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Sep 14

Rezension – Zwei um die Welt – In 80 Tagen ohne Geld (Hansen & Paul Hoepner)

zweiumdieweltEndlich zieht es die beliebten Globetrotter wieder in die Welt! Von Berlin aus reisen sie per Anhalter, Zug, Bus und Flugzeug um den Erdball. Die finanziellen Mittel wollen sie verdienen: als Handwerker, Umzugshelfer und Verkäufer selbst gestalteten Schmucks – Betteln ist ausgeschlossen. Und so gelangen sie in einem klapprigen Bulli nach Montpellier. Begegnen gleich mehreren Schutzengeln in Lissabon. Und reparieren auf dem Weg nach Vancouver das Lieblingsspielzeug eines Vollblut-Rockers. Sie lernen, dass man nicht zu Fuß nach Myanmar einreisen kann, wie schwer es ist, auf Indiens Straßen Geld zu verdienen, und erreichen in letzter Minuten den Zug nach Russland.

Wie ich auf dieses Buch gestoßen bin, weiß ich gar nicht mehr. Es war auf jeden Fall reiner Zufall. Es sprach mich einfach vom Titel her an, wo ich selber doch auch am liebsten immer nur umherreisen würde. Das es bei den beiden Autoren ohne Geld gelingen sollte, spielte da keine wesentliche Rolle. Mir ging es vor allem darum, zumindest per Buch weg zu kommen und Länder und Orte kennenzulernen.
Das ist der Buch auch prima gelungen. Dabei gefiel es mir am besten, dass die Brüder überwiegend Länder bereisen, die nun nicht in jedem Reisekatalog auf Seite 1 stehen. So etwas ist dann natürlich besonders reizvoll. Und wenn ich einfach mal davon ausgehe, dass das Geschriebene der Wahrheit entspricht, dann sind mir einige dieser Länder dabei so sympathisch geworden, dass ich sie für eventuelle Reisen im Hinterkopf behalten habe. Es gibt aber auch Länder, die überhaupt nicht attraktiv beschrieben werden. Auch das empfinde ich als sehr ehrlich. Manches davon hat mich sehr beeindruckt. Bei mir wirken solche Schilderungen meist intensiver als Schreckensbilder in beispielsweise TV-Reportagen. Und dann sind da noch ein paar durchaus prominente Reiseländer, die mich ohnehin immer schon gereizt haben. Und was darüber hier geschrieben, das hat mir vor Sehnsucht und Fernweh glatt die Tränen in die Augen getrieben.
So bin ich gerne mit den Hoepner-Brüdern gereist, von denen ich bis zu diesem Buch noch gar nichts gehört hatte.
Es ist spannend, welche Länder sie bereisen und was sie dort erleben. Und natürlich ist da auch immer die Frage, ob ihre Reise um die Welt ohne Geld überhaupt gelingen wird. Doch irgendwie geht es -trotz mehrerer Rückschläge und Misserfolge- immer weiter voran. Nicht zuletzt, weil die beiden selbst in den unwirtlichsten Ländern oft auf Menschen stoßen, die ihnen gerne helfen und ihre Mission unterstützen. Das hat mich teilweise wirklich sehr berührt. Wenn man zB liest, wie ihnen in einem Land, wo die Menschen selber kaum über die Runden kommen, so gut es nur ging geholfen wurde.
Ich habe in einigen Besprechungen gelesen, dass die Mission der Brüder reichlich verlogen sei. Weil sie ja für alle Fälle eben doch eine Kreditkarte in der Tasche haben. Da frage ich mich doch, wer hätte das in ihrer Situation nicht? Es kann schließlich immer etwas passieren, wo man ohne Geld einfach nicht weiterkommt. Da wäre ich auch froh, wenn ich dann noch die Notfall-Kreditkarte in der Hinterhand hätte. Das hat für mich mit verlogen gar nichts zu tun. Es zeichnet die Brüder letztlich ja auch aus, dass sie davon keinen Gebrauch machen. Selbst in den schlimmsten Situationen ist da kaum mehr als ein Gedanken an diese Sicherheit, aber sie wird eben nicht genutzt. Was daran unehrlich ist, soll mir bitte gerne mal jemand erklären.
Als Reiseführer taugt dieses Buch allerdings nichts. Wer es sich mit diesem Ansinnen kauft, der wird enttäuscht werden. Selbstverständlich werden -wie schon gesagt- viele weniger bekannte Reiseziele besucht und erwähnt, man erfährt auch einiges darüber, aber als Reiseführer kann man das auf keinen Fall bezeichnen. Ich denke aber, dass das Buch auch gar kein Reiseführer sein will. Es ist eine Geschichte über ein bemerkenswertes Abenteuer. Oder auch Experiment. Je nachdem, wie man das sehen möchte.

Das Buch ist immer abwechselnd mal aus Hagens, mal aus Pauls Sicht geschrieben. Das sorgt für Abwechslung, denn auch wenn sie Zwillinge sind, haben sie doch verschiedene Charaktere. Und gehen gewisse Dinge auf ganz verschiedene Arten an. Auch das habe ich als ganz spannend empfunden, denn irgendwie müssen sie sich doch oft auch erst zusammenraufen. Aber egal, wessen Kapitel man gerade liest, sie lesen sich alle angenehm leicht und flüssig.

Das Cover zeigt die Hoepner-Bruder irgendwo auf der Welt in einem Bus, wie sie aus dem Fenster schauen. Für mich strahlt dieses Motiv bereits Abenteuer und Freiheit aus. So hat es mich sofort angesprochen.

Fazit:  Mir hat das Buch sehr gut gefallen! Es ist spannend zu lesen, wie die Brüder ihr Abenteuer bewältigen, mit allen Höhen und Tiefen. Und es ist interessant, neben bekannten Reiseländern auch Länder kennenzulernen, die diesen Ruhm nicht genießen. Einige davon sind für mich dadurch gleich interessanter geworden. Als Reiseführer darf man das Buch nicht verstehen, das ist es nicht und -wie ich denke-  will es auch nicht sein.


Titel: Zwei um die Welt – In 80 Tagen ohne Geld
Autor: Hagen und Paul Hoepner
Seiten: 304
Verlag: Malik Verlag
ISBN: 978-3890294698
Preis: € 19,99 (HC)

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