besprechung geschrieben. Wenn ich mich nicht völlig irre, dann war es sogar eine zu einem anderen Buch von Bernhard Hoëcker. Aber für alle, die nun nicht erst suchen wollen hier noch einmal: bei allem, was sich heutzutage „Comedian“ nennt, muss man mich schon tierisch kitzeln, damit ich bei einer ihrer Darbietungen lachen kann. Ich empfinde sie durch die Bank eher als affig und albern.
Bernhard Hoëckers humor dagegen gefällt mir schon sehr lange. Seine anderen Bücher haben mir Spass gemacht und obendrein dreht sich in diesem Buch alles um sogenannte Lost Places. Verlassene, oft vergessene Orte, die vor allem für Fotografen und Geocacher interessant sind. Geocaching gehört schon seit mehreren Jahren zu meinen Hobbys, mit der Kamera bin ich noch nicht so lange unterwegs, aber wenn man dann ein buch entdeckt, das beide Hobbys quasi vereint, dann schlägt man halt zu. Von und mit Bernhard Hoëcker konnte da bei mir eigentlich nicht viel schiefgehen.
Ist es auch nicht. In 13 Kapiteln besucht man mit Hoëcker und seinen Freunden und Kollegen Erik Haffner und Tobias Zimmermann verschiedene Lost Places. Und abwechselnd erzählen sie dazu eine Geschichte. Es ist also wie der Titel schon sagt, tatsächlich wie bei einem Bilderbuch. Text und Bilder. Wer nun aber reine Beschreibungen der Orte erwartet, der wird enttäusch werden. Die sind nämlich stets gut verpackt. So wird man zB durch einen Lost Place geführt als wenn es sich um den Schauplatz eines Videospiels handen würde. Ein anderes Mal besucht man als Tourist und heruntergekommenes Hotel. Und in wieder einem anderen Kapitel erfährt man wie es einem neuen Mitarbeiter in einem militärischen Komplex ergehen würde.
Das ist interessant und unterhaltsam und macht einfach Spass. Wer sich auch nur ein bisschen für die Themen „Lost Places“ und „Urban Exploration“ interessiert, der dürfte davon schnell angetan sein. Dieses „Da möchte ich auch mal hin!“ stellte sich bei mir sehr schnell ein. Ein Blick ins Bilderverzeichnis macht allerdings schnell klar, dass das oft gar nicht so einfach ist. Und das zu Recht, wie ich finde. Trotzdem, hoffen und wünschen darf man ja. Und dazu verleitet dieses Buch wirklich ganz außerordentlich.

Wie schon geschrieben, stammen nicht alle Texte von Bernhard Hoëcker. Auch Erik Haffner und Tobias Zimmermann haben einige davon verfasst. Ich mag Hoëckers Humor vor allem, weil er intelligent und gewitzt ist. Man merkt trotz aller Komik, dass er was auf dem Kasten hat. Gleiches gilt für Tobias Zimmermann und Erik Haffner. Und er hat zur Folge, dass sich ihre Geschichte nicht mal so eben runterlesen lassen. Man muss schon aufmerksam lesen und bei der Sache sein.

Auch wenn man das Buch nur flüchtig durchblättert, man stellt sofort fest, dass der Löwenanteil daran von Fotos eingenommen wird. Mal gehen sie über eine ganze oder gar eine Doppelseite, mal nur über eine halbe. Am bestens haben mir die gefallen, die wie in ein Fotoalbum eingeklebt abgedruckt sind. Sie stehen immer in Verbindung mit dem, was man auf der Seite gerade liest. Das sorgt für eine gewisse Anschaulichkeit, die manches Mal mit einem gehörigen Augenzwinkern versehen ist. Auf mehreren Fotos sieht man, wie einer der drei eine Cachedose in Händen halten. Bei diesen Bildern wird deutlich, dass dieses Hobby einen schnell an spannende Orte bringt.

Fazit: Mir hat „Hoëckers Entdeckungen“ in jeder Hinsicht super gefallen. Es werden tolle Lost Places vorgestellt, in einfallsreichen und witzigen Geschichten davon erzählt, und zahlreiche coole Fotos rahmen alles ein. Wer Geocaching, Fotografie, speziell von Lost Places, und Hoëcker und eine Kollegen mag, der ist hier genau richtig.


Titel: Hoëckers Entdeckungen – Ein merwürdiges Bilderbuch längst vergessener Orte
Autor: Bernhard Hoëcker, Tobias Zimmermann, Erik Haffner
Seiten: 256
Verlag: Riva Verlag
ISBN: 978-3868831726
Preis: € 19.99 (HC)

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